Streiks bei Amazon gehen erstmals mehrtägig weiter

„Mächtig Druck auf dem Kessel“

In der Auseinandersetzung um einen Tarifvertrag beim Internet-Versandhändler Amazon zieht ver.di die Daumenschrauben an: Nach mehreren Warnstreiks und ganztägigen Streiks hat die Frühschicht an den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld die Arbeit für einen zweitägigen Streik niedergelegt.

Die ver.di-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig für Hessen und Jörg Lauenroth-Mago für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind laut Mitteilung der Arbeitnehmerorganisation mit dem bisherigen Verlauf der Streiks „mehr als zufrieden“. „Da ist mächtig Druck auf dem Kessel. Bei jeder Aktion, die wir machen, beteiligen sich mehr Leute“, so Schiederig. Es werde endlich Zeit, dass Amazon einlenke und sich zur Aufnahme von Verhandlungen bereit zeige. „Wir wollen Tarifverhandlungen führen, an deren Ende ganz klar ein Anerkennungstarifvertrag stehen muss“, so der Gewerkschaftsführer von ver.di Hessen. Amazon lehnt genau das aber bislang weiterhin kategorisch ab.

Der Kampf für einen Tarifvertrag bei Amazon findet deutschlandweit mediale Beachtung – Grund dafür sind auch die folgenreiche HR-Berichterstattung über die Situation der Leiharbeiter und die anstehende Bundestagswahl im Herbst. Gewerkschaftsnahe Politiker, wie der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück haben sich laut ver.di „mit den Streikenden solidarisch gezeigt.“ Auch Politikerinnen und Politiker der Linken, der SPD und von Bündnis 90/die Grünen waren vor Ort und im Gespräch mit den Beschäftigten.

Persönliche Unterstützung bei den anstehenden Streiktagen hat laut Gewerkschaft auch der ver.di Bundesvorstand zugesagt. Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske will am heutigen Montag die Streikenden Amazon-Beschäftigten in Leipzig und am Dienstag in Bad Hersfeld besuchen. Stefanie Nutzenberger, im Bundesvorstand für den Handel zuständig, will heute die Streikenden in Bad Hersfeld und am Dienstag die Kollegen in Leipzig unterstützen, teilt ver.di mit.

Thomas Schneider, der am Standort Leipzig die Streiks mitorganisiert, erklärt auf Nachfrage von boersenblatt.net, dass sich die Zahl der Streikenden alleine in Leipzig auf 650 (von rund 2.000) Mitarbeitern erhöht habe. In diversen Onlineforen war indes in den vergangenen Tagen zu lesen, die Amazon-Mitarbeiter stünden keineswegs einheitlich hinter den ver.di-Forderungen. „Von Mal zu Mal stehen mehr Mitarbeiter hier draußen. Sogar Abteilungsleiter und Teile des Managements sind unter den neuen Gesichtern“, weist Schneider diese Aussagen zurück. Schwierig sei es allerdings für die Kollegen mit befristetem Arbeitsvertrag sich am Arbeitskampf zu beteiligen, sonst wäre die Beteiligung noch höher.

Ver.di will den Arbeitskampf weiterführen, bis Amazon den Tarifvertrag akzeptiert.

Erfolge mit Arbeitskämpfen hat die Belegschaft bereits bei vergangenen Lohnverhandlungen, der Einführung von Betriebsräten und dem Errichten dezentraler Pausenräume erzielt.

In Ansprachen an die Belegschaft hätten die Standortleiter bereits eingestanden, dass der Arbeitskampf zu Verzögerungen beim Versand der Waren aus den Logistikzentren und erhöhtem Druck bei den Arbeitsabläufen führe. Verzögerungen beim Versand wollen die streikenden neben Arbeitsniederlegungen auch mit „feinerer Klinge“ erreichen, kündigt Schneider an.

