Streit wegen Gomringer-Gedicht auf Hausfassade

Kampf um die Freiheit der Kunst

Auf der Fassade der Alice Salomon-Hochschule Berlin ist seit 2011 Eugen Gomringers Gedicht "avenidas" zu lesen. Gegen die Planung der Hochschule, den Text bei einer Neugestaltung möglicherweise zu entfernen, wehrt sich das Berliner Haus der Poesie nun öffentlich.

Schon 2016 hatte die Studierendenvertretung moniert, Gomringers 1953 entstandenes Gedicht sei sexistisch, weil Frauen als schöne Musen beschrieben würden, die nur den männlichen Künstler inspirierten. Die Hochschule plant, den Text zu entfernen, und hat einen Aufruf zur Neugestaltung der Fassade veröffentlicht.

Das Haus für Poesie ist von Beginn an dem Preis als Kooperationspartner verbunden und in der Jury des Alice Salomon Poetik Preises vertreten. „Sollte das Gedicht von dem Preisträger Eugen Gomringer tatsächlich von der Fassade der Hochschule entfernt werden, steht das Haus für Poesie nicht mehr als Partner für den Poetik Preis der Alice Salomon Hochschule zur Verfügung“, sagt der Leiter des Hauses, Dr. Thomas Wohlfahrt.

Die Mitglieder der Preisjury, die nicht der Alice Salomon Hochschule angehören, erklärten zu dem Verfahren der Hochschule: "Die Hochschulleitung ist nicht unserer im Dezember 2016 verlautbarten Forderung gefolgt, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen. Das jetzt in Gang gesetzte Ausschreibungsverfahren zur Neugestaltung, das auch einen Erhalt des Gedichts, gegebenenfalls durch eine Kontextualisierung als Möglichkeit bereit hält, lehnt die Jury grundsätzlich ab. Wir werden aber jede Lösung, die das öffentliche Kunstwerk erhält, konstruktiv begleiten. Sollte das Gedicht entfernt werden, sehen wir keine Möglichkeit, unsere Arbeit in der Jury fortzusetzen.

Wir begründen diese Haltung wie folgt: Ein wesentlicher Grund für den eingeleiteten Prozess zur Neugestaltung der Fassade ist, dass eine Anzahl von Hochschulangehörigen das Gedicht „avenidas“ von Eugen Gomringer als sexuell diskriminierend empfindet. Dieser geäußerten Kritik an Eugen Gomringers Gedicht fehlt es völlig an Verständnis. Wir verweisen dazu auf die differenzierte Analyse des Textes von Michael Lentz in der FAZ vom 5.9.2017 unter der Überschrift „Die Wörter sind nicht die Sachen“. Kritik oder vielmehr Unverständnis mit der Entfernung von Eugen Gomringers Gedicht öffentlich werden zu lassen, stellt nach unserer festen Überzeugung selbst eine Diskriminierung des Autors und der Kunst dar. Die Freiheit der Kunst ist ein hohes Gut demokratischer Gemeinwesen, das durch dergleichen Beschränkungen nicht infrage gestellt werden darf.

Die Vernichtung eines Kunstwerks im öffentlichen Raum, noch dazu aus unseres Erachtens dogmatischen Gründen, ist nicht akzeptabel. Wir fordern also den Erhalt von Eugen Gomringers Gedicht „avenidas“ auf der Südfassade der Alice Salomon Hochschule."

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1 Kommentar/e

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  • Mirjam Glaser

    Mirjam Glaser

    Studentenvertretung irrt. Es werden Bäume diskriminiert.

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