Umfrage zur Datenqualität im VLB

Auf Hochglanz polierte Metadaten? Schön wär's...

Das Verzeichnis lieferbarer Bücher, kurz VLB, kann nur so gut sein wie die Datenpflege der Verlage - auch mit der neuen technischen Infrastruktur, die im August an den Start geht. Warum sind aktuelle, vollständige Metadaten für den Buchhandel so wichtig? Sechs klare Antworten von Buchhändlern und WebShop-Managern.

Christoph Kaeder, WebShop-Manager, Schweitzer Fachinformationen

"Fehlende Informationen können leicht zum Super-Gau führen: der Artikel ist im WebShop, aber der Kunde kann ihn mit seinen Suchbegriffen nicht finden. 

Am schlimmsten aber sind die falschen Informationen, weil wir Buchhändler dann unseren Kunden auch falsche Versprechen machen. Das ist nicht fair. Um Kauf-Lust zu entwickeln, muss sich auch im Web ein Artikel gut "anfühlen".

Ohne Cover, Beschreibungen, Leseproben und umfangreiche bibliographische Daten ist das nicht möglich. Ein spartanischer Eintrag gewinnt vielleicht die Muss-Käufer, aber alle anderen Kunden ziehen weiter." 

Christoph Maris, Leiter Supply Chain Management, Thalia

"Online wie offline sind aktuelle Verfügbarkeitsinformationen entscheidend. Der Buchhändler muss dem Kunden verlässlich sagen können, ob ein Titel lieferbar ist oder nicht. Diese Erwartungshaltung hat der Kunde im Internet gelernt."

Tobias Schmid, Leiter E-Commerce, Osiandersche Buchhandlung

"Mein Appell an die Verlage: Wenn Ihr wollt, dass Kunden Eure Bücher finden, dann macht sie durch gute Metadaten sichtbar. Die Betonung liegt allerdings auf gut – denn es gibt auch schlechte Metadaten. Vor allem bei E-Books werden oft zu viele und unpräzise Schlagworte vergeben, die potenzielle Kunden in die falsche Richtung führen.

Wenn etwa in einem Entwicklungsroman die Schulzeit eine große Rolle spielt und deshalb das Schlagwort "Gymnasium" vergeben wird, landet das Buch bei einer Suchabfrage im Titelpool zum Thema Gymnasialbildung. Der Kunde "verläuft" sich, das Produkt wird unsichtbar.

Hier wäre beispielsweise eine Schlagwortkette sachdienlich, über die präzisiert wird, dass es sich um eine belletristische Behandlung des Themas handelt. Aber man hat den Eindruck, dass in vielen Verlagen Personen am Werk sind, die weder wissen, was der Unterschied zwischen Stichwort und Schlagwort ist, noch den Begriff "Schlagwortkette" überhaupt kennen.

Metadaten sind kein Abfallprodukt und keine Aufgabe für Praktikanten, sondern ein zentraler Prozess im Verlag. Auch bei größeren Verlagen kann es übrigens durchaus vorkommen, dass Klappentexte zu Büchern fehlen oder dass hanebüchene Schlagworte vergeben werden. Verlage verstellen sich so selbst den Weg zum Käufer."

Franziska Bickel, Buchhandlung Vogel, Schweinfurt

"Viele Titel, die bei den Barsortimenten längst als vergriffen gekennzeichnet sind, werden im VLB immer noch als lieferbar geführt – mit fatalen Folgen. Oft kommen Kunden zu uns, freuen sich, dass ein Buch laut buchhandel.de noch zu haben ist – und wir müssen sie enttäuscht wieder wegschicken, weil der Verlag keine Exemplare mehr hat. Das ist für uns unbefriedigend, für die Kunden auch – und es untergräbt die Glaubwürdigkeit des Sortiments.

Falsche Lieferdaten sind ein immer wieder kehrendes Thema im Buchhändleralltag. Und letztlich fällt der Unmut des Kunden auf uns, auf die Buchhandlung Vogel in Schweinfurt zurück. Deshalb ärgert es mich auch, wenn das VLB Steigerungsraten bei der Datenqualität verkündet. Denn bei der Lieferbarkeitsangabe ist es auch mit 60,5 Prozent nicht getan – wir Buchhändler brauchen Verlässlichkeit.

Auch den großen Verlagen rutscht der eine oder andere Titel nach wie vor durch. Es sind keineswegs pauschal nur die kleinen Häuser, die ihre Lieferbarkeitsdaten nicht aktualisieren. Und Institutionen, Museen wissen oft gar nicht mehr, dass es überhaupt einen VLB-Eintrag für ihre Bücher gibt, wenn wir dort auf Kundenwunsch nachfragen. So etwas ist einfach unprofessionell. Entweder man ist dabei und pflegt seine Titeldaten im VLB vernünftig – oder aber man lässt es bleiben."

Timm Riedl, WebShop Manager, Lehmanns Media GmbH

"Bücher verkaufen sich nur, wenn der Kunde sie zum einen findet und er zum anderen darauf vertraut, dass der Titel seinen Erwartungen entspricht. Gerade im Online-Handel hat der Kunde aber nur eine Chance die für ihn passenden Artikel zu finden, wenn Meta-Daten wie Klassifikation oder Schlagwörter korrekt und umfassend zu Verfügung stehen.

Hat der Kunde den Artikel nun entdeckt, muss er entscheiden, ob sich eine Bestellung auch lohnt. Und würden Sie ein Buch bestellen, das angeblich 0 Seiten hat und in 2014. Auflage vorliegt? Oder ein Titel dessen Beschreibung gerade mal 2 Zeilen umfaßt und zu dem es nicht wenigstens ein Cover zu sehen gibt? Ich nicht, denn anscheinend hat man sich mit dem Buch nicht viel Arbeit gemacht. Das ist im Allgemeinen kein gutes Zeichen und wirkt auf den Verbraucher abschreckend.

Speziell bei Lehmanns stellen wir fest, dass vor allem Sach- und Fachbuch-Käufer oftmals Inhaltsverzeichnisse und Probekapitel vermissen, wenn sie online einkaufen. Verständlich – in der Buchhandlung schlägt man das Buch ja auch erst mal auf, bevor man es zur Kasse trägt."

Dieter Dausien, Buchladen am Freiheitsplatz, Hanau

"Für den Buchhandel, aber auch für die Verlage selbst (!) ist es unerlässlich, dass zum einen aktuelle und zum anderen vollständige Daten zur Verfügung stehen.

Aktuelle, damit wir den Kunden möglichst genaue und möglichst korrekte Angaben über Erscheinungstermine machen können. Das gleiche gilt für die Auflage: Wie oft steht noch die alte, längst vergriffene Ausgabe im VLB, während die neue längst erschienen ist. Vollständige Daten sind wichtig, um über den Inhalt beraten zu können, aber auch um genau die gewünschte Ausgabe identifizieren zu können.

Im Schulbuch zum Beispiel wird die Vielfalt immer größer: Schulform, G8/G9, mit und ohne CD oder Aussprachetrainer etc. Da geht es nicht mehr ohne genaue und konsistente Angaben und ohne Coverabbildung. Aber auch bei der ganz normalen Belletristik möchte der Kunde wissen, welche Chronologie die Kommissar-X-Bücher haben oder welches der 5. Band der Y-Saga ist.  Ich denke, die Verlag müssen die Datenpflege fest in ihre Workflows integrieren, damit alle Änderungen der Titeldaten unmittelbar und automatisch ans VLB und an die Barsortimente gehen."

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