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Der 99er-Wahn (ohne Sinn)

Runde Preise sind ehrlicher, praktischer und übersichtlicher, meint der Hamburger Buchhändler Torsten Lager. Und fordert von den Verlagen eine Abkehr von den 99er-Preisen: "Hört auf mit diesem Blödsinn!" Warum er aber bei Pixi-Büchern eine Ausnahme machen würde, erklärt er am Ende seines Briefes an die "lieben Verleger".

Ich bin es leid. Jeden Tag darf ich mir sehr oft von meinen Kunden anhören, was für alberne Summen ich nun von ihnen verlange. Und da geht es nicht um die Höhe (Klagen über angeblich hohe Buchpreise sind eher selten), sondern um das, was ich nach dem Komma anzusagen habe. Und die Kunden haben ja Recht. In diesen Augenblicken (nur in diesen) hadere ich innerlich mit der Preisbindung. 

Liebe Verleger, bitte hört auf mit diesem Blödsinn! Ihr zwingt mich, mich mehrmals am Tag lächerlich zu machen. Denkende Menschen durchschauen das Spiel. Und unter Buchkunden gibt es auffällig viele denkende Menschen.

Ich habe bisher noch kein gutes Argument für die jetzt so beliebten 99er-Preise gehört. Dafür immer wieder zwei schlechte:

  1. Wir sollten uns doch freuen, dass wir nun 4 Cent mehr in der Kasse hätten, von denen knapp 2 Cent auch bei uns blieben. Stimmt – aber wenn wir auf runde Preise gehen, haben wir noch einen Cent mehr zu verteilen. Das Argument sticht also gar nicht für 99er-Preise, sondern gegen 95er. Eine solche Diskussion führt aber gar keiner ernsthaft.
  2. Die magischen Preisschwellen. Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Absatzzahlen spürbar zurückgingen, wenn die Preisschwelle von z. B. € 10,- überschritten würde. Niemand hat mir hier bislang eine brauchbare Untersuchung gezeigt. Ich bezweifle sehr, dass es belastbare Zahlen gibt, die belegen, dass die Verkäufe bei einer Anhebung des Preises auf genau € 10,- messbar zurückgehen. Außerdem: Um welche Preisschwellen geht es bei Preisen wie € 22,99, € 17,99 und € 12,49?
  3. Diese Preisstruktur sei nun einmal durch Apple (iTunes) normal geworden. Dieses Argument ist das schlechteste. Was für elektronische Bücher gilt, muss für gedruckte noch lange nicht stimmen. Und außerdem: Eine ganze Branche, in der aufgrund eines Preisbindungsgesetzes der Hersteller alleine den Preis bestimmen kann, lässt sich durch eine (zugegeben mächtige) amerikanische Firma ihre Preisstruktur diktieren? Für Produkte, die diese Firma gar nicht anbietet? (Mir sei hier der Kalauer gestattet, dass wir beim gedruckten Buch wohl eher über Birnen sprechen, nicht über Äpfel, und so viel weiß ja wohl noch jeder aus dem Matheunterricht, dass man diese nicht vergleichen darf.)

Ich glaube, ich habe ein paar gute Argumente für runde Preise:

  1. Diese Preise sind ehrlicher. Wir sind darum überzeugender. Wir können uns mit unseren Kunden über interessante Dinge unterhalten.
  2. Es ist praktischer. Wir brauchen weniger Münzen. (Liebe Verleger, wissen Sie eigentlich, dass die meisten Banken Gebühren berechnen, wenn wir Münzrollen holen oder abgeben wollen? 20 Cent für eine Rolle 1 Cent-Stücke, die 50 Cent wert ist! Ja, so ist das analoge Leben.)
  3. Es ist übersichtlicher. Krumme Beträge sind eine Fehlerquelle, z. B. bei der Eingabe des Betrags für die Kartenzahlung. (Ja, tatsächlich, das machen viele noch per Hand!)
  4. Beim Kauf ist auch der letzte Eindruck des Kunden wichtig. Er soll zufrieden meinen Laden verlassen. Wenn der letzte Eindruck, den er aus meinem Geschäft mitnimmt, ist, dass wir alberne Preise verlangen, dann ist das nicht gut. Ich bin sicher, dass es seiner Lust wiederzukommen abträglich ist.

