02.09.2010

23.04.2004

Berufsverband dokumentiert Niedergang der Bibliotheken

Gravierende Folgen für Bildung und Hochschulen

Zum Welttag des Buches hat der größte deutsche Bibliotheksverband, der Berufsverband Information Bibliothek (BIB, 6500 Mitglieder), eine eigene Internetseite ins Netz gestellt (www.bibliothekssterben.de), um geschlossene und gefährdete Einrichtungen künftig zeitnah erfassen zu können.

Der BIB sieht Deutschland bei der Literatur- und Informationsversorgung auf dem Weg in die Zweitklassigkeit. Durch fortwährende Schließungen und massive Etatkürzungen bei Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken fehle den dringend nötigen Reformen im Bildungs- und Hochschulbereich mittlerweile eine wichtige Grundlage.

„Der Niedergang der deutschen Bibliotheken fand bisher meist im Verborgenen statt, betroffene Einrichtungen tauchen oft erst Jahre später in den offiziellen Statistiken auf“, begründete Klaus-Peter Böttger, BIB-Vorsitzender und Leiter der Stadtbibliothek Mülheim an der Ruhr, die Einrichtung des Internetportals. Allerdings könne die mangelhafte Ausstattung vieler Bibliotheken auch so kaum mehr kaschiert werden. „Wenn etwa die meisten der 17 Fachhochschulbibliotheken in Bayern in diesem Jahr faktisch keine Bücher kaufen können, hat dies massive Auswirkungen auf die Qualität der Hochschullehre.“

Bibliotheken würden noch immer als disponible Größe angesehen. Die
bayrischen Fachhochschulen hätten beispielsweise eine pauschale Kürzung der Gesamtetats weit überproportional auf die Literaturbudgets
übertragen. In einer ähnlichen Situation befänden sich die kommunalen
Bibliotheken. „Büchereien sind freiwillige Leistungen“, so Böttger,
„hier setzen die Kämmerer häufig als erstes an.“ Die gravierenden Folgen
werden am Beispiel Sachsen-Anhalts besonders deutlich: Von den rund
1.000 Öffentlichen Bibliotheken des Landes im Jahr 1990 sind heute noch
350 übrig geblieben.

Die wichtige Rolle der Bibliotheken gerade im schulischen und
akademischen Lern- und Vermittlungsprozess habe man in anderen Ländern längst erkannt und entsprechend umgesteuert. Böttger: „In Skandinavien sind Bibliotheken eine kommunale Pflichtaufgabe, darüber hinaus ist die Zusammenarbeit von Bibliothek, Schule und Erwachsenenbildung dort überall etabliert.“ Dass die in der PISA-Studie nachgewiesene überdurchschnittliche Lesekompetenz – wie in Finnland – auch mit der hervorragenden Ausstattung der dortigen Bibliotheken zu tun hat, sei in der deutschen Bildungsdebatte noch immer nicht angekommen.

Deutschland fehle eine nationale Strategie, die die Bibliotheken als
wichtigen Bestandteil des deutschen Bildungs- und Hochschulsystems in
entsprechende Reformvorhaben einbeziehe. Die Bibliotheksverbände hätten
der Politik mit dem Konzept „Bibliothek 2007“ entsprechende Vorschläge
unterbreitet. Für den BIB-Vorsitzenden ist klar: „Die Umsetzung kann nur
gelingen, wenn die politisch Verantwortlichen auch hierzulande endlich
die enorme Bedeutung der Bibliotheken für Bildung, Forschung und das
lebenslange Lernen erkennen.“







Link:
http://www.bib-info.de

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