Verlagerung der Logistik in neue Auslieferlager

Amazon beliefert deutsche Kunden über Polen

Amazon hat damit begonnen, Warenlieferungen in zwei neueröffnete Logistikzentren nach Polen umzuleiten. Dies geht aus einem Schreiben von Amazon S.a.r.l (Luxemburg) hervor, das deutschen Verlagen zugegangen ist.

Darin werden die Verlage aufgefordert, Waren künftig an die beiden neuen Lager in Poznan und Wroclaw zu liefern. Dass dabei höhere Frachkosten anfallen, scheint Amazon nicht zu interessieren. Von Polen aus werden dann vermutlich grenznahe Regionen im Nordosten und Süden Deutschlands beliefert.

Es handelt sich also nicht um einen Warenexport, sondern um einen vorübergehenden Warentransfer nach Polen, dessen Ziel wiederum Kunden von Amazon.de in Deutschland sind, wie es in dem Amazon-Schreiben ausdrücklich heißt. Mit anderen Worten: Bücher werden für einen unbestimmten Lagerzeitraum nach Polen verschifft, um dann von dort wieder an Besteller aus Deutschland zurückgeschickt zu werden.

Schon im Oktober 2013 war bekannt geworden, dass Amazon fünf neue Logistikzentren in Polen und Tschechien eröffnen will. Offenbar will Amazon damit nicht nur die beiden östlichen EU-Staaten beliefern, sondern auch Ausweichkapazitäten für den deutschen Markt schaffen – ein Schritt, der die permanenten Streiks in deutschen Logistikzentren ins Leere laufen lassen könnte. Zudem kann Amazon Mitarbeiter in Polen zu niedrigeren Löhnen einstellen als in Deutschland - zu einem Stundenlohn von durchschnittlich 3,98 Euro (16,22 Polnische Zloty), wie polnische Zeitungen berichten, wird angeheuert. Nicht nur bei der Ansiedlung von Unternehmen kommt die polnische Regierung Firmen entgegen - die Unternehmen profitieren dank Sonderwirtschaftszonen bis ins Jahr 2026 in bestimmten Gebieten auch von Steuerermäßigungen bis zu 70 Prozent, so auch Amazon.

Die Verlagerung der Warenlieferungen nach Polen bedeutet vermutlich auch, dass es in Deutschland künftig weniger "Arbeitsplatzwunder Amazon" geben wird. Noch ist nicht bekannt, wieviele Verlage mit welchen Warenvolumina von der neuen Logistik-Praxis betroffen sind.

 

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36 Kommentar/e

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  • Buchhändler

    Buchhändler

    Oh man Leute, jetzt müsst ihr aber aufwachen.....BiTTE.

  • Ein Kunde

    Ein Kunde

    Gerne, wenn der Buchhandel ebenfalls erwacht, von seinem hohen Roß heruntersteigt und das Wort "Kundennähe" neu definiert, bin ich dabei...Danke.

  • Verleger

    Verleger

    @Kunde: Wer, bitte, ist denn "der Buchhandel". Ich kenne jede Menge Buchhandlungen, die genau das sehr ernst nehmen: Kundennähe und Buchkultur. Warum nur tritt man sich lieber immer vors eigene Bein, statt den wirklichen Gegner zu treffen? Solche Pauschalierungen helfen doch nun wirklich nicht weiter.
    Im Übrigen sind im Moment eher die Verlage am Zug, Amazon zu zeigen, dass sie nicht alles mit sich machen lassen. Das Schielen auf den kurzfristigen Erfolg war noch nie ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

  • Harry

    Harry

    Die Lager in Posen und Breslau waren ja schon länger geplant und im Bau. Dennoch haben viele Sieten immer wieder gewarnt, dass wenn Verdi in den deutschen Niederlassungen mit den Streiks so weitermacht, sie ganz schnell ein zweites Schlecker erleben werden. Man erinnere sich: Es war damals vor allem Verdi, die durch massive Klageunterstützung gekündigter Mitarbeiter auch allen verbliebenen schließlich den Arbeitsplatz wegnahmen. Das war nicht nur ein riesiger PR-Gau für Verdi, es zeigte auch, was Arbeitnehmer von Verdi erwarten können. Ähnliches, wenn auch in einem anderen Ausmaß, droht auch bei Amazon.

