Antiquariatsmessen

Antiquariatsmesse Wien 2008 – vier Fragen an Norbert Donhofer

In Verbindung mit der Internationalen Messe BUCH WIEN im November 2008 wird es auch eine Antiquariatsmesse geben. Ein Interview mit Norbert Donhofer, dem Vorsitzenden des Verbands der Antiquare Österreichs.

© Norbert Donhofer

Wien ist seit jeher eine Hochburg des Antiquariats. Wie kommt es, dass sich bislang keine Antiquariatsmesse in der Stadt etablieren konnte? Antiquariatsmessen haben sich weltweit erst nach 1950 etabliert. Warum die Antiquare Wiens der damaligen Zeit nicht daran gedacht haben, eine Internationale Antiquariatsmesse nach Vorbild Londons oder Stuttgarts zu organisieren, entzieht sich meiner Kenntnis. Versuche im Kleinen hat es gegeben: Ausstellungen der – meist Wiener – Antiquare im Künstlerhaus in der Weihnachtszeit oder als Anhängsel zur Wiener Buchwoche. Nach dem Kongress und der Internationalen Messe der ILAB von 1998 in Wien wurde von einigen Mitgliedern des österreichischen Verbands der Wunsch geäußert, eine jährliche Messe in Wien auf die Beine zu stellen. Bei Umfragen des Vorstands unter den Mitgliedern, wer denn auf einer allfälligen Messe ausstellen würde, kehrte rasch Ernüchterung ein, denn fixe Zusagen gab es von maximal sechs bis sieben Firmen. Um eine Antiquariatsmesse nicht zu einem finanziellen Desaster werden zu lassen, braucht man sogar im schäbigsten Wiener Innenstadtpalais mindestens 50 Aussteller und man wäre also bei einer derart geringen Ausstellerzahl von österreichischen Antiquaren in höchstem Maße von der Beteiligung auswärtiger beziehungsweise ausländischer Kolleginnen und Kollegen abhängig. Dazu kommt, dass es schwierig erscheint, bei einem ohnehin schon sehr dichten Messekalender noch eine weitere Antiquariatsmesse im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Das Argument, dass Wien aufgrund seiner geopolitischen Lage auch Aussteller aus den osteuropäischen Ländern anziehen würde, ist falsch, denn nach einer gewissen Euphorie und zahlreichen Neugründungen in diesen Ländern bis etwa um die Jahrtausendwende sind nur wenige Firmen geblieben und noch weniger, die auf internationalen Antiquariatsmessen ausstellen. Nicht übersehen darf man zudem, dass Österreich einen kleinen Verband hat, der mit der jährlichen Organisation einer solchen Messe langfristig überfordert wäre. Wer steht hinter der Idee, die BUCH WIEN 2008 um eine Antiquariatsmesse zu ergänzen? Es war der übereinstimmende Wunsch sowohl vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels – dessen Unterverband der Verband der Antiquare Österreichs ist – als auch vom Messeorganisator – Reed International – eine Antiquariatsmesse in der BUCH WIEN zu haben. Natürlich hat der Verband der Antiquare Österreichs von Anfang an diese Idee unterstützt, umso mehr, als die Machbarkeitsstudien für die BUCH WIEN deutlich zeigen, dass hier ein großes Potenzial vorhanden ist. Trotzdem wissen die Organisatoren und Verantwortlichen, dass es Jahre braucht, um eine Antiquariatsmesse fix zu etablieren. In welche Richtungen geht die Ausstellerwerbung? Eines vorweg: was Reed International hier an Werbung betreibt, ist höchst professionell. Es werden in allen Katalogen von Internationalen Antiquariatsmessen bis zum Herbst Inserate geschaltet, sämtliche ILAB-Mitglieder erhalten die zweisprachigen Unterlagen in den kommenden Tagen zugesandt, ich habe dem Veranstalter weitere 300 Adressen von Antiquaren aus dem Baltikum, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien und der Ukraine besorgt, auch diese Firmen erhalten in den kommenden Tagen die Unterlagen. Es wurden bereits auf der letzten Frankfurter Buchmesse zwei Pressekonferenzen zur BUCH WIEN abgehalten, in denen die Antiquariatsmesse in der BUCH WIEN ebenfalls erwähnt wurde. Weiters werden österreichische Antiquare, die bis zum Sommer auf wichtigen Antiquariatsmessen ausstellen, immer eine Anzahl Anmeldeunterlagen bei sich haben, um diese bei Bedarf weiterzugeben. Was sind, aus Ihrer persönlichen Sicht, die Besonderheiten des Umfelds in Wien? Worauf können oder sollen sich Aussteller einstellen? Ich glaube, dass Wien in den vergangenen 25 Jahren große Veränderungen durchgemacht hat. Die Stadt ist, auch durch den Wegfall des 'Eisernen Vorhangs’, zu einem sehr zentralen Punkt geworden, von wo aus zahlreiche internationale Konzerne ihre osteuropäischen Geschäfte betreiben. Wien ist, darüber hinaus, eine beliebte Destination zum Urlauben, Kulturgeniessen und Shoppen geworden. Neben Besuchern aus Westeuropa, den USA und Japan erleben wir einen regelrechten Boom bei Besuchern aus den umliegenden osteuropäischen Ländern bis hin zu Russland, der Ukraine und China. Das mag jetzt vielleicht auf die Antiquariatsmesse in der BUCH WIEN keinen unmittelbaren Einfluss haben, obwohl ich mir bei der Werbung, die während der BUCH WIEN hier geplant ist, dessen nicht einmal so sicher bin. Keinesfalls sollten sich Aussteller von auswärts der Illusion hingeben, dass es in Wien nach wie vor – so wie in alten Zeiten eben – ein breites Bildungsbürgertum gibt. Das ist in Wien, genauso wie überall, beträchtlich weniger geworden. Trotzdem, das Interesse am alten Buch ist gegeben und wenn es gelingt, Kunden und Kollegen aus den osteuropäischen Ländern zu einem Besuch der Antiquariatsmesse zu bringen, kann das eine interessante Mischung aus einheimischem und 'neuem’ Publikum werden. Die Fragen stellte Björn Biester.

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