 

Schlagworte:

Mehr zum Thema

31 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • kraft karl

    kraft karl

    Liebe Redaktion,

    Ihre Berichterstattung zum Thema Amazon ist kaum mehr auszuhalten. Oder ist der Boersenverein Mitglied bei ver.di? Es gäbe andere Möglichkeiten des Marketings. Indem man den Wettbewerber schlecht macht, wird man nicht besser. Das funktioniert höchstens kurzfristig. Es ist verschwendete Energie.
    Ich bin gespannt, wann ver.di auf die Idee kommt die Angestellten des Buchhandels zu einem Streik aufzurufen
    und wie die Berichterstattung dazu ausschaut.

    Mit besten Grüßen

    Karl Kraft

  • peter&paul

    peter&paul

    -Das riecht doch eher nach Wahlkampfunterstützung für die gewerkschaftsnahen Parteien.
    -Wieviele Buchhändler bezahlen ihre Angestellten nach Tarif?

  • Sommerloch?

    Sommerloch?

    Ich finde die ständigen Artikel über den "bösen" Amazon etwas ermüdend.

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Bestimmt bin ich morgen ziemlich müde, länger öffnen,
    mehr verschicken...

  • Kompetent nachgefragt

    Kompetent nachgefragt

    @ Kleine Sortimenterin

    Wieso?

  • Giuseppe

    Giuseppe

    Seltsam aber auch: Streiks bei Amazon - und die Medien schreiben drüber. Börsenblatt, Buchmarkt, Zeit, Stern, Süddeutsche, Focus, FAZ, der MDR usw. Unentwegt. Ob da überall schon die Verdi-Leute an den Tastaturen sitzen? Oder könnte die Sache (man verzeihe mir meine Tiefbegabung als Verschwörungstheoretiker) damit zu tun haben, dass Streitereien bei Amazon einen gewissen Nachrichtenwert haben, weil sie bisher so selten vorkamen?

  • Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Die Berichterstattung über die Amazon-Streiks ist absolut richtig und notwendig. Ich hoffe, daß die Kolleginnen und Kollegen dort einen Tarifvertrag erkämpfen und wünsche ihnen dafür Kraft und Durchhaltevermögen!

  • Aufklaerix

    Aufklaerix

    ..sicherlich gibt es immer etwas zu kritisieren,immerhin hat
    Amazon in den letzten Jahren eine gewaltige Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen, Verdi schafft es höchstens das Deutschland eines Tages von Logistikzentren an den einzelnen Grenzregionen des Landes aus beliefert wird

  • Börsenblatt Redaktion

    Börsenblatt Redaktion

    Wir bitten um sachbezogene Diskussion ohne Beleidigungen. Zwei Kommentare sind offline.
    Beste Grüße
    Kai Mühleck

  • Georg M.

    Georg M.

    Ich empfinde die Berichterstattung als sehr sachlich. Nichts anderes erwarte ich wenn es Streiks bei den Zwischenbuchhändlern, in Verlagen oder im Sortiment gibt. Böbla muss darüber schreiben. Richtig so. Klar ist aber auch, dass ver.di die mediale Aufmerksamkeit in eigener Sache nutzt.

    Dies alles stellt die Leistungsfähigkeit von Amazon m. E. nicht in Frage. Toll mit welcher Geschwindigkeit dieses Unternehmen für zig Kunden einen ausgezeichneten Service zur Verfügung gestellt hat. Was ist nur aus den früheren Versandhändlern Otto, Quelle, Neckermann, ... geworden.

    Hier jetzt eine negative Berichterstattung zu unterstellen ist nicht korrekt.

  • Knallhart aufgedeckt

    Knallhart aufgedeckt

    @ Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Auch im Sortimentsbuchhandel ist es durchaus verbreitet die Mitarbeiter, teilweise deutlich, unter Tarif zu bezahlen.
    Teilweise sind kleine Buchhandlungen überhaupt nicht Mitglied eines dbzgl. Verbandes. Eine Tatsache, über die das Sortiment gerne den Mantel des Schweigens breitet.
    Auf der anderen Seite wird jedoch regelmäßig über Amazon gezetert und geschimpft.