    Zwar gibt es nciht sehr viele Gewerkschaftsmitglieder bei Amazon und somit waren die Streikversuche Verdis bei Amazon auch erfolglos. Dennoch wird Amazon genau beobachten, was Verdi da treibt. Da Verdi angekündigt hat, weiter zu machen, wird Amazon sicher den bereitwillig wartenden polnischen Arbeitern gerne ein Angebot machen.

  • dagmar

    dagmar

    "Steuerermäßigungen bis zu 70 Prozent"

    70% weniger als 0% ist immer noch 0%....

    @Harry: ja, ja, die Gewerkschaft ist schuld. Klar. Wer sich wehrt, lebt verkehrt. Aber es wird nicht lange dauern, bis die Gewerkschaften in Polen sich gegen amazon aufstehen werden. Von 4 Euro Stundenlohn kann man dort nicht leben. Im grenznahen Bereich ist es viel teuerer in Polen zu leben, als in Brandenburg oder in Berlin. Deswegen ziehen viele Polen nach Ostdeutschland.

  • dagmar

    dagmar

    Eine andere Frage wäre ob dies geeignet wäre, die Preisbindung in D zu unterlaufen?

    Und ob der Treuhändler des Börsenvereins mal vor hat, regelmäßige Fälle des Preisbindungsbruch durch Amazon-Firmen (damit meine ich nicht amazon.de) in Deutschland endlich zu untersuchen. Oder hat der Börsenverein schiß?

  • Harry

    Harry

    @dagmar:

    "ja, ja, die Gewerkschaft ist schuld. Klar. Wer sich wehrt, lebt verkehrt."

    Wer sich "wehrt" - wogegen eigentlich?, er hat dem Arbeitsvertrag doch selbst in dieser Form zugestimmt - muss mit den Konsequenzen leben. Und diese Konsequenzen habe ich beschrieben. Schlecker war ein Desaster für Verdi. Das nächste wartet schon.

  • Wir VERDIenen mehr

    Wir VERDIenen mehr

    Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag acht Stunden Arbeitszeit festgelegt sind und der Arbeitgeber von ihnen auf einmal ständig 12 und mehr Stunden verlangt, machen Sie das dann mit? Sie haben ja schließlich den Vertrag unterschrieben, da müssen sie dann auch mit allen Konsequenzen leben.

    Und wenn Sie dann doch auf Ihre vertragliche Arbeitszeit bestehen sollten und der Arbeitgeber Ihnen deshalb wegen "Arbeitsverveigerung" die Kündigung ausspricht, nehmen Sie das dann auch hin? Sie haben ja schließlich den Vertrag unterschrieben, da müssen sie dann auch mit allen Konsequenzen leben.

    Und so weiter. Dieses obrigkeitshörige "Friss oder Stirb"-Getue in deutschen Firmen ist schuld daran, dass bei uns zunehmend amerikanische Verhältnisse Einzug halten.

  • Buchhändler

    Buchhändler

    @Kunde, ich bin schon seit 35 Jahren Buchhändler und kann mit Stolz sagen ,ich habe immer auf Augenhöhe mit dem Kunden gearbeitet und ich arbeite immernoch in einem Familienbetrieb dem dies sehr wichtig ist, denn unsere Kunden bezahlen meine Miete , schade finde ich ,das vieles sehr schnell verallgemeinert wird und wenn ich einmal nicht korrekt bedient wurde, dann gleich alle Buchhandlungen gemeint sind.........

