Selfpublisher und ihr Zugang zum Markt

Zeig mir, wo die Käufer sind

Die Selfpublisher-Szene bleibt im Aufbruch – in der Selfpublisher Area in Halle 3.1 herrschte schon am Tag eins der Buchmesse dichtes Gedränge. Ihr Fokusthema in diesem Jahr: die eigene Professionalisierung und Zugangswege zum Markt.

2013, als die Selfpublishing Area in Halle 3.1 bei der Frankfurter Buchmesse Premiere hatte, wurde viel darüber diskutiert, was diese Entwicklung für traditionelle Verlage bedeutet – ob und inwiefern sie sich mit dem Thema beschäftigen (sollten), und wo sie unter Druck geraten (könnten). In diesem Jahr rückt die Szene ein anderes Thema in den Fokus: die eigene Professionalisierung und, dazu passend, die Zugangswege zum Markt – auch, und das sogar besonders offensiv, die zum Buchhandel.

Selfpublisher verstehen sich zunehmend als Unternehmer. Das Gebot der Stunde lautet für viele: besser anbieten, mehr verkaufen – was zu deutlichen Verschiebungen innerhalb der Szene führt, wie eine neue Studie von BoD (Books on Demand) zeigt.

An der Studie, durchgeführt erneut von der Hochschule für angewandtes Marketing in Eding, nahmen mehr als 2.100 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen teil. Die Ergebnisse wurden gestern im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Frankfurt vorgestellt. Mit Blick auf den Buchhandel und das Fokusthema Professionalisierung:

  • Der stationäre Buchhandel gewinnt bei Selfpublishern an Popularität. Acht von zehn (84,1 Prozent) sehen einen wichtigen Erfolgsfaktor darin, vom Sortiment beachtet zu werden und in den buchhändlerischen Katalogen aufzutauchen (Anbindung an die Bestellsysteme).
  • Fast die Hälfte aller befragten Autoren (45,9 Prozent) gab zudem an, Buchhandlungen persönlich zu kontaktieren – um ihr Buch dort auszulegen und zu verkaufen. In Dreiviertel aller Fälle (74,4 Prozent) hatten sie damit laut Studie auch Erfolg. Nichtsdestrotz, so die Studie, bleibe die Sache kritisch, weil sie mit den Titeln der klassischen Verlage um den begrenzten Raum konkurrierten und das Angebot ohnehin schon groß sei: "Unbekannte Autoren haben es daher schwer, im stationären Buchhandel präsent zu sein."
  • Entsprechend vorsichtig waren bislang offenbar viele – 60,9 Prozent arbeiten bei Lesungen noch nicht mit Buchhandlungen zusammen. Doch es entsteht Bewegung: Ein Teil (28,3 Prozent) will künftig verstärkt nach Anknüpfungspunkten und Kooperationen bei Lesungen suchen. Aktuell tut das jeder Zehnte (10,7 Prozent).    
  • Knapp die Hälfte aller Studienteilnehmer (48,8 Prozent) sind mit ihren Buchverkäufen zufrieden. 

  • Hobbyautoren stellen zwar nach wie vor die größte Gruppe, doch die Gruppe schrumpft: Ihr Anteil reduzierte sich von 74 Prozent (Vorgängerstudie 2013) auf 42,4 Prozent.   

  • Dafür wachsen die beiden anderen Gruppen, die von der Studie identifiziert wurden: Die Zahl der Berufsautoren, für die Selfpublishing Hauptbeschäftigung und Einkommensquelle ist, hat sich im Lauf nur eines Jahres von 17,4 auf 36,5 Prozent mehr als verdoppelt, die Zahl der Expertenautoren sogar fast verdreifacht – von 8,6 auf 21,1 Prozent. Zur Gruppe der Expertenautoren zählt die BoD-Studie etwa Journalisten oder Freiberufler, die aus ihrem Umfeld heraus schreiben, vor allem Sachbücher oder Ratgeber, um ihr Profil als Experte zu schärfen. 
   