  • saguenay

    saguenay

    @ Georg M.

    Naja, sooo arg sachlich ist die Berichterstattung nun auch wieder nicht. Der Teufel steckt hier durchaus im Detail. Es geht hier nämlich nicht wie der Artikel suggeriert, um einen Tarifvertrag an sich, sondern darum, dass die Gewerkschaft einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels fordert. Das Unternehmen lehnt dies ab und orientiert sich nach seinen Angaben an der Bezahlung in der Logistikbranche.

    Das macht nun doch einen mehr als kleinen Unterschied. Man muss kein eingefleischter Amazon-Sympathisant sein, um den Gewerkschaftsstandpunkt kritisch zu sehen, bzw. die geforderte Einordnung der Amazon Mitarbeiter als problematisch zu betrachten.

    Bedenkt man des weiteren, dass offenbar so ziemlich jede Äusserung von verdi-Funktionären unkritisch weitergereicht wird, entsteht hier durchaus ein alles andere als differenziertes, und im Grunde sehr gewerkschaftsfreundliches Bild.

    Eine sachlich-neutrale Berichterstattung sieht wirklich anders aus. Nun hat zwar jede der beteiligten Parteien das Recht, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln für sich das Beste aus der Sache herauszuholen, aber die BB Berichterstattung die an sich neutral sein sollte (oder?) hat auch hier die Schieflage, die sie in Sachen Amazon generell zeigt.

    Nun kann man es dem BB andererseits auch nicht verdenken, dass es mit den Buchhändlern sympathisiert, und folglich in manchem deren Perspektive einnimmt (und Amazon ist für die nun mal ein Problem/Gegner/xxxxxzensiert).

    Aber die Logik, der Feind meines Freundes ist mein Freund, ist eine recht doppelbödige und alles andere als ungefährliche Angelegenheit. Was den Buchhandel betrifft, so sind letztlich weder Amazon noch verdi dessen Freunde, während die meisten Verlage Amazon wohl mit etwas freundlicheren Augen sehen werden.

    Ich halte es allerdings ähnlich wie Sie für ausgeschlossen, dass diese Angelegenheit Amazon wirklich ins Stolpern bringt. Und sollte das Amazon Management es nicht schaffen, die Sache abzuwettern, dann hat es sich seinen Rausschmiss redlich verdient. Der ganze Rest von Steinbrück & Co. ist Wahlkrampf-Blabla. Immerhin sind bald Kreuzlschreibertage.

  • saguenay

    saguenay

    Korrektur: Soll natürlich heissen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

    Da sieht man mal wie leicht einem das durcheinander gerät.

  • Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    @ Knallhart aufgedeckt

    Es stimmt in der Tat, dass im Sortimenstbuchhandel oftmals unter Tarif gezahlt wird - weil nämlich gar kein Tarifvertrag existiert. Das einzige Mittel, um diesen Zustand zu beenden, ist gewerkschaftliche Organisierung, Betriebsratswahlen, Arbeitskampf. Bei Thalia wird nach dem Tarifvertrag des Einzelhandels gezahlt, bei Hugendubel je nach Bundesland nach dem bayer. Buchhandelstarifvertrag oder wie bei Ex-Weiland ohne Tarifvertrag. Hugendubel hat letztes Jahr mit Tarifflucht gedroht.

    @saguenay

    Amazon hat durch die Tariflosigkeit und durch legale Steuertricks Vorteile gegenüber Mitbewerbern wie Weltbild und kann dadurch seine Monopol-Position weiter ausbauen. Dieser Zustand muss von der Politik korrigiert werden.

    Ein immer grösserer Teil der Amazon-Belegschaft erkennt, dass es für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen kämpfen muss.

    Daran wird auch Ihr gewerkschaftsfeindlicher Kommentar ("Und sollte das Amazon Management es nicht schaffen, die Sache abzuwettern, dann hat es sich seinen Rausschmiss redlich verdient.") nichts ändern.

  • saguenay

    saguenay

    @Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    "Dieser Zustand muss von der Politik korrigiert werden."