  • Harry

    Harry

    @Wir VERDIenen mehr:

    Wenn in meinem Arbeitsvertrag eine Arbeitszeit von acht Stunden steht, dann schulde ich vertraglich meinem Arbeitgeber auch nur acht Stunden. Wenn ich freiwillig - gegen eine entsprechende Vergütung beispielsweise - mehr arbeite, ist das natürlich nett von mir, aber nicht vertraglich einzufordern.

    Und wenn mir mein Arbeitgeber mit der Begründung kündigt, ich würde meinen Arbeitsvertrag nicht erfüllen, obwohl dies nachweislich falsch ist, dann steht mir selbstverständlich der Gang vor das Arbeitsgericht offen - mit guten Aussichten auf Erfolg.

    Aber darum geht es nicht. Verdi möchte gerne mehr Lohn für seine Mitglieder bei Amazon. Und genau darauf bezog ich mich, als ich schrieb, dass die wenigen streikenden Verdi-Mitglieder ja bei Unterzeichnung ihres Arbeitsvertrages genau dem Lohn zugestimmt haben, gegen den sie jetzt streiken.

  • moudy

    moudy

    Na, dann sparen wir ja mächtig. Unternehmen, die Steuern ausweichen, wo nur möglich, Löhne, die von den Arbeitsagenturen aufgestockt werden müssen, damit die Menschen davonleben können oder gleich ganz von den Arbeitsagenturen finanzierte Paraktika zu den Spitzenzeiten. Was ist daran billig, für den den Steuerzahler eher nichts. Und wenn dann die Löhne auch in Polen noch zu hoch sind, wird eben ganz auf Robotersysteme umgestellt. Nein Danke!
    Mein Geld bekommt wieder der Buchhändler. Der ist nett, liest sogar die Bücher, die er verkauft und gibt mir ab und zu einen richtig guten Tip, trägt mit seinen Steuern zum Gemeinwohl bei und wenn etwas bestellt werden muss, habe ich es genauso schnell, als wenn ich den ganzen Tag auf den Paketdienst warten muss.
    Onlinebestellungen wieder bei fairen Löhnen und Steuerzahlungen in dem Land, in dem der Käufer wohnt (auch unsere Infrastruktur finanziert sich nicht von selbst).

  • Christian Sprang

    Christian Sprang

    @Dagmar (Beitrag 6.)

    § 4 Abs. 2 des Buchpreisbindungsgesetzes verhindert, dass Buchhändler Bücher zur Umgehung der Preisbindung aus benachbarten EU-Staaten ex- und reimportieren können. Da müssen Sie also keine Sorge haben.

    Im Übrigen gibt es wohl keine Firma, die häufiger anwaltlich und/oder gerichtlich vom Börsenverein und den Preisbindungstreuhändern wegen Verstößen gegen das BuchPrG belangt wurde und belangt wird. Sie können also sicher sein, dass wir jedem beweisbaren Preisbindungsverstoß (und übrigens nicht nur von Amazon) ohne Ansehen des Sünders nachgehen. Insofern erwarten wir gerne Ihre beweiskräftigen Unterlagen zu Preisbindungsverstößen von Amazon-Firmen.

  • dagmar

    dagmar

    Sehr geehrter Herr Sprang,

    danke für die Rückmeldung.

    Ohne hier Werbung machen zu wollen, verweise ich hier auf die Amazon-Tochtergesellschaft (von Amazon ca. 2012 gekauft, glaube ich), die in Britannien sitzt und (beinah) weltweit "portofrei" an Endkunden ausliefert bzw. die Endpreise sind einschließlich Versand- und Verpackungskosten.

    Diese Seite/ die Tochtergesellschaft bietet sehr viele Titel deutsche Verlage an, inkl. Versandkosten, weltweit, auch nach Deutschland, unter den Preis, der in Deutschland nach Preisbindung gilt.

    Sie wissen vermutlich, welche Seite ich meine. Wenn: Gehen Sie einfach die Spiegel-Liste durch und schauen Sie nach, was man als Endkunde dort bezahlen muß.

