Presseschau

Bücher zum Irak-Krieg, Google Book Search

In der "Frankfurter Rundschau" stellt die amerikanische Politikwissenschaftlerin Samantha Power Bücher über den Krieg gegen den Terror vor. Ebenfalls Thema: Googles Projekt Book Search.

"Krieg gegen den Terror" - unter diesem Titel schreibt Samantha Power in der "Frankfurter Rundschau": Am Tag nach den Angriffen des 11. September erklärte Präsident George W. Bush, die Anschläge El Kaidas zu "mehr als Terrorakten. Sie waren Kriegshandlungen". Bushs "Krieg gegen den Terror" war keine Redewendung, wie er sagte. Vielmehr war es das bestimmende Bezugssystem. ... .Im Dezember 2006 wurde das "U.S. Army/Marine Corps Counterinsurgency Field Manual" (University of Chicago Press) als Regierungsdokument veröffentlicht. Aber wegen enormer Nachfrage (1,5 Millionen Mal wurde es allein im ersten Monat heruntergeladen) wurde es nun vom einem Universitätsverlag herausgebracht, mit einem provozierenden, sehr lesbaren neuen Vorwort und einer Einleitung, die vom alte Denkmuster zerstörenden Inhalt des Handbuchs zeugen. Der führende Kopf des Handbuchs war David Petraeus, damals Generalleutnant, der 2003 während der ersten Invasion des Irak die 101. Luftwaffen-Division befehligte und unmittelbar danach die Verantwortung für die Verwaltung Mosuls übernahm, der zweitgrößten Stadt des Irak. Er ist jetzt dort Oberkommandierender. Petraeus betonte die wirtschaftliche und politische Entwicklung und soll seinen Soldaten die Frage gestellt haben: "Was habt ihr heute für die Menschen im Irak getan?" ... Während die neue Doktrin der USA darauf basiert, bei den Einheimischen Legitimität zu erreichen, glaubt Ian Shapiro, Professor der Politischen Wissenschaften in Yale, dass Amerikas Außenpolitik als Ganzes ihre Legitimität erheblich vergrößern muss, wenn sie auf lange Sicht dem Terrorismus die Zähne ziehen will. Damit dies geschieht, schreibt er in seinem Buch "Containment: Rebuilding a Strategy Against Global Terror" (Princeton University), dürfen die Kritiker des Präsidenten in der Demokratischen Partei angesichts von Bushs Krieg gegen den Terror nicht mehr wie Esel im Scheinwerferlicht erstarren, sondern müssen eine alternative Strategie entwickeln. "Man kann etwas nicht mit nichts schlagen", betont er. Shapiro spricht sich für die Rückkehr zu einem Begriff des Kalten Krieges aus, dem der "Eindämmung". ... Wie real ist der Unterschied zwischen uns und unseren Feinden? Talal Asad vertritt in seinem Buch "On Suicide Bombing" (Columbia University Press) die Auffassung, die Unterscheidung zwischen dem, was Bush "wir" und "sie" nennt, existiere zwar in den Köpfen westlicher Staatsmänner und Intellektueller, aber nicht in der Wirklichkeit. Asad ist verständlicherweise entsetzt darüber, dass die amerikanische Öffentlichkeit so wenig schockiert ist von dem Blutvergießen, das da in ihrem Namen verübt wird. Am Ende seines Buches schreibt er: "Ich habe den Eindruck, es gibt keinen moralischen Unterschied zwischen dem Schrecken, den staatliche Armeen (besonders wenn es die Armeen mächtiger Staaten sind, die sich dem Völkerrecht entziehen können) und dem Schrecken, den Aufständische verursachen." "Wir halten uns an geltendes Recht" - die Badische Zeitung hat Google-Projektleiter Jens Redmer zum Projekt Google Book Search interviewt: BZ: Herr Redmer, Google scannt seit gut zwei Jahren in den USA und Europa Bibliotheksbestände ein. Was bietet Google, was die Büchereien nicht selbst können? Redmer: Eine sehr zügige und umfassende Digitalisierung ihrer gemeinfreien Buchbestände. Das können die natürlich auch alles selber machen, aber in der Regel sind die Budgets limitiert. Das sind in der Regel sehr langfristige Projekte. BZ: Und wo liegt Googles Interesse? Redmer: Das Interesse von Google liegt darin, unsere Mission ein kleines Stückchen besser zu erfüllen, nämlich die Informationen dieser Welt umfassend zu sortieren. Die größte Menge des Welt-wissens ist immer noch offline gespeichert. Wir wollen mit diesem Projekt in den Bestand der noch nicht digitalisierten Inhalte vorstoßen, um sie dann durchsuchbar und verfügbar zu machen. BZ: Allerdings ist Google auch ein Wirtschaftsunternehmen. Das Projekt muss sich doch rechnen. Redmer: Die Buchsuche dient viel mehr als Investition in die Qualität von Google als als eigenes ständiges Geschäftsmodell. Wenn unsere Nutzer neben ihren Internetergebnissen noch Links zu Büchern sehen, dann erhöht das ganz deutlich die Relevanz der Suchergebnisse. Dadurch können die Nutzer loyaler werden und hoffentlich das nächste Mal zu uns kommen und nicht zu einem unserer Konkurrenten. BZ: Was kostet Sie denn eine gescannte Seite? Kann man das beziffern? Redmer (lacht): Das kann man bestimmt beziffern, nur diese Informationen können wir Ihnen leider nicht nennen. BZ: Die Open Content Alliance hat einen anderen Ansatz und ist momentan ihr größter Verfolger? ist das für Sie vornehmlich ein Konkurrent, oder freuen Sie sich, dass jemand Ihre Ziele teilt? Redmer: Wir begrüßen alle Initiativen, die sich damit beschäftigen, mehr Inhalte öffentlich verfügbar zu machen. Wir sehen auch Initiativen von Microsoft, vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels oder von Amazon nicht als Konkurrenz sondern als sinnvolle Ergänzung.

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