Also, bitte, lasst den Quatsch. Stehlt mir nicht meine Zeit, weil ich endlose Listen durcharbeiten muss, um meine Bücher mit einem Aufkleber um 4 Cent teurer zu machen (was, nebenbei gesagt, toll aussieht und Kunden wirklich anspricht). Mein Vorschlag: € 1,-, € 2,50, und dann in 2,50er-Schritten, ab € 40,- in 5ern. Das ist ehrlich, praktisch und übersichtlich. Das passt irgendwie besser zu den Argumenten für eine Preisbindung als Apple und Küchenpsychologie. Ich glaube auch, dass es hilft, unsere Produkte als wertig und nicht durchschnittlich darzustellen.

Verzeihen Sie meinen Zynismus. Es ist die reine Verzweiflung.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Einzelhandel,

Ihr Torsten Lager

P.S. Bei Pixis bin ich bereit, mit mir handeln zu lassen. Carlsen schreibt, dass diese ja oft von Kindern bezahlt werden und diese sich so freuen, wenn sie sogar noch etwas zurückbekommen. Das stimmt. Aber nur für Kinder, die Pixis kaufen. Alle anderen Kunden möchten nicht wie Kinder behandelt werden.

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22 Kommentar/e

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  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Vielen Dank für diesen Beitrag, der mir komplett aus dem Herzen spricht. Es decken sich die genannten Kundenerfahrungen mit den unsrigen und die Pro-Argumente leuchten mir eben so wenig ein wie Herrn Lager. Auch bei uns fühlen sich die Endkunden schlicht verschaukelt und bringen uns Buchhändler durch das geäußerte Missfallen sehr oft in eine seltsame Situation. Argumentativ können wir an dieser Stelle nichts auffangen, da uns selbst die Pro-Argumente ja als nicht logisch erscheinen. So bleibt uns also nur der tagtäglich geübte Versuch, diesen Vorwürfen mit Charme und Witz zu begegnen. Die ein oder andere branchenkritische Bemerkung zur „vorgegebenen“ Preisgestaltung ist da mit drin. Alleine ist es auf Dauer durchaus mühsam, für Preise argumentieren zu müssen, die der Kunde gar nicht wegen ihrer Höhe, sondern nur wegen der Feinjustierung ablehnt.

    Gerne noch eine ergänzende Anmerkung. Recht häufig schallt uns z. Bsp. ob der Nennung eines TB-Preises von 7,99 der überraschte Ausruf entgegen, dass dies aber „billig“ sei. Und auch häufig evoziert die Nennung eines Preises auf die 99er-Endung den Ausruf „Das ist ja wie bei ALDI“. Genau an dieser Stelle wird in der Tat mit der gedanklichen Verbindung zum Discounter die Wertigkeit des angebotenen Produktes untergraben, egal über welche Preise wir gerade reden. Angesichts der Tatsache, dass Bücher ein klassisches Geschenkgut sind, sollte uns dies zu denken geben. Mag jemand wirklich auf Dauer weiterhin etwas als „billig“ oder „discounterbehaftet“ wahrgenommenes verschenken?

    Der Diogenes Verlag zeigt uns seit geraumer Weile, welche Preise jenseits vorgeblicher Preisschwellen durchsetzbar sind und auch funktionieren. Da stimmen auch größtenteils Form und Inhalt - dies kann man einwenden und eventuell stimmt es auch. Aber wenn sich an diesem Punkt die Spreu vom Weizen trennt, warum verkaufen dann viele Weizen anbietende Verlage eben diesen zum Preis der Spreu? Insbesondere dieser Zustand ist es, der mich maßlos ärgert. Warum verramschen wir uns streckenweise ohne Not selbst?

  • Buchhändlerin und Aldikäuferin

    Buchhändlerin und Aldikäuferin

    Hallo, Herr Bartsch,
    wieso fühlen sich Ihre Kunden verschaukelt? Und warum antworten Sie nicht einfach mit dem Hinweis auf die Preisbindung, die vom Verlag festgesetzt wird? Mich hat noch nie ein Kunde auf den Preis angesprochen. Und dieses hämische „Das ist ja wie bei ALDI“ ist dumm und überheblich. Ein großer Teil meiner Kunden und Kundinnen sind Rentner - gebildet, aber finanziell nicht so gutgestellt. Die kaufen bei Aldi ein (genau wie ich) und geben das gesparte Geld im Buchhandel aus. Aber nachdem das Feindbild "Amazon" mittlerweile überstrapaziert wird, wendet sich der Buchhandel dem Feinbild "Aldi" zu. In welchem Elfenbeinturm leben (manche) Buchhändler eigentlich?