    Ich gehe davon aus, dass die Bücher entweder) a) aus Deutschland nach GB exportiert werden und wieder reimportiert werden ODER b) (halte ich für wahrscheinlicher) aus einem Amazon-Lager in Deutschland im Namen der GB-Tochter verschickt und in Rechnung gestellt werden, ohne, das sie exportiert und reimportiert werden.

    Einige "Rabatte", die dort angegeben werden, sind auch falsch, denn die "empf. VK", die angegeben werden, sind zum Teil drastig überhoht. Aber bei Beststeller stimmen sie schon.

    6-7% spart man als Endkunde in Deutschland dort.

    Falls Sie die Tochter doch nicht kennen, dann melden Sie sich, die Mailadresse, die ich angegeben habe, stimmt.

    Ich bin übrigens im Buchhandel beschäftigt.

  • Harry

    Harry

    @dagmar:
    "6-7% spart man als Endkunde in Deutschland dort."

    Na endlich mal etwas Positives für den Kunden. Glücklicherweise ist ja unabhängig davon absehbar, dass die Buchpreisbindung bald ihr verdientes Ende findet.

  • dagmar

    dagmar

    Ich glaube irgendwie nicht, dass Sie überhaupt Bücher lesen, "Harry".

  • dagmar

    dagmar

    Das ist keine Beschimpfung. Wenn Sie lesen würden, würden Sie sicherlich wissen, dass durch Abschaffung der Preisbindung (in GB, beispielsweise) es zu Preissteigerungen, weniger Vielfalt und Schließung von Buchhandlungen (auch Kettenbuchhandlungen!) gekommen ist. "Harry Potter" mag dann weniger als 1 Euro an der Supermarktkasse kommen, aber, wenn Sie etwas eher "spezielleres" lesen wollen, finden Sie es einfach gar nicht mehr. Weder vor Ort (Buchhandlung dicht) noch im Internet (wird einfach nicht mehr verlegt).

  • dagmar

    dagmar

    "weniger als 1 Euro an der Supermarktkasse kosten", wollte ich schreiben.

    @Harry: Leider wird aber auch die Preisbindung nach oben mißachtet, d.h. Bücher werden teuerer als erlaubt angepriese, dann etwas reduziert, um dann daraus ein Schnäppchen zu machen, das aber weiterhin mehr als sonst kostet.

    Also: Nicht nur sollte der Börsenverein hier tätig sein, sondern auch die "Trading Standards" vor Ort in England informieren, denn etwas (nach Deutschland) teuerer als hier vor Ort erhältlich zu verkaufen und gleichzeitig die angebliche weltweite Versandkostenfreiheit anzupreisen (und gleichzeitig "15% redzuziert" o.ä. anzugeben), ist, würde ich als juristische Laie meinen, wenigstens irreführend, wenn nicht verlogen.

    Herr Sprang: Screenshots liegen vor, benötigen Sie so etwas?

  • Christian Sprang

    Christian Sprang

    Liebe "Dagmar",

    am besten rufen Sie mich gleich morgen einmal im Büro an (069 / 1306314), und dann schauen wir uns gemeinsam konkrete Fälle auf der Amazon-Website an. Das ist erfahrungsgemäß effizienter als nur zu mailen.

  • Wir VERDIenen mehr

    Wir VERDIenen mehr

    @ Harry:
    Haben Sie schon mal Ihren Arbeitgeber/Vorgesetzten/wasauchimmer nach einer Lohnerhöhung gefragt? Wenn ja, mit Erfolg?

    In bestimmten Positionen hat man als Einzelner eine gewisse Verhandlungsbasis. Man kann mit seiner Erfahrung und seinen bisherigen Leistungen für den Arbeitgeber seine Forderung begründen und - je nach Position - mit einer dezenten Drohung, den Arbeitgeber zu wechseln, dieser auch Nachdruck verleihen.

    In den "unteren" Positionen ist das nicht möglich. Wer als einfacher Arbeiter, auch nach jahrelanger Betriebszugehörigkeit, mehr Geld verdienen möchte, muss entweder eine Beförderung anstreben, auf das Wohlwollen des Arbeitgebers hoffen oder sich eine neue Beschäftigung suchen. Einfache Arbeiter sind maximal abhängig.

