VLB-TIX im Vertretergespräch

Vom Vorschauen wälzen und Prozesse umwälzen

Unter dem Motto »Wie tixt der Vertreter mit dem Buchhändler?« berichteten Ute Koenig, Vertreterin für die Bonnier-Verlage Ullstein und Piper und Christiane Schulz-Rother, Inhaberin der Tegeler Bücherstube und drei weiterer Buchhandlungen auf einer Veranstaltung in Berlin davon, wie sie mit VLB-TIX (zusammen) arbeiten.

Im Herbst 2015 wurde VLB-TIX auf der Frankfurter Buchmesse gelauncht, seit bereits vier Programmen steht die Datenbank also für alle Verlage und Buchhandlungen zur Verfügung. Wie unterschiedlich der Wissensstand ist, wurde bei einer Veranstaltung des LV Berlin-Brandenburg im Literaturhaus Berlin deutlich. Die großen Player auf beiden Seiten sind dabei, viele kleinere Verlage und vor allem Buchhandlungen müssen noch überzeugt werden.

Deutlich wurde im Gespräch zwischen Ute König und Christiane Schulz-Rother, wie sich Vorbereitungen für den Vertreterbesuch oder das auf der Börse stattfindende Gespräch zeitlich nach vorn verlagern. Das Sortiment kann in VLB-TIX die benötigten Titel sichten, seine Bestellwünsche eintragen und diese Daten an die Vertreter übermitteln. Wo Einigkeit über die Bestellmengen herrscht, ist damit alles schon geklärt. Beim Besuch in der Buchhandlung könnte mehr Zeit und Muße bleiben, um intensiver über jene Titel sprechen, bei denen die Meinung zu den Bestellmengen auseinander geht.

Vertreter können aber auch für Buchhandlungen individualisierte Vorschauen erstellen mit Hinweisen zu Verkaufszahlen der Vorgängertitel und Vorschlägen zu Bestellmengen. BuchhändlerInnen können diese übernehmen oder modifizieren und dann ihre Bestellungen aus VLB-TIX heraus zurück an die Vertreter oder direkt an ihr Warenwirtschaftssystem übergeben. Das dabei Abweichungen von den üblichen Verlagskonditionen wie erweiterte Zahlungsziele noch nicht direkt abgebildet werden können, wurde als ein Manko des Systems angesehen.

Technische Innovation will geübt sein

Welcher dieser beiden Wege letztendlich gegangen wird, wird noch sehr oft erprobt werden müssen. Überhaupt waren sich die beiden Vortragenden einig, dass die Arbeit mit VLB-TIX im Moment noch relativ zeitaufwändig ist. Zur notwendigen Vorbereitung im Vorfeld kommt die noch einzuübende Gewöhnung an die unterschiedlichen Darstellungsweisen der Titel in Listenform oder auf einer im System gestalteten Bühne. Die Navigation durch die Darstellung und die Abläufe des Bestellprozesses müssen noch erlernt, Routinen entwickelt werden. Auch Zeitverzögerungen beim Laden der Seiten wurden erwähnt. Diese haben aber meiner Vermutung nach mindestens ebenso viel mit Bandbreitenabdeckung und Internetgeschwindigkeiten zu tun, als mit der Performance der VLB-TIX-Datenbank. Ein Hinweis mehr darauf, dass bei technischen Innovationen auch die Politik gefragt ist. Man stelle sich strukturschwache Regionen Deutschlands vor, wo die Buchhandlung vor Ort als letztes gallisches Dorf der Kultur VLB-TIX nicht zu ihrer Befriedigung nutzen kann, weil die Bundesregierung sich beim Thema Breitbandausbau nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Zurück zum »tixen«. Wegen der ungewohnten technischen Abläufe und der noch nicht routinierten Arbeitsstrukturen wird der Vertreterbesuch in Zukunft zum Testgebiet der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen Sortiment und Verlagsvertreter/Verlag, also nicht weniger wichtig, sondern eher noch wichtiger für alle Beteiligten.

