Wie Blockchain den Arbeitsmarkt verändert

Wie arbeiten wir morgen?

Blockchain-Technologie wird gerne mit virtuellen Währungen wie Bitcoin gleichgesetzt. Tatsächlich geht es dabei vor allem ganz allgemein um das Prinzip der Dezentralität. Bekannte Beispiele sind Airbnb, Uber, Displaynetzwerke wie Google oder Facebook ohne dazwischengeschaltete Intermediäre, aber auch Nachbarschaftsportale, die manchen Baumarkt das Fürchten lehren, der direkte Verkauf von Strom auch von privaten Anbietern usw. Bleibt die Frage, was das Prinzip der Dezentralität für die moderne Arbeitswelt bedeutet. STEFFEN MEIER / PATRICK ROSENBERGER

Alte Berufe neu erfunden

Sollte die Technologie sich in dem Maße etablieren wie erwartet, wird dies voraussichtlich auch eklatante Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Um beim Beispiel des Geldtransfers zu bleiben, müssen Banken umdenken. Schon heute hat die Zahl der Bankkunden, die tatsächlich eine Überweisung in der Bank tätigen, drastisch abgenommen. Auch Beratungsdienstleistungen finden deutlich weniger statt. Banken in ihrer Kernfunktion werden daher bald überflüssig sein. Der Handel von Wertpapieren, Versicherungen, Makler, Notare, um nur einige zu nennen – all diese Berufe müssen sich komplett neu organisieren, sich neu erfinden, um zukünftig ihr Dasein zu rechtfertigen. Natürlich werden diese Berufsbilder nicht über Nacht verschwinden, aber selbst eine stete Abnahme hätte schmerzhafte Auswirkungen auf die in diesen Berufen Beschäftigten. Selbst wenn sich Kryptowährungen wie Bitcoin am Ende nicht durchsetzen, so ist es die Blockchain, die ihren Weg in nahezu sämtliche Wirtschaftszweige finden wird. Weil sie Kosten senken kann. Weil ein über Smart Contract aufgesetzter Vertrag den Notar ersetzen kann, Musikrechte und Tantiemenvereinbarungen effizienter gehandhabt werden können, weil ein Mittelsmann in wesentlichen Bereichen des Lebens überflüssig sein wird – nicht nur bei den Banken.

Neue Berufswelten entstehen

Doch wo auch immer auf der einen Seite Arbeitsplätze wegfallen, entstehen dafür auf der anderen Seite neue. Ersetzt in der Automobilindustrie ein Roboter den Arbeiter, entsteht ein Arbeitsplatz in der Industrie, die den Roboter fertigt. Unternehmen können ihre Gewinnspannen erhöhen und dadurch Arbeitsplätze schaffen. Nicht umsonst prognostizieren viele Wirtschaftsbeobachter, dass die Einführung der Blockchain Millionen von Arbeitsplätzen im Informatikbereich schafft. Schon heute wird fieberhaft auf den großen Portalen Stepstone, Monster und Co. nach Blockchain-Entwicklern und Experten in diesem Bereich gesucht.

Gunnar Sohn schrieb vor kurzem dazu im Netzpiloten-Magazin: »Tim Cole und Ossi Urchs haben in ihrem Buch Digitale Aufklärung die Dezentralität als ›Wertschöpfungsnetzwerk‹ beschrieben: Komplexe Aufgaben werden in einfache Module zerlegt und über das Netzwerk an Personen vergeben, die dafür die nötige Kompetenz und Zeit besitzen. So werden einzelne Mitarbeiter, Arbeitsgruppen und sogar ganze Organisationseinheiten projekt- und aufgabenbezogen zu Teams zusammengeführt und bilden damit eine Art virtuelle Organisation auf Zeit. Urchs und Cole sprechen sehr treffend von einer ›Cloud-Belegschaft‹.«

»Frißt« die Blockchain Verlage und Buchhandlungen?

Mit Sicherheit nicht - vorläufig. Kreativ- und Beratungsleistungen sind nicht zwingend davon betroffen, dass ein Mittler oder eine Plattform ausgeschaltet wird. Bei den Geschäftsmodellen mag das in Teilen anders sein, wenn Autor und Leser in Zukunft alles direkt miteinander vereinbaren können, inklusive Transfer von (digitalem) Gut und Geld. Der durch Digitalisierung und Blockchain-Technologien beförderte Dezentralisierungs-Trend wird aber mit Sicherheit nicht vor physischen Arbeitssituationen halt machen wie wir sie heute kennen: um 9 rein in den Verlag, um 5 wieder raus. Und immer brav in Rufweite des Arbeitgebers. Insofern mögen die Arbeitsplätze zunächst nicht gefährdet sein, wohl aber die derzeitige Arbeitssituation. Und Industriearbeiter, Hoteliers und Taxifahrer haben sich vor zwanzig Jahren sicher auch nicht vorstellen können, wie sich die Situation einmal für sie verändern wird.