    Damit an den einfachen Arbeitnehmern der wirtschaftliche Erfolg des Arbeitgebers nicht einfach spurlos vorbeigeht, gibt es Gewerkschaften. Wenn sich Arbeitnehmer organisieren und notfalls unter Zuhilfenahme des äußersten Druckmittels, des Streiks, gemeinsam mehr Geld fordern, haben auch diese Menschen eine Chance, etwas zu bewirken.

    Wer argumentiert, jeder sei für sein Glück selbst verantwortlich und man hätte ja etwas lernen können, der verkennt entweder die Wirklichkeit in der freien Wirtschaft oder argumentiert aus einer arroganten Position relativer finanzieller Sicherheit. Nach dem Motto "Mir geht's gut, und die da unten sollen mal die Klappe halten". Es ist doch so wie beim Lotto: Theoretisch kann jeder gewinnen. Aber nicht alle! Und genausowenig können alle Abteilungsleiter werden. Irgendwer muss nun mal auch die einfachen Arbeiten erledigen.

    Ich habe schon so viele Kollegen erlebt, die lange Zeit lauthals herumgetönt haben, sie bräuchten keine Gewerkschaft. Bis sie dann eines Tages völlig entgeistert ihre Kündigung aus zum Teil völlig fadenscheinigen Gründen erhielten. Auf die Frage nach Gewerkschaftsmitgliedschaft oder Rechtschutzversicherung gab es nur lange Gesichter.

    Hinterher ist man immer schlauer...

  • Harry

    Harry

    @dagmar:
    "Haben Sie schon mal Ihren Arbeitgeber/Vorgesetzten/wasauchimmer nach einer Lohnerhöhung gefragt? Wenn ja, mit Erfolg?"

    Ja, das habe ich. Und bereits mehrmals wurde meinem Wunsch entsprochen. Und ja, aufgrund meiner Ausbildung und meiner Leistung bin ich in einer guten Verhandlungsposition. Wer gering qualifiziert ist oder in einem Bereich arbeitet, wo zig andere schon warten, der wird es schwerer haben. Das ist das natürliche Gesetz von Angebot und Nachfrage.

    "...muss entweder eine Beförderung anstreben, auf das Wohlwollen des Arbeitgebers hoffen oder sich eine neue Beschäftigung suchen."

    Richtig. Wo genau ist jetzt das Problem? Wer eine gute Leistung bringt, den wird der Arbeitgeber versuchen, zu halten, auch durch mehr Geld. Wenn ein Arbeitgeber so dumm ist und das nicht tut, freut sich ein anderer Arbeitgeber sicher schon über einen leistungsfähigen und -willigen Mitarbeiter. Wie gesagt: Angebot und Nachfrage. Funktioniert in alle Richtungen.

    "Wer argumentiert, jeder sei für sein Glück selbst verantwortlich und man hätte ja etwas lernen können, der verkennt entweder die Wirklichkeit in der freien Wirtschaft oder argumentiert aus einer arroganten Position relativer finanzieller Sicherheit."

    Jeder IST für sein Leben selbst verantwortlich. Das ist ein Fakt. Und eine freie Wirtschaft haben wir in Deutschland nicht. Sie ist im höchsten Maße sozialistisch. Das führt notwendigerweise zu einer riesigen zahl von Problemen.

    Mal eine Frage: Nehmen wir mal an, ein Amazon-Mitarbeiter verdient als einfacher Arbeiter €2.000 brutto im Monat (lt. Lohnzettel). Wie viel Prozent, glauben sie, von allem, was der Amazon für ihn aufwendet, geht davon an den Staat?

    ...
    ...
    ...

    Ich löse dann mal auf: 70 %!!!!!!! 70 % davon gehen in Form von Steuern und allen möglichen und unmöglichen Arten von Zwangsabgaben an den Staat.

