USA verweigern Iljia Trojanow die Einreise

Der Weltensammler muss draußen bleiben

Er war auf einen Germanistenkongress in den USA eingeladen: Aber nach dem Protest gegen die Überwachung durch US-Geheimdienste wurde dem Bestseller-Autor Iljia Trojanow kurzerhand die Einreise verweigert. So strandete er auf einem Flughafen in Brasilien.

Der Schriftsteller Ilija Trojanow wollte von Brasilien nach USA reisen, um in Denver (Colorado) an einem Germanistenkongress teilzunehmen. Sein Flug war über Miami gebucht, wo er umsteigen sollte. Am Flugschalter der American Airlines in Salvador, Brasilien, wurde Trojanow nach Meldung des PEN Deutschland mitgeteilt, dass die Fluggesellschaft angewiesen sei, die US-amerikanischen Behörden über seine Ankunft am Flughafen zu informieren. Nach Prüfung seiner Daten wurde ihm nicht gestattet, das Flugzeug nach Miami zu betreten.

"Mir ist heute die Einreise in die USA trotz 'approved ESTA' und gültiger Dokumente ohne Angabe von Gründen verweigert worden", teilt der Schriftsteller auf seiner Facebook-Seite mit. Gemeinsam mit Juli Zeh und anderen Autoren hatte Trojanow rund 70.000 Unterschriften unter einem offenen Brief vor zwei Wochen im Kanzleramt abgegeben. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, gegen die flächendeckenden Abhörmaßnahmen der Geheimdienste in Deutschland vorzugehen. Trojanow und der PEN sehen dies als wahrscheinlichen Grund für das Einreiseverbot.

"Formulieren wir es mal positiv: Unser aller Engagement zeigt Wirkung. Es wird zur Kenntnis genommen. Formulieren wir es negativ: Es ist eine Farce. Die reine Paranoia. Menschen, die sich für Bürgerrechte stark machen, werden als Staatsfeinde behandelt", kommentierte Trojanows Mitstreiterin Juli Zeh den Vorgang.

Trojanow meldete sich in der "FAZ" zu Wort.

„Dass einem Autor, der seine Stimme gegen die Praxis der Überwachungsstaaten erhebt, nun die Einreise ins ‚land of the brave and free’ verweigert wird, muss man wohl mehr als ironisch nennen“, schrieb Ilija Trojanow, der seither in Brasilien festsitzt, in einer ersten Reaktion.

PEN-Präsident Josef Haslinger forderte im Namen des deutschen PEN gemeinsam mit vielen unterzeichnenden Autoren und Verlegern (darunter Michael Krüger, Jo Lendle, Artur Becker und Eva Menasse) die Bundesregierung auf, diesen Fall umgehend aufzuklären.

 

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1 Kommentar/e

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  • Bernd Paysan

    Bernd Paysan

    Bürgerrechtler waren schon in den 70ern Staatsfeinde. Martin Luther King wurde überwacht; vermutlich auch von staatlicher Seite ermordet. Das ist nichts neues, der Faschismus hat in den USA gleich nach dem 2. Weltkrieg Fuß gefasst. McCarthy, Kissinger, und so weiter, das war doch kein Zufall!

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