Kartografie

"Für die Verlage ist ein Riesenmarkt abgebröckelt"

Die Übernahme von CartoTravel durch MairDumont spiegelt auch den Wandel des Kartografiemarktes wider. Franz Pietruska, Vorsitzender des Verbands Kartografischer Verlage, im Interview mit boersenblatt.net über den Trend zur Digitalisierung, die Konkurrenz von Vermessungsämtern und die Fachkenntnis im Sortiment.

© Pietruska Verlag

Franz Pietruska ist Inhaber des Pietruska Verlags (Rülzheim), ein regionaler Kartografieverlag mit starken Aktivitäten in Südwestdeutschland sowie Berlin und Brandenburg. Die Verlagsprodukte unter der Marke "Top-Stern-Karten", decken den klassischen Stadtplan und den Tourismuskartenbereich ab. Zahlreiche Verkehrsunternehmen und -verbünde lassen ihre kartografischen Fahrgastinformationen vom Pietruska Verlag bearbeiten und weiterentwickeln. Mehr zur Übernahme von CartoTravel durch MairDumont und zum Wandel des Kartografiemarktes lesen Sie im nächsten BÖRSENBLATT, das kommenden Donnerstag erscheint. Mit welchen Veränderungen haben Kartografieverlage in den letzten Jahren zu tun? Pietruska: Der Marktanteil von gedruckten Stadtplänen, Straßenkarten und –atlanten nimmt seit 2001 jährlich um etwa zehn Prozent ab. Dies betrifft insbesondere die Straßenkartografie in den Maßstäben 1:100.000, 1:200.000 und 1:300.000 sowie die Stadtpläne und –atlanten. Was sind die Gründe? Pietruska: In erster Linie wegen den Auto-Navigationsgeräten und den kostenlosen Angeboten im Internet. Früher haben Sie in jedem Auto einen dicken Atlas liegen sehen, heute boomt der Absatz von Navigationsgeräten. Für die Verlage ist hier ein Riesenmarkt abgebröckelt. Haben die Kartografieverlage hier eine Entwicklung verschlafen? Pietruska: Die großen Verlage, die das Tankstellengeschäft im Griff haben, müssen ein riesiges Feld beackern und können auf Entwicklungen oft nicht so schnell reagieren. Die richtige Produktstrategie zu finden, ist schwierig und aufwendig. Kleine Verlage haben es oft einfacher, weil sie sich regionale Nischen suchen können und diese dann tief bearbeiten können. Können die klassischen Kartografieverlage in diesem Markt nicht mitspielen? Pietruska: Firmen wie Navteq und Teleatlas, die die führenden Datenlieferanten sind, verfügen über enorme Datenbestände, die speziell für die Bedürfnisse von Autofahrern erstellt wurden. In welche Richtung wird sich die Kartografie in den nächsten Jahren entwickeln? Pietruska: Der Printanteil wird weiter abbröckeln. Eine Chance sind die Bemühungen vieler Städte, Kommunen und Regionen um ihr Marketing. Dies muss nach den spezifischen Interessen visualisiert werden – eine Chance auch für die kleineren Verlage. Ohne Konkurrenz sind die Verlage im regionalen Bereich aber nicht... Pietruska; Nein. Vor allem die Landesvermessungsämter sind hier seit Jahrzehnten verlegerisch tätig – was uns Verlagen schon immer ein Dorn im Auge ist. Die Ämter stellen aus ihren Datenbeständen touristische Karten her, geben sie mit Riesenrabatten in den Buchhandel und wenn sich Produkte am Ende nicht rechnen, kommt der Steuerzahler für die Kosten auf. In Baden-Württemberg wird dieser Bereich zu schätzungsweise mehr als 50 Prozent von der Landesvermessung Baden-Württemberg abgedeckt Bedauern Sie, dass viele Buchhändler nur die Karten der beiden großen Anbieter MairDumont und ADAC führen und kleinere Verlage links liegen lassen? Pietruska: Das Problem ist, dass nur wenige Buchhändler über die notwendige Fachkenntnis in der kartografischen Abteilung verfügen. Wenn die Betreuer der Reisebuchabteilung sich mit der Materie befassen, findet der Kunde viele tolle regionale Titel, die das Sortiment erweitern.

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