Gestorben

Hamburger Antiquar Reinhold Pabel gestorben

Am 27. Mai verstarb der weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Hamburg bekannte Antiquar Reinhold Pabel im Alter von 92 Jahren.

Deutsche Ausgabe von “Enemies are human“, 1957

Deutsche Ausgabe von “Enemies are human“, 1957 © Stalling

Zeitungsausschnitt Mitte der 1950er Jahre

Zeitungsausschnitt Mitte der 1950er Jahre

Reinhold Pabel im Gespräch in seinem Laden

Reinhold Pabel im Gespräch in seinem Laden © G. Pankow

Reinhold Pabel, am 15. November 1915 in Hamburg geboren, führte als Antiquar und Schriftsteller ein ungewöhnliches Leben: 1936 Beginn eines Studiums der katholischen Theologie und der Philosophie in Münster, Teilnahme als Soldat am Zweiten Weltkrieg, amerikanische Kriegsgefangenschaft, Flucht aus dem Gefangenenlager in den USA, Familiengründung, im Frühjahr 1948 Eröffnung eines "Book Mart" in Chicago (unter dem Namen "Phil Brick"), Verhaftung durch das FBI, öffentlicher Prozess und zeitweiliger Aufenthalt in Hamburg (um eine Einreisegenehmigung in die USA zu beantragen!), Mitte der 1960er Jahre dann die endgültige Rückkehr nach Deutschland – als amerikanischer Staatsbürger. Sein eigenes Antiquariat begründete Reinhold Pabel, zuvor Geschäftspartner von Rudolf Habelt in Bonn, 1974 in Hamburg in den historischen Krameramtswohnungen, sozusagen 'im Schatten des Michel'. Anfang der 1980er Jahre kam eine Filiale an der Englischen Planke hinzu. Beide Ladengeschäfte bestehen weiterhin, seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten geführt von der Tochter Lucie Pabel und dem Schwiegersohn Gottwalt Pankow – Mitbegründer der Hamburger Antiquariatsmesse quod libet. Neben seiner Berufstätigkeit als Buchhändler, vor allem aber nach dem Eintritt in den Ruhestand 1990/91 fand Reinhold Pabel die Zeit, erfolgreiche Bücher zu lokalhistorischen Themen zu verfassen, die zum Teil in mehreren Auflagen erschienen. Erwähnt seien die Publikationen "Im Schatten des Michel" (1978), "Hamburger Kultur-Karussell zwischen Barock und Aufklärung" (1996) und "Alte Hamburger Straßennamen" (2001). Bereits 1940 erschien ein Pilgerbericht von einer Reise zum Heiligen Berg Athos in Griechenland, 1955 eine zwei Jahre später auch ins Deutsche übersetzte Autobiografie ("Enemies are human"; dt. "Feinde sind auch Menschen"). Die Beerdigung findet am Freitag (6. Juni) auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf statt. Ein Nachruf auf Reinhold Pabel erscheint im August-Heft der Zeitschrift "Aus dem Antiquariat" (8. August); vgl. Kai-Uwe Scholz: Hamburg – Chicago und zurück. Vor 50 Jahren gründete Reinhold Pabel sein Antiquariat. In: Aus dem Antiquariat 1998, A 789–791.

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