Tarifverhandlungen Buchhandel und Verlage in Bayern

Warnstreiks bei drei bayerischen Hugendubel-Filialen

Im Zuge der laufenden Tarifrunde Buchhandel und Verlage 2017 in Bayern hatte die Gewerkschaft Verdi am 14. September zu Warnstreiks im Buchhandel aufgerufen. Aktionen gab es in Hugendubel-Filialen in München, Ingolstadt und Schweinfurt. Die Arbeitergeberseite zeigt sich weiterhin gesprächsbereit. Update zur Verdi-Position.

Aktion vor der Hugendubel-Filiale in Ingolstadt

Aktion vor der Hugendubel-Filiale in Ingolstadt © Hugendubel Verdi Infoblog

Dass es zu Aktionen vor drei Hugendubel-Filialen gekommen sei, bestätigte Thomas Nitz, Sprecher des Arbeitergeberverbands der Verlage und Buchhandlungen in Bayern und Mitglied der Hugendubel-Geschäftsleitung, im Gespräch. Die Aktionen hätten den Geschäftsbetrieb jedoch nicht beeinträchtigt. Der Arbeitgeberverband vertritt 70 Buchhandlungen und Verlage in Bayern.

Über die befristeten Warnstreiks hatte der Hugendubel Verdi Infoblog berichtet; aufgerufen hatte dazu Verdi, weil die bisherigen Verhandlungsrunden in sechs Monaten ohne Ergebnis geblieben seien, heißt es im Infoblog. Einige Tage zuvor, am 9. September, habe es eine Postkartenaktion vor der Münchner Hugendubel-Filiale Fünf Höfe gegeben: Kunden konnten dabei Karten mitnehmen, die an den Arbeitgeberverband der Verlage und Buchhandlungen in Bayern gerichtet waren und mit denen sie diesen zu Gehaltserhöhungen für die Buchhändler baten.

Unterschiedliche Positionen der Tarifpartner

In der laufenden Tarifrunde fordert Verdi dem Infoblog zufolge für die Beschäftigten im bayerischen Buchhandel unter anderem eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,6 Prozent (und mindestens um 163 Euro) sowie die unveränderte Wieder-Inkraftsetzung des von den Arbeitgebern gekündigten Manteltarifvertrags. Auch die Vergütungen der Auszubildenden möchte Verdi um 100 Euro erhöht sehen.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten in der Branche sei es klar, dass Tarifverhandlungen länger dauern, erläutert Thomas Nitz, Sprecher des Arbeitgeberverbands. Und: "Wir wollen über den Manteltarifvertrag reden", so Nitz gegenüber boersenblatt.net. Dieser sei über 40 Jahre alt und spiegele die Veränderungen der letzten Jahre nicht wider: "Daher sind dringend inhaltliche Korrekturen nötig." Aus diesem Grund habe die Arbeitgeberseite den Manteltarifvertrag zum 1. Juni 2017 gekündigt. In Bezug auf die inhaltlichen Korrekturen führt er vor allem zwei Punkte an:

  • Vor dem Hintergrund des Online-Handels rund um die Uhr wollen die Arbeitgeber die Spätöffnungszuschläge für Arbeitszeiten zwischen 18.30 Uhr bis 20.00 Uhr abschaffen – "Die Ladenöfnung bis 20 Uhr ist seit langem gesellschaftliche Realität."
  • Zudem wünscht man sich Veränderungen im persönlichen Geltungsbereich des Manteltarifvertrags: Dieser soll nur bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe gelten, da die Einkommen durch neue Berufsgruppen in der Branche (etwa IT-Mitarbeiter) heute stärker differenziert seien, so die Position der Arbeitgeber.

"Das alles ist Verhandlungssache", sagt Nitz. Der Arbeitgeberverband befürworte zwar einen Manteltarifvertrag, aber unter geänderten Bedingungen, erklärt Nitz. Über die Sondierungsgespräche zu Entgelterhöhungen nannte er keine Details, das sei Teil der Verhandlungen.

"Es ist unser Auftrag, dass wir miteinander reden", betont Nitz. "Dafür stehen wir selbstverständlich nach wie vor zur Verfügung." Einen Termin für eine weitere Verhandlungsrunde gebe es aktuell noch nicht. Nach der letzten Runde habe die Arbeitgeberseite erklärt, für weitere Treffen bereit zu sein.

Update, 20. September, zur Verdi-Position:
Stefan Kraft, der Verhandlungsführer in der Tarifrunde von Seiten Verdi, kritisiert gegenüber boersenblatt.net die Vorschläge der Arbeitgeberseite zu Änderungen im MTV, etwa bezüglich Kündigungsschutz für ältere Mitarbeiter oder Abschaffung der Spätöffnungszuschläge: "Davon leben die Menschen", so Kraft. Über den persönlichen Geltungsbereich könnte man jedoch reden, eine Lösung finden. Man habe auch in der Vergangenheit den MTV in einigen Punkten verändert, substantielle Dinge kämen dafür aber nicht in Frage. Kraft beanstandet andererseits, dass die Arbeitgeberseite zunächst über den MTV, dann über Entgelte verhandeln wolle. Aus Sicht der Gewerkschaft sollte erst einmal über letztere, zumindest über einen vorübergehenden Inflationsausgleich, gesprochen werden (Kraft: "Wir brauchen ein Angebot über Löhne und Gehälter"), dann über die anderen Themen. "Wir stehen im Patt gegenüber", sagt Kraft zur Situation der Tarifrunde. Natürlich sei auch die Gewerkschaft zu weiteren Verhandlungen bereit. Der Forderungskatalog der Gewerkschaft stehe jedoch weiterhin im Raum.

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1 Kommentar/e

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    Gegenüber neuen Mitbewerbern oft auf dem moralisch hohen Roß, aber angemessene Löhne und Bedingungen verweigern. Chapot!

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