Datenpflege: Mehr Daten ist Silber, sorgfältig ausgewählte Daten sind Gold

Um Ihre Vertreter dabei zu unterstützen, wird es auf dem Feld der Datenpflege umso notwendiger für die Verlage, Ihre Titel mit sauberen und relevanten Daten anzureichern. Die Vorteile der THEMA-Klassifikation für die Einkäufer in den Sortimenten wurde hier hervorgehoben. Hervorragend klassifizierte Titel werden über die VLB-TIX-Suche gefunden, dies ist im besonderen Arbeitserleichterung für die verlagsübergreifende Recherche, etwa für die Bestückung von Thementischen. Ebenfalls für nötig befunden wurde in der Diskussion mit dem Publikum die schnell und leicht zu erfassende Darstellung der Marketingmaßnahmen bereits im obersten Teil der Titeldetailansicht. Bei laufendem Betrieb im Laden haben die Buchhändler wenig Zeit, lange zu scrollen und Texte zu lesen. Eine Mahnung an alle Verlagskollegen, die am Schreibtisch in Ruhe Vorschautexte schreiben und Vorschauseiten gestalten: Der Buchhändler verarbeitet diese Informationen in einer völlig anderen Arbeitsumgebung. Es scheint sich heraus zu kristallisieren, dass die Zusatzinformationen anders präsentiert und aufbereitet werden müssen, als das bei der gedruckten Vorschau bisher der Fall war.

Christiane Schulz-Rothers Fazit lautete: »Bei den zehn ausgewählten Vertretern, mit denen ich (bisher) mit VLB-TIX arbeite, kann ich die gedruckten Vorschauen eigentlich gleich wegpacken, die nutze ich nicht mehr.« Ihr Ziel sei klar: In drei Jahren will sie keine gedruckten Vorschauen mehr wälzen müssen. Die Diskussion hat gezeigt: ob sie dieses Ziel erreichen kann, hängt von allen Beteiligten in der Branche ab.

6 Kommentar/e

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  • Peter Kern

    Peter Kern

    Für kleine Verlage sehe ich keinen Vorteil, es ist wieder ein Spielplatz für die Großen der Branche. Und BuchhändlerInnen, die keine Zeit mehr für gedruckte Vorschauen haben, ich weiß nicht, die haben soviel Umsatz, dass sie eine zweite Kraft einstellen können.
    Für mich sind das alles Scheingefechte, solange in den Buchläden über ama bibliographiert wird und werden muss.

  • Annika Joscht

    Annika Joscht

    Chancen gibt es für kleinere Verlage schon, etwa wenn deren Titel bei einer (im Artikel beschriebenen) verlagsübergreifenden Suche gleichrangig mit denen der Großen gefunden werden, anstatt dass die BuchhändlerInnen lediglich die wichtigsten Vorschauen durchblättern. Vielleicht kann vlbtix ja ein alternatives Informationssystem zu amazon werden, aber dann sollte es auch die Chance kriegen sich zu etablieren bevor es negativ bewertet wird. Im übrigen war von "Gefechten" bei der Veranstaltung nichts zu spüren, im Gegenteil herrschte grundsätzlich Einigkeit über die Vorteille und Potentiale des Systems.

  • Peter Kern

    Peter Kern

    Hallo Frau Joscht,
    ich schrieb ja oben schon vom "Spielplatz für die Großen", und schon kommt von genau dort die Antwort. Vielen Dank dafür!
    Ich kenne die buchhändlerische Arbeit sehr gut, kenne den Druck, den Abteilungsleiterinnen haben, sowohl bei der Bearbeitung der Vorschauen, als auch im Kundengespräch, wenn mal wieder ein Buch in den ersten zwei Datenbanken nicht zu finden ist (weil entweder die Daten nichts taugen oder die Programmierung dahinter schlicht grottig ist), in der dritten vertippt man sich dann schon mal ... --- ... und wechselt entnervt zur ama-Seite rüber, die einfach hervorragend funktioniert und findet, auch wenn man sich vertippt oder nur einen Teil des Titels weiß. Die BuchhändlerInnen wissen, was ich meine.
    In diesem Ablauf dann noch das vlbtix zusätzlich zu befragen, wird nur in Ausnahmen möglich sein.

    Ich schrieb auch nicht " von "Gefechten" bei der Veranstaltung", sondern von den Gefechten, seine eigene Wichtigkeit hervorzuheben. Das VlB hatte mal das wirklich wunderbare libreka! entwickelt. Leider hat in der ganzen Branche kaum einer verstanden, was das für ein tolles Teil war, und es musste abgegeben werden. Jetzt quäle ich mich mit denen rum, aus verschiedenen Gründen. libreka! ist gescheiterte Geschichte, weshalb soll ich jetzt auf das nächste Schweinchen im Dorf setzen?

