Analyse

Wikipedias »Stern«-Stunde

Die Web 2.0-Gemeinde frohlockt: Wikipedia hat im »Stern«-Turnier den furiosen »Brockhaus« aus dem Sattel gehoben und fühlt sich geadelt. Was an dem plötzlichen Medienglanz dran ist, ob es denn mit rechten Dingen zuging, und worüber sich nun Brockhaus echauffiert, versucht BÖRSENBLATT-Redakteur Michael Roesler-Graichen zu ergründen. VON MICHAEL ROESLER-GRAICHEN

Michael Roesler-Graichen

Michael Roesler-Graichen © Nicole Hoehne

Was ist eigentlich eine Enzyklopädie? Die 30-bändige »Brockhaus Enzyklopädie« definiert sie (und damit sich selbst) als »die schriftliche und komplexe Darstellung des gesamten Wissens oder des Wissens eines Fachgebietes«. In der »freien« Online-Enzyklopädie Wikipedia liest man es ganz ähnlich: Die Enzyklopädie wird dort bestimmt als »ein Nachschlagewerk, das alle Gebiete menschlichen Wissens strukturiert und umfassend darstellt«. In einem entscheidenden Punkt unterscheiden sich jedoch beide Einträge: Während Wikipedia historische und aktuelle Enzyklopädien wie den großen »Brockhaus« aufführt und in einer Tabelle vergleicht, wird Wikipedia im »Enzyklopädie«-Artikel der 21. Auflage der »Brockhaus Enzyklopädie« mit keiner Silbe erwähnt (dafür gibt es an anderer Stelle einen Eintrag »Wikipedia«). Daher haben es viele Wikipedianer als Genugtuung empfunden, dass ihr Projekt mit der Schützenhilfe des Wochenmagazins »Stern« jetzt einen Sieg über den mächtigen Konkurrenten aus der Print-Welt davongetragen hat. Ob es nur ein PR-Sieg war oder gar nur ein Pyrrhus-Sieg, wird sich noch zeigen, spätestens dann, wenn Brockhaus »seine Online-Auftritte in Richtung Aktualität verbessert hat«, wie B.I. & F.A. Brockhaus-Sprecher Klaus Holoch ankündigt (siehe Börsenblatt 50 / 2007). Jedenfalls kann sich der »Stern« über eine tolle Titelstory freuen, während der ein oder andere Buchhändler im Stillen flucht, dass ihm das Geschäft vermasselt wird. Welches Motiv den »Stern« zu dem Test bewogen haben mag – ob Sympathie für das Wikipedia-Projekt, ob Instinkt für die Quote oder die Liebe zur vorurteilsfreien Recherche –, die Sache hat einen Schönheitsfehler: Der vom »Stern« beauftragte Wissenschaftliche Informationsdienst (WIND) wählte die 15-bändige Ausgabe des »Brockhaus« als Vergleichsmaßstab – mit der Begründung, nur sie stehe online zur Verfügung. Das mag zwar zutreffen, doch ein quantitativer wie qualitativer Vergleich hätte nur zu brauchbaren Ergebnissen geführt, wenn WIND die Online-Version der 21. Auflage der »Brockhaus Enzyklopädie« in 30 Bänden getestet hätte. Denn dieses Spitzenprodukt der Mannheimer und Leipziger Verlagstruppe ist nicht nur wesentlich umfassender, sondern auch dank regelmäßiger Online-Updates wesentlich aktueller als der 15-Bänder. Das WIND-Argument, nur der 15-Bänder sei allgemein zugänglich, klingt wenig überzeugend. Würde man etwa in einem Vergleich verschiedener Fernsehsender »Premiere Star« ausschließen, weil es nur mit Decoder zu empfangen ist? Also: Hier kann man schon Klaus Holochs Bemerkung beipflichten, WIND habe »Äpfel mit Birnen« verglichen. Und doch wird Brockhaus sein Geschäftsmodell prüfen müssen: Es reicht nicht, Inhalte bestehender Substanzen eins zu eins online zu vermarkten. Wenn der 15-bändige Brockhaus und die zahlreichen Fachlexika (wie der Brockhaus Naturwissenschaft und Technik) schon gegen Bezahlung ins Netz gestellt werden (unter www.brockhaus.de/nachschlagen), müssen