  • Caroline

    Caroline

    @ Buchhändlerin und Aldikäuferin
    Der Aldi-Vergleich muss nicht hämisch gemeint sein, aber er schadet dem Image des Buchhandels, und deshalb sollte man ihn nicht mit 99er-Preisen nahelegen. Aldi verkauft nun einmal vor allem über den günstigen Preis. Das heißt ja nicht, dass die Qualität schlecht sein muss, oder gar dass es ehrenrührig wäre bei Aldi einzukaufen (eine Vorstellung, die auch ich absurd finde), aber das Hauptargument dort lautet nun einmal "billig!" Das spiegelt sich in jeder einzelnen Werbemaßnahme wider. Wenn man sich als Buchhandlung von Discountern unterscheiden möchte, hat das nichts mit Feindbildern und Elfenbeintürmen zu tun, es geht einfach um eine andere Geschäftsstrategie. Durch 99er Preise können sich Kunden verschaukelt fühlen, weil sie das Prinzip längst durchschaut haben: sie sind nicht so dumm, dass sie etwas kaufen, nur weil es um einen Cent unter irgendeiner "magischen Schwelle" liegt. Die Annahme, dass sich Kunden durch diesen Cent täuschen lassen (und nur das ist seine Funktion), finde ich viel beleidigender als jeden Aldi-Vergleich.

  • Buchhändlerin und Aldikäuferin

    Buchhändlerin und Aldikäuferin

    Hallo, Frau Caroline,
    eine Buchhandlung, die sich von Aldi nur dadurch unterscheidet, weil sie andere Preis-Endungen hat, macht was falsch. Ich weiß nicht, welche Kunden Herr Bartsch hat, die sich von der Preisauszeichnung 12,99 EUR "verschaukelt" fühlen, meine Kunden haben so was noch nie geäußert. Ich glaube, dass diese Diskussion eine völlig künstliche ist, von Buchhändlern, die es sich im Elfenbeinturm gemütlich gemacht haben. Und nochmal, welche "Diskussionen müssen" geführt werden? Der Hinweis auf das Recht des Verlags, die Preise festzusetzen, genügt doch völlig. Das wird jeder Kunde verstehen, ganz ohne Diskussion. Und ja, der Aldi-Hinweis ist hämisch. Jeden empfinde ich es so und sehr wahrscheinlich auch die meisten meiner Kunden. Aber
    wahrscheinlich kauft bei Herrn Bartsch eine andere Käuferschicht. Die auch noch Zeit haben, Diskussionen über Preise zu führen "die der Kunde gar nicht wegen ihrer Höhe, sondern nur wegen der Feinjustierung ablehnt". Grotesk.

  • Dori

    Dori

    Ich bin ebenfalls der Meinung, diese Art Preismarketing sollte abgeschafft werden, eben genau aus diesem ( "Die Annahme, dass sich Kunden durch diesen Cent täuschen lassen (und nur das ist seine Funktion), finde ich viel beleidigender als jeden Aldi-Vergleich.") Grund denn ich in schließlich auch Kunde und mag es gar nicht, für dumm verkauft zu werden.
    Allerdings muss man klar dazu sagen, das dies kein Thema ist, das dem Buchhandel vorbehalten werden sollte, dieser Blödsin gehört meinetwege komplett abgeschafft, auch bei Aldi und Co!

  • noch ´n Buchhändler

    noch ´n Buchhändler

    diese alberne Diskussion kocht alle Jubeljahre wieder hoch... glaubt wirklich wer der Klage des Torsten Lager: "Jeden Tag darf ich mir sehr oft von meinen Kunden anhören, was für alberne Summen ich nun von ihnen verlange." Jessas Maria und Josef... Herr Lager hat hier eine kostenlose Werbe-Einschaltung bekommen, JensBartsch hat sich in bewährter Art drangehängt. Schön, dass die beiden keine anderen Sorgen haben.

  • Caroline

    Caroline

    Hallo Buchhändlerin und Aldikundin,
    nicht nur, natürlich, aber eben unter anderem auch. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, dass gerade Ihre Kunden, die sich mit einem Buch bewusst "etwas gönnen", es schätzen, dass sich Ihre Buchhandlung in vielerlei Hinsicht von Aldi unterscheidet. Die Centstellen des Preises sind nur ein Merkmal unter hunderten, sicher auch eines, das oft "nur" unterbewusst registriert wird, aber auch sie können leider das falsche Signal setzen, wie die Erfahrungen von Herrn Lager und Herrn Bartsch zeigen.
    Hallo Dori,
    finde ich auch, dass es nicht nur die Verlage betrifft, aber ich würde mich schon freuen, wenn die den Blödsinn stoppen könnten.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    Weil ich diese im Volksmund "Judenpreise" genannten Pfennig-Fuchsereien nicht leiden kann (haben mal irgendwelche schlaumeierischen Marketing-Experten aus psychologischen Gründen empfohlen - tatsächlich, weil sie auf subtile Art Täuschung ermöglichen; 12,99 sieht angeblich nach weniger aus als 13 und ist es mathematisch ja auch :-))), weil ich die Cent-Preise also nicht mag, habe ich das erste Buch aus meinem Verlag mit einem runden Betrag bepreist ("Das reizende Mädchen" ; 21 €).

    Ich habe das mit den folgenden Titeln aber so was von ganz schnell wieder bleiben lassen. 21 Euro sind vielen Buchändlern (die ja angeblich für die Leser sprechen) zu teuer, 20,99 oder 19,99 € nicht. Komisch, oder? Wer täuscht da wen oder lässt sich täuschen?
    Ich sage also nur: Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.
    Was mich massiv stört, ist dieses Mit-dem-Finger-auf-die-anderen-zeigen, in diesem Fall auf die Verlage.
    Und, nein, die Buchpreisbindung hat rein gar nichts mit den 99-Cent-Preisen zu tun...

  • Shlomo Weintraub

    Shlomo Weintraub

    "Judenpreise", "Volksmund"? Brrr, was bin ich froh, dass ich nicht in ihrer Gegend wohne. On topic hat Nr. 6 ja bereits alles gesagt.

  • Leser

    Leser

    An Caroline:
    Ich meine auch, dass der Aldi-Vergleich hämisch und überheblich ist. Die 99 Cent Preisendung haben ja nicht nur die Diskonter, sondern auch ganz normale Supermärkte. Also was soll der Hinweis auf Aldi. Bei dem, was im Buchhandel an Löhnen gezahlt wird, werden die allermeisten dort Beschäftigten bei Aldi einkaufen.
    Und als Leser und Buchkäufer habe ich noch NIE erlebt, dass ein Buchhändler vom Kunden gesagt bekommt: "Das ist bei Ihnen wie bei Aldi!"

  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Bei Amazon ist der Preis für meine Bücher bombastisch.

    Deshalb kann ich meine Lebensmittel auch im lokalen BIO-Markt kaufen. Buy Local und so!

  • Student

    Student

    als ob die Zahl hinter dem Komma die entscheidende Größe für das Image einer Buchhandlung ist.
    Wenn Inneneinrichtung, Dekoration, Breite und Tiefe des Sortiments toll sind und der Buchhändler einen kompetent berät, man ein schönes Buch gefunden hat, dann wird wohl kein Kunde später an der Kasse sagen: "Ach ne, 12,99 anstatt 12,95 Euro, das ist ja voll die Absteige hier."
    ...

  • Buchhändlerin

    Buchhändlerin

    Ich führe das 99-cent-Gespräch mit meinen Kunden mehrmals in der Woche und den Ausspruch "Ist ja wie beim Discounter" höre ich auch regelmäßig. Wir stören uns aber nicht dran, sondern schütteln gemeinsam mit unseren Kunden den Kopf über die Verlage, die meinen, das müsste so sein und haben eine Spendendose aufgestellt, die erfreulicherweise nicht nur mit Cents gefüttert wird :-)

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Da möchte ich mich doch für meinen Teil abschließend nochmals zur „Diskussion“ äußern.
    Ich weiß nicht, welchem Teil meines Kommentars die „Buchhändlerin und Aldikäuferin“ entnimmt, daß ich mich über ALDI oder ALDI-Kunden despektierlich geäußert habe. Ich weiß ebenfalls nicht, an welcher Stelle ich stellvertretend für „den“ Buchhandel vom AMAZON-Bashing zum ALDI-Bashing übergeleitet haben soll. Spätestens an dieser Stelle fliegen die Keulen der Unterstellung und Verallgemeinerung aber recht tief. Ferner verstehe ich nicht, warum von „noch ´n Buchhändler“ Herrn Lager eine kostenlose Werbeeinschaltung unterstellt wird, an die ich mich drangehangen haben soll. Bei wem soll er in diesem brancheninternen Forum für was werben - bei anderen Buchhändlern, bei Verlagsmitarbeitern, bei Bibliothekaren? Herrn Nardelli gilt trotz seiner sachlich begründeten Antwort der Hinweis, daß der Kollege Thorsten Lager seine Erfahrungen mit der Preisgestaltung bei Büchern (die ja nun von den Verlagen geleistet wird) geschildert hat und diese vermittels Kommentar zur Diskussion stellen möchte. Vor den Endkunden vertreten dürfen oder müssen diese Preise schließlich die Buchhändler. Ist dieser Kommentar deshalb schon ein „Mit-dem-Finger-auf-andere-Zeigen“? Zweckdienlich wären Diskussionen mit Argumenten und Gegenargumenten, ganz einfach mit sachlichen Kommentaren. Weniger schön sind Unterstellungen und Polemiken. Schade drum, das Ganze ist so in der Tat sehr grotesk.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ Jens Bartsch "Zweckdienlich wären Diskussionen mit Argumenten und Gegenargumenten, ganz einfach mit sachlichen Kommentaren."
    Schon klar. Und gerne! Wünsche ich mir auch. Leider mache ich - nicht nur hier - die Erfahrung, dass das eben nur ein frommer Wunsch ist.

    Ich kann das, was Sie schreiben, nachvollziehen und nehme es ernst. Leider umschiffen Sie meine Argumente aber mehr oder weniger elegant, nennen meine Antwort "sachlich begründet", setzen sich aber ansonsten nicht mit den Argumenten auseinander.

    Ich habe es mit einem glatten Preis versucht - und habe Unverständnnis geernet, auch und gerade im Buchhandel. Dort scheint man sich an die 99-Cent-Beträge offenbar dermaßen gewöhnt zu haben, dass ein Buch, das den berühmten Cent mehr kostet, gleich als teuer oder gar überteuert gilt. Wie gesagt: Ich verstehe das. Ist eben Massenpsychologie. Und Buchhändler sind eben auch Menschen (Gott sei Dank!). Nur möge man das akzeptieren - und nicht auf andere (in diesem Fall die Verlage) verweisen.

    Ich sag's mal andersrum: An der eigenen Nase packen! Wegen Cent-Preisen auf Verlage schimpfen, selbst aber über runde Preise die Nase rümpfen ("Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht"), ist widersprüchlich und ehrlich gesagt auch inakzeptabel. Aber auch das irgendwie typisch für dieses Land: Soll doch der andere den Anfang machen, sich mit einer Änderung eine blutige Nase holen. Heiliger St. Florian! Ist es wegen 99-Cent-Betrag zu billig, ist der Verlag Schuld. Kommt der Cent oben drauf, ist es zu teuer - und das ist dann natürlich auch Schuld des Verlages mit seinen elitären Preisen. Ja, so einfach ist das!

    Ich habe versucht, einen Anfang zu machen, musste aber leider zurückrudern (passiert schon mal, wenn man vorausrudert). Wenn Sie und Herr Lager diesebzüglich freundlicherweise dieses Mal voranrudern würden? Ich lass das mit den Cent-Beträgen im Falle von Nachahmungseffekten bei Ihren Kolleginnen und Kollegen dann künftig auch herzlich gerne bleiben. Herzlichen Dank!

  • G. Börsig

    G. Börsig

    Es gibt sicherlich schwerwiegendere Probleme und Herausforderungen denen sich der Buchandel stellen muß als das 99-Cent-Thema. Allerdings muß man sich aber auch nicht zusätzlich unnötige Probleme machen. Ich empfehle den Personen die solche Dinge in den Verlagen entscheiden ein paar Tage in einer Buchhandlung zu verbringen um sich mit anzuhören, was die Kunden von den 99 Cent-Preisen halten. Fast täglich bringen bei uns
    Kunden ihren Unmut darüber zum Ausdruck und sie fühlen sich schlicht für dumm verkauft. Einen Imagegewinn hat diese Preisgebung der Bücherszene keinesfalls gebracht. Ich bin gespannt wie die nächste Preisrunde aussehen wird. Kostet dann ein Taschenbuch mit dem Preis von € 8,99 im nächsten Schritt € 8,995? Und muß der Kunde dann zwei Bücher kaufen, damit er es überhaupt bezahlen kann, und wir ihm auch das korrekte Wechselgeld herausgeben können??

