Umfrage unter Sortimentern

Soll man die Preise für Taschenbücher erhöhen?

Rowohlt testet neue Preisgrenzen aus und hat ein Paket als "Versuchsballon" geschnürt: Zehn Titel mit Taschenbüchern über 10 Euro. boersenblatt.net hat Buchhändler gefragt: Lassen sich höhere Taschenbuchpreise etablieren?

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Uwe Madel, Buchhandlung am Markt in Hennef: "Warum nicht!? Wird funktionieren!"
Susanne Köster-Schoon, Susannes Buchhandlung in Wiesmoor: "Viele Branchen haben schlicht das Währungszeichen ausgewechselt (z.B. Lebensmittel, Benzin, Energie), nur im Buchhandel meint man, die Preise dürften sich seit der Euroeinführung nicht erhöhen!"
Lutz Heimhalt, Buchhandlung Heimhalt in Hamburg-Fuhlsbüttel: "Ob der neue Glattauer 12,90 Euro oder 14,90 Euro kostet, wäre piepegal. 14,90 Euro wäre ok gewesen!"
Thomas Wich, Sack Mediengruppe in Köln: "Nur Mut!"
Klaus Kowalke, Buchhandlung Lessing und Kompanie Literatur in Chemnitz: "Preiserhöhungen müssen endlich sein! Siehe extreme Preiserhöhungen (Energie, Lohnkosten, Lebenshaltung, Mieten, usw usf.) in allen anderen Bereichen, Inflationsrate nicht vergessen... Wäre das möglich: reguläres Taschenbuch 15,00 Euro, reguläres Belletristik-Hardcover 25,00 Euro?"
Lars Baumann, Zweitbuch in Oberhausen Schmachtendorf: "Höhere Preise für Taschenbücher? Ich für meinen Teil empfinde Preise von über 12,99 Euro als zu hoch. Über die Preise von gebundenen Ausgaben von Follett, Schätzing, Brown, George und Co will ich mich mal gar nicht auslassen. Wenn ich mich auf die Seite der Konsumenten stelle, ins Portemonnaie blicke und dann auf die Buchpreise ... dann fehlen mir echt die Worte, besonders, wenn ich auch noch die Qualität des Buchs ins Auge fasse. Und da Taschenbücher ja Massenprodukte sind, deren Produktionsweg so optimiert ist, um die Kosten auf ein Minimum zu drücken, dann erscheinen mir die Preise einfach zu hoch. Ich habe Kunden, die geben lieber viel Geld für eine Hanser-, Mare- oder Galiani-Ausgabe aus."

 

Sebastian Kretzschmar, Mayersche in Köln: "Ich plädiere für runde Preise. Diese 90er und 99er Preise sind doch längst überholt. Bei uns an der Kasse merke ich, dass das oft auch die Kunden nervt."

Frithjof Klepp, Buchhandlung Ocelot in Berlin-Mitte: "Ja. Natürlich. Bitte höhere Preise. Ist doch sonst auch schon längst Standard bei btb, Fischer etc..."
Michaela Wruck, Bücher & Co in Hamburg-Winterhude: "Die Kunden fühlen sich bei Preisen von 9,99 Euro einfach veräppelt. Da werden wir täglich mehrfach darauf angesprochen. Aufrunden, gerne um 0,51 ct. pro Buch- wäre doch schon mal ein Anfang!"
Iris Hunscheid, Buchhandlung Veit Hoffmann in Achim: "Bei dem Kostendruck, dem wir Buchhandlungen inzwischen unterliegen (und den wir schließlich nicht einfach so weitergeben können), wünsche ich mir schon lange, dass die 10- und 20-Euro-Preisschwellen endlich fallen. In kaum meiner anderen Branche haben die VKs in den letzten Jahren so stagniert, es gab ja sogar Jahre, wo der Durschschnitts-VK unter dem Vorjahr lag! Ich glaube auch, dass das am Markt gut durchzusetzen ist. Leider fehlt tatsächlich manchen Buchhändlern das Selbstbewusstsein, was für tolle, wertige Produkte wir verkaufen! 11,90 oder 12,99 sind für ein ordentlich hergestelltes TB (wie es in Deutschland die Regel ist) ein sehr angemessener Preis."