    Erzählt Verdi das seinen Mitgliedern? Wohl kaum, denn dann würden sie plötzlich merken, dass es keiner Gewerkschaft bedarf, sondern vielmehr anderen Politikern.

  • Harry

    Harry

    Entschuldigung, mein Kommentar richtet sich NICHT @dagmar, sondern @Wir VERDIenen mehr

  • peter&paul

    peter&paul

    @16/dagmar
    "Wenn Sie lesen würden, würden Sie sicherlich wissen, dass durch Abschaffung der Preisbindung (in GB, beispielsweise) es zu Preissteigerungen, weniger Vielfalt und Schließung von Buchhandlungen (auch Kettenbuchhandlungen!) gekommen ist."
    AHA, offensichtlich, liebe dagmar, lesen sie auch nicht oder nur wenig; sonst wäre ihnen nicht entgangen, dass es in deutschland trotz oder auch mit der gepriesenen buchpreisbindung ebenfalls zu den von ihnen apostrophierten schließungen von buchhandlungen und ketten bzw. -filialen gekommen ist. finden sie das nicht merkwürdig?

  • dagmar

    dagmar

    @peter/paul

    nein, ich finde das gar nicht merkwürdig. es wird für die abschaffung der preisbindung 'argumentiert', da angeblich dann ohne preisbindung mehr bücher verkauft werden, die auch dazu noch günstiger als jetzt (mit preisbindung) werden. "mehr bücher verkaufen" könnte durchaus auch gleichzeitig "mehr buchläden" und "mehr profit" heißen, und wieso sollten kettenbuchhandlungen nicht am besten in der lage sein, davon zu profitieren?

    aber es stimmt nicht. die ketten können scheinbar weder mit noch ohne preisbindung überleben. leserInnen wollen scheinbar individuelle buchhandlungen besuchen und dort einkaufen. das kettenpublikum ist mit dem internet oder supermarktregal zufrieden und wird dort bestens verdient.

    ich finde das also gar nicht merkwürdig, sondern folgerichtig.

  • Harry

    Harry

    Selbstverständlich nimmt die Zahl der Buchhandlungen beim kommenden Fall der Preisbindung erst einmal ab. Die Preisbindung dient ja einzig und allein der Aufrechterhaltung eines Monopols. Die Kunden zahlen heute weitaus mehr, als sie müssten und deshalb überleben Buchhandlungen, die es in einem freien Markt schon lange nicht mehr geben würde. Beim Fall der Preisbindung kommt es dann zur lange überfälligen Marktbereinigung.

    Zu den Preisen: Wenn nach dem Wegfall der Preisbindung die allgemeinen Buchpreise steigen, beweist dies keine Kausalität mit dem Wegfall der Preisbindung. Die Preise hätten auch mit Preisbindung steigen können. Oder sie steigen aufgrund des weiteren Drucks von Geld, auch Inflation genannt.

    Ein direkter Zusammenhang wäre nur belegbar, wenn man all diese Faktoren herausrechnet.

  • Kassandra

    Kassandra

    Liebe Verlage, liebe VerlegerINNen,

    BITTE lasst Euch dieses Mal NICHT auf die Forderungen von Amazon ein und zeigt Amazon hier geschlossen die rote Karte. Es reicht einfach.

  • Lausbub

    Lausbub

    Warum verkaufen die deutschen verlage denn noch über amazon?? tut euch endlich zusammen und bringt die ware selbst an den mann!!
    oder es wird schlimmer...... viel schlimmer.....

