Elsevier Pflege App

Mit Design Sprint und User Stories zum zielgruppenorientierten Produkt

Der Pflegemarkt boomt. 30.000 Menschen beginnen jedes Jahr ihre Ausbildung, 2 Mio. Menschen arbeiten deutschlandweit in 29.000 Einrichtungen in der Pflege. Angesichts der großen Zielgruppe und einer zunehmenden Digitalisierung der Pflege und des gesamten Gesundheitsbereichs stehen Fachbuchverlage vor großen Herausforderungen: Welche Bedeutung haben Lehrbücher in Zukunft, wie wird zukünftig gelernt? Wie geht man im Bildungsbereich mit globalen Playern um? Wie kann man als Medienunternehmen überhaupt in Zeiten von »minimum viable products« und »rapid prototyping« zeitgemäße Produkte erstellen? STEFFEN MEIER

Elsevier ist marktführend im Bereich der Aus- und Fortbildung in der Pflege und hat sich mit modernen Produktentwicklungsmethoden im Rahmen der Entwicklung einer »Pflege-App« auseinandergesetzt. Grund genug, zu diesen Themen ein Gespräch mit Kornelia Holzhausen, Strategic Product Manager Education bei Elsevier zu führen.

Vor welchen Herausforderungen haben Sie sich gesehen?

Eine groß angelegte europaweite Studie von Elsevier im Jahr 2016 hat gezeigt, dass die Deutschen entgegen dem europäischen Trend immer noch am liebsten mit Büchern lernen. Dem gegenüber stehen globale Player wie Google Expeditions, AmazonEducation etc., die die lokalen Märkte mit digitalen Bildungsprodukten »erobern«. Damit lag die Fragestellung auf der Hand: Wie gehen wir bei Elsevier nun diese Herausforderung an? Wie erfahren wir, wie junge Leute heute lernen, was hat sich durch die Digitalisierung und Smartphones verändert? Wie sondieren wir den Markt und eruieren, was unsere Zielgruppe braucht? 

Und welche Antworten, welche Produktentwicklungsmethoden haben Sie für dich entdeckt?

Eine Methode, die auch Google nutzt, erschien uns sehr einleuchtend: Ein DesignSprint-Workshop. Diesen setzten wir im letzten Herbst mit Schülern aus drei Pflegeschulen um.  Ganz gezielt gingen wir Verlagsmitarbeiter ohne Hypothesen in diesen Workshop: Gemäß dem weisen Motto von Sokrates: »Wir im Verlag wissen, dass wir nichts wissen«.  Darum hörten wir unserer Zielgruppe zu, rekonstruierten mit ihnen ihren Arbeits- und Ausbildungsalltag, eruierten ihre Bedürfnisse.

Also eine eigentlich naheliegende, aber von den wenigsten praktizierte Methode: Hör erst einmal deiner Zielgruppe zu.

Exakt. Aus dem, was wir hörten, haben wir dann gemeinsam mit unseren Schülern User-Stories destilliert. Eine User-Story (»Anwendererzählung«) ist eine in Alltagssprache formulierte Software-Anforderung. Sie ist bewusst kurz gehalten und umfasst in der Regel nicht mehr als zwei Sätze. Diese User-Stories führten dazu, dass wir 11 digitale Lösungsmöglichkeiten hatten. Zusätzlich hatten wir viele neue Erkenntnisse für die Buchproduktion. Unsere bisherigen Annahmen wurden in großen Teilen auf den Kopf gestellt.

»User Stories« sind aus der agilen Software-Entwicklung heraus entstandene Produktentwicklungsmethoden. Welches Produkt haben Sie für sich aus diesen »Geschichten« herausdestilliert?

Die Story, die uns überzeugt hatte, die sich auch wie ein roter Faden in allen Gesprächen wiederholte, war: Ich verstehe Begriffe nicht, schaue online nach, aber bin mir dann unsicher, ob die Antwort stimmt. Ich brauche Inhalte, denen ich vertrauen kann. So wurde die Idee für eine App mit umfassenden lexikalisch aufgebauten Ihalten geboren und wir setzten diesen »Need« mit der Anwendung von User Experience Design (UX-Design) um. Der Begriff User Experience (deutsch wörtlich Nutzererfahrung, besser Nutzererlebnis oder Nutzungserlebnis) umschreibt alle Aspekte der Erfahrungen eines Nutzers bei der Interaktion mit einem Produkt.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus diesem agilen Produktentwicklungsprozess gezogen?

Wir wissen, dass wir uns in einem Prozess befinden, der entgegen einem Buch, kein fertiges Produkt produziert, sondern ein Produkt, dass sich entsprechend den User Stories verändert, modifiziert mit dem Kunden und seinen Bedürfnissen. Und alle Teilnehmern am DesignSprint machten die Erfahrung, wie aufregend es sein kann, ein Produkt so nahe am Markt zu produzieren und so kurzer Zeit auf den Markt zu bringen.

Das komplette Interview findet sich in der aktuellen Ausgabe des digital publishing report. Mit Beiträgen zu ReadnGo (Leseproben für die »Generation Scrollen«), zur Gemeinsamen Normdatei für Autoren, Blog-Empfehlungen, Tumblr-Marketing, Cognitive Computing, Tagung »Die Zukuft des Lesens« uvm. Das digitale Magazin ist kostenlos erhältlich. E-Mail an info@digital-publishing-report.de schicken, fertig.

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