 

Katrin Schmidt, Lesezeichen in Germering: "10,99 Euro macht dtv bei Mankell schon lange, das ist doch nix neues ... Wenn ich mir überlege, wie viele ‚Shades of Grey‘ ohne mit der Wimper zu zucken für 12,99 Euro verkauft wurden, denke ich, dass bei "Must read"-Büchern locker auch mal 12 Euro verlangt werden können. Mehr nicht, dann landen wir bei der Klappenbroschur! Die verkauft sich bis 17,99 Euro aber oft auch besser als ein Hardcover, welches denselben Preis hat. Ich weiß zum Beispiel nicht, ob "Der Hundertjährige" wirklich so gut gelaufen wäre, wenn es ein Hardcover zum selben Preis gewesen wäre. Die "Hemmschwelle" ist da in der Breite der Kunden einfach höher!"

 

Doris Haase-Mohrmann, Buch & Musik in Dannenberg: "Bin ebenfalls der Meinung, die Preise könnten etwas höher gehen. 99er Preise sind echt blöd, 10,50 Euro oder 10,90 Euro wären als Taschenbuchpreis klasse."

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18 Kommentar/e

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  • Harry

    Harry

    Buchpreise können so hoch sein, wie sie immer sein wollen. Die Buchpreise werden aber wieder ganz schnell sinken, wenn plötzlich die Kunden wegbleiben, weil sie nicht mehr beriet sind, diese Preise zu zahlen, oder wenn sie lieber im Ausland ohne Buchpreisbindung kaufen.

    Der Preis ist immer dann richtig, wenn genügend Leute beriet sind, ihn zu zahlen.

  • Amazonkunde

    Amazonkunde

    Bei Amazon bekomme ich immer gute Preise und morgen ist das Buch im Briefkasten.

    Wer brauche da das Sortiment?

  • peter&paul

    peter&paul

    nur zu mit den höheren tb-preisen, damit erhöht sich auch automatisch das umfangreiche angebot an remittenden über alle vertriebswege!

  • Norbert Gillmann

    Norbert Gillmann

    Hoffentlich reagieren die Verlage nicht auf die Statements der hier zu Wort gekommenen BuchhändlerInnen, sondern auf die Lesermeinungen.
    Ob im Hardcover oder beim Paberpack: Jeder Preisanstieg bremst die Kauflust.
    Ich warte ab, bis ich günstiger gebraucht kaufen kann oder leihe aus.

  • NurnochimOriginaloderGebraucht

    NurnochimOriginaloderGebraucht

    Das wäre noch ein Grund mehr Bücher direkt im Original zu lesen. Für ein deutsches - ladenfrisches - Hardcover habe ich schon seit Jahren kein Geld mehr ausgegeben. Paperbacks waren z.T. noch zu verschmerzen.

    Ich bin wirklich erstaunt über die positive Erwartung der Händler.

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Taschenbücher, die nicht auf Klopapier gedruckt sind undoder den mehr geistigen Wert als Klopapier haben, dürfen gern auch teurer sein. Aber das sind ja nicht so viele.

  • Pirandello1

    Pirandello1

    Interessant nur, das sich ein Amazon Kunde im Böbla zu Wort meldet und offenbar nicht weiß, dass er (noch und hoffentlich noch lange) dort denselben Preis zahlt wie im stationären Buchhandel auch. Im übrigen scheint einigen Foristen nicht klar zu sein, dass es durchaus nicht immer nur niedrigere Preise gibt, wenn der feste Ladenpreis fällt. Discount bei einigen Bestsellern führt zu hohen Preisen bei den meisten anderen Titeln, mal abgesehen von der Qualität der Druckerzeugnisse. Also nicht immer gewinnt der Kunde. Er verliert sogar, wen er mal nicht im Mainstream unterwegs ist.