    Das kann das ZK ja im nächsten Fünfjahresplan berücksichtigen. Und bis dahin werden bis dahin die Lagerhiwis bei Amazon einfach per definitionem zu Einzel- und Versandhandelsfachkräften deklariert, auch wenn man die Wirklichkeit damit reichlich strapaziert. Aber so gäbe es natürlich mehr blanke Taler, als wenn man sie nur als Logistikkräfte sieht. Wer will schon nach dem Logistiktarif bezahlt werden? Der Versuch ist schon ok, die Frage ist nur, wie weit man damit kommt.

    By the way: Die genannten Steuertricks hat die Politik Unternehmen wie Amazon auf dem Silbertablett serviert. Beschweren Sie sich bei Ihrem Abgeordneten - nicht, dass das ausser nichtssagenden Worthülsen etwas bringen wird aber zumindest sind Sie dort an der richtigen Adresse.

    Schauen Sie einfach mal nach, was man unter dem Begriff "Monopol" versteht, und dann erklären Sie mir bitte, wofür Amazon ein Monopol besitzt? Gestern gab es jedenfalls noch durchaus den einen oder anderen Mitbewerber.

    Klar können die Amazonis versuchen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln mehr Geld für sich herauszuholen. Genauso wie das Amazon Management versuchen kann, das Optimum aus den angesprochenen steuerlichen Möglichkeiten etc. herauszuholen. So sind nun mal die Spielregeln. Es gewinnt der, der sich durchsetzt und erlaubt ist, was wirkt.

    Nur: Bei Inhabern oder Anteilseignern stehen Manager die sich von der Gewerkschaft die Hosen runterziehen lassen nicht gerade hoch im Kurs.

    Und daran wird auch das ganze rhethorische verdi-Stakkato nichts ändern.

  • peter&paul

    peter&paul

    @15
    Beifall!!!

    ist doch klar, dass verdi sich mehr um "amazon-probleme" kümmert als um unterbezahlte buchhändler-mitarbeiter; das brächte nämlich für verdi keine medienwirksame aufmerksamkeit, und die hat wohl auch bei der mitgliederschwächelnden gewerkschaft oberste priorität.

    ps. ich fand auch den, durch das böbla gelöschten, kommentar von amazone gut; hier sollte sich die redaktion mal deutlich um mehr neutralität bemühen!

  • Mr. California

    Mr. California

    @ saguenay

    Schließe mich petra & paul an, sehr guter Beitrag!
    Es ist immer dasselbe: Sobald der gemeine Buchhändler merkt, dass es nicht mehr reicht, ab und zu beim freundlichen Plausch ein Büchlein über die Theke zu schieben und auch "lustige Vorleserunden für Kinder" nichts mehr bringen, sprich der Buchhändler Konkurrenz (sehr lästig) bekommt, geht reflexartig das Geschrei und Gebrüll los. Dann soll doch bitteschön der Staat her und alles richten und verbieten, was dem lokalen Buchhändler an Ungemach im Magen liegt. Und überhaupt: Der böse böse Kapitalismus. Das ist das Allerschlimmste. Der ist für alles Böse auf der Welt verantwortlich!
    Verdauungsprobleme beim Buchhändler? Der Kapitalismus ist Schuld!
    Ein Konkurrent wagt es, in der Nähe einer alteingesessenen Buchhandlung eine weitere Buchhandlung zu eröffnen? Der Kapitalismus ist Schuld!
    Und so weiter und so fort.... ich kann dieses ewige Gejaule und Gezeter der Buchhändler nicht mehr hören. Zum Glück verlasse ich den Buchhandel demnächst!