  • Face_65

    Face_65

    @peter/paul: Über die Buchpreisbindung sind eigenartige Vorurteile im Umlauf. Vielleicht räumen wir mal kurz auf:
    1. "Die BPB soll verhindern, dass Unternehmen pleite gehen." Falsch. Die Preisbindung soll ermöglichen, dass dieselbe Ware überall zum gleichen Preis erhältlich ist, also ein Leser in einer strukturschwachen Region nicht mehr zahlen muss, als eine Leserin in einer Kulturmetropole. Schlecht wirtschaftende Unternehmer schützt sie nicht.
    2. "Die BPB macht den Buchhandel (Sortimente, Zwischenhandel, Verlage) reich." Falsch. Kaufmännisches Geschick hilft den Kaufleuten, gut zu verdienen. Die BPB ist bequem, weil sie dem vertreibenden Handel die Preisfindung abnimmt, mehr aber nicht. Reich werden jedoch Unternehmen, die durch Steuerschlupflöcher und staatliche Subventionen gepäppelt werden, also nicht marktwirtschaftlich agieren - wie Amazon, aber auch einige multinationale Verlage. Gegen diese Bevorzugung wehren sich Kaufleute zurecht, weil es der Idee eines freien Marktes widerspricht.
    3. "Ohne die Preisbindung werden alle Produkte billiger." Falsch. Die Historie der Buchpreisbindung und ihrer Abschaffung hat auf den verschiedensten Märkten (Schweden, Frankreich, französische Schweiz) bewiesen, dass die Buchpreise mittelfristig steigen und die Vielfalt eingeschränkt wird. Die Zahl der Marktteilnehmer sinkt sehr schnell sehr stark, ebenso der Umfang der Produktion. Das mag dem Leser von Unterhaltungsliteratur nicht auffallen, der sowieso nur die Sellerliste rauf und runter liest. Denen, die abseits davon lesen, schon.
    Das Argument Großbritannien bedarf nioch einer kritischen Aufarbeitung. Evtl. hängt der verzögerte Niedergang, der nicht ganz so rasch wie prognostiziert verläuft, mit dem größeren Marktumfeld zusammen. Oder damit, dass der britische Buchhandel auch vor der Abschaffung der BPB schon ziemlich in die Knie gegangen war. Nicht zuletzt wegen ewiger Preisschlachten.
    Danke für die Aufmerksamkeit.

  • Aufmerksamer

    Aufmerksamer

    Danke für die wohltuend sachliche Klarstellung!

  • Tobias Dietrich

    Tobias Dietrich

    @dagmar @Christian Sprang
    The Book Depository verkauft deutsche Bücher an deutsche Kunden bei kostenfreier Lieferung mit Nachlass auf den gebundenen Preis (Beispiel: siehe URL zu meinem Kommentar). Die Lieferungen kommen dann nach 1-2 Wochen aus der Schweiz.

    Das geht schon seit geraumer Zeit so, The Book Depository ist auf dem Amazon Marktplatz oft der günstigste "Nicht-Amazon"-Händler, gehört aber Amazon.

  • Christian Sprang

    Christian Sprang

    @Tobias Dietrich

    Vielen Dank für den Hinweis. Zu "The Book Depository" hatte uns auch "Dagmar" schon Material geliefert. Der Fall wird inzwischen anwaltlich von unserem Preisbindungstreuhänder Prof. Dr. Christian Russ in der Kanzlei Wallenfels bearbeitet.

  • "dagmar"

    "dagmar"

    Ich habe mal englische Bücher dort bestellt, und sie kamen aus England, würden aber in der Schweiz (und ggf. in Holland) frankiert.

  • "dagmar"

    "dagmar"

    Muß es sein, dass die Firma/Internetadresse hier konkret benannt wird? Werbung dafür sollte gerade nicht im Börsenblatt gemacht werden.

  • schmidt

    schmidt

    @Tobias "The Book Depository ist auf dem Amazon Marktplatz oft der günstigste "Nicht-Amazon"-Händler, gehört aber Amazon."

    ...aber bei Amazon sind The Book Depository-Preise trotzdem nicht illegal-günstig. Da scheint die Firma genauer aufzupassen. Abgesehen davon, verlangt amazon.de bei Marketplace-Bestellungen immer 3 Euro Porto, auch bei The Book Depository...

  • Späte Erkenntnis

    Späte Erkenntnis

    ...immer diese ablehnende Haltung, wenn es um derartige Entwicklungen/Umstrukturierungen geht.

