Verlagsneugründung Mikrotext

E-Books zum "Kaffee-Preis"

Die E-Book-Umsätze klettern weiter. Aber verstanden worden ist das neue Format bislang nicht. Das glaubt Autorin und Bloggerin Nikola Richter (36). Deswegen hat sie jetzt in Berlin den mikrotext Verlag gegründet – "für kurze digitale Lektüren". VON HOLGER HEIMANN

"Das E-Book wird nicht als selbständiges Medium betrachtet, sondern immer abgeleitet vom traditionellen Buch", moniert Nikola Richter. "Durch dieses Schattendasein werden digitale Bücher permanent abgewertet."


Zwei E-Singles pro Quartal

Das will sie nun ändern: Alle drei Monate sollen bei mikrotext zwei E-Book-Singles erscheinen, die ein gemeinsames Thema beleuchten. Die Neu-Verlegerin will dabei jeweils einen renommierten und einen noch unbekannten Autor gemeinsam veröffentlichen.

Im ersten Programm Anfang März sind ein "Essay für die digitale Generation" von Alexander Kluge: "Die Ensprechung einer Oase" und "Der klügste Mensch im Facebook" – Statusmeldungen des Syrers Aboud Saeed erschienen.

Zeitgeist für 2,99  

"Der Schwerpunkt des Verlags liegt auf aktuellen literarischen Texten, die Zeitgenossenschaft dokumentieren. Alle mikrotexte sind inspiriert von aktuellen Diskussionen in sozialen Medien und dem Blick auf internationale Debatten", umreißt Nicola Richter das Programm. Die Texte kommen zunächst auf Deutsch heraus, ausgewählte Titel werden auch auf Englisch oder in der Originalsprache angeboten.

Sämtliche Titel gibt es „zum Kaffee-Preis“ (Richter) von 2,99 Euro. Es sind durchweg kurze Texte für die Lektüre zwischendurch. „Viele sind es mittlerweile gewohnt, auf Bildschirmen zu lesen“, sagt Richter, „aber es gibt nicht die dafür von Verlagen aufbereiteten Texte in ausreichender Zahl“.

Matthes & Seitz setzt auf E-only

Das dürfte sich rasch ändern, nicht allein aufgrund von Neugründungen wie mikrotext. Der Verlag Matthes & Seitz Berlin etwa bringt zur Leipziger Buchmesse die ersten Titel einer neuen Reihe (MSeB) heraus, darunter eine Reportage über den Weltwirtschaftsgipfel in Davos von Emmanuel Carrère. „Das sind interventionistische Texte, die programmbegleitend erscheinen“, sagt Verleger Andreas Rötzer. Acht bis zwölf solcher E-Books only sollen pro Jahr erscheinen.

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1 Kommentar/e

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  • Galbadon

    Galbadon

    Da hat Frau Richter recht: Die wenigsten haben bisher E-Bücher als eigenständige Produkte verstanden.

    Was immer man daraus für Schlüsse ziehen mag - interessant sind die Mikrotexte allemal.

    • ...

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