E-Books

In 30 Minuten zur eigenen Bücher-Cloud

Viele Kritiker jammern über die goldenen E-Book-Käfige von Amazon, Apple & Co. – doch die wenigsten tun etwas dagegen. Eine Kurzanleitung zur Emanzipation im Bezug auf die digitale Lektüre.

Die genauen Schritte zur Bücherwolke mit mehr oder weniger großem Indie-Faktor hängen ein wenig vom favorisierten Betriebsystem und den dazu passenden Apps ab (aufgrund des Verbreitungsgrads von über 80% im Mobile-Market wird in diesem Beitrag auf Android-Apps verlinkt). Vom Prinzip ist der Weg jedoch immer der gleiche.

1) Kaufen Sie ausschließlich E-Books ohne (hartes) DRM, nur so haben Sie vollständige Kontrolle über die Dateien und vollständigen Lesekomfort. Wenn es Ihren Herzenstitel nicht in digitaler Form gibt, greifen Sie zu Ihrem Scanner, OCR-Software wie i2ocr oder tesserac-ocr und Bücher-Editoren wie Sigil (Achtung, Aufwand!).

2) Legen Sie die Dateien nicht in vorgefertigten Accounts und Stores ab, sondern bauen Sie sich eine eigene Lösung. Ideal ist die schicke und quelloffene File-Hosting-Software OwnCloud, die sich problemlos auf dem eigenen Server installieren lässt. »Halt! Stop! Ich habe keinen Server – und ich will auch nix aufsetzen!«. Kein Problem: Fragen Sie den Admin Ihres Vertrauens (die Kosten sind überschaubar) - oder weichen Sie auf das komfortable Google Drive aus. Damit begeben Sie sich zwar wieder in die Fänge eines großen Konzerns, allerdings mit einem gewissen Maß an Selbstkontrolle - und mit liberalen Features (einfacher Up- & Download, einfache Backups, Konvertierungsmöglichkeiten, Sharing, keine großen Schikanen). Ein regulärer, in Sekunden eingerichtete Account bietet mit 15 GB Speicher auf Jahre Platz für Ihre Sammlung. Falls Sie weder OwnCloud noch Drive nutzen möchten, werfen Sie einen Blick auf diese Liste mit weiteren Alternativen.

3) Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um in der Cloud eine einfache Ordnerstruktur für Ihre Sammlung anzulegen, zum Beispiel:


•    Belletristik
•    Dramatik
•    Lyrik
•    Sachbücher



Aufgrund der leistungsfähigen internen Suche von OwnCloud oder Drive brauchen Sie erst mal keine Metadaten/Tags. Vermutlich besitzen Sie auch keine unüberschaubaren Menge an Titeln - trotz literaturwissenschaftlichen Studiums habe ich mir z.B. seit Ende der 90er Jahre maximal 500 Bücher zu Gemüte geführt. Dateien sollten der Übersicht wegen ungefähr so benannt werden:


Gilbar, Steven (HG) - Bibliomania. Ein listenreiches Buch über Bücher.EPUB

4) Wenn Ihre Sammlung in die Wolke geschoben und halbwegs sortiert ist (was Sie auch häppchenweise erledigen können), wird es Zeit, sich um den komfortablen Lesezugriff darauf zu kümmern. Zücken Sie also Smartphone oder Tablet und installieren Sie erstens die passenden Apps zu OwnCloud oder Drive und zweitens die Lese-Software à la Aldiko oder FBreader. Sofern das Gerät gehackt bzw. ab Werk offen ist, lässt sich die Software natürlich auch auf E-Readern betreiben. Da entsprechende Anleitungen hier aber den Rahmen sprengen würden und die Zeit von solchen Single-Purpose-Geräten außerdem abzulaufen scheint, werden Kindle, Tolino & Co. an dieser Stelle nicht weiter berücksichtigt.

Wenn Sie anschließend via OwnCloud/Drive in Ihrer Sammlung stöbern, wird Ihnen beim Antippen eines Titels (spätestens nach Schrauben an den Einstellungen) die Option angeboten, die entsprechende EPUB-Datei herunterzuziehen und ins virtuelle Regal der Lese-App zu stellen. Dieses Programm bzw. Ihr Gadget müssen Sie nun übrigens nicht mehr mit E-Books zumüllen - Sie haben ja jederzeit leichten Zugriff auf die Sammlung.

Ob man für die gerade beschriebenen Schritte 30 oder vielleicht doch 300 Minuten braucht, hängt von Umfang und Zustand der bisherigen E-Book-Sammlung und den persönlichen Technik-Skills ab. Fest steht jedoch: Die eigene Bücherwolke ist kein Hexenwerk - und gibt ein gutes Gefühl.

2 Kommentar/e

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  • Robert S. Plaul

    Robert S. Plaul

    Abgesehen davon, dass so nette Features wie der über mehrere Geräte synchronisierte Lesefortschritt mit der beschriebenen Lösung nicht gehen, ein prinzipiell gangbarer Weg. Aber leider gibt es immer noch zu viele Verlegerkollegen, die an DRM-Lösungen festhalten. Und OCR-Software ist da wohl kaum eine befriedigende Lösung.

  • Gerald

    Gerald

    Das hier ausgeschlossene "Single Purpose"-Gerät tolino kann für so eine Lösung genutzt werden. Danke Browser, Unterstützung von ePub und Hotspots.

    • ...

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