Neue Geschäftsmodelle für das Abo-Geschäft

Quo vadis Abonnement?

Die »guten alten Zeiten« sind wohl endgültig vorbei. Vor allem Wissenschaftsverlage stehen vor der Frage, wie sie ihr Abo-Geschäft zukünftig in neue und sichere Geschäftsmodelle transferieren können. bookbytes-Blogger Sven Fund hat ein paar Vorschläge.

Abogeschäfte sind traditionell die Cash Cows der Verlage. Vor allem Wissenschaftsverlage finanzieren ihre Arbeit primär über Abos, die vor allem von Bibliotheken erworben werden, mittlerweile ganz überwiegend in digitaler Form. Das hat viele Jahre gut funktioniert, die Migration von Gedrucktem zu Digitalem verlief überraschend reibungslos. Allerdings: Es zeigen sich Risse im System, aus Sicht der Verlage müssen neue Lösungen her, um die Ertragskraft von Zeitschriften zu schützen. Andere Marktsegmente machen vor, wie das funktionieren kann.

Der Übergang von der Digitalisierung zur Digitalität entfaltet gerade in der Zusammenarbeit zwischen Verlagen und Bibliotheken seine gesamte Sprengkraft. Wurden in der Digitalisierung physisch entstandene Bücher und Zeitschriften quasi im Nachhinein um digitale Funktionalitäten ergänzt, kehrt sich in der Digitalität dieser Prozess um. Entscheidend ist nun, wie einer Nutzerschaft, die vornehmlich papierlos arbeitet, Funktionalitäten und Geschäftsmodelle angeboten werden können, die heutigen Ansprüchen entsprechen.

Und nicht nur Nutzer und Produzenten stellen sich auf die Bedingungen der Digitalität ein: Wo früher just in case und im Zweifelsfall für das Magazin der Bibliothek gekauft wurde, greifen seit ein paar Jahren Short Term Loan (STL) und Patron Driven Acquisition-Modelle um sich, just in time hat Einzug ins wissenschaftliche Publizieren gehalten. Hier erwirbt die Bibliothek eine Gruppe von Titeln durch das Verhalten ihrer Nutzer, nicht mehr durch klassische Kaufentscheidungen.

Die Folgen: Digitale Inhalte werden nicht mehr in Büchern oder Zeitschriften gehandelt, sondern in Jahrespaketen oder mit einem zuvor festgelegten STL-Budget. Die Konsequenzen sind tiefgreifend: Sicherten die Abo-Erlöse bisher die Finanzierung des Verlages und wirtschaftlich weniger attraktiver Programmteile komfortabel ab, indem sie vor Erbringung der eigentlichen Leistung kassiert wurden, müssen Verlage bei aktuellen Modellen öfters verstärkt in Vorleistung gehen. Was Kaufleuten im Verlag Stirnrunzeln bereitet,  freut Haushälter in der Bibliothek. Ist das Abo also das Auslaufmodell des wissenschaftlichen Publizierens?

Es wäre verwunderlich, schaut man sich die Vorteile digitaler Transaktionen an. Dabei fällt nämlich auf, dass sehr viele Startups – vom Modeversand Outfittery bis zu Anbietern verschiedener Software-Lösungen wie Pipedrive und GoPro – fast ausschließlich Abomodelle anbieten. Das wirtschaftliche Herz von Software as a Service ist eben das Abo. Besonders interessant ist, wie spezialisierte Dienstleister eine Menge von Komplikationen in der Abwicklung dieser Modelle lösen helfen. Zuora (www.zuora.com) zum Beispiel managt nicht nur das Abo minutengenau, es hilft auch beim Upselling anderer Produkte. Und vor allem bringt es Buchhalter in ruhigen Schlaf, indem sehr kundenorientierte, aber in der Abwicklung komplizierte Modelle korrekt verarbeitet werden. Abo, das kann man von diesen Technologiepartnern lernen, ist heute viel mehr als nur die regelmäßige Bereitstellung von Inhalten.

Bisher zeichnen sich Abonnements im Wissenschaftsgeschäft durch ihre Langlebigkeit, aber eben auch ihre Schwerfälligkeit aus. In der Zusammenarbeit mit Bibliotheken, vor allem aber in Praktikermärkten könnten Angebote wie Zuora dem Abo eine Renaissance bescheren – und so dem leisen Verfall der Erlöse aus diesen Modellen wirkungsvoll etwas entgegensetzen.

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1 Kommentar/e

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  • Svenja

    Svenja

    Outfittery ist kein Abo-Modell.

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