  • Karina an: 14. Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Karina an: 14. Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Ihr Zitat "Amazon hat durch die Tariflosigkeit und durch legale Steuertricks Vorteile gegenüber Mitbewerbern wie Weltbild und kann dadurch seine Monopol-Position weiter ausbauen. Dieser Zustand muss von der Politik korrigiert werden."
    Was glauben Sie eigentlich, wer diese "legalen Steuertricks" ermöglich hat? Letztendlich die Bevölkerung, die Abgeordete in den Bundestag wählen, die genau diese Gesetze beschlossen haben. Sie schreiben doch selber "Legal"!
    Ach ja, und was die Bezahlung betrifft: Da herrscht unter den Buchhändlern eine unglaubliche Verlogenheit. Stundensätze von 5.- EUR netto sind da durchaus üblich. Aber Amazon ist böse und kulturbeflissenen kleinen, die ihre Angestellten noch schlechter bezahlen, sind gut. Einfach nur verlogen!

  • Buchhandelskunde

    Buchhandelskunde

    @Mr. California

    Ihr Gekeife ist aber auch nicht schlecht ;)

  • Jayden-Dustin

    Jayden-Dustin

    @ Karina # 18

    Im Buchhandel wird gerne laut und ausführlich über alles gezetert, gejammert und gebrüllt. Natürlich vorwiegend über Dinge, die die Existenz des armen armen Buchhändlers zerstören und ihm ganz furchtbar übel mitspielen (wofür er natürlich nichts kann).
    Über gewisse "andere" Dinge, die nicht so in's Bild passen, breitet der Buchhandel lieber den Mantel des Schweigens.

  • Mr. California

    Mr. California

    @ Buchhandelskunde

    "... Ihr Gekeife ist aber auch nicht schlecht ;)..."

    Ich bin eben Buchhändler.... man kann halt nicht aus seiner Haut ;-)

  • Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Mein Kommentar scheint ja einen Nerv getroffen zu haben, wenn man sich die anti-gewerkschaftlichen Invektiven hier so durchliest. Einige Klarstellungen:

    "Dieser Zustand muss von der Politik korrigiert werden."
    Selbstverständlich! Was sonst? Die Politik (genauer CDU/CSU/SPD/FDP/Grüne) ist für Steuerflucht und Niedriglohnsektor verantwortlich - also muss es von Ihnen auch korrigiert werden. Selbstverständlich wird dazu Druck erforderlich sein.

    "Monopolist Amazon": das war nicht ganz präzise ausgedrückt; nichtsdestotrotz ist Amazon auf dem besten Weg die Stärke eines Monopolisten zu erreichen, der allen Marktteilnehmern die Bedingungen diktiert.

    "die Lagerhiwis bei Amazon einfach per definitionem zu Einzel- und Versandhandelsfachkräften deklariert":
    Amazon-Beschäftigten verdienten bis zu einem Drittel weniger im Vergleich zu Angestellten anderer Versandhändler, die nach Tarif zahlen. Es darf keine willkürliche und einseitige Festlegung der Löhne durch den Arbeitgeber geben. ver.di kämpft dafür, daß die Beschäftigten so bezahlt werden wie die Beschäftigten von Otto und Weltbild., also für Konditionen des Versandhandels. Oder handelt es sich bei Amazon etwa um keinen Versandhandel?

    " Stundensätze von 5.- EUR netto sind da durchaus üblich"
    ver.di kämpft ebenfalls um Mindestlöhne. Das kann nur gelingen, wenn viele lohnabhängig Beschäftigte sich organisieren, Betriebsräte bilden und sich am Arbeitskampf beteiligen. Kapitalseite und die herrschende neoliberale Politik haben nichts zu verschenken.Wer nur Zuschauer sein will, wird weiter für 5 Euro arbeiten müssen.

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    "Die Politik (genauer CDU/CSU/SPD/FDP/Grüne) ist für Steuerflucht und Niedriglohnsektor verantwortlich - also muss es von Ihnen auch korrigiert werden. Selbstverständlich wird dazu Druck erforderlich sein."

    Könnte es unter Umständen sein, dass die jeweiligen Unternehmer, die Steuerflucht begehen, ein wenig Verantwortung tragen? "Der Ausgebeutete ist genauso schlimm wie der Ausbeuter." Gibt's in Zeiten einer staatlich garantierten Grundsicherung noch ne Ausrede, sich für niedere Löhne zu verdingen?
    Aber Gott sei dank ist Zwang ja schliesslich in Ordnung, wenn mans selber macht.