die Artikel auf dem aktuellsten Stand sein – sonst könnte das Premium-Produkt gegenüber Wikipedia tatsächlich ins Hintertreffen geraten. Bei Meyers online 2.0, dem um interaktive Elemente in Wiki-Manier erweiterten Internet-Lexikon, wird dies doch mit Erfolg vorexerziert. Das bedeutet natürlich, dass Brockhaus-Redakteure künftig im Idealfall rund um die Uhr mit Aktualisierungen befasst sein müssten – ein personeller Aufwand, der im Gegensatz zur Gratis-Mitarbeit der Wikipedianer natürlich ins Geld geht. Und nun zu Wikipedia: Da prallen zwei Meinungen aufeinander. Der Marktführer Brockhaus beansprucht für sich die Deutungshoheit. Er bestreitet, dass Wikipedia überhaupt eine Enzyklopädie sei. Was ist Wikipedia dann überhaupt? Nur ein Web 0.0, wie Bernd Graff jüngst einen bissigen Artikel in der »Süddeutschen Zeitung« betitelte? Eine Wissenskloake, in die jeder sein (überflüssiges) Privatwissen kippen kann? Das wäre zu einfach – denn Wikipedia ist als Nachschlagemedium allgemein akzeptiert. Das zeigen die im »Stern« abgedruckten Pro-Wikipedia-Testimonials, über die sich auch der Marketing-Leiter von Brockhaus gefreut hätte. Zum letzten Mal: Was ist Wikipedia? Sicher ein Projekt, dass das Wissen der Welt ordnen und strukturiert darstellen möchte, eine Enzyklopädie in statu nascendi, eine encyclopedia in progress. Ein Nachschlagewerk, dessen Entstehungsprozess die Nutzer beobachten und den sie selbst als Autoren und Administratoren beeinflussen oder sogar steuern können. Das Internet und die Wikipedia-Community versuchen hierbei den in der Print-Welt üblichen Produktionsprozess zu substituieren, an dessen Ende traditionell das fertige Produkt, die qualitätsgeprüfte Enzyklopädie steht. Und genau an diesem Punkt unterscheiden sich Wikipedia und die Brockhaus Enzyklopädie ganz wesentlich: Das aus der Printwelt kommende Produkt will sicheres, proportioniertes, relevantes und nachhaltiges Wissen liefern – und muss bei der Aktualität Abstriche machen (die sie allenfalls online wieder ausgleichen kann). Wikipedia möchte den gleichen Kriterien genügen oder standhalten, ist aber erst auf dem Weg dorthin. Noch gibt es nur wenige »stabile«, fertige Artikel. Noch ist die Zahl der »lesenswerten« oder der »exzellenten« Artikel zu niedrig, als dass Wikipedia wirklich eine verlässliche und zitierfähige Wissensquelle sein könnte. Und – wirklich entscheidend – noch fehlt trotz aller Kontrollmechanismen der konzeptionelle Gestalter, der dem Online-Produkt eine verbindliche Form sowie ein klar erkennbares Profil gibt und vielleicht auch Umfangsgrenzen festlegt. Denn noch überwiegt der Eindruck, man habe es mit einem Sammelsurium zu tun, in dem sich Universallexikon und jede Menge Spezial-Nachschlagewerke treffen. Es fehlt also die Disziplin, dem notwendigen Wissen den ihm zustehenden Platz zuzuweisen und das ephemere »Wissen« herauszufiltern. Denn – das bedeutet »Enzyklopädie« in seiner Grundbedeutung – der Kreis der Bildung muss (zumindest vorläufig) einmal durchschritten worden sein, um ein Nachschlagewerk zu schaffen, dass eine Repräsentation des Weltwissens darstellt – eine Abbildung der Wirklichkeit, die natürlich Zeitströmungen und geschichtlichen Veränderungen unterworfen ist und daher ständig neu angelegt werden muss.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

13 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Interessanter Text, Herr Roesler-Graichen.