    Ich schweife ab, Verzeihung. Wer Zeit hat, möge vlbtix unterstützen!

  • Dieter Dausien

    Dieter Dausien

    Um mal etwas Aufklärung zu betreiben, Herr Kern:
    Ihre Produkte werden schon jetzt bei der von Frau Joscht genannten thematischen verlagsübergreifenden Suche gefunden! Dank der Tatsache, dass im TIX automatisch alle im VLB gelisteten Titel zu finden sind. Ist das nicht genial? Und ohne weitere Kosten für Sie!
    Was Sie als Verlag Geld kostet, ist das Einstellen der Vorschauen. D.h. die Titel einer Saison sind dann in der gleichen Reihenfolge wie in der gedruckten Vorschau durchzublättern und Sie haben die Möglichkeit, die Präsentation der Titel besonders zu gestalten, mit AV-Dateien und Leseproben anzureichern etc. Diese Art der Präsentation ist für uns Sortimenter Voraussetzung, um, nach geübtem Schema, die Halbjahresproduktion eines bestimmten Verlages in einer logischen Folge durchzusehen. Deshalb bearbeiten wir nur noch Print-Vorschauen, wenn sie nicht im TIX stehen, was wir sehr bedauern.

  • Esther Giese

    Esther Giese

    Ich habe mich auch angemeldet um einen Eindruck zu gewinnen und bin überhaut kein Freund von VLB-TIX. Für unseren Alltag in der Buchhandlung ist es sehr viel leichter und übersichtlicher in einer Vorschau aus Papier zu blättern. Ich schaue genug auf den Bildschirm und das Format von VLB-TIX ist sehr unübersichtlich und es ist sehr anstrengend für die Augen. Meinen Angestellten kann ich auch nicht zumuten, zu Hause auf dem Sofa auf den eigenen Rechnern zu disponieren. Bei uns wird auch mal in der Mittagspause geblättert.
    Bei einem Test mit einem Vetreter haben wir glatt einen ganzen Verlag vergessen. Ich möchte dem Vetreter anschauen und nicht neben ihm sitzen und auf den Bildschirm starren.....

  • Nanno Viëtor

    Nanno Viëtor

    Gerne möchte ich doch auch als unabhängiger Buchhändler das Bild zurecht rücken, wir würden meist über ama bibliographieren.
    Das VlB hat seine Tücken, aber es wird immer besser, ganz so wie es von den Verlagen selbst gepflegt wird.

    Und leider sind es meiner Erfahrung gerade viele kleinen Verlage, welche die Pflege und Meldungen ihrer Daten noch nicht so optimal ans VlB melden,
    dass wir Buchhändler sie adäquat ohne extra Suchmaschinen finden. Dies aus meiner persönlichen Alltagserfahrung bei nicht im Barsortiment geführten Titeln.

    Ab wann ist man ein großer Verlag, ist das auch gleich ein Malus?
    Ich führe eine kleine Buchhandlung, aber das Ausspielen die Großen dort und wir Kleinen hier führt meines Erachtens nicht weit.
    Es geht um gute Daten für gute Ergebnisse und damit auch zu guter Arbeit für uns und unsere Kunden.

    Vlb-TIX halte ich für höchst demokratisch, denn durch die Thema-Klassifizierung werden auch Titel der Verlage gefunden, die ich weder im Print oder sonst wie
    auf dem Schirm habe. Durch die Meldung im VlB finde ich diese Titel auch wenn es keine digitale Vorschau im VlB-TIX gibt.

    Sogar die Backlist wird durch die besseren Auffindungsmöglichkeiten wieder in den Focus gerückt.
    Ich erwarte auch nicht zu jedem Titel eine Bühne, aber es ist natürlich von Nutzen wenn Verlage die Möglichkeit bieten in ein paar Seiten des Buches hinein zu blättern.

    Das Ganze ist ´Work in Progress´ und Verlage, Vertreter und Sortimenter können sich produktiv mit einbringen.
    Dass die Budget-Funktion erst so spät verfügbar ist, muss ich kritisch anmerken, finde ich allerdings enttäuschend.

    Jedenfalls ist die Erwartung an die Zukunft von VlB-TIX sicherlich größer als nur eine elektronische Verlagsvorschau zu sein.
    Auch wenn ich froh bin, wenn ich nicht soviel an unnötigem Papier dann zu entsorgen habe und denke dies wird nicht nur den Finanzausgaben für Print einsparen sondern auch unserer Umwelt zugute kommen.

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