PR neu justiert

Blogger Relations: Die Zukunft der Pressearbeit?

Man hört es allenthalben: Redaktionen werden zusammengelegt, freien Mitarbeitern die Honorare gekürzt, die Feuilletons schrumpfen. Wo ist noch Raum für Buchbesprechungen? Die Literaturblogger sollen's richten und werden von den Verlagen umgarnt. Aber ersetzen Blogger Relations tatsächlich die klassische Pressearbeit? Eine Beobachtung anhand der Welttags-Aktion #verlagebesuchen.

In vielen Verlagen hat sich zusätzlich zur Presseabteilung das Tätigkeitsfeld »Blogger Relations« etabliert. Ähneln sich die Aufgaben in vielen Punkten wie beispielsweise der Adresspflege und der Versendung von Rezensionsexemplaren, unterscheiden sich die Blogger Relations schon in ihrer bewusst zwischen den Stühlen angesiedelten Position im Unternehmen, die ungleich mehr Berührungspunkte mit Marketing, ja, Lektorat und Produktmanagement hat. Der Kontakt mit den Bloggern ist locker, bewusst freundschaftlich; sie werden mit großzügigen Goodie-Paketen beliefert oder auch, wie zuletzt beim Riesenschmöker Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara der Fall, vom Hanser Verlag übers Wochenende zum Lese-Retreat in ein Ferienhaus eingeladen. Natürlich steckt dahinter die Hoffnung auf positive Resonanz auf das Programm – und tatsächlich geht der Plan auf: Wo in der Zeitung eine ganzseitige Buchrezension zur Seltenheit geworden ist, bietet der Blog Fläche und, schaut man auf die bekannten Namen wie Buzzaldrins, SchöneSeiten oder Literaturen, real messbare Leserzahlen, Facebook-Views und Retweets.

Die Formate ändern sich

Der spätestens an dieser Stelle immer wieder gehörte Vorwurf, dass Literaturblogs weichspülen, gefühlige Leseerlebnisse liefern, aber den Maßstäben für Literaturkritik selten genügen, zieht nicht – auch darum wissen die Blogger Relations. Ebensowenig wie Blogs dem klassischen Feuilleton die ausgewogene, kritische Rezension abspenstig machen, können Zeitungen noch das leisten, was Blogger aufgrund ihrer ganz grundlegend anderen Ausrichtung, allein technisch, vermögen.

Für die zum Welttag des Buches ausgerufene Aktion #verlagebesuchen haben wir gezielt Blogger mit der Bitte angeschrieben, über unser Projekt zu berichten und persönliche Empfehlungen abzugeben. Hier ging es weder um konkrete Bücher noch um Marketing – zu allen Veranstaltungen war der Eintritt kostenlos, es gab keine Budgets oder Gewinnerwartungen –, im Vordergrund sollte die Idee stehen, die öffentliche Aufmerksamkeit auf Arbeit von Verlagen zu lenken. Vielleicht gerade deswegen war die Resonanz so gut: Zahlreiche Blogs veröffentlichten Programmübersichten, mal thematisch sortiert, mal nach persönlicher Vorliebe; der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt, wie etwa Tilman Winterlings kurzerhand entworfene Reiseroute durch Berlin bei 54books bewies. Man kann hier also weniger von Pressearbeit als vielmehr von Kooperation sprechen: Die Blogger wurden in ihrer Funktion als Gatekeeper bzw. Kuratoren mit einem großen Vertrauensvorschuss in die Aktion einbezogen, ernst genommen und bekamen so die Chance, eine ungleich aktivere Rolle einzunehmen, als lediglich zu berichten oder eine Pressemitteilung zu verbreiten. Diese Chance griffen sie, siehe obiges Beispiel, dann auch auf.

Positive Botschaft

Unser Learning: Eine positive, ermunternde Ansprache erzeugte ein schönes Grundrauschen, dass der Aktion #verlagebesuchen einen starken Auftrieb gab. Blogger sind eine relevante Größe in der Pressarbeit – wenn man sie unter dem Gesichtspunkt der Blogger Relations versteht. Keineswegs ist dadurch aber die klassische Pressearbeit obsolet. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte: Einer intelligenten Kombination beider Bereiche mit dem richtigen Gespür für die jeweilige Ansprache.

Weiterlesen: www.verlagebesuchen.de und #verlagebesuchen auf Facebook und Twitter

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