    Am besten fange ich mal mit einer kleinen Anekdote an. Ein paar Monate vor Erscheinen der neuen Auflage der Brockhaus-Enzyklopädie hatte Alexander Bob auf einer Veranstaltung für Journalisten bei Springer auf ein laufendes Forschungsprojekt hingewiesen, bei dem BIFAB zusammen mit Partnern aus der Forschung und dank Staatsknete an neuen Methoden arbeitete, Inhalte für Nutzer besser abrufbar zu machen. Da lagen also bei einem dieser Partner dann online die Vorab-Texte der Brockhaus-Enzyklopädie online und das war für uns alle eine schöne Überraschung, einmal dort Nachlesen zu können. Sowas wie eine Public-Beta. Brockhaus hätte hier bestimmt vor dem Druck noch ein paar Fehler finden lassen können. Im von Ihnen erwähnten Artikel "Enzyklopädie" der 21. Auflage stand Wikipedia dann übrigens auch als neuere Form der Enzyklopädie drin. Auf Intervention eines Geschäftsführers flog diese Erwähnung dann aus dem Text des Artikels heraus, Wikipedia wurde zu einem Online-Portal umgedichtet. Expertenwissen darf halt eben nicht den Geschäftsinteressen entgegen stehen :)

    Dass sie - was den Test gegen den 15-Bänder angeht - die argumentative Abwehrhaltung von Klaus Holoch übernehmen, ist eher schwach. Klaus sagt nichts anders, als dass es unfair sei, Wikipedia mit einem (je nach Kaufmodell) mehrere hundert Euro teuren Werk von Brockhaus zu vergleichen. Wie schön drüben in dem anderen Diskussionsthread gesagt, auch ich freue mich mal auf einen methodisch sauberen Vergleich zwischen Wikipedia und der BE21, finde aber die Argumentation des Stern hier hinreichend plausibel: Brockhaus ist im Onlinebereich nicht mit der Textsubstanz der BE21 am Markt, der Onlinezugang ist ein Anhängsel für Käufer der Print- und USB-Variante.

    Nach Auskunft einer BIFAB-Vorständlerin (ich habe mir auf der PK diese Zahl noch ein zweites Mal bestätigen lassen, weil ich sichergehen wollte), melden sich gerade 30% dieser Käufer wenigstens ein einziges Mal bei brockhaus-enzyklopädie.de an. Davon wieder ein Teil nutzt es regelmäßig. BIFAB kann gerne aktuellere Zahlen nachschieben, bis dahin lautet eine vertretbare Schätzung, daß in einer Woche vielleicht 1000 klassiche Einzelkunden auf brockhaus-enzyklopädie.de aktiv sind (plus vielleicht Kunden mit Gruppenzugängen...)

    Drüben in einer anderen Diskussion kam ein sehr guter pragmatischer Vorschlag: Brockhaus stellt die 50 entsprechenden Artikel aus dem WIND-Test für eine begrenzte Zeit für einen öffentlichen Vergleich online (idealerweise natürlich hier in der Version vor dem Test, gleiches bei Wikipedia). Und dann schauen wir mal. Einverstanden?

  • Marcus Cyron

    Marcus Cyron

    Es stimmt nicht, daß sich die Wikipedia-Gemeinde jetzt gebauchpinselt, selbstzufrieden und voller Genugtuung zurück gelehnt hat. Im Gegenteil. Der Test wurde nicht unkritisch aufgenommen. Liegt doch die Wikipedia nicht zuletzt dank der Aktualität weit vorn. Gerade diese Aktualität ist bei den gewählten 50 Artikeln - die ja nicht wie behauptet wurde zufällig gewählt wurden, sondern die alle Themen behandeln, die zuletzt recht wichtig waren - für ein Projekt wie die Wikipedia viel leichter her zu stellen.