  • Verkaufnix

    Verkaufnix

    @7: irgendwann muß es doch wirklich nun jeder gemerkt haben, dass hier ein Forentroll unterwegs ist. Und solange es immer wieder Leute gibt, die ihn füttern, wird er weiter sein Unwesen treiben.
    Die Preisgestaltung bei Büchern folgt den gleichen Gesetzen wie alle anderen Erzeugnisse. Beliebte Autoren und erfolgreiche Serien können sicherlich höhere Preise erzielen als unbekannte Newcomer und Massenware. Letztlich konkurriert das Buch mit vielen anderen Angeboten zur Freizeitgestaltung. Und: wer viel liest, wird sich gerade bei Taschenbüchern für Preiserhöhungen nicht wirklich begeistern können. Steigende Preise führen fast immer zu sinkenden Absatzzahlen. Außer - s.o. - bei Produkten, die "Pflichtkauf" sind. Die große Frage wird also sein, wie preissensibel der Käufermarkt auf die steigenden Preise reagiert, wie ersetzlich das jeweilige Buch für die Käufer ist und ob per saldo dann mehr Umsatz dabei herausspringt.

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Danke an die Kollegen, die hier mal wieder die unsäglichen ,99-Preise kritisieren. Auch wenn's mittlerweile scheinbar ein Gesetz zu geben scheint, dass ,99 vorschreibt. Wie sonst kann ein Fachverlag auf die Idee kommen, für eine mehrteilige umfangreiche Loseblattausgabe 399,99 Euro gestzusetzen. Es ist wirklich paradox: Da wird versucht, die Preisschwellen zu knacken (zu Recht) und gleichzeitig, dem Kunden ein Billigimage vorzugaukeln. Das ist nicht das Image, das der Buchhandel seinen Produkten geben sollte!

  • Patrick Musial

    Patrick Musial

    Ein kleines Preisbeispiel zur Illustration:
    "Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden" (lange Jahre ein Dauerbrenner aus dem Herder-Verlag) habe ich vor einigen Monaten mal für eine Kundin bestellt, Preis: 7,00 Euro.
    Zufällig habe ich das Buch am selben Tag in einer alten Ausgabe von 1995 bei uns im Regal zuhause entdeckt, Preis damals: 16,80 Euro (8. Auflage).
    Da staunte ich sehr.

  • Hopeso

    Hopeso

    @Patrick Musial
    1995? €? Da staune ich auch sehr! :)

  • westley

    westley

    @ 11: "Euro" bei 16,80 war sicher ein Tippfehler, sollte DM heißen. Naja, von 1995 und noch im Regal erschreckt schon bisschen mehr...

    Aber im Ernst, da muss ich Herrn Musial Recht geben - als ich vor 20 Jahren mal Buchhändler gelernt habe, da kosteten HCs auch schon DM 39,80, manchmal DM 42.
    Heute Preise wie vor 20 Jahren - wer kann das sonst noch von sich behaupten...

  • westley

    westley

    zu 12: Da hatte ich bisschen schnell gelesen - das Buch steht im Regal daheim und nicht in der Buchhandlung, also muss ich auch nicht erschrecken...

  • Harry

    Harry

    @#7:
    "durchaus nicht immer nur niedrigere Preise gibt, wenn der feste Ladenpreis fällt."

    Das ist korrekt. Es gibt richtige (marktgerechte) Preise, wenn allein der Merkt, also die Anbieter und die Kunden über die Preise entscheiden.

    "Er verliert sogar, wen er mal nicht im Mainstream unterwegs ist."

    Das kann sien. Auch korrekt. Wie überall im Leben bezahle ich dann auch auf dem Buchmarkt für seltene Titel mit geringer Auflage und dennoch vorhandener Nachfrage etwas mehr. Die Discount-Butter ist natürlich auch deutlich billiger als die handgerahmte von einem kleinen irischen Minibauernhof.

    Nur konsumieren eben die günstigeren Massenprodukte sehr viel mehr Menschen als die kleinen Nischenprodukte. Eben auch wie überall im Leben.

