Social-Media-Kommunikation

Facebook Gruppen – Der neueste Hype im Endkundenmarketing?

Nachdem Facebook inzwischen die Reichweiten der Facebook Seiten vieler Unternehmen radikal heruntergeschraubt hat, dafür aber die Facebook Gruppen ausbauen möchte, beschäftigen sich deutsche und internationale Verlage zunehmend mit diesem Thema. Ist das aber eine sinnvolle Art und Weise, den Kunden und Leser zu erreichen? Und welche Verlage agieren hier erfolgreich?

Medienunternehmen und Facebook Gruppen

Der Suhrkamp Verlag hat mit »Seitenweise Suhrkamp« eine ganz eigene Facebook Gruppe an den Start gebracht, eine Art »Lesekreis 2.0«. Demian Sant’Unione, Teamleiter des Online- und Lesermarketings, zur Zielsetzung der Gruppe: »Einerseits möchten wir die Interaktion mit unseren Facebook-Fans erhöhen. In der Gruppe können wir erfahren, welche Bücher die Mitglieder am liebsten lesen möchten, was sie daran beschäftigt. Andererseits verkürzen wir den Weg, uns Feedback zu unseren Büchern zu übermitteln und möchten so die Leserbindung erhöhen«. Direkte Kommunikation erfordert aber auch mehr Aufwand im Verlag: »Ja, der Aufwand in der Gruppe ist natürlich ein wenig höher. Einerseits organisatorisch (von der Vorbereitung der Umfrage bis zum Versand der verlosten Bücher), aber auch redaktionell, da sowohl die Interaktionsrate höher ist, wir aber auch deutlich tiefer in die Inhalte der Bücher einsteigen als beispielsweise bei einem Post auf der Facebook-Seite, der in wenigen Sätzen eine Neuerscheinung ankündigt.«

Jan Sutthoff, Head of Social Media bei  Huffington Post Deutschland, sieht vor allem Vorteile für die Markenbildung: »Ohne Engagement von unserer Seite wachsen die Gruppen nur wenig. Das wollen wir ändern, indem wir die Gruppen in dazu passenden Artikeln oder Newslettern bewerben. Idealerweise finden wir auch unter den Mitgliedern Leute, die Lust haben, Moderator für eine Gruppe zu sein und Unterhaltungen anzustoßen. Grundsätzlich sind wir überzeugt vom Konzept der Facebook-Gruppen. Wir finden den Gedanken super, Menschen zusammenzubringen, die ein gemeinsames Interesse an einem bestimmten Thema haben. Damit helfen wir ihnen und stärken gleichzeitig unsere Marke.«

Lucinda Southern, Senior Reporter des Londoner Digitalmagazins »Digiday«, hat einige Bemühung vor allem angloamerikanischer Verlage untersucht und stellt fest: »Im Mittelpunkt steht, die Loyalität des Publikums zu erhöhen, die redaktionellen Strategie zu prüfen, die Generierung von Leads, Marktforschung und die Ergänzung von E-Mail-Newslettern.« Klar ist aber auch: Facebook Gruppen sind eine längerfristige Investition mit hohem Betreuungsaufwand: »In short, there are no easy wins«.

Wo Menschen zusammenkommen braucht es Regeln

Mark Heywinkel, stellvertretender Redaktionsleiter und Head of Development bei dem Online-Magazin »ze.tt«, sieht die Notwendigkeit, klare Regeln zu kommunizieren: »Circa 500 Mitglieder diskutieren hier täglich über Inhalte, die sie bei uns oder im Netz gefunden haben. Unser Moderationsaufwand hält sich in Grenzen, da sich die Gruppe weitestgehend um sich selbst kümmert: Nachdem männliche Nutzer antifeministische Kommentare gepostet hatten und klar war, dass sie nicht an einer vernünftigen Diskussion interessiert waren, stieg die Gruppe mit uns in eine Diskussion über die Gruppenregeln ein. Im Dialog klärten wir ab, die Netiquette konsequenter durchzusetzen. Seitdem wird der Zutritt zur Gruppe von uns genehmigt, die User und Userinnen machen uns auf Verstöße gegen die Netiquette aufmerksam, Kommentare löschen wir unter Bezugnahme auf die Regeln und mit dem Einverständnis der Mitglieder.«

Ist Facebook wirklich der richtige Kanal für Endenkundenmarketing?

Eines der größten sozialen Netzwerke der Welt, Facebook, kommt nicht aus den Schlagzeilen. Zuerst werden dort präsente Unternehmen düpiert, nachdem Änderungen der Plattform dafür sorgten, dass die Reichweiten der Facebook-Seiten teilweise massiv einbrachen. Dann ein Daten-GAU allererster Güte unter dem Stichwort »Cambridge Analytics«, der den Gründer Mark Zuckerberg zu diversen Gängen nach Canossa zwang. Dazu noch die Regelungen im Zuge der DSGVO, die vor wenigen Wochen in Kraft traten und so ziemlich jedes Unternehmen betrafen, die Umgang mit Nutzerdaten (aus welcher Motivation heraus auch immer) hatten und haben. Und just dieser Tage ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, von dem schon gemunkelt wird, es sei der Tod jeder Facebook-Seite. Im Kern geht es darum, dass das Gericht die Seitenbetreiber in der Pflicht sieht, sich DSGVO-konform zu verhalten, also Auskunftspflicht, Löschpflicht etc. Was gerade auf Facebook schwierig ist, da der Betreiber in Menlo Park sitzt. Wer sich mit der Thematik auseinandersetzen möchte, dem sei ein Beitrag der Juristin Anja Neubauer zu empfehlen – vielleicht in Kombination mit einem Kopfschmerzmittel.

Zur Beruhigung (und alle die sich fragen, was denn dann ein Artikel über Facebook Gruppen dann überhaupt soll): Interessanterweise sind in dem Urteil Gruppen auf Facebook nicht betroffen. Und: am Ende wird nichts so heiß gegessen wie gekocht.

Einen Schwerpunkt zum Thema »Facebook Gruppen« mit Praxisberichten aus Verlagen gibt es in der aktuellen Ausgabe des »digital publishing report«. Dort widmen wir uns auch der Frage, wie man im E-Commerce mit nicht-bestellten Waren Geld verdienen kann, wie man Slideshows auf Facebook erstellt und auch einem herstellerischen Thema: Automatisierung von Indesign. Das digitale Magazin ist kostenlos hier erhältlich:  https://digital-publishing-report.de/newsletter/

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1 Kommentar/e

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  • Jasmin Wittig

    Jasmin Wittig

    Ein interessanter Ansatz, den ich in jdem Fall mal weiter im Auge behalten werde. So etwas könnte im Verlagsumfeld wirklich gut funktionieren. Danke für den interessanten Artikel.

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