Weltempfänger 27 - Sommer 2015

"Literarisches Gegengift gegen politische Polemik"

An der Spitze der litprom-Bestenliste "Weltempfänger" vom Sommer steht Amos Oz mit seinem meisterhaften Roman "Judas" (Suhrkamp) − "ein literarisches Gegengift gegen die politische Polemik damals und heute", urteilt die Jurorin Cornelia Zetzsche. 

"In seinem virtuosen Roman diskutiert Amos Oz die Legende vom 'Verräter' als Quelle des Antisemitismus, politische und religiöse Mythen und die Staatsgründung Israels", fasst Cornelia Zetzsche zusammen. "Sein 'Judas' ist eine universale Geschichte von Liebe und Verrat, Religion und Politik, Staat und Familie; ein Plädoyer für den Diskurs und ein literarisches Gegengift gegen die politische Polemik damals und heute. Meisterhaft!" Für die Übertragung ins Deutsche wurde Mirjam Pressler im März mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet. Das Gespann Oz / Pressler steht auch auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises vom Haus der Kulturen der Welt.

Auf dem zweiten Platz des Sommer-Weltempfängers folgt der Argentinier César Aira mit der ausgelassenen Groteske "Der kleine buddhistische Mönch", die in diesem Fall nach Korea führt. Der dritte Rang geht an den zweisprachigen Lyrikband "Meerwüste" der Tunesierin Najet Adouani, die im deutschen Exil lebt. Weiter auf der Bestenliste sind der Krimi "Soro" von Gary Victor (Haiti), die Graphic Novel "Der Araber von morgen" von Riad Sattouf, der Argentinier Ricardo Piglia mit "Munk" sowie Teju Cole (heute USA) mit "Jeder Tag gehört dem Dieb", der einen Besuch in seiner Heimat Nigeria thematisiert.

Die sieben Titel auf dem Weltempfänger litprom-Bestenliste 27 vom Sommer 2015 sind:

  1. Amos Oz (Israel): "Judas". Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler (Suhrkamp)
  2. César Aira (Argentinien): "Der kleine buddhistische Mönch". Aus dem argentinischen Spanisch von Klaus Laabs (Matthes & Seitz)
  3. Najet Adounai (Tunesien): "Meerwüste". Lyrik. Aus dem Arabischen von Leila Chammaa (Lotos Werkstatt)
  4. Gary Victor (Haiti): "Soro". Aus dem Französischen von Peter Trier (Litradukt)
  5. Riad Sattouf (Libyen/Syrien/Frankreich): "Die Araber von morgen. Eine Kindheit im Nahen Osten (1978−1984". Graphic Novel. Aus dem Französischen von Andreas Platthaus (Knaus Verlag)
  6. Ricardo Piglia (Argentinien): "Munk". Aus dem argentinischen Spanisch von Carsten Regling (Klaus Wagenbach) 
  7. Teju Cole (Nigeria/USA): "Jeder Tag gehört dem Dieb". Aus dem Englischen von Christine Richter Nilsson (Hanser)


Für eine Übersetzung ins Deutsche empfiehlt Jury-Mitglied Cornelia Zetzsche folgenden Kurzgeschichtenband von Linda Christanty (Indonesien): "Kuda Terbang Maria Pinto" (Kata Kita, 2004). Ihre Begründung: "Christantys Figuren sind Menschen von nebenan. Sie leben mit ihren politischen Traumata und ihrer Einsamkeit, sie kämpfen gegen religiösen Starrsinn, gegen Ungerechtigkeit, für eine bessere Zukunft. Ihre Familiengeschichten erzählen Indonesiens politische Geschichte."

Hier finden Sie die komplette Weltempfänger-Liste (inklusive Jury-Urteile).

Die Bestenliste Weltempfänger ist eine Initiative von Litprom − Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika.

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