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    Sehr geehrter Herr Börsig,
    haben Sie nicht verstanden oder wollen Sie nicht verstehen? Auch Sie schieben die "Schuld" für den Unmut von Kunden wieder alleine auf die Verlage ab - wie einige Ihrer Kollegen hier. Darum noch einmal meine Erfahrung: Das Buch für 19,99 € hat für Handel und Käufer einen akzeptablen Preis, das für glatte 20 Euro gilt beiden Seiten als (über)teuer(t). Massenpsychologie.

    Also: Machen Sie den Anfang und akzeptieren Sie künftig nur noch Bücher mit glatten Preisen - und erklären dann Ihren Kunden, warum Bücher plötzlich so teuer sind. Wenn all Ihre Kollegen mitmachen, dann bin ich sicher: Die Verlage werden sehr schnell keine Cent-Preise mehr festlegen.

    Wie? Sie wollen das nicht? Auch recht. Dann lassen es so, wie es ist. Denn es stimmt schon: Es gibt größere und wichtigere Probleme...

  • Jens Bartsch

    Jens Bartsch

    Sehr geehrter Herr Nardelli,

    meinen zweiten Kommentar im Börsenblatt hatte ich als meinen letzten zum Thema angekündigt. Nun sprachen Sie mich persönlich nochmals an, so möchte ich auch nochmals antworten.

    Ich kann nach wie vor nicht erkennen, welche „Schuld“ Herr Lager, Herr Börsig oder auch ich Ihnen zusprechen. Und eventuell sind Sie auch der falsche Adressat eines Teiles dieser Diskussion.

    Sie sagen daß ich Ihre Argumente mehr oder weniger elegant umschiffe. Dies stimmt so nicht. In meinem ersten Kommentar schon habe ich einen Verlag (Diogenes) als Beispiel dafür genannt, daß man auch ohne 99er-Endungen erfolgreich agieren kann. Ich habe in eben diesem Kommentar im letzten Absatz auch schon angedeutet, wen ich als Adressaten meiner Kritik eigentlich besonders im Auge habe.

    Vorab weiterer Erläuterungen mein Hintergedanke meines Kommentars in Kurzform:

    • Die Buchpreise sind zu niedrig, Buchhändler wie auch Verlage verlieren seit Jahren ihre Auskömmlichkeit. Die entsprechende Anpassung der Buchpreise an die allgemeine Preisentwicklung vergeigt unsere Branche seit langer Zeit (die entsprechenden Statistiken sind einsehbar) und an dieser Entwicklung waren Sortimenter wie auch Verlage beteiligt. In Folge dessen halte ich die 99er-Preise für eine Mogelpackung von Preiserhöhung, weil die Traute beider Seiten zum Überspringen der Preisschwellen fehlt.

    Mir leuchtet Ihre Klage über die mangelnde Akzeptanz Ihres Vorstoßes mit einem glatten Preis bei den Buchhändlern ein, auch wenn ich Herrn Lagers, Herrn Börsigs und meinen Kommentar immer noch nicht als „Mit-dem-Finger-zeigen“,„Beschimpfung“ oder „Nicht-verstehen-wollen“ empfinden kann. Die Zaghaftigkeit meines Teils der Branche ist mir wohl auch ein Begriff, Sortimenter sind in der Tat nicht unbedingt mutige Menschen. Aber ich gehe mal davon aus, daß Sie einen nicht unerheblichen Teil Ihres Angebotes über den Direktvertrieb machen. Wie war oder ist denn an dieser Stelle die Akzeptanz der Endkunden auf den höheren und runden Preis? Ich sprach vor einiger Zeit mit einem Berliner Verleger, der einen Großteil seiner Produktion via Amazon vertreibt (weil der „normale“ Sortimenter seiner Aussage nach nicht mutig genug sei) und dem dessen Preisgestaltung (12,80 für einen schmalen Krimi) an dieser Stelle keine Probleme bereitet. Was möchte ich damit sagen? In die Preisgestaltung fließen von Verlagsseite unabhängig des Vertriebsweges unterschiedlichste Gesichtspunkte mit ein, aber schlussendlich bleibt es eben auch abhängig des Vertriebsweges ein Austarieren zwischen Angebot und Nachfrage. Und die Ladenpreise machen nun mal die Verlage, an wen also sonst soll sich eine dies betreffende Kritik eines Teils der Sortimenter richten?