    Es ist generell ein Trugschluß, daß die Wikipedia-Gemeinschaft sich der Risiken des Projektes nicht bewußt wäre. Als Gemeinschaft wollen wir weder unberechtigte Schulterklopfer noch unberechtigte Kritik. Wir wollen einfach fair behandelt werden. Und schon ein Vergleich zwischen Wikipedia und Brockhaus ist unfair - für beide Seiten. Weder kann der Brockhaus Wikipedia sein - noch der Brockhaus Wikipedia.

    Ich verstehe auch nicht, warum man bei der Wikipedia immer kritisch auf die Zitierfähigkeit schaut. Wenn ich eine Hausarbeit - ob nun in der Schule oder an der uni - schreibe, ist weder die Wikipedia noch der Brockhaus zitierfähig. Zudem erscheint mir der Brockhaus nur deshalb als "verlässlicher" (wenn überhaupt), weil man bei den kleinen Artikeln, die eben dem Platzproblem geschuldet sind, Fehler weniger häufig vorkommen können. Und dennoch kommen sie auch im Brockhaus vor. Aus der Wikipedia wird immer gebetet, daß man Artikel aus Lexika nie ungeprüft und vor allem nicht als alleinige Quelle benutzen sollte. Das trifft aber eben nicht nur auf die Wikipedia, sondern auch auf den Brockhaus, auf Meyers oder die Britannica zu. Interessanterweise haben wir in meinem Fachbereich (Altertumswissenschaften) bei Artikelrecherchen in Fachlexika schon mehrfach Fehler finden müssen - die in der Wikipedia so natürlich nicht mehr stehen. Das was die Wikipedia von anderen Lexika abhebt ist die Möglichkeit, Fehler auszumerzen ohne ins Buch schreiben zu müssen.

  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Marcus, du hast hier einen wichtigen Punkt angesprochen.

    Es gab hier zwei Fälle von Aktualität:

    Der eine ist heute Eveline Widmer-Schlumpf. Sie ist zum einen heute in den Medien, zum anderen wird sie die nächsten Jahren einem Departement in der Schweiz vorstehen. Relevanz für Wikipedia ist gegeben, für einen gedruckten Dreissigbänder wohl eher nicht, sofern sie nicht noch weiter Karriere macht. Es ist nicht verlangbar, daß ein Lexikon hier Informationen über sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt enthält.

    Das andere ist der Fall "Kurt". Wenn wegen dieses Fellknäul das Thema "Eisbären" wieder nach oben gespült wird, kann man ohne Probleme die jeweiligen Artikel über Eisbären im Allgemeinen vergleichen, auch gegenüber einem 1997 erschienen Werk.

    Die große Mehrheit der Artikel in dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia: Wikipedistik/Vergleiche/Stern_2007">Stern- WIND-Vergleich</a> waren aktuelle Begriffe des zweiten Typus. So etwas <i>könnte</i> Wikipedia strukturell (und im Zweifel ohne Absicht) bevorteilt haben, aber damit werden die Ergebnisse bei Brockhaus in absoluten Werten auch nicht besser. Die Fokussierung auf aktuelle Begriffe ist übrigens ein strukturelles Problem von Vergleichen und Rezensionen der letzten Jahrzehnte, nichts, was erst durch Wikipedia aufgekommen ist.

  • Jochen Heller

    Jochen Heller

    > Das WIND-Argument, nur der 15-Bänder sei allgemein
    > zugänglich, klingt wenig überzeugend. Würde man etwa in
    > einem Vergleich verschiedener Fernsehsender »Premiere
    > Star« ausschließen, weil es nur mit Decoder zu empfangen
    > ist?

    Ganz klar, ja. Natürlich würde man Pay-TV-Sender nicht mit den anderen vergleichen. Dieses Gegenargument klingt für mich weit weniger überzeugend, als die Argumentation Wikipedia vs 15 Bände

  • Jochen Heller

    Jochen Heller

    Und es gibt oder nimmt auch keine Verkaufsargumente, dass die Wikipedia in diesem Test besser abgeschlossen hat. Eine Print-Ausgabe hat ihre Vorteile, eine online-Ausgabe wieder andere. Von einem kommerziellen Produkt erwarte ich geradezu, dass es besser ist, als sein freies Pendant. Sonst ist es wie mit Linux und Windows. Warum sollte ich mit gutem Gewissen Windows verkaufen, wenn ich weiß, dass man dieses ganze Geld nicht bezahlen muss um ein gleichwertiges Betriebssystem zu erhalten.

