Schöningh-Lektor Hans J. Jacobs über die Relevanz theologischer Fachbücher

Klare Linie

Theologische Fachbücher für Wissenschaftler und interessierte Laien – so macht Schöningh Programm. Warum der Verlag das weiter gefasste Sachbuch lieber der Konkurrenz überlässt, erklärt Lektor Hans J. Jacobs.

Hans J. Jacobs, Lektorat  Theologie/Pädagogik im Ferdinand Schöningh Verlag

Hans J. Jacobs, Lektorat Theologie/Pädagogik im Ferdinand Schöningh Verlag © privat

Es ist die akademische Literatur, das wissenschaftliche Fachbuch, die das Zentrum des Programms eines wissenschaftlichen Verlags ausmachen, so auch des Ferdinand Schöningh Verlags. Dieser klaren Linie treu zu bleiben, ist nach wie vor das Ziel vieler Wissenschaftsverlage. Entscheidet sich ein Verlag zu einem konsequent akademischen Programm, wird mithin vermieden, gleichzeitig auf den einen oder anderen Zug aufzuspringen, der – aufgrund welcher Mode auch immer – einen vermeintlich schnellen Gewinn verspricht.

Während viele Verlage diesen Weg einschlagen, den theologischen Sachbuchmarkt erfolgreich bespielen und damit sicher einen insgesamt breiteren Leserkreis erreichen, wird das populäre Sachbuch mit seiner oftmals geringeren Halbwertzeit kaum verlegerisches Ziel eines aus Tradition wissenschaftlichen Verlags sein können. Ganz im Gegensatz zu dem oft über lange Zeit aktuellen, soliden Standardwerk.

Die Entscheidung, dem theologischen Fachbuch treu zu bleiben, resultiert daher, dass Wissenschaftsverlage wie Schöningh ihre verlegerische Verpflichtung darin sehen, der theologischen Forschung ein Forum zu bieten, in dem seriöser wissenschaftlicher Dialog und Auseinandersetzung stattfinden. Nicht zuletzt durch Publikationen von Qualifikationsschriften, die nicht selten spezielle Nischenthemen der theologischen Forschung behandeln. Dadurch wird zudem der wissenschaftliche Nachwuchs gestärkt und an zukünftige Aufgaben herangeführt.

Selbstverständlich erschöpft sich ein wissenschaftliches Programm nicht in der Publikation von Akademikern für Akademiker. So verschließt sich auch Schöningh nicht einem gehobenen theologischen Sachbuch, verfasst von akademischen Fachleuten. Ziel ist es hier, über den akademischen Tellerrand hinaus den gebildeten, interessierten Laien zu erreichen und ihn mit gesellschaftlich relevanten Themen der Theologie – wie etwa der fundierten Auseinandersetzung mit dem Islam – in Kontakt zu bringen. Ähnliches gilt selbstverständlich auch für andere Religionen wie das Judentum und ebenso für eine Vielzahl ökumenischer binnenchristlicher Themen.

Das Luther-Jubiläum hat auf dem Buchmarkt eine Fülle von Sachbüchern zum Thema hervorgebracht. Auch Schöningh ist mit einem Titel zum Reformator vertreten. Durchaus sieht der Verlag seine Verpflichtung ebenso in der Belebung theologischer Diskussionen durch eine frische, unverstellte, aber immer wissenschaftlich fundierte Sichtweise wie etwa auf den "katholischen" Luther.

So sehr die Verpflichtung auf seriöse wissenschaftliche Literatur gilt, so wenig versteht sich Schöningh als Sprachrohr weltanschaulicher Denkweisen. Erwachsen aus katholischer Tradition, war immer Offenheit für überkonfessionelle Diskussion gegeben. Dies wird gerade in Zukunft Markenzeichen werden: Nicht konfessionelle Verengung, sondern christliche Grundlage ist Basis des theologischen Programms. Der Zusammenschluss mit dem renommierten Wissenschaftsverlag Brill im Januar 2017 bedeutet für die Verlage Ferdinand Schöningh, Wilhelm Fink und Konstanz University Press, auch in Zukunft selbstbewusst den Weg akademischer Publikationen zu beschreiten.

Kurz und gut: Schöningh als Theologieverlag steht für Wissenschaftsliteratur; auch künftig soll diese Linie gestärkt werden. Der theologische Sachbuchmarkt wird von anderen Verlagen bespielt. Trotzdem verschließt sich der Verlag nicht solchen Publikationen, die aus dem Wissenschaftlich-Akademischen in die moderne Gesellschaft hineinwirken können.

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