    Aber wenn cih - wie die große Mehrheit der Menschen im land - eher zu den günstigen Discount-Lebensmitteln greife, warum sollte ich dann die Vorliebe meines Nachbarn nach handgerahmter irischer Minibauernhofsbutter mitbezahlen? Wenn er solche Produkte mag, steht es ihm frei, sie zu kaufen. Aber bitte von seinem Geld, nicht von meinem.

  • Patrick Musial

    Patrick Musial

    @ westley & hopeso:
    Sorry, natürlich waren es 1995 16,80 DM, gegenüber 7,00 Euro im Jahr 2013. Die Ausstattung beider Ausgaben ist identisch (TB, gleiches Format).

  • Schlechte Qualität zu hohen Preisen?

    Schlechte Qualität zu hohen Preisen?

    Stimme Lars Baumann aus Oberhausen zu: Ich bin bereit für Qualität zu zahlen, aber nicht für billig geklebten Mist, der nach 1x Lesen auseinander fällt. Mehr als 10 Euro dafür wäre einfach nur unverschämt! Dieses schlimme Charakteristikum des Kapitalismus (schlechte Qualität, weil an allem "gespart" wird) in einer "Kultur"branche ist ein Armutszeugnis!

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    Dürfen wir uns nach erfolgter Erhöhung der Preise (Buchpreisbindung? Watt'n Ding?) auf den Artikel "Soll man bei günstigen Anbietern aus dem Ausland bestellen, um nicht dauernd zwischen Essen und Lesen entscheiden zu müssen?" freuen? Oder wäre das dem zuviel Gebuckel vor dem großen Satan Kundenorientierung?

    @16

    Dieses schlimme Charakteristikum des Kapitalismus, dass man für genügend Geld auch angemessen Qualität erhält, ist im Vergleich zum hervorragenden Charakteristikum des Sozialismus - nein, nicht das Erschießen Andersdenkender, sondern dass alle den gleichen Schei... zum gleichen Preis (ausgenommen: Parteimitglieder) bekommen, natürlich unerträglich. Wenn doch nur diese Mauer nicht wäre, die einen am Verlassen des Landes hindert, könnte man glatt in eins der nicht-kapitalistischen Paradiese auswandern.

  • Sozialismus ungleich DDR / Stalinismus

    Sozialismus ungleich DDR / Stalinismus

    leider nun etwas off-topic:
    @Thorben-Finn: Wenn ich Kapitalismus kritisiere, heißt das nicht automatisch, dass ich Sozialismus propagiere. Dieses schlimme Charakteristikum ist einfach Fakt, und die angemessene Qualität ist 1. selten und 2. für die wenigsten erschwinglich.
    Aber selbst wenn ich damit Sozialismus propagierte: Ich weiß ja nicht, ob Sie schon einmal ein Geschichtsbuch oder ähnliches in die Hand genommen haben, aber die DDR, Sowjetunion und andere totalitäre "sozialistische" (auch national"sozialistische") Systeme sind NICHT stellvertretend für den Sozialismus. Dieser und Totalitarismus stehen sich schlichtweg diametral entgegen. Wenn Machthaber ihr System dann Sozialismus schimpfen, ist das faktisch die falsche Bezeichnung. Aber selbst wenn wir es Sozialismus nennen wollen, gibt es auch noch andere sozialistische Ideen, denen man Aufmerksamkeit zollen sollte, möchte man nicht tatenlos zusehen, wie die Menschen sich im Erdölrausch mit Atomwaffen gegenseitig ausrotten, während der eigene Nachbar einem fremder ist, als der Superstar aus Hollywood.
    Und noch etwas: Auch Machthaber kapitalistischer Systeme ließen und lassen Menschen erschießen oder irgendwie anders umkommen. Sie können ja z. B. mal ganz aktuell einen Blick nach Syrien werfen, wo die NATO kürzlich einen Krieg angezettelt hat. Oder nach Israel.

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