    Also, der 30-bändige Brockhaus soll froh sein, dass er in diesem Test nicht betrachtet wurde. So mag es ja weiterhiin stimmen, dass Qualität auch ihren Preis hat.

    Aber wenn ein gutes Produkt offen der Allgemeinheit zur Verfügung steht, sollte das ruhig auch gewertschätzt werden können, auch in der Form, dass die kommerziellen Produkte eben auch ihren Preis wert sind.

    Man sollte sich nicht zu sehr darüber aufregen ...

  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Herr Bob, Herr Holoch: Wie sehr haben die Verkäufe des Meyers-Taschenlexikons sich verändert, seit Sie den Inhalt kostenlos unter lexikon.meyers.de abgelegt haben?

  • Matthias Stöbener

    Matthias Stöbener

    Ganz ruhig bleiben! Zwar kann man die Wikipedia mit dem Brockhaus vergleichen. Aber das ist uninteressant. Wikis werden sich durchsetzen. Brockhäuser bleiben. Aus beiden Quellen zieht der Leser von Büchern und gleichzeitige User des Internets oder des Handys seinen unterschiedlichen Nutzen. Und das ist gut so. Schlimm die Zeiten, da es nur einen Brockhaus gab, schlimm wären die Zeiten, in denen es nur noch eine Wikipedia gäbe.

  • richard albrecht

    richard albrecht

    ZWISCHENRUF

    So nötig der kritische „boersenblatt“-Kommentar formal war – so wenig weiterführend erscheint er mir material: Erstens halte ich den/die, die/der´s innert der nächsten Jahre schafft, eine gesamthaft tragfähige wissenschaftliche Methode zum Vergleich von de.wikipedia mit Brockhaus und Meyers Encyclopädien (oder auch en.wikipedia mit der Encyclopaedia Britannica) zu entwickeln, für Nobel-preisverdächtig (wohl wissend, daß es´n NP für Sozialwissenschaft bisher nicht gibt;.-). Zweitens wären, wenn denn eine inhaltlich seriöse und methodisch robuste Vergleichsform entwickelt werden könnte, hier vermutlich höchstdifferenzierte Besonderheiten zu entfalten, die weit über die altbekannte These der „zwei Kulturen“ (Snow) – Geist/eswissenschaften vs. Natur/wissenschaften u n d die übliche wissenschaftsdisziplinäre Zerklüftung in „Reiters Westlicher Wissenschaft“ (Richartz) hinausgehen ... vielleicht sogar in Form thematisch neue Bündelungsfelder zum Wissens(formen)vergleich. Drittens meine ich, daß bei einer Encyclopaedie grad das Aktualitätskriterium, wenn und insofern´s nämlich um auch im historischen Sinn „gesichertes [wissenschaftliches] Wissen“ geht, kein zentrales sein kann. Viertens ist es doch jedem wissenschaftlich Arbeiten- und Publizierenden, wenn´s denn wirklich um “the disinterested pursuit of truth” (Carl Djerassi) geht, völlig wurschd, ob ´s mainstream, herrschende Meinung etc. pipapiß „erlauben“, aus „wikipedia“, „Meyers“ oder „Brockhaus“ zu zitieren – wenn dort Wichtiges sachlich richtig und lesbar formuliert ist, sollte meiner Meinung nach wie jede altehrwürdige Druck- so auch die neue Netz-Encyclopaedie wikipedia (wie auch die Encyclopaedia Britannica) zitabel sein. Und fünftens schließlich liegt m.E. bisher die entscheidende Differenz beim Encyclopaedien-Vergleich im wirtschaftlichen Bereich: Alle bisherigen Encyclopaedien sind meines Wissens und mal unabhängig von der Rechtsform (das gilt grad auch für die "Bertelsmann Stiftung") privaterwerbswirtschaftliche Unternehmungen (vulgo: kapitalistisch) – das „Projekt Wikipedia“ ist dies (bisher jedenfalls) noch nicht...

    Richard Albrecht, Ph.D., Bonn
    [Dec. 13, 2007)

  • Karsten Meyer

    Karsten Meyer

    Herr Roesler-Graichen,

    Sie irren in wenigstens zwei Punkten:

    1. Der Brockhaus, auch der 30 bändige,ist kein Spitzenprodukt, jedenfalls nicht mehr nach heutigem Maßstab. Spitzenprodukte sind die entsprechenden Fachbücher zu den Themen, die wirklich umfassend informieren, und auch die Fragen beantworten können und beantworten, die der Leser nicht gestellt hat. In sofern sind Fachbücher den Brockhaus-Produkten (so ich das mal abwertend schreiben darf) und Wikipedia haushoch überlegen.
    Wenn ich mir also eine kleine Bibliothek zusammenstelle, wird dort kein Brockhaus und kein Meyersches Lexikon stehen. Brockaus, das ist etwas für Leute, denen eine oberflächliche Antwort ausreicht, Leute die "dumm sterben wollen" (bösartig ausgedrückt). Das ist wie mit der Was-ist-was Reihe, die ich als Kind besessen habe (20-30 Bücher). Man wir erwachsen, bildet sich weiter, und merkt dann erst, was für ein sch... Was-ist-was ist. Ähnlich ist es mir beim Brockhaus und der Mathematik und den Naturwissenschaften gegangen.

    2. Die so called "lesenswerten" und "exzellenten" Artikel. Ich will nicht behaupten, unter den "exzellenten" Artikeln gäbe es keine Artikel, die nicht exzellent wären (analog den der "lesenswerten" Artikel. Aber es ist so, das die Auswahl ziemlich willkürlich ist. Und so werden viele mathematische Artikel daran scheitern, daß Leute, denen die Mathematik ferner liegt, diese Artikel nicht als exzellent oder lesenswert empfinden mögen. Damit kann ich leben. Aber dieser Fakt muß einem auch klar sein, nämlich das die gleichen Leute, die "unzuverlässige" Wikipedia-Artikel schreiben, auch für die damit "unzuverlässige" Klassifikation der "exzellenz" beziehungsweise der "lesenswert" sind. Wenn das eine unzuverlässig ist, ist es das andere auch.

    Im bezug auf die mathematischen und naturwissenschaftlichen Gebiete ist, nach meiner Meinung, die Wikipedieum Welten besser, als die Brockhausprodukte. Und wenn ich, sagen wir mal einen Film sehen möchte, den ich noch nicht kenne, und ich will nun unbedingt eine Zusammenfassung haben, dann kann ich diese bei Wikipedia möglicherweise finden. Kann ich das auch beim Brockhaus?

  • Marcus Cyron

    Marcus Cyron

    1. Was hat das mit dem Thema zu tun?
    2. Was willst du uns damit sagen?

  • goofy

    goofy

    Würden Sie, Herr Marcus Cyron, den "stern"-Beitrag 50/07 GELESEN und VERSTANDEN haben, könnten Sie diese
    Fragen so nicht stellen. Könnte es sein, daß Sie ein deutscher WIKIPEDIA-ADMIN sind und nach dem Motto verfahren: Ich weiß zwar nix, aber das muß sich ja nicht rumsprechen? Oder ist Ihr Motto in diesem börsenblatt-Forum: Oh wie gut daß niemand weiß / daß ich WIKI-ADMIN bin ? GOOFY

  • goofy

    goofy

    Gewiß, das auch. Vor allem aber: Nicht verzagen, goofy fragen. Der Unterschied von diesem und MARKUS CYRON ist, daß goofy nur eine fiktionale Comicfigur ist, MARKUS CYRON jedoch ein realexistierender Deutschwikipedianist, der wie eine komische Figur wirkt;-) Schöntachnoch, goofy

  • goofy

    goofy


    Hallo Herr Cyron -

    immer noch einer der führenden Deutschwikipedianisten ?

    fragt goofy

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld

    nach oben