Zum 70. Geburtstag von Josef Fink

"Ein Verleger mit ganz eigener Handschrift"

Am 18. Mai hat der Verleger Josef Fink, der seit mehr als 20 Jahren seinen gleichnamigen Verlag in Lindenberg im Allgäu führt, seinen 70. Geburtstag gefeiert. Ein Geburtstagsgruß von Frank Matthias Kammel, Museumsdirektor des Germanischen Nationalmuseums.

Verleger Josef Fink (re.) mit dem Berliner Maler Christoph Wetzel in Schloss Moritzburg bei Dresden bei der Präsentation der jüngst erschienenen Monografie des Künstlers

Verleger Josef Fink (re.) mit dem Berliner Maler Christoph Wetzel in Schloss Moritzburg bei Dresden bei der Präsentation der jüngst erschienenen Monografie des Künstlers © Thomas Schlechte, Dresden

Naturerlebnis und schöne Landschaft, bewahrte Traditionen und kulinarische Genüsse gehören zu den Vorstellungen, die fraglos Viele mit dem Allgäu verbinden. Wiewohl die liebliche Region am Alpenrand zu den reichsten deutschen Kulturlandschaften zählt, werden sie nur Wenige auf den ersten Blick auch mit dem Buch und dem Büchermachen in Beziehung setzen. Im allgemeinen Bewusstsein ist dieses Gewerbe eher ein Metier der pulsierenden Metropolen. Doch erobert sich das Allgäu seit gut zwanzig Jahren und in wachsendem Maße auch in dieser Hinsicht einen sicheren Platz, nachweisbar vor allem in Bibliographien kunst- und kulturgeschichtlicher Literatur.

Neben Berlin, Frankfurt und Leipzig, München, Wien und anderen renommierten Verlagsorten im deutschsprachigen Raum behauptet sich Lindenberg, das unscheinbare Allgäuer Städtchen nahe dem Bodensee, wacker in diesen Listen. Dass sich dieser idyllische Ort in jene illustre Reihe von Städtenamen einordnen lässt, gehört zu den Verdiensten von Josef Fink, der in diesen Tagen auf sieben Lebensjahrzehnte zurückblicken kann. Die beiden jüngsten dieser Dezennien widmete er wesentlich seinem in Lindenberg geführten Verlag.

Nach langjähriger Tätigkeit bei Schnell & Steiner in München und später in Regensburg, wo er zunächst als Privatsekretär des Verlegers Hugo Schnell, zuletzt als Stellvertreter des Geschäftsführers wirkte, wagte Fink 1996 die Gründung eines eigenen Verlagshauses an seinem Wohnort. Von Beginn an liegt der Schwerpunkt seines Programms in der bildenden, vor allem der sakralen Kunst des süddeutschen und zudem des Österreich und die Schweiz einschließenden Alpenraums. Doch auch diesbezügliche "Ausflüge" bis an den Rhein, nach Berlin und nach Rom gehören dazu. Mit den Kleinen Kunstführern − jährlich kommen etwa 30 neue Hefte hinzu – bedient er den Markt für wissbegierige Kulturtouristen neben ein paar anderen namhaften Wettbewerbern ebenso souverän wie markant. Obgleich dieses kleine Format nur eines der Segmente seines editorischen Spektrums darstellt, vereint es die wie Tugenden strahlenden Merkmale der in Lindenberg gemachten Publikationen in geradezu archetypischer Weise: Text, Fotografie und Gestaltung verbindet stets ein allseits hohes Niveau. Ob Buch oder Broschüre, Katalog oder Heft, sämtlich sind die Schriften brillant gedruckt und bezeugen so ein Herzensanliegen des Verlegers.

Unter den weit über 1.000 bei Josef Fink inzwischen edierten Titeln bilden Kunstgeschichte und Architektur, Denkmalpflege, Kultur- und Frömmigkeitsgeschichte sichtlich den Schwerpunkt. Zunehmend wird das Programm von zeitgenössischer Sakralkunst und dem Schaffen lebender Künstler bestimmt, und selbst auf dem hart umkämpften Feld der Museums- und Ausstellungskataloge setzt er seit einiger Zeit markante Zeichen. Ebenso wie die Institutionen, die ihre Schriftenreihen von ihm betreuen lassen, sind auch die Häuser, die ihre ausstellungsbegleitenden Druckerzeugnisse in seine editorischen Hände legen, nicht nur regionale Größen, sondern auch namhafte Häuser aus einem geographischen Raum mit Reichweite, so die Münchner Glyptothek, das Kunstmuseum Basel oder die Antikensammlung der Berliner Museen. Selbst kulturhistorisch ausgerichtete Kinderbücher, die ebenso unterhaltende wie inspirierende Facetten besitzen, kennt das Programm des Verlags in seiner um einen harten inhaltlichen Kern blühenden Diversität.

Ohne Zweifel zeigt sich darin die ganz eigene Handschrift von Josef Fink, eines Mannes sprudelnden Ideenreichtums und rastloser Tatkraft, der mit hoher Sensibilität und einem feinen Gespür für das Schöne und Wesentliche und vor allem für Qualität begabt ist. Stets auf der Suche nach interessanten Projekten, kenntnisreichen und profilierten Autoren, um nicht nur das Machbare, sondern das denkbar Beste zu realisieren, geht er seinen Zielen unbeirrt und mutig nach. Bei aller Anspannung, die seinem Geschäft eigen ist, bewahrt er eine bewundernswert ruhige Hand und eine imponierende Besonnenheit. Das Wort vom großmütigen Gottvertrauen lässt sich in dieser Beziehung ohne Übertreibung bemühen. Von solchen Persönlichkeiten lebt die deutsche Verlagslandschaft, sie sind Teil ihres eigentümlichen Gesichts. Zu seinem Ehrentag soll der Jubilar hochleben, und − das wünschen ihm alle, die ihn kennen – vor allem noch lange. Nicht nur, aber auch wegen der schönen Bücher, die aus dem Allgäu kommen. 

Frank Matthias Kammel

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