    Möglicherweise sind Sie und Ihr Verlag auch gar nicht das direkte Ziel der entsprechenden Kommentare. Mein Augenmerk zumindest galt primär den etablierten Verlagen, die trotz des Fußes in der Tür des Sortimenters und trotz eines verheißungsvollen Inhaltes falsche Preise machen. Ich warf als positives Gegenbeispiel den Diogenes-Verlag ein, der in der Backlist recht große Preiserhöhungen durchgeführt hat und der mit seinen Preisen allgemein auf recht hohem Niveau agiert. Das TB Rosenfeld/Adams Erbe kostet trotz nicht üppiger 400 Seiten 11,90. Diese Rechnung geht für den Verlag und somit auch für uns Sortimenter richtig gut auf. Im Zuge dessen bekundete ich im letzten Teil meines ersten Kommentars mein Missfallen über die etablierten Verlage, die diesen Schritt an dieser Stelle noch nicht vollzogen haben und trotz eben dieses Fußes in der Tür mit 99er-Endungen den fälligen Schritt einer wirklichen Anhebung des Ladenpreises zu vermeiden suchen

    Und auch ein von der Größe her aufgeblasenes Taschenbuch „de Waal/Hase mit den Bernsteinaugen“ bei dtv tut mir trotz der glatteren 9,90 weh, weil der Preis einfach zu niedrig und weil es einfach zu „billig“ ist. Es hebt uns auf ein Preisniveau der 80/90er-Jahre zurück. Da möge mal bitte jeder brav am noch vorhandenen Bücherregal die alten Taschenbücher rausziehen , diese umdrehen, auf den aufgedruckten DM-Preis schauen und diesen durch 1,95583 teilen.

    Und die „Buchhändlerin und Aldikäuferin“ betreffend: Diese Aufforderung ergeht insbesondere auch an die von Ihnen genannten erbarmenswerten Rentner. Taschenbücher zum Preis von DM 18,- waren damals wirklich Usus, alleine ist dies wenigstens zwanzig Jahre her! Und wo sind wir umgerechnet jetzt?

    Einen Teil Ihrer Argumentation, Herr Nardelli, habe ich verstanden, einen anderen Teil kann ich nicht verstehen.

    Es grüßt aus dem vorgeblichen Elfenbeinturm

    Jens Bartsch

  • Verlagsmitarbeiter

    Verlagsmitarbeiter

    Herr Bartsch, wenn ich die Preise erhöhe, kommen die Vertreter händeringend von den Besuchen in den Buchhandlungen und erzählen mir, "dass die Buchhändler sagen, die Buchpreise sind zu hoch." Dass Sie eine Käuferschicht im Laden haben, die laut Ihrer Aussage häufig überrascht ausruft: "Das ist ja billig" muss ich einfach mal glauben. Dass Sie allerdings daraus folgernd, das sei in allen Buchhandlungen so, ist ein Trugschluß.

  • Torsten Lager

    Torsten Lager

    Schade, wir sind nun ganz vom Thema abgekommen.
    Ich glaube weiterhin, dass es für die Verkaufszahlen keine Rolle spielt, ob ein Buch € 9,99 oder € 10,- kostet, oder auch € 20,- statt € 19,99. Hier reden wir nicht über echte Preiserhöhungen.
    Und ich betreibe ja keine Verlagsbeschimpfung. Ich appeliere einfach (und ich finde einigermaßen sachlich) an die, die die Preise festlegen. Das sind nun einmal die Verlage. An wen hätte ich mich sonst wenden sollen?