  • Mehr als Zweidrittel der Befragten (37,4 Prozent) gab diesmal an, bereits seit mehr als fünf Jahren als Selfpublisher aktiv zu sein; sie veröffentlichten bislang, gedruckt und/oder digital, im Schnitt 4,4 Bücher (plus 1,5 in traditionellen Verlagen).
  • Die meisten Selfpublisher versuchen, die Kosten gering zu halten – und sich Hilfe lieber aus dem privaten Umfeld zu holen. Gut Zweidrittel (37,5 Prozent) arbeiten bei der Erstellung und Gestaltung ihres Buches aber mit Dienstleistern zusammen – vor allem mit Korrektoren, Grafikern, die ihnen das Cover gestalten, mit Testlesern und Lektoren (in dieser Reihenfolge). Der Großteil (36 Prozent) gibt dafür mehr als 200 Euro aus – immerhin jeder zehnte (9,4 Prozent) sogar mehr als 1.000 Euro.

  • In die Vermarktung investieren viele dementsprechend auch mehr Zeit. Vor einem Jahr wendeten 30,8 Prozent Selfpublisher mehr als eine Stunde pro Woche für Marketingmaßnahmen auf – 2014 liegt die Quote bei 40,3 Prozent. Das Ranking der von ihnen meist genutzten Kanäle: Website (72,5 Prozent), Leseexemplare (59,5 Prozent), soziale Medien (59,1 Prozent) und Pressearbeit (52 Prozent).  

Amazon, hybride Autoren, Sichtbarkeit

Wesentlicher Faktor, um den Zugang zum Markt, zu Käufern und Lesern, zu finden – ist die Sichtbarkeit. Auch hier diskutieren die Selfpublisher auf der Buchmesse alle nur denkbaren Möglichkeiten. Die Dienstleister tragen ihres dazu bei.

Die Holtzbrinck-Tochter ePubli etwa präsentiert in Halle 3.1 (D86 und K61) sein nagelneues Metadatentool, das Selfpublisher dabei unterstützen soll, im Netz besser (und zum Teil: überhaupt) gefunden zu werden. "Bücher können ab sofort in verschiedene Altersstufen und Shop-Kategorien gleichzeitig eingeordnet werden und Angaben zu Edition, Serientitel und Band verbessern die Auffindbarkeit in Shops wie Amazon, Apple und Thalia erheblich", verspricht das Unternehmen.    

Pionier BoD versucht Sichtbarkeit für seine Autoren über ähnliche Wege zu erreichen – hat zudem jetzt, wie berichtet, die Genossen von eBuch im Rücken. Darüber hinaus meldet das Unternehmen jetzt zur Buchmesse einen in der Szene recht prominenten Neuzugang: Emily Bold. Ihr neuer Liebesroman "Ein Kuss in den Highlands" erscheint morgen als Taschenbuch bei BoD, auch ihre älteren Titel sollen via BoD jetzt neu aufgelegt.

Bold hat bisher vor allem E-Books selbst verlegt, und das vor allem bei Amazon. Print war für sie nicht die Form der ersten Wahl. Das ändert sich jetzt, zusätzlich dockt sie bei einem klassischen Verlag an, wechselt vom Selfpublishing zum hybriden Publishing: Im Rahmen einer Podiumsdiskussion kündigte sie gestern an, dass Ullstein "Ein Kuss in den Highlands" auf den Markt bringen werde – als E-Book unter dem Dach des Digitallabels Forever. "Das wird mich im Marketing weiterbringen", hofft die Autorin.

Das E-Book in einem klassischen Verlag, die gedruckte Ausgabe im Selbstverlag: Bolds Modell ist noch eine Besonderheit innerhalb der deutschen Szene, könnte aber Schule machen. Viele Selfpublisher, das wurde schon am Tag 1 der Messe klar, haben den festen Willen, flächendeckend am Markt präsent zu sein, dafür unterschiedliche Kanäle (inklusive Buchhandel und Leihmodelle im Digitalmarkt) zu nutzen und sich nicht nur innerhalb der Welt von Amazon zu bewegen. Emily Bold: "Ich möchte Lesern die Wahl lassen, wie sie meine Bücher lesen und wo sie sie kaufen."


Mehr zur Selfpublishing Area,
den Ausstellern, Aktionen und Terminen dort: www.buchmesse.de/de/im_Fokus/weitere_themen/self-publishing/

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