Umfrage zum "Das Literarische Quartett"

Keine Impulse für den Buchhandel

Eine Börsenblatt-Umfrage unter Buchhändlern zeigt: Trotz guter Einschaltquoten sorgte der Auftakt des neu aufgelegten "Literarischen Quartetts" zunächst kaum für Impulse im Buchhandel. Die Sendung konnte keine Kaufanreize für die besprochenen Bücher setzen, so der Tenor.

Mehr als 1 Millionen Zuschauer trotz der fast mitternächtlichen Sendezeit – 45 Minuten Schlagabtausch zwischen den drei fest besetzen Moderatoren Volker Weidermann, Christine Westermann, dem äußerst spitzzüngigen Maxim Biller sowie Gastkritikerin Juli Zeh – vier vorgestellte Bücher, über die herzhaft gestritten wurde:

  • "Der dunkle Fluss" von Chigozie Obioma
  • "Macht und Widerstand" von Ilija Trojanow
  • "Träumen" von Karl Ove Knausgard
  • "Fieber am Morgen" von Péter Gárdos

Hat sich die Sendung auf die Nachfrage in Buchhandlungen ausgewirkt? Eine Umfrage des Börsenblatts: 

Martina Bergmann (Buchhandlung und Bergmann Verlag, Borgholzhausen):

"Ein Kunde hat sich erkundigt, ob Christine Westermann jetzt eine Intellektuelle ist. Das fand ich lustig. Aber zu den Büchern − nichts. Nicht eine Nachfrage."

Kathrin Olzog (Barbara Buchhandlung, Moers):

"Moers meldet Verkäufe: 3x 'Fluss', 3x 'Widerstand', 2x 'Träumen' und 2x 'Fieber' und die Knausgård Backlist − wir hatten schon vorher Abverkauf, weil wir die Titel extra mit 'Besprechung im Literarischen Quartett' beworben haben."

Michael Mertens (Witsch + Behrendt, Bonn):

"Keine Nachfrage, aber das wundert mich nicht. War zwar ganz unterhaltsam, wie die Vier sich anzickten, aber die Bücher kamen nicht 'gut rüber' in dem Sinne, dass irgendein Leseinteresse geweckt worden wäre ..."

Kathrin Schmidt (Buchhandlung Lesezeichen, Germering):

"Bis jetzt noch keine Verkäufe. Ich fand die männlichen Selbstdarstellungen eher beschämend, aber die Tatsache, dass endlich mal wieder im Fernsehen über Bücher geredet wird, erfreut mich sehr. Ich werde auch sicher die nächste Folge ansehen. Schade nur, dass die Protagonisten nicht ihr eigenes Profil besser darstellen sondern versuchen eine Kopie von Löffler & Co zu werden. Frau Westermann kam da irgendwie ziemlich 'hausmütterlich' rüber."

Klaus Kowalke (Lessing & Kompanie, Chemnitz):

"Erstaunlich: Heute 3 x Ilija Trojanow: 'Macht und Widerstand' verkauft, sonst keine Nachfrage bezüglich der Titel aus der Sendung sondern nur Gespräche über die Sendung, nicht über die Bücher, immerhin muss man sagen! Gut: Literatur im Fernsehen! Schlecht: Das Niveau der Sendung war zum Fremdschämen. Eine peinliche Sendung. Billers und Weidermanns Urteil über Trojanow zeigt, hier haben die Herren keinen literarischen Sachverstand bewiesen. Das war billig und so ging es weiter. Peinliche Selbstdarstellung."

Ralf Keulen (Inselbuchhandlung Schröder Wangerooge):

"Von mir gibt´s eine glatte 5 für die Premiere des neuen Quartetts. Leider hat es die Sendung nicht geschafft, Lust auf die vorgestellten Bücher zu machen, weil die Protagonisten viel zu sehr mit Ihren Eitelkeiten beschäftigt waren. Hätte Herr Weidermann sich genauso intensiv mit der ihm zugedachten Gesprächsführung beschäftigt wie vorher mit seiner Justin-Bieber-Frisur, hätte es nicht so unsägliche Szenen gegeben, wie die, als Juli Zeh drei Mal (!) sagte: 'Darf ich bitte selber erklären, warum mir das Buch nicht gefällt?', aber trotzdem nur Maxim Biller sprach und Juli Zeh auch anschließend nicht mehr zu Wort kam. Und gegenüber Frau Westermann hat Biller schon in der 1. Sendung das versucht, was zwischen Reich-Ranicki und Frau Löffler zum Bruch führte, nämlich Sie auf einer persönlichen Ebene anzugreifen, statt auf der Literaturkritischen.

