Spiegel-Bestsellerliste ohne "Finis Germania"

Chefredaktion entfernt Skandalbuch

Die Chefredaktion des "Spiegel" hat das Buch "Finis Germania" in der vergangenen Woche aus seiner Sachbuch-Bestsellerliste entfernt, weil sie es für "klar antisemtisch" hält, wie Medien berichten.

Ärger um die Spiegel-Bestsellerliste

Ärger um die Spiegel-Bestsellerliste © Daniel Müller

Die Streichung des Titels hatte die Chefredaktion allerdings nicht vermerkt, was ihr in Medien etwa prompt die Kritik der Intransparenz einbrachte; neben zu erwartenden Reaktionen von rechts. "Finis Germania" des verstorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle hätte auf Platz 6 der Spiegel-Sachbuchcharts (Daten: media control) gestanden. Gegenüber "Meedia" bestätigte eine Sprecherin des Verlags die Streichung: Eine solche gebe es nur in absoluten Ausnahmefällen, aber die Chefredaktion halte das Buch "für klar antisemitisch" und möchte die Verbreitung nicht unterstützen. Für die Bestsellerliste des Spiegel würden auch qualitative Kriterien gelten.

Update, 26. Juli: Auf Anfrage bestätigt Anja zum Hingst, Leitung Kommunikation des Spiegel Verlags, die Streichung; "'Finis Germania' war einmal auf der Spiegel-Bestsellerliste (Der Spiegel 29/2017). Die Chefredaktion des Spiegel hat daraufhin beschlossen, das Buch beim nächsten Mal von der Liste zu nehmen (Der Spiegel 30/2017)." Das geschehe, wie gesagt, nur in absoluten Ausnahmefällen. In Heft 29/2017 war das Buch als Neueinsteiger auf Platz 6 der Spiegel-Bestsellerliste Sachbuch aufgeführt.

Auch auf Spiegel Online findet sich inzwischen eine Stellungnahme von Susanne Beyer, der stellvertretenden Chefredakteurin des Spiegel.

Wie der "Buchreport" gegenüber "Über Medien" erklärte, wäre der Titel allerdings aufgrund der vorläufigen Verkaufszahlen in der kommenden Bestsellerliste nicht mehr vorgekommen.

In den Sachbuch-Bestsellerlisten von GfK Entertainment, die auf boersenblatt.net veröffentlich werden, tauchte "Finis Germania" nicht auf, weil dort nur Hardcover-Titel ab 9,90 Euro erfasst werden. Sieferles Buch kostet 8,50 Euro.

Hintergrund

Im Juni war der Titel im Ranking der "Sachbücher des Monats", die von der Süddeutschen Zeitung und dem Norddeutschen Rundfunk veröffentlicht werden, platziert − eingebracht pikanterweise vom Spiegel-Redakteur Johannes Saltzwedel als Jurymitglied. NDR Kultur hatte sich daraufhin von der Jury-Entscheidung distanziert, Saltzwedel verließ die Jury (siehe Archiv: "NDR Kultur geht auf Distanz"). Siehe dazu auch den zusammenfassenden Bericht auf "Meedia" vom Juni ("Eklat um rechtes Buch"). Die Debatte hat sicherlich mit dafür gesorgt, den Titel überhaupt erst auf die Bestsellerliste zu heben.

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Update: In der "Neuen Zürcher Zeitung" hat sich auch Börsenblatt-Kolumnist Rainer Moritz zur Streichung des Buches geäußert. Moritz kritisiert das Vorgehen des Magazins, das sich und der öffentlichen Diskussion damit einen Bärendienst erwiesen habe.

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1 Kommentar/e

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  • rehse

    rehse

    Danke für Ihre Informationen. Über die SPIEGEL-Chefredaktion habe ich mich schon sehr gewundert, als H. Klaus Brinkbäumer öffentlich in einer TV-Debatte die Meinung vertrat, dass Russland nicht zu Europa gehören soll. Ade, lieber Spiegel.

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