Umfrage unter Unternehmensberatern

Haben Sie einen ultimativen Spartipp für Buchhandlungen und Verlage?

Diese Frage hat das Börsenblatt acht Beratern der Branche gestellt, die Partnermitglied im Börsenverein sind. Hier die Antworten - als Anregung zum Jahresauftakt.

Gesucht: Der goldene Spartipp für die Branche

Gesucht: Der goldene Spartipp für die Branche © Fotolia

Jörg Winter

Jörg Winter © privat

Jörg Winter, Coaching und Beratung

"Die meisten Kosten lassen sich nicht in Größenordnungen senken, die wirklich relevant sind. Dennoch ist nüchternes wirtschaftliches Denken wie jedes Jahr gefordert: Welche Budgets stehen mir für die einzelnen Ausgabenpositionen zur Verfügung? Für Marketing und Werbung, fürs Team etc. Dazu braucht es eine Ertragsvorschau mit sicheren Daten und den Mut, Entscheidungen zu treffen. Um den einengenden Blick auf Kostenreduzierungen zu lösen, ist es oft wirksamer, auf die Suche nach Möglichkeiten zu gehen, an welchen Punkten des Tagesgeschäftes die Produktivität nachhaltig verbessert werden kann: Wie lässt sich der Umsatz je Mitarbeiterstunde erhöhen? Wie kann die Selbstbedienung optimiert und der Einkauf effektiv verändert werden?"

Gudula Buzmann

Gudula Buzmann © privat

Gudula Buzmann, Unternehmensberatung Loesung

"Das Weihnachtsgeschäft war erfolgreich, dafür sehen die Regale jetzt leer aus. Bei den ersten Kundenbemerkungen nach dem Motto "Schließen Sie?" wird auch der beste Buchhändlervorsatz zur Lagerhaltung über Bord geworfen und es wird oft mehr bestellt, als angemessen wäre. Die Kosten für diesen Überbestand begleiten die Buchhandlung weit ins neue Jahr hinein. Wer den Laden von der Anordnung der Tische und der Aufteilung in den Regalen jetzt sichtbar anders gestaltet, verhindert, dass Kunden unbewusst die Warenbestände des Weihnachtsgeschäfts mit denen im Januar vergleichen können. Der Lohn: bessere Liquidität beziehungsweise gesparte Zinsen bei oft sogar steigendem Umsatz durch inspirierte Kunden.

Bernd Köster

Bernd Köster © privat

Bernd Köster, Buchkontext Beratung

"Ein Tipp für den Verlagsbereich: Ein Controlling in Verlagen, das dazu führt,

  • dass Lektorate abgeschafft werden
  •  dass der Druck der Bücher so organisiert wird, dass nicht mehr gebündelt ausgeliefert werden kann
  •  dass wichtige Zielgruppen des Verlages nicht mehr erreicht beziehungsweise gepflegt werden

... kann man sich gewinnbringend sparen."

Dieter Durchdewald

Dieter Durchdewald © privat

Dieter Durchdewald, Unternehmensberatung

"Die Einsparpotenziale bei inhabergeführten Buchhandlungen und Verlagen sind meiner Beobachtung nach weit­gehend ausgeschöpft und die Kostensituation ist allerorten angespannt. Wer trotz allem mutig und weitsichtig ist, investiert im kommenden Jahr in den entscheidenden Bereichen. Diese Bereiche haben sowohl beim Handel als auch beim Produzenten direkt oder indirekt mit der Optimierung der Kunden­beziehungen zu tun."

Joachim Merzbach

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Joachim Merzbach, Merzbach Consulting

"Nahezu zwei Drittel aller Kosten entfallen auf die Personalkosten. Sollte gerade hier gespart werden, wo die inhabergeführten Buchhandlungen mit Beratungskompetenz (gegenüber Versandhändlern) punkten können? Eher nicht. Besteht die Möglichkeit beim zweitgrößten Kostenfaktor – den Raumkosten – zu sparen und auf Entgegenkommen der Vermieter zu bauen? Kaum. Aber: Laut "Buch und Buchhandel in Zahlen 2016" beträgt die Handelsspanne bei vielen kleinen und mittleren Buchhandlungen nur 28 bis 31 Prozent. Durch Einkauf über Verbünde (zum Beispiel eBuch, LG Buch, Nordbuch, Buchwert), aber auch durch entsprechende Angebote der Barsortimente lassen sich Verbesserungen um zwei bis drei Prozentpunkte vom Umsatz erreichen.

Klaus-W. Bramann

Klaus-W. Bramann © privat

Klaus-W. Bramann, Bramann Verlag und Beratung

"Kostenfresser im Buchhandel? Bei den kleineren Marktteilnehmern, die ich überwiegend betreue, wird ohnehin jeder Euro umgedreht und an vielem gespart – leider auch am Marketing. In Erstaunen versetzt es mich aber trotzdem, dass manche Firma die Angebotspalette des Vorteilsprogramms Seitenreich des Börsenvereins immer noch nicht als "geldwerten Vorteil" begreift. So gibt es für mich nur ein Argument, das Stromangebot von Seitenreich nicht anzunehmen: Wenn der örtliche oder regionale Anbieter Kunde der ­Buchhandlung ist."

Rolf Reisinger

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Rolf Reisinger, Reisinger Unternehmensberatung

"Sicherlich gibt es in jedem Unternehmen Potentiale, um Kosten zu senken. Allerdings wird damit nicht das Kernproblem der Branche gelöst. Gemeint sind die zu niedrigen Buchpreise und die oft nicht kostendeckenden Einkaufskonditionen. Besonders bei den kleineren Buchhandlungen ist der Wareneinsatz als Hauptkostenblock viel zu hoch beziehungsweise die Handelsspanne (Umsatz minus Wareneinsatz einschließlich Bezugskosten) viel zu niedrig. Aber auch Verlage und Barsortimente leiden unter zu geringen Margen. Dies liegt an den Titelpreisen, die von den Verlagen festgesetzt werden, und an den Konditionen, die die Verlage und das Barsortiment gewähren.

Das Preisproblem hat die Branche schon seit Jahrzehnten: Der Laden-Durchschnittspreis, der 14,59 Euro in 2015 betrug, ist niedriger als in 2002 (15,62 Euro) als der Euro eingeführt wurde und sogar niedriger als 1988 (14,76 Euro), als KNV damit begann jährlich den absatzgewichteten Buch-Durchschnittspreis zu ermitteln. Um den Rückgang des Durchschnittspreises und den inflationsbedingten Kaufkraftverlust auszugleichen, hätten seit 2002 die Buchpreise insgesamt um rund 30 Prozent steigen müssen, bezogen auf 1988 sogar um über 45 Prozent.

Insofern wünsche ich den Verlegern und allen Beteiligten, die in den Verlagen mit der Festlegung von Preisen und Konditionen zu tun haben, sowie allen Verantwortlichen in den Barsortimenten, die über Rabatte und Berechnungsstrukturen von Bezugskosten entscheiden, in 2017 und den daran anschließenden Jahren viel Mut und Kraft, die Bücherpreise sukzessive auf ein "inflationskonformes" Niveau anzuheben und auch den kleineren Buchhandlungen auskömmliche Konditionen zu gewähren.

Michael John

Michael John © privat

Michael John, John Holding

"Eine einfache Lösung der Frage, welche Kostenfresser sich im Buchhandel (oder im Verlag) vermeiden lassen, ist von meiner Seite aus in ein paar Sätzen nicht möglich. In der kreativen Buchhandels- und Verlagsbranche ist jedes Unternehmen einzigartig und gleichzeitig komplex. Es bedarf daher bezüglich einer solchen Frage immer der exakten Ist-Analyse des Unternehmens. Erst nach einer solchen Analyse lässt sich fundiert sagen, an welchen Stellen man Kosten sparen oder eindämmen kann."

7 Kommentar/e

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  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Auffällig ist, dass sämtliche Befragten die eigentlich relevante Frage meiden: Wie halte bzw. steigere ich den Umsatz?

  • Stephan Jaenicke

    Stephan Jaenicke

    Klar, diese Frage war ja auch nicht gestellt. Da fällt es leicht, sie zu "vermeiden".

  • Stefan Soyka

    Stefan Soyka

    Ehrlich gesagt, hatte ich nicht viel erwartet von den Ekschperde und war angenehm überrascht. Mein Fazit: Alles was jetzt noch gespart wird, geht an die Substanz und gefährdet den Erhalt, erst recht die Entwicklung des Unternehmens. Wenn man sich ein bisschen den Kopf zerbricht, kann man auch ohne hohen Aufwand Mehrwerte für den Kunden schaffen, z. B. durch bessere Information über den Verlauf einer Bestellung. Es ist schmerzhaft, Geschäftsdrucksachen beim billigen Onlinedrucker zu bestellen statt bei dem langjährigen Geschäftspartner, weil man sich von den eigenen Kunden mehr Solidarität wünscht. Trotzdem erliege ich bei Drucksachen gelegentlich der Versuchung, wenn die Alternative heißt, nicht zu werben.

  • Annegret Wehland

    Annegret Wehland

    Meiner Meinung nach ist ein wichtiger Stellhebel mit großem Einsparpotential die Motivation und die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter – durch Personalfluktuation, durch häufige Fehlzeiten, durch lange Erkrankungen wie Burnout entstehen den Unternehmen "versteckte" Kosten. Deshalb kann es sinnvoll sein zuerst für eine Verbesserung der Unternehmenskultur zu sorgen.

  • Ulrike Kok

    Ulrike Kok

    @annegret wehland
    Das ist der wichtigste Punkt für ein Unternehmen: die Unternehmenskultur.
    Ist diese beim Betreten der Buchhandlung spürbar? Leben Chefs und Mitarbeiter gleichsam die Unternehmenskultur? Diese ist keine Schönschrift und bedruckt auf hochglänzendem hochwertigem Papier, sondern erfindet und findet sich in der gegenseitigen ständigen Wertschätzung von Menschen wieder. Dann stimmen auch Motivation, Zufriedenheit, Ergebnisse - bei angstfreier und kreativer Atmosphäre in der Buchhandlung.

  • Andreas Lentz

    Andreas Lentz

    Herr Reisinger hat es auf den Punkt gebracht: Nicht Sparen ist der Schlüssel, sondern die Buchpreise und vor allem die Konditionen. Derzeit sind Letztere der Treibsatz der Filialisierung, weil eine x-beliebige unabhängige Buchhandlung, sobald sie von einem Filialisten übernommen wird, durch den höheren Rabatt die Rendite vervielfacht. Hier sollten die unabhänggen Buchhhändler viel mehr Druck auf die Verlage ausüben - oder besser: die Verlage würden endlich einsehen, dass leistungsbezogene Rabatte vor allem ihnen und ihrer Programmvielfalt dienen.

  • If

    If

    Den Pelz waschen ohne nass zu werden, das geht nicht. Einerseits vehement die Buchpreisbindung zu verteidigen und andererseits über zu niedrige Preise jammern, erscheint fast grotesk. Wem Zwangsrabatte von 20 % und Mehr noch zu wenig sind, sollte dringend eine betriebswirtschaftliche Fortbildung besuchen.

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