Frau Westermann ist dagegen viel mehr Mainstream als die verkopft/studierten Zeit/Spiegel/FAZ-Kritiker, was dazu führt, dass die Herren Sie eigentlich nicht für voll nehmen. Stellt Euch vor, Sie würde im Quartett eines Ihrer Lieblingsbücher (und von hunderttausenden Lesern) wie 'Zwei an einem Tag' vorstellen, die Kitsch-Keule würde Sie erschlagen, bevor sie drei Sätze gesprochen hätte. Und Frau Zeh hat leider den Fehler begangen, ein eher schwaches Buch eines guten Freundes vorzustellen und somit ihr Match 1:3 zu verlieren, wie Herr Weidermann am Ende der Sendung konstatierte. Und die Leser stürmen die Buchhandlungen, um welches Buch zu kaufen? Gar keins! Denn alle reden nach der Sendung über die eitle Nabelschau der Kritiker und keiner über die Bücher. Schade. Eine vertane Chance ..."

Felix Wegener (Marketingmanager Readbox):

"Wir wollen ja keine Diskussion über die Sendung führen, aber... Auch ich bin kein Fan von diesem Quartett − bisher. Ich wage es nicht einen Vergleich zu ziehen. RR, Karasek und Löffler gibt/gab es halt nur einmal, nun sitzen drei völlig unterschiedliche Leutchen vor der Linse. Eine Chance gebe ich diesem Trio allemal. Ist doch eines viel wichtiger: Die Literatur ist zurück im TV. Das Niveau? Mag dem einen zu niedrig oder dem anderen sogar zu hoch sein − egal. Es wird wieder diskutiert − über Literatur und über Literaturkritiker. Wunderbar. Und auch die Buchauswahl wird sich verändern, mitwachsen mit den Protagonisten dieses neuen, anderen Quartetts. Wie gesagt, ich bin noch kein FAN, bin aber neugierig auf die nächste Sendung."

Sven Puchelt (Buchhandlung LiteraDur Bücher & Noten, Wilferdingen):

"Ich trauere Wolfgang Herles und dem 'Blauen Sofa' hinterher. Keine Streitgespräche, aber gut geführte Autoreninterviews und Berichte, die Lust auf das Lesen der vorgestellten Bücher gemacht haben. Hat sich aber im Umsatz auch kaum niedergeschlagen. Wir bekommen bei weitem mehr Anfragen zu Titeln, die im Radio (Deutschlandfunk, SWR etc.), vorgestellt werden."

Ludger Derrix (Bücherkoffer Derrix, Geldern):

"Auch hier noch gar nichts, war auch eher skeptisch. Da hat der 'Kölner Treff' oder Christine Westermann (WDR) erheblich mehr Auswirkungen!"

Bernd Muckenfuß (Stegmaier-Buchhandlung am Stadtplatz):

"Wenn der 'Literaturclub' vom Schweizer Fernsehen läuft, kommen in den folgenden Tagen immer wieder Nachfragen nach den Büchern, aber nach dem 'Quartett' kam bisher keine einzige Nachfrage - mit einer Ausnahme: Gerade war eine Frau da. Sie erzählte, dass sie 'Das literarische Quartett' gesehen hat und nun Bücher von Juli Zeh wolle. Ich war etwas verwirrt und habe sie gefragt, ob sie das Buch, das Frau Zeh vorgestellt hat wolle. Der Blick, der mich ob der Frage traf, hätte nach einem unsittlichen Antrag nicht schlimmer sein können. Sie erklärte mir dann, die Sendung habe Lust auf Juli Zehs Bücher gemacht, aber doch nicht auf die vorgestellten!"

Susanne Martin (Schillerbuchhandlung Stuttgart):

"Bei uns auch keine Nachfrage. Ich fand die Sendung auch ziemlich schwach und sehr bemüht, kein Vergleich zu den früheren, wobei diese auch mit der Zeit nachgelassen hatten. Besonders geärgert hat mich, wie die beiden Herren, die beiden Frauen abgewürgt haben, vor allem Juli Zeh."

Dorothee Junck (Buchladen Neusser Straße):

"Wir haben Tisch dekoriert − keine Nachfrage. Mich stört die Wiederbelebung des alten Formats. Juli Zeh könnte einen Dauerplatz bekommen. Im Kundengespräch gab es auch nur verhaltene Reaktionen zur Sendung."

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1 Kommentar/e

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  • Ulrike Musial

    Ulrike Musial

    Wurde auch nur auf ein einziges Buch in der Sendung Lust gemacht? Mir kam es vor wie eine Gerichtsverhandlung. Drei Ankläger, eine Verteidigerin/Verteidiger. Und was soll man von dem Satz halten: "Ich hatte mir ja vorgenommen, dass Buch schlecht zu finden.." ? Auf mich wirkte es eher wie eine Leseverhinderungsveranstaltung.

    • ...

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