    "[amazon], der allen Marktteilnehmern die Bedingungen diktiert."

    Und deswegen brauchen wir ganz dringend eine starke staatliche Hand, damit es wenigstens nicht mehr amazon ist, der die Bedingungen diktiert, sondern, über Umwege, Sie und ihre Bagage? Meine Stimme haben Sie so oder so, spätestens wenns nur noch Einheitswahlisten gibt.

    " Es darf keine willkürliche und einseitige Festlegung der Löhne durch den Arbeitgeber geben."

    Wär ja noch schöner, unternehmerische Freiheit! Wer braucht denn das? Schliesslich wissen BR-Bratzen und die professionellen Anbiederer aus den Parteien viel besser, was wirtschaftlich tragbar ist.
    Darf man auf Ihre UNterstützung hoffen, wenn es darum geht das Preisgestaltungsmonopol des verkaufenden Handels zu brechen? Ich will als Kunde endlich selbst entscheiden, wie viel die Milch kosten soll.

    "Oder handelt es sich bei Amazon etwa um keinen Versandhandel?"

    Handelt es sich beim Führen eines guten Lagers (Gruß an Grohlis), und der Organisation einer zügigen Lieferung etwa nicht um eine logistische Tätigkeit?

    "Das kann nur gelingen, wenn ..." man Ihrer Organiation Gefolgschaft leistet? Wie selbstlos.

    Zum Schluß möchte ich anmerken, dass ich mir vorhin den Ellenbog stieß, und dabei den Nerv traf. Das Ellenbogenstoßen wird dadurch weder gut noch richtig, aber auf irgendwas muß man ja stolz sein.

  • Buchhändler (Zopf, Clogs, Norweger-Pulli)

    Buchhändler (Zopf, Clogs, Norweger-Pulli)

    @ Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Stellen Sie sich mal vor, alle Unternehmer würden sagen... "Ach, das mit den Forderungen der Gewerkschaften in Deutschland ist mir zu anstrengend. Ich gebe mein Unternehmen auf. Dann habe ich auch keinen Ärger mehr"

    Wo würden denn dann all die Arbeitnehmer arbeiten? Beim Staat? Da sind die Plätze begrenzt.

  • Gesundheitsschlappen

    Gesundheitsschlappen

    Hier wird so oft die "Politik" bemüht, die soll's richten und so.
    Wer glaubt denn noch an so was?!?

    Wenn hier in Deutschland der Staat alles regeln würde, da würde ich schleunigst auswandern.

    Das haut heutzutage schon mal gar nicht mehr hin. Berufspolitiker (oft schon während des Studiums in der Politik aktiv) haben doch von Alltag und normalsterblichem Berufsleben gar keine Ahnung.

  • Badelatsche

    Badelatsche

    @ Gesundheitsschlappen

    "....Hier wird so oft die "Politik" bemüht, die soll's richten und so. Wer glaubt denn noch an so was?!?...."

    Sehe ich auch so. Es scheint doch noch sehr sehr viel naive Menschen hierzulande zu geben.

  • Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    Sehr aufschlußreiche Kommentare hier, auch mit einem überraschend hohem Aggressionspotenzial. Bemerkenswert auch der Hass auf alles, was mit "Politik", "Staat" und "Gewerkschaft" zu tun hat. Vieles wird durcheinander geworfen. Zwei Punkte:

    Die ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen werden von der Politik festgelegt, deren Mehrheiten sich im parlamentarischen System in Wahlen konstituieren. Will man also kein neoliberales Hartz-4-System mit Lohndumping für viele Beschäftigte, dann müssen WIR an den Rahmenbedingungen etwas ändern. Steuerermäßigungen für Reiche oder Steuerschlupflöcher für Amazon werden in den Parlamenten beschlossen. Dort können sie auch wieder korrigiert werden. Aber eben nicht ohne politischen Druck durch die Bevölkerung. Undifferenziertes Geschimpfe auf "Die Politiker" ist apolitisch.