    Die Zeit bleibt nunmal nicht stehen!
    Warum den Einzelhandel überhaupt schützen?!

    1. Diejenigen, die einer geregelten Arbeit nachgehen, haben keine Möglichkeit Geschäftslokale während der (viel zu kurzen) Öffnungszeiten aufzusuchen. Ihr wollt den Einzelhandel retten? Dann macht Öffnungszeiten von 18:00 Uhr bis 10:00 Uhr!
    2. Ich habe es noch nie erlebt, in einem Geschäft (egal, ob 4m² Buchhandel, oder 1000m² Multimedia Anbieter) vernünftig beraten worden zu sein. Und "vernünftig" impliziert für mich zum einen "netten" Umgang, Freundlichkeit, aber vor allem Fachkompetenz. In der Regel darf man ja inzwischen garnicht erst damit rechnen, eine Kaufberatung angeboten zu bekommen.
    3. Die Preise! Ich bin selber im Vertrieb tätig und kenne mich ein wenig in Sachen Preisbildung aus. Ich verstehe auch das Niedrigpreise dem eigenen Profit eher unzuträglich sind, ABER: Die in Geschäftslokalen veranschlagten Preise stehen ja nicht nur in Konkurenz zu Amazon...muss man wirklich eine Marge von über 70 % einfahren, um sein Geschäft am Laufen zu halten? Ja?! Dann sollte man die Rollladen schonmal runter lassen, ganz ehrlich...
    Gucke ich mir die Produktionskosten für Printmedien und meinetwegen auch die für gebunde Bücher an, dreht sich bei mir alles, sobald ich die Preise sehe, zu welchem diese anschließend verkauft werden. Es ist 2014...man muss die Buchstaben heutzutage nicht mehr einzeln auf Druckplatten platzieren, es sind inzwischen Computer erfunden worden! Zudem wird soviel Mist publiziert, dass man 5 von 6 Verlagen ernsthaft die Produktionserlaubnis entziehen sollte, auch wenn diese Recyclingpapier wiederverwerten.
    Das selbe geht unendlich weiter gucken wir uns beispielsweise die Textilindustrie (die nachweislich auf kriminelle Weise in Entwicklungsländern produzieren lässt), die Unterhaltungs- und Medienindustrie, Kfz-Werkstätten (uvm.) an. International sind wir ohnehin preislich nicht konkurrenzfähig.

    Abschließend zu den Arbeitsbedingungen in Lägern der Großkonzerne wie Amazon oder Zalando:

    Erinnert ihr euch daran, als man euch in der Grundschule sagte "Du musst lernen, sonst wirst Du nichts"? ...jetzt macht alles einen Sinn, oder?
    Dir gefällt Dein Job nicht? Dann such Dir was anderes.
    Gefallen tuen mir die Arbeitsbedingungen auch nicht, aber ich strebe auch nicht an, in einem solchen Lager zu arbeiten. Wenn mein Geld nicht reicht, dann mache ich eben Abstriche. Fällt nur mir auf, dass scheinbar 80% aller selbst ernannten "armen" Menschen Raucher sind? Genug gesagt...danke fürs lesen.

  • Peter Leser

    Peter Leser

    @Späte Erkenntnis

    Nicht nur die Textilindustrie lässt in Entwicklungsländern produzieren. Circa die Hälfte des hier ständig gepriesenen "Kulturgut Buch" wird in Niedriglohnländern in Asien produziert, wo man sich weder um Umweltschutz noch Arbeitnehmerschutz Gedanken macht. Haben Sie schon mal dazu was im Börsenblatt gelesen? Ich nicht.

  • Daniel

    Daniel

    Der Amazonlager hat für alle deutschen Händler auch umsatzsteuerliche Konsequenzen, was nicht so bekannt ist... Egal dass man die Ware nur in Deutschland verkauft, ist die Umsatzsteuerregistrierung in Tschechien und Polen notwendig (siehe z. B. http://yourtaxes.cz/de/amazon-ust)

    • ...

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