Weltempfänger-Empfehlungen

Trügerische Erinnerungen in Kolumbien

An der Spitze der Bestenliste Weltempfänger steht im Frühjahr der Kolumbianer Juan Gabriel Vásquez mit "Die Reputation" (Schöffling & Co.), wie die Litprom mitteilt.

© Schöffling & Co.

Vásquez empfehle sich mit seinem Werk endgültig als Autor von Weltklasse, so die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika − Litprom −, er gehöre zu den wichtigsten neuen Stimmen der lateinamerikanischen Literatur. Der Juror Ruthard Stäblein schreibt über das Buch: "Ein fieser Politiker soll ein Mädchen missbraucht haben. Ein mutiger Karikaturist nimmt ihn aufs Korn. Aber stimmt der Verdacht? Trügt die Beobachtung und erst recht die Erinnerung? Vásquez überlässt dem Leser das Urteil. Wie der Kolumbianer seine Figuren einkreist, ist fesselnd und phänomenal."

Auf den zweiten Platz wählte die Jury Malla Nunn (Swasiland/Australien) mit ihrem Kriminalroman "Tal des Schweigens" (Ariadne). Die Handlung spielt 1953 Südafrika, ein Zulu-Mädchen wird ermordet. "Nicht der Rede wert für die weiße Polizei, wenn nicht Detective Sergeant Emmanuel Cooper und Sergeant Shabalala sich des Falles annehmen würden und dabei die starre rassistische Ordnung in Drakensberge verstörten. Ein klassischer Kriminalroman mit viel Substanz, vielen Dimensionen und utopischer Poesie", urteilt Juror Thomas Wörtche.

Aus dem Iran kommen zwei höchst unterschiedliche Übersetzungen: Amir Hassan Cheheltan gibt mit "Iranische Dämmerung", erschienen bei P. Kirchheim, (im Iran zum Teil zensierte) Einblicke in die jüngere Geschichte − Platz 3 auf der Weltempfänger-Liste. Auf dem vierten Rang ist Fariba Vafi, die in "Tarlan" (Sujet) die Revolutionsgeneration aus Sicht der Frau befragt.

Auf den weiteren Plätzen folgen Kettly Mars (Haiti) mit "Ich bin am Leben" (Litradukt), David Grossman (Israel) mit "Kommt ein Pferd in die Bar" (Hanser) und Jeong Yu-jeong (Korea) mit "Sieben Jahre Nacht" (Unionsverlag). 


Für eine Übersetzung ins Deutsche empfiehlt Jury-Mitglied Cornelia Zetzsche einen Roman von Raj Kamal Jha (Indien): "She Will Build Hin a City" (Bloomsbury, 2015). Ihre Begründung: "Eine Mutter, die für ihre Tochter Geschichten der Kindheit erzählt. Ein junger Mann unterwegs mit Mord- und Terror-Gedanken. Ein Findelkind als einziger gesunder Junge in einem Waisenhaus. Drei Lebensgeschichten im nächtlichen Delhi, atmosphärisch dicht, fast pointillistisch erzählt, ganz auf die Innenwelten konzentriert wie Raj Kamal Jhas Bestseller 'Das blaue Tuch'. Aber stärker als das Debüt ist dieser vierte Roman durchwirkt mit politischen Zeichen der Zeit, von der Medienkritik bis zum Terrorismus."

Hier finden Sie die komplette Weltempfänger-Liste (inklusive Jury-Urteile).

Die Bestenliste Weltempfänger ist eine Initiative von Litprom − Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika.

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