Karl May

Streit um Karl May-Nachlass 2

Eine notwendige Korrektur des Börsenvereins zur Berichterstattung der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ über den Streit um den Nachlass von Karl May.

In Stefan Lockes Artikel "Unter Geiern. Der Nachlass von Karl May steht zum Verkauf, aber der Preis bleibt strittig. Jetzt droht dem einzigartigen Archiv die Versteigerung“ in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 23. März 2008 (Nr. 12, S. 60) wird der Eindruck erweckt, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels habe in irgendeiner Form Anteil an einer Schätzung des Verkaufswerts des im Besitz des Bamberger Verlegers Lothar Schmid befindlichen Karl May-Nachlass-Materials. Wörtlich heißt es bei Locke: "Schmid untermauert seine Forderung nach 15 Millionen mit Gutachten des Verbandes Deutscher Antiquare und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. 'Daran ist nicht zu rütteln.’“ Diese Darstellung führt den Leser in die Irre. Die Rechtsabteilung des Börsenvereins, dessen langjähriges Mitglied Schmids Verlag ist, hat im betreffenden Zusammenhang lediglich juristische Detailfragen hinsichtlich des Schätzsystems begutachtet. "Der Börsenverein gibt seinen Mitgliedern Auskünfte zu branchenspezifischen Rechtsfragen, erstellt aber grundsätzlich keine Wertgutachten für Archivalia oder antiquarische Bestände“, sagt Börsenvereins-Justiziar Dr. Christian Sprang.

Schlagworte:

Mehr zum Thema

11 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Heidi

    Heidi

    Die Stellungnahme des FAZ-Autors liegt nun vor!

    Wie der FAZ-Autor, Stefan Locke, freundlicherweise mitteilt, handelt es sich bei der von mir inkriminierten Textpassage nicht um eine Falschangabe, sondern um eine Aussage des Verlegers Lothar Schmid. Er stützt und beruft sich mit seiner Preisvorstellung auf die genannten Institutionen.

    Das ist eine klare Aussage, damit ist der schlimmste anzunehmende Fall eingetreten: Der V e r l e g e r hat den FAZ-Autor mit einer

    f a l s c h e n Information versehen -

    wie man so etwas im deutschen Sprachgebrauch nennt, wenn damit ein Z w e c k verbunden wird, ist allgemein bekannt... Welcher Zweck hier in einer Differenz von 9 Millionen Euiro besteht

    Der FAZ-Autor interpretiert die Stellungnahme des Börsenvereins etwas kurios. Er vermutet nämlich, daß unser geschätzter Verleger diese Stellungnahme (des Börsenvereins) "offenbar als Gutachten wertet. "

    Nanu? Und das im unmittelbaren Kontext mit der Mehrforderung der 9 Millionen Euro Steuergelder?

    Dies kann schon deshalb nicht stimmen, weil die Tragödie ja weitergeht.

    Ich habe bisher aus Rücksichtnahme auf den Verleger davon geschwiegen, daß er im gleichen Atemzug sich auch auf ein "Gutachten" des

    ***Verbands der Antiquare beruft.

    Wir kommen in dieser Sache nur dann weiter, wenn ich den, von mir aus urheberrechtlichen Gründen stark gekürzten, Originaltext der FAZ hierhersetze:

    (FAZ-Sonntagszeitung vom 23.3.08, S. 60, Verfasser Stefan Locke.)

    "Tatsächlich würde Lothar Schmid das Erbe seines einzigen Autors gern vollständig in Sachsen wissen, jenem
    Land, wo Karl May zur Welt kam, gearbeitet und gelebt hat. Genau deshalb ist auch der Freistaat Sachsen sehