Zum 65. Geburtstag Stephan Füssels

Unermüdlich

Stephan Füssel ist seit 25 Jahren eine Institution für buchwissenschaftliche Forschung an der Mainzer Universität. Eine Würdigung zum 65. Geburtstag.  MARK LEHMSTEDT

Stephan Füssel

Stephan Füssel © Markus Hildebrand

Wer ihn nur flüchtig kennt, wird kaum glauben, dass Stephan Füssel am 24. März in sein 66. Lebensjahr eintritt, so energiegeladen, dynamisch und tatendurstig ist der Jubilar, als hätte er das Institut für Buchwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz eben erst übernommen. Dabei ist seit seiner Antrittsvorlesung schon ein Vierteljahrhundert vergangen – 25 Jahre, in denen er aus dem kleinen, leicht verschlafenen Institut die größte und leistungs­fähigste Ausbildungs- und Forschungseinrichtung ihrer Art in Deutschland, wenn nicht in Europa geformt hat. Die Zahl der in Verlagen, Buchhandlungen und anderen Unternehmen der Buchbranche tätigen Absolventen des Instituts ist Legion. Von den vielen Ehrungen, die Stephan Füssel im Laufe der Jahre erhielt – darunter 2011 die Goldene Nadel des Börsenvereins – sind ihm die Lehrpreise des Landes Rheinland-Pfalz (2008) und der Universität Mainz (2011) für den besten Lehrenden daher wohl die liebsten, beruhen sie doch auf dem Urteil der Studierenden selbst.

Als Wissenschaftler hat Stephan Füssel wichtige Untersuchungen zur Geschichte des Buchwesens von der Inkunabelzeit bis in die Gegenwart vorgelegt. Das Grundlagenwerk "Gutenberg und seine Wirkung" (Insel, 1999) wurde sogleich in mehrere Sprachen übersetzt. Die dreibändige Studie über den Leipziger Verleger Georg Joachim Göschen (de Gruy­ter, 1997/99) stellte eine Schlüsselfigur der Zeit der Heraus­bildung des modernen Buchmarkts in den Mittelpunkt. An der das 19. und 20. Jahrhundert umfassenden "Geschichte des deutschen Buchhandels" (de Gruyter), die die Historische Kommission des Börsenvereins betreut, ist Füssel als Herausgeber sowie als Autor maßgeblich beteiligt. Seine in Zusammenarbeit mit Benedikt Taschen publizierten Faksimile-Ausgaben – etwa der Luther-Bibel (2009) oder von Bodonis "Handbuch der Typographie" (2010) – werden weltweit rezipiert. Auch Füssels Mitarbeit in zahlreichen Gremien und Gesellschaften ist zu würdigen, ebenso das von ihm initiierte Mainzer Verlagsarchiv, das hervorragende Quellen der jüngeren Verlagsgeschichte bewahrt und erschließt, sowie seine Erfindung der "Mainzer Kolloquien", die sich Jahr für Jahr im Januar einem Thema des aktuellen Buchmarkts widmen. In jüngster Zeit hat Stephan Füssel viel Energie in die Weiterentwicklung "seines" Instituts gesteckt. Der neue, etwas sperrige Name "Gutenberg-Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien" deutet an, wohin die Reise geht: Buchwissenschaft wird Teil einer globalen Medienwissenschaft.

Im Frühjahr 1989 lud ich Stephan Füssel, damals noch in Regensburg ­tätig, zu einem Vortrag über Georg Jo­achim Göschen ein – nach Leipzig, ­Göschens Wirkungsort. Was heute keine Erwähnung wert wäre, war damals vollkommen unerhört! Als Füssel am 16. Oktober 1989 tatsächlich am Leipziger Hauptbahnhof eintraf, gerieten wir mitten hinein in die zweite der legendären Montagsdemonstrationen. Ich bin ­sicher: Nie wieder ist einer der vielen Vorträge, die Stephan ­Füssel im Laufe seines Lebens gehalten hat, so zweitrangig gewesen wie an jenem Abend im Gohliser Schlösschen, und gewiss war niemand darüber mehr erfreut als der Referent selbst.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Stephan ­Füssel!


Mark Lehmstedt ist Verleger des Lehmstedt Verlags in Leipzig und lehrt als Dozent am Institut für Buchwissenschaft in Mainz.

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