    Bemerkenswert für mich ist auch der Hass auf alles, was mit Gewerkschaft zu tun hat. Ich weiß nicht, ob hier nur (Klein-)Unternehmer ihren Frust ablassen oder ob hier auch lohnabhängig Beschäftige kommentieren. Die Interessen der letzteren werden nun mal von Gewerkschaften vertreten, ob Euch das paßt oder nicht. Ist übrigens keine ver.di-Erfindung, sondern steht im Grundgesetz und nennt man Tarifautonomie.

    Ich wünsche jedenfalls den streikenden Kolleginnen und Kollegen bei Amazon Kraft und Durchhaltevermögen, um diesem kapitalistischen Dr****-Laden endlich die Grenzen aufzuzeigen.

  • branchenkenner

    branchenkenner

    Ich kann ja verstehen, dass man seitens der medialen Öffentlichkeit nicht an einer kritischen Berichterstattung zum Thema Amazon vorbei kommt.

    Es ist jedoch aus meiner Sicht absolut eindeutig und unstrittig, dass sich unsere Branchenpresse geradezu auf Amazon "eingeschossen" hat und der Thematik ein unfaires Übergewicht gegenüber anderen wichtigen Aspekten in unserer Branche einräumt, insbesondere bei der allgemeinen Problematik von Arbeitnehmerrechten in unserer Zeit.

    Hier ist nämlich keineswegs nur Amazon als "schwarzes Schaf" zu nennen.
    • Ich verweise beispielsweise nochmals auf die tariflose Unterbezahlung der Arbeitnehmer bei Grüttefien-Thalia.
    • Oder die konkreten Drohungen von Hugendubel, aus den Arbeitgeberverbänden auszusteigen.
    • Oder die zahlreichen erzwungenen Zugeständnisse hinsichtlich Verlängerung der Arbeitszeit, Verzicht auf Sonderzahlungen, etc., welche die Belegschaften der Filialisten an nahezu allen Standorten in den letzten Wochen auf außerordentlichen Betriebsversammlungen aufgebürdet bekommen haben.
    • Oder das Thema Kurzarbeit und Tarifflucht bei Libri.
    • Oder das Thema der oftmals unbegründeten Ignorierung von tariflichen Mindestlöhnen bei ungezählten Kleinstsortimenten. Oder, oder, oder ...

    Alles das ist dem Börsenblatt in der Vergangenheit wenn überhaupt nur eine einzelne, kleine Meldung wert gewesen. Kein Vergleich zu dem Trommelfeuer, dass man derzeit übertriebenerweise auf Amazon loslässt.

    Wenn hier also aufgebrachte Kommentarschreiber seitens der Plattformbetreiber durchaus berechtigterweise zur Mäßigung aufgerufen werden, fordere ich dasselbe gegenüber dem Bösenblatt selbst, bezüglich dieser unverhältnismäßigen Bericherstattung.

    Oder aber man kommt vielleicht auch mal auf den Gedanken, den anderen von mir genannten "faulen Eiern" in unserer Branche ein gleiches Maß an Aufmerksamkeit zu schenken.

  • Leo

    Leo

    @ Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin

    "...Die ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen werden von der Politik festgelegt....."

    Was glauben Sie was passiert, wenn die deutsche Politik ökonomische Rahmenbedingungen festlegt die besagen, das von nun an keine Produkte zu Dumpingpreisen mehr nach D eingeführt werden dürfen um die heimische Produktion zu stärken und den Mitarbeitern ein gutes Gehalt in einem fairen Tarifvertrag (ausgehandelt von der Gewerkschaft) zu zahlen?

    Und wenn dann z.B. China sagen würde... "Och ja, wenn wir nicht mehr nach D einführen dürfen, möchten wir auch keine deutschen Produkte mehr in China. Rolladen runter für deutsche Exporte nach China".

    Was glauben Sie, wird passieren bei einer so vom Export abhängigen Wirtschaft wie in D?
    Wieviel direkt oder indirekt vom Export abhängige Arbeitehmer würden ihre Arbeitsplätze verlieren, schätzungsweise? Und wieviel der frisch gekürten Arbeitslosen würden kräftig Bücher in Buchhandlungen kaufen? Und wieviel Buchhandlungen können dann noch den ausgehandelten Tariflohn für die Mitarbeiter bezahlen?

  • Gesundheitsschlappen

    Gesundheitsschlappen

    Ich selbst war in 22 Jahren Buchhandel 16 Jahre gewerkschaftlich organisiert, zeitweise auch Mitglied in einem der Fachbereiche Handel.

    Gewerkschaften sind definitiv noch immer wichtig, ich rate auch als mittlerweile Selbstständige (bisher 1-Person-Unternehmen) jedem Angestellten zur Mitgliedschaft.

    Ich habe aber auch gesehen, wie viele Kollegen des Buchhändlerstandes in all den Jahren meinten, irgendwie würde sich schon alles regeln..., wie und durch wen auch immer, aber Gewerkschaftsmitglied wollten sie nicht werden, selbst Auszubildende waren da oft ablehnend.

    In jedem Unternehmen überwog bei weitem die Zahl der Kollegen, die bloß ihre Ruhe haben wollten, bloß nicht auffallen, soll sich doch ein anderer mit der Geschäftsführung abgeben.

    Ich habe zuletzt für einen der großen Filialisten gearbeitet.
    Selbst, als sich das Gerücht Massenentlassungen bestätigte, waren in unserer Filiale nur mit Ach und Krach genug Leute dazu zu bewegen endlich einen Betriebsrat zu gründen.
    Erst als wir bekannt gemacht haben, dass jeder, der für den Betriebsrat kandidiert auch bei Nichtwahl eine 6-monatige Kündigungsfrist hat, da haben sich fast alle Kollegen aufstellen lassen..., damit sie wenigstens nicht sofort auf der Straße standen.
    Mancher ist dann noch schnell bei Verdi eingetreten, damit ihm die Gewerkschaft später mal den kostenlosen Arbeitsanwalt stellen kann.

    Das ist das Traurige:
    Es gibt seit Jahren/Jahrzehnten so engagierte Kollegen, die sich in Betriebsräten engagieren, aber erst seitdem es bei den Unternehmen im Buchhandel eine sehr verschärfte Art des Umgangs mit den Angestellten gibt, wachen immer Leute auf...

    Aber, wie gesagt, für alles immer die Politik bemühen zu wollen, halte ich für absolut übertrieben.
    Zu viel staatliche Regelungen bekommen keiner Branche gut, das funktioniert auch in der heutigen Gesellschaft nicht mehr.
    Die Zeit lässt sich nun mal nicht zurückdrehen...

  • noch ein gewerkschaftlich organisierter Buchhändler

    noch ein gewerkschaftlich organisierter Buchhändler

    Es wird aktuell übrigens nicht nur bei Amazon gestreikt, sondern auch bei den tarifgebundenen Unter-Unternehmen der Thalia-Gruppe. So waren am 07.-08.06.2013 rund 60 Beschäftigte von Thalia in Hamburg und am 14.06.2013 ebenfalls rund 50 Beschäftigte von Thalia in Berlin im Ausstand. Darüber wurde allerdings in der Branchenpresse nichts berichtet, obwohl in Hamburg eines der drei großen Innenstadthäuser über Stunden komplett geschlossen war... . Und: Der Kampf geht weiter, denn offenbar wollen jetzt auch die Arbeitgeber im stationären Einzelhandel nichts lieber als Amazon-Verhältnisse zu schaffen. Die Mantel- und Gehaltstarifverträge sind jedenfalls bundesweit gekündigt.

    @ Gewerkschaftlich organisierte Buchhändlerin: Sie / Du hast vollkommen recht!

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld

    nach oben