Schöne neue Welt?

Nun kann sich aus verschiedensten Gründen nicht jeder zum Blockchain-Experten entwickeln. Allein die Digitalisierung der Welt hat zu einem enormen Umbruch der Arbeitswelt geführt. Wie die Auswirkungen sind, sollte sich das Prinzip der Dezentralität weiter durchsetzen? Das kann heute kein Mensch ernsthaft vorhersagen. Umso mehr ein Grund für jeden Einzelnen, jede Gesellschaft und auch die rahmenschaffenden Institutionen, sich frühzeitig mit möglichen Szenarien auseinanderzusetzen.

Der ausführliche Beitrag zum Thema Blockchain & Arbeit, aber auch die Fortsetzung zur Diskussion um das Thema Direktvertrieb, Digitale Kompetenz, Referral Marketing, Personalisierung als Engagement-Garantie, Storytelling-Tipps, Dashboards für Social Media Team, Marketing Automation uvm findet sich in der aktuellen Ausgabe des „digital publishing report“. Das digitale Magazin ist kostenlos erhältlich. E-Mail an info@digital-publishing-report.de schicken, fertig.

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2 Kommentar/e

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  • Texthandwerkerin

    Texthandwerkerin

    Hauptfrage für mich: Und wer bezahlt die Cloud-Belegschaft?!

    Werden solche Modelle aus dem "Home-Office" im Rahmen einer Festanstellung entwickelt, ist alles gut. Entstehen sie aber über Click-Working (also dort, wo wir Selbstständigen uns sehenden Auges ins Verderben durch ständig noch weiter unterbotene Priese stürzen sollen...), wird mir Angst und Bange....

    Vor rund 20 Jahren habe ich einen Teil meines Einkommens als freie Journalistin für Buchrezensionen bekommen: Zeitschriftenverlage haben dafür bezahlt!!! Heute? Muss ich nicht auflisten, oder?

    Das Dumme ist: Ich bin ganz und gar nicht gegen die (meisten) neuen, technischen Möglichkeiten - viele finde ich faszinierend, ohne sie hätte ich mich nie und nimmer wieder selbstständig machen können. Aber einige dieser Möglichkeiten haben tendenziell durchaus auch das Zeug zum beruflichen Selbstmord-Instrument...

    In meinem Augen hat auch die Tatsache, dass wir mehr und mehr zu Ehrenamt und kostenloser (Online-)Arbeit "verdonnert" werden, was damit zu tun...

    Ich bin über 50 - und diese Entwicklung macht mir regelrecht Angst.
    Etwas ausführlicher zum Thema: Hier: https://unruhewerk.de/wert-der-arbeit/

    Wer neue Wege kennt, beschreibt, testet, geht: Bin ich gern dabei. Zur Not auch vorläufig unbezahlt.... (GRRRR!!)

    Herzlichen Gruß
    Maria Al-Mana, die Texthandwerkerin

  • Uwe

    Uwe

    Es gibt da ein eine Seite von der 99,7% der deutschen Arbeitnehmer noch nie etwas gehört haben. Ich meine "Mechanical Turk" (mturk.com). Geben Sie diesen Begriff in eine Suchmaschine, Sprache english und evtl. noch mit dem Zusatz jobs oder critical
    dann sehen Sie wohin sich alles entwickelt. Vielleicht finden Sie dann auch die Sache mit den 'sheep pictures' In auftrag gegeben für 1 $ und weiterverkauft für 10 $. Ohne das die Urheber der hunderten verschiedenen sheep pictures (es waren Grafiken von Schafen) irgenden etwas davon hatten. Dieser AUftrag wurde vergeben, um Material für eine Dissertation zu sammeln. - Für fast jede Arbeit mit dem Wort oder Bild findet sich dort einer der 'hier' schreit. Zugegeben, english ist einfacher struktuiert und wird weltweit gesprochen; aber das hunderte Nordamerikanischer Lokalredaktionen in Indien sind, lässt nichts gutes ahnen.

    Hier nochmal ein Blog-Artikel von 2006 (gerade wieder gefunden)
    http://www.salon.com/2006/07/24/turks_3/
    “I make $1.45 a week and I love it”

    • ...

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