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @ 19 Sehr geehrter Herr Bartsch,
    vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort – und entschuldigen Sie bitte, dass ich jetzt erst dazukomme zu antworten.
    Ich möchte gleich vorausschicken und noch einmal betonen, dass ich nicht von „Schuld“ geredet habe. Um Schuldzuweisungen geht es mir auch nicht, sehr wohl aber darum, dass ich diese Mentalität nicht mag, mit dem Finger auf andere zu zeigen statt sich an der eigenen Nase zu packen und sich gelegentlich selbst in Frage zu stellen. Es geht mir mithin also um die Frage: „Was kann ich/können wir tun?“ Und nicht um die nicht nur in unserer Branche beliebte Frage: „Was können/sollten andere für mich tun?“ Schluss mit dieser unsäglichen Nabelschau!

    Ich kann Ihnen versichern: Ich gehöre durchaus dazu, auch wenn neue Spieler auf dem Platz nicht von allen gerne gesehen werden. Aber als alter Fußballer kenne ich die Gepflogenheiten auf dem Platz. Das hat mich nie daran gehindert, meine ganz eigenen Pässchen zu schlagen. Darum habe ich mich von der Diskussion und den Thesen hier auch angesprochen gefühlt. Warum sollte ich also der „falsche Adressat“ sein?

    Und, nein, Sie irren sich: Der nardelli verlag versteht sich nicht als Direktvertrieb, auch wenn wir gerne unter Menschen sind (bei Lesungen oder Vorträge) und unsere Leser am liebsten persönlich kennen. Ich muss Ihnen aber leider sagen, dass ich in dieser Hinsicht sehr schwankend geworden bin. Habe ich mit dem Handel auf das falsche Pferd gesetzt? Von dort höre ich jedenfalls viel Gejammer, viel Larmoyanz.

    Ich dagegen brauche zupackende und gedankenflexible Geschäftspartner. Ich muss dem von Ihnen angeführten Berliner Verleger-Kollegen Recht geben, wenn dieser bezüglich der Sortimenter von Mutlosigkeit spricht. Mehr bzw. weniger noch: über weite Strecken nicht nur mutlos, sondern auch unkreativ, ideenlos, verkrustet, verwöhnt (man will die gebratenen Tauben direkt in den Mund haben), auf alte Privilegien pochend („Das war immer so“). Dazu kommt noch die schon angesprochene Larmoyanz. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, sage aber auch: Das hat nichts mit Handel im klassischen Sinn zu tun – und schon gar nichts mit Gestaltung von Gegenwart und Zukunft. Warum sind diese Menschen überhaupt selbstständig? Mancher Buchhändler wäre besser Beamter geworden…

    Wenn Sie von höheren Preisen sprechen, muss ich Ihnen leider sagen: Da ist der Buchhandel vor, der hier im Namen der Kunden zu sprechen vorgibt. Sie sind da eine absolute Ausnahme. Und trotzdem: Bücher könnten viel günstiger sein, wenn ich an die satten Rabatte denke. Diese ungeheuerliche Erwartungshaltung im Handel: Ein Büchlein abnehmen, aber Rabatt fordern wie ein Großkäufer. Rabatte, die der Verlag letztlich bei anderen einsparen muss (Drucker, Kreative, Autoren). Für das „positive Gegenbeispiel“ Diogenes freue ich mich. Wir haben dieselbe Druckerei… Und, wenn Sie meine Verlagsphilosophie lesen, werden Sie erkennen: Auch ich stehe für den unbedingten Wert eines Buches und wehre mich deshalb gegen Billigheimerei.

    Abschließend, weil Sie mich direkt nach der Akzeptanz der Endkunden auf den höheren und runden Preis gefragt haben: Beim Buch „Das reizende Mädchen“, mit dem ich das probiert habe, ist es so, dass Direktkunden mit diesem kein Problem haben. Nase rümpfen wegen des Preises habe ich nur bei Sortimentern erlebt. So viel zum Thema „Wir Händler sprechen für die Kunden“…

    Mit besten Grüßen aus Reichenau
    Michael Nardelli

  • 99-Cent-Paranoia

    99-Cent-Paranoia

    Mich nerven diese 9 Cent Endungen extrem! Egal ob im Buchladen oder im Supermarkt. Wann wird der Schwachsinn endlich abgeschafft? Kann es nicht krumme Preise wie 1,73 / 2,31 geben usw? Jeder weis, dass bei z.B. 29,99 eine dreiste Abzocke seitens des Händlers liegt. Tatsächlich kostet das Ding dann z.B. nur 18,71 oder so.

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