Bericht aus London

Von der Pusteblume zum Direktmarketing

Auf der Londoner Konferenz »Publishing for the Digital Minds« wurde über die Zukunft derartiger Konferenzen spekuliert und die These gewagt: »Amazon can’t sell hardware«

Am Ende stand die Frage: Wann wird sich die Konferenz überflüssig gemacht haben? Wann wird digital so normal, dass es keine extra Konferenz mehr dazu geben wird? Ein wenig Zeit wird schon noch ins Land gehen, da waren sich die Teilnehmer auf dem Podium – darunter Charlie Redmayne von HarperCollins und Dan Kieran von Unbound – einig.

Bevor die Konferenz darüber redete, wann sie sich selbst abschafft, gab es doch noch allerhand Diskussionsstoff. Den Anfang machte David Nicholls mit einer sehr moderat temperierten Keynote – er sah ein Gleichgewicht zwischen Print und Online voraus. Kein Vergleich zu Neil Gaiman und seinem Statement »You just have to become a dandelion, be wiling for things to fails, throw things out there, try things, and see what sticks« vor zwei Jahren. Doch die Situation hat sich auch verändert. Die Zeit der Pusteblumen-Projekte ist vorbei, heutzutage geht es um den Alltag zwischen Metadaten und Direktmarketing. Und all das ist nichts wert, wenn man seine Leser nicht kennt und weiß, was sie bewegt. Das zeigte im Anschluss Rob Newlan von Facebook. »Creating an individual experience for everyone“ und „You have to move people« gab er den versammelten Verlagsmenschen mit auf den Weg in die digitale Welt.

Allerhand Erfahrung mit dem digitalen Paradigmenwechsel hat Penguin Random House UK, wie Hannah Telfer vortrug. Vor sechs Jahren war Print für 100% des Umsatzes verantwortlich, heutzutage sind es nur noch 75%. 25% des Umsatzes wird also durch digitale Produkten generiert. Sie präsentierte wie der Branchenriese in Zukunft agieren wird: »Author awareness, brand value und consumer first« buchstabierte sie das ABC. Zu besichtigen demnächst auf dem neuen Webauftritt von PRH, der im Laufe des Jahres erfolgen wird. Dabei konzentriert sich PRH vor allem auf die Marke Penguin – die erfolgreichste Verlagsmarke Großbritanniens.

Nach einem Überblick über die Subskriptionsmodelle, diesmal moderiert von Mofibo aus Dänemark, kam der mit Spannung erwartete Vortrag des Journalisten Charles Arthur über Amazon. Dieser gehörte eindeutig zu den Highlights des Tages. Anhand einer Vielzahl von Tabellen zeigte Arthur auf, dass es Amazon bei weitem nicht so gut geht, wie es immer den Anschein hat. Das prägnanteste Beispiel: Der Misserfolg des Fire Phones, von dem Amazon nur ca. 35.000 Exemplare verkaufte. Auch der Kindle verkauft sich immer schlechter. Sein Fazit: »Amazon can’t sell hardware«. Ob Amazons Misserfolge nun allerdings gut oder schlecht für die Buchbranche ist, da waren sich auch die Teilnehmer der abschließenden Runde nicht sicher. Das Fazit Charlie Redmaynes war, dass sich darüber sicherlich noch viele Konferenzen abhalten lassen würden, auch wenn sie dann vielleicht nicht mehr das »digital« im Namen tragen, sondern nur noch »new stuff Conference« heißen würde.

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