03.06.2005Rechtschreibreform
Reform tritt nur teilweise in Kraft
Das gab die Präsidentin des Gremiums, die brandenburgische Kultusministerin Johanna Wanka (CDU), gestern abend bekannt. Der Rat für Deutsche Rechtschreibung hat indes heute in Mannheim beschlossen, die im April ausgearbeiteten Änderungsvorschläge für den umstrittenen Komplex der Getrennt- und Zusammenschreibung leicht modifiziert anzunehmen. Dies sagte die Geschäftsführerin des Rats, Kerstin Güthert, im Gespräch mit BÖRSENBLATT online.Nach dem Beschluss der KMK sollen lediglich die unstrittigen Teile der Reform ab August in Schulen und Behörden verbindlich gelten. Für die Laut-Buchstaben-Zuordnung, die Schreibung mit Bindestrich und die Groß- und Kleinschreibung endet mithin am 31. Juli der Übergangszeitraum bei der Fehlerkorrektur, wie die KMK mitteilt. Die KMK erwartet zu diesen Bereichen aus dem Rat für Deutsche Rechtschreibung keine Änderungswünsche mehr.
Strittig sind jetzt im Wesentlichen nur noch die Worttrennung und die Interpunktion. In diesen Fällen, so Johanna Wanka, sollen die Lehrer vorerst Toleranz üben. Das gelte auch für den Überschneidungsbereich von Getrennt- und Zusammenschreibung und Groß- und Kleinschreibung. Die neue Rechtschreibung bleibe aber trotz dieser Toleranzklausel verbindliche Grundlage des Rechtschreibunterichts an allen Schulen. In Zweifelsfällen, so die KMK, werden Wörterbücher zugrunde gelegt, die nach den Erklärungen des Verlages den aktuellen Stand der Regelung vollständig enthalten. In Österreich wird das Österreichische Wörterbuch zugrunde gelegt.
Der seit heute komplette, inzwischen 38-köpfige Rat für Deutsche Rechtschreibung hat heute in Mannheim die Beschlussvorlage der Arbeitsgruppe zur Getrennt- und Zusammenschreibung (GZS), die unter dem Vorsitz des Direktors des Instituts für Deutsche Sprache, Ludwig Eichinger, erarbeitet worden ist, beraten und mit leichten Korrekturen angenommen.
Im Rat sind neben zahlreichen Befürwortern der Reform auch einige ihrer Gegner vertreten: der Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg, der gemeinsam mit Uwe Pörksen die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vertritt, sowie der Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler, der den Sitz des P.E.N.-Zentrums Deutschland innehat. Seit heute nehmen auch je ein Vertreter aus Liechtenstein und Südtirol an den Beratungen teil. Als neunter Schweizer Repräsentant ist ebenfalls seit heute Roman Looser dabei.
Wie Kerstin Güthert sagte, hat der Rat die Regeln der Getrennt- und Zusammenschreibung vereinheitlicht und in vielen Fällen eine Schreibweise gewählt, die sich an der Sprachpraxis orientiert. In bestimmten Fällen ist der Rat zu früheren Schreibweisen zurückgekehrt ("aufeinanderbeißen") oder hat Schreibvarianten zugelassen ("kennenlernen" / "kennen lernen"; "blankputzen" / "blank putzen"). Auch die Zusammenschreibung von idiomatisierten Adjektiv-Verb-Verbindungen wie "kaltstellen" oder "heiligsprechen" wird künftig wieder erlaubt sein. Nur noch klein und zusammengeschrieben werden darf künftig "leidtun", "kopfstehen" und "wundernehmen". Die meisten Beschlüsse der heutigen Ratssitzung seien, so Güthert, mit großer Mehrheit gefasst worden – teilweise sogar einstimmig. Offenbar ist es in einigen Fällen gelungen, selbst entschiedene Gegner der Reform für eine Konsenslösung zu gewinnen.
Über den aktuellen Stand des Regelwerks und des Wörterverzeichnisses können Sie sich unter http://www.rechtschreibkommission.de informieren.
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