Interview mit Michael Zöllner und Tom Kraushaar

»Wir wollen das Programm ordnen«

Die neuen verlegerischen Geschäftsführer von Klett-Cotta, Michael Zöllner und Tom Kraushaar, über notwendige Veränderungen beim Stuttgarter Verlag. VON INTERVIEW: HOLGER HEIMANN

Michael Zöllner

Michael Zöllner © Katrin Hage

Tom Kraushaar

Tom Kraushaar © Tropen Verlag

Was war Ihre erste, spontane Reaktion auf das Angebot von Klett? Kraushaar: Wir waren ein wenig überrascht und neugierig. Die Gespräche mit Michael Klett und Philipp Haußmann, mit denen es sehr viel Übereinstimmung über Programmatik und Strategie gab, haben uns dann sehr schnell gezeigt, dass es die richtige Entscheidung ist, das zu machen. Wie schwer ist es gefallen, die Unabhängigkeit aufzugeben? Zöllner: Es ist uns alles in allem recht leichtgefallen. Denn zum einen wird die Marke Tropen weiter bestehen. Und zum anderen sind wir Gesellschafter von Klett-Cotta. Das gewährleistet die Unabhängigkeit, die wir brauchen, und zugleich kommt auf anderer Ebene deutlich mehr Unabhängigkeit hinzu, als wir sie bislang hatten. Der Tropen Verlag ist stetig gewachsen, aber doch sehr langsam. Das ist jetzt schon ein großer Entwicklungssprung. Wie leicht fällt der Gang nach Stuttgart, in die ganz andere Stadt? Kraushaar: Ich werde Berlin vermissen. Aber wir sind offen für Stuttgart - man isst hier auf jeden Fall sehr gut. Tropen ist vor Jahren von Köln nach Berlin umgezogen, um von der lebendigen, quirligen Stadt zu profitieren. Das geben Sie jetzt auf. Zöllner: Es ist für einen Verlag sicher von Vorteil, in Berlin zu sein. Wir müssen jetzt versuchen, die Vorteile mit nach Stuttgart zu nehmen, also unser in Berlin aufgebautes Netzwerk weiter zu pflegen. Woran hapert es bei Klett-Cotta? Zöllner: Es hapert nicht. Aber man kann immer etwas verbessern. Unser Ziel ist, das Programm zu ordnen, es homogener und profilschärfer zu machen. Wir müssen ein besseres Gleichgewicht aus Titeln schaffen, die sich gut verkaufen, und solchen, die das Profil des Verlags stärken. Wann werden erste Veränderungen sichtbar sein? Und welche? Kraushaar: Wir planen für Herbst 2008 das erste Programm, das wir mitbestimmen und mit Tropen als Imprint, einen neuen Verlagsauftritt mit anderen Umschlägen, neuer Vorschau, verändertem Marketing. Tropen bleibt als Imprint bestehen. Waren die Bücher dem Klett-Cotta-Programmprofil nicht zuzumuten? Zöllner: Klett-Cotta ist ein großer, breit aufgestellter Publikumsverlag. Ein Modul wie Tropen mit junger, urbaner, progressiver Literatur kann sehr hilfreich sein - als Platz für Neues, anderes, Gewagteres. Zwei Marken schaffen einfach mehr programmatischen Spielraum. Tropen war ein Kleinverlag, bei Klett-Cotta arbeiten fast 40 Menschen. Schüchtert Sie das, was da an ganz neuer Größe auf Sie zukommt, auch ein bisschen ein? Kraushaar: Wir haben bei Tropen auf wenige Personen verteilt alle Funktionen eines großen Verlags abgedeckt. Diese Erfahrung kann man durchaus auf größere Strukturen übertragen. Zudem sind uns - auch aus meiner Zeit bei Suhrkamp und Rowohlt - die Abläufe bei anderen, größeren Verlagen bekannt.

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