Neue Robotergenerationen in den USA und Japan

Mechanische Berserker und servile Zauberlehrlinge

Wird die Menschheit durch Google-Roboter ausgelöscht? Oder kann KI helfen, Senioren zu betreuen? Vielleicht ist Robotik The Next Big Thing.

Mechanische Berserker

Elon Musk ist Chef von Tesla Motors, SolarCity und SpaceX, also reich an Geld und Einfluss. Wenn er befürchtet, dass Google eine Roboterflotte baut, die die Menschheit zerstören könnte, dann hören viele zu. Künstliche Intelligenz sei sehr gefährlich, sagt er auf einem MIT-Symposium vor zwei Wochen, alles könne so enden wie in den Filmklassikern Terminator und Matrix.

Google hat in der Tat mit Boston Dynamics und Meka zwei der besten Robotikfirmen in den USA gekauft. Auf den zugehörigen Youtube-Seiten kann man sich (und sollte man sich!) diese neuen Intelligenzbestien mal ansehen: Die Zwitter aus Rasenmähern und Computern, mannshohe Vierfüßler, können mit etwa 30 Kilometern pro Stunde über Stock und Stein rennen! Seitentritte während der Bewegung pendeln sie mühelos aus, unwegsames Gelände überwinden sie deutlich besser als ihre bipoden Kollegen, was vor allem beim Katastrophenschutz – aber auch auf dem Schlachtfeld – sehr nützlich sein kann. (Am Ende dieses Artikels finden Sie unter Media den YouTube-Link.)

Androide Robotik ist in der Prioritätenliste der amerikanischen Ingenieure offensichtlich weit nach hinten gerutscht, mechanische Raubkatzen und Insekten sind jetzt die Vorbilder: Zweibeinige Roboter verbrauchen schon beim Stehen zuviel Energie und Intelligenz für die Balance, bei Laufen wird es richtig unökonomisch.
Was Musk besorgt macht, ist aber nicht, dass man diesen Robotern – wie allem, was sich bewegt – auch eine Waffe aufmontieren könnte, sondern die Künstliche Intelligenz. Um den »Vorbildern« Terminator und Matrix nahezukommen, müsste die AI der Geräte schon eine Verschwörung möglich machen: Wir, die Maschinen, machen jetzt mal das Licht aus! Dazu geben aber weder die Youtube-Filme noch die Firmenseite etwas her, im Fokus steht der jeweils einzelne Automat, Schwarmintelligenz oder Kooperationsverhalten sind da nirgends zu erkennen.

Servile Zauberlehrlinge

Im Gegensatz dazu arbeiten japanische Robot-Ingenieure an humanoide Maschinen und das in traditionelle Konzernen wie Honda und Sony. Das lässt ein Engagement des mächtige Handelsministeriums METI vermuten. Aber warum sollten japanische Roboter laufen, lachen und weinen können? Nun, das Inselreich steht vor einem noch massiveren Demographie-Problem als die europäischen Länder. Ganze Ortschaften vergreisen und werden fast nur noch von alten Frauen bewohnt, die schon zahlenmäßig von Jüngeren nicht mehr betreut werden können – für ein Volk mit Ahnenkult und viel Familiensinn eine unerträgliche Situation!

Da Japan mit allen Nachbarländern wie Korea und China seit Kriegsende im Streit liegt, ist auch durch gezielte Zuwanderung keine Entlastung zu schaffen. Drei Kinder will die Politik für jede Familie zur Pflicht verankern, aber selbst wenn solch ein Vermehrungsgesetz verabschiedet würde, käme der Effekt zu spät. Also werden Maschinen benötigt, die einer alte Dame aus der Wanne helfen und ihr Reis kochen können. Aber sie müssen auch Familie ersetzen, reden, zuhören, die Einsamkeit linder, sie müssen Gefährten sein, schlicht: menschlich sein.

Sonys Aibo war 1999 das erstes Großexperiment: Da in Japan in den meisten Haushalten wegen der beengten Verhältnisse Haustiere nicht gehalten werden dürfen, ließ sich der interaktive Roboterhund gut verkaufen. Zwar wurde 2006 die Produktion einstellt und 2013 auch der Support, aber die Ergebnissen ließen hoffen. Wie beim Tamagochi lieben wir es, Tiere und mechanische Wesen zu anthropomorphisieren, wenn eine Siri zu uns spricht, vermuten wir gleich ein empfindsames Wesen dahinter.

Auf Youtube lässt sich die ganz andere Mensch-Maschinen-Utopie der Japaner ansehen, meist servile mechanische Zauberlehrlinge mit gütigem Augenaufschlag und sanfter Stimme. Vielleicht ist ja der nächste Krieg eine Auseinandersetzung zwischen Google-Berserkern und blechernen Schoßhündchen.

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