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DNB startet 2008 Sammlung von Netzpublikationen

2006 erteilte der Gesetzgeber der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) den Auftrag, auch Publikationen im Internet zu sammeln. Ab 2008 sollen nun die ersten digitalen Pflichtexemplare eingehen – in der Startphase zunächst nur Monografien. Für die Verleger gibt es da noch eine Menge zu klären, nicht nur technische Details. VON TAMARA WEISE

Ute Schwens, Direktorin der Deuschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main

Ute Schwens, Direktorin der Deuschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main © Harald Schröder

Matthias Ulmer, Verleger-Ausschuss (rechts)

Matthias Ulmer, Verleger-Ausschuss (rechts) © Harald Schröder

»Wir sollten keine Zeit durch weitere Diskussionen verlieren, sondern handeln.« Mit diesen Worten eröffnete der Ulmer-Verleger Matthias Ulmer gestern eine Informationsveranstaltung zum Thema Netzpublikationen in der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Frankfurt am Main. Pointiert war auch sein Appell an die neben ihm sitzende Direktorin Ute Schwens: »Sie müssen nur entscheiden. Wir kommen dann schon zurecht.« Den Verlagen nur etwas zu diktieren, liegt der DNB jedoch fern, wie Schwens immer wieder durchblicken ließ. Die DNB wolle einen gemeinsamen Nenner finden, agiere nach dem Motto: minimaler Aufwand bei maximaler Wirkung. Verlage sind dazu verpflichtet, ihre Netzpublikationen vollständig abzuliefern, in einem einwandfreien, nicht befristet benutzbaren Zustand und zur dauerhaften Archivierung, unentgeltlich und auf eigene Kosten. So steht es im Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek von 2006 – und so soll es ab dem kommenden Jahr Wirklichkeit werden. Wie dieses Ziel für beide Seiten praktikabel zu erreichen ist und was tatsächlich auf Verlage zukommt? Darüber wurde während der Informationsveranstaltung aufgeklärt, nachgedacht – und diskutiert. »Wir bringen von unserer Seite Beständigkeit in den Markt«, betonte Schwens. Verlage könnten von der Pflichtablieferung durchaus profitieren – allein schon aufgrund der »höheren Sichtbarkeit von Publikationen«. Die Ablieferungsverfahren würden stufenweise entwickelt, immer mit Blick auf »das Zumutbare«. In einem ersten Schritt wird die DNB ab Januar 2008 – zunächst in einer Testphase mit ausgewählten Partnern – mit Monografien beginnen (Dateiformate PDF und HTML; Metadaten im gängigen ONIX-Format). Die rechtlichen Grundlagen dafür, die Neufassung der Pflichtablieferungsverordnung und der Sammelrichtlinien, liegen mittlerweile vor. Im Frühjahr 2008 sollen sie verabschiedet werden – und in Kraft treten. Ausgerichtet wurde die Informationsveranstaltung vom Verleger-Ausschuss des Börsenvereins und der DNB gemeinsam. Ihrer Einladung folgten mehr als 200 Vertreter von Verlagen. Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Fakten: Ute Schwens präsentierte sie aus der Perspektive der DNB, Arnoud de Kemp (digiprimo; AKEP-Sprecher) aus Sicht der Verlage. Matthias Neumann (DNB) steuerte Informationen über technische Aspekte der Ablieferungsverfahren bei, Gabriele Beger (Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg) gab einen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen. Um Detailfragen und die Auswirkungen auf die Praxis ging es am Nachmittag. In Workshops konnten die Verleger individuell Fragen stellen, Anregungen geben und Wünsche äußern. Nähere Informationen über die Ablieferungsverfahren, Metadaten- und Dateiformate, rechtlichen Rahmenbedingungen und die Langzeitarchivierung gibt es online unter: http://www.d-nb.de/netzpub/index.htm

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1 Kommentar/e

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  • Robert Gietz

    Robert Gietz

    Leider lässt sich dem Artikel nicht entnehmen, wie "die höhere Sichtbarkeit" der abgegebenen digitalen Produkte aussieht. Was macht die DNB mit den Netzpublikationen?
    Mfg Robert Gietz

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