Börsenverein

Wer, wenn nicht wir?

Warum Bildung ab sofort im Fokus stehen muss. Ein Plädoyer von Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Alexander Skipis

Alexander Skipis © Börsenverein

Norbert Lammert hat mit seinem Zitat von Elisabeth Noelle: »Nur eine Gesellschaft, die liest, ist eine Gesellschaft, die denkt« auf den Buchhändlertagen 2006 den Kern dessen formuliert, worum es mir hier geht: Bildung und Wissen sind nach Beschluss des Vorstandes für die nächsten Jahre Schwerpunkt der Arbeit in der gesamten Börsen­vereinsgruppe. Warum? Weil erstens unser buchhändlerischer Nachwuchs unsere Zukunft ist. Und weil wir zweitens in Sachen Bildung und Wissen eine Schlüsselbranche sind. Wir erschließen die Quellen, von denen unsere Gesellschaft lebt. Die Ausbildung des Nachwuchses verändert sich. Wir haben das bereits angepackt. Die Neustrukturierung der Schulen des Deutschen Buchhandels ist Grundlage für eine hochqualifizierte Ausbildung in unserer Branche. Indem wir besser als bisher ausbilden, sichern wir unsere eigene Zukunft in einer Zeit von Digitalisierung und Konzentration. Wir bringen dem buchhändlerischen Nachwuchs neue Wertschätzung entgegen und glauben, dass die gesamte Branche davon profitieren wird. So werden bei den Buchhändlertagen im Juni bis zu 100 Auszubildende in einem Azubi-Parlament auch branchenpolitische Fragen diskutieren. Wir sind gespannt, welchen Input sie uns dann mit ihrer »Empfehlung« auf der Hauptversammlung geben werden. Mit dem Forum Zukunft haben wir ein Format entwickelt, in dessen Fokus die Vermittlung von Kompetenzen im digitalen Zeitalter steht. Das Forum ist fester Bestandteil unserer Buchhändlertage, aber auch der Messen in Frankfurt und Leipzig. Es versteht sich als Ideenpool und Plattform für innovatives Denken. Der zweite Akzent der Vorstandsarbeit liegt auf Bildung und Wissen. »Jetzt auch wir« mögen Sie denken. »Welche Institution schreibt sich heute nicht Bildung auf ihre Fahne?« Ich frage umgekehrt: Wer, wenn nicht wir? Wir müssen unsere Chance wahrnehmen, uns als Leitbranche für Wissen und Bildung zu positionieren. Bildung ist die Basis für eine Wissens- und Informationsgesellschaft. Wir handeln mit den Inhalten, die ihr Fundament bilden. Die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft wird davon abhängen, ob es gelingt, im Meer des Wissens Orientierung zu organisieren. Die Verlage stehen für Strukturierung und intellektuelles Geleit. Viele glauben heute, diese Kompetenz sei im elektronischen Zeitalter überflüssig. Ein Irrtum! In einer Zeit schier unendlichen Speicherplatzes ist nichts so gefragt wie der schnelle Weg zum Relevanten. Aber wir haben die Meinungshoheit mittlerweile anderen überlassen. So geht es in den Debatten zum Urheberrecht und insbesondere zu Open Access nur noch um die Kosten, die unsere Branche verursacht. Keiner spricht mehr von den Leistungen der Verlage, die dahinterstehen. Auch die Buchhandlungen – unsere geistigen Tankstellen – werden nur noch im Kontext von Konzentration und Untergangsszenarien abgehandelt. Ihre Lotsenfunktion, ihre Sicherung von Vielfalt im Angebot spielen öffentlich keine Rolle mehr. Eine fatale Wahrnehmungslücke! Es ist an uns, diese Wahrnehmung zu verändern. Kommunikativ werden wir uns sehr anstrengen müssen. Zurzeit gibt es Überlegungen, mit einem Bildungs- und Wissenspreis und?/?oder einem Symposion ein Signal des Anspruchs unserer Branche auf Meinungsführerschaft zu setzen. Wir können damit weiteres Gewicht in Politik und Gesellschaft erlangen und eine Versachlichung in der Diskussion um das Buch, um Inhalte im digitalen Zeitalter erreichen. Nutzen wir diese Chance! Noch eine käme vielleicht nicht.

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1 Kommentar/e

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  • dot tilde dot

    dot tilde dot

    sind wir nicht vielleicht ein bisschen angststarr? trauen wir es uns noch zu, ausgetretene pfade verlassend den herausforderungen entgegen zu treten? sind wir mit unserer sicht auf uns selbst und unser geschäft überhaupt geistig flexibel genug, um besser zu werden, als unsere angstgegner? was wir nicht wollen, wissen wir so oft. wie wir das, was uns scheinbar zu verschlingen droht, im sinne unserer ideale nutzbar machen können, ist dafür in unserem kopf überhaupt noch platz vor lauter schwarz? fällt uns nichts besseres ein, als immer weiter im trott - nichts ändern, nur alles besser kommunizieren? sind immer wieder die anderen schuld, die bösen und die dummen?

    wasser hat keine balken.
    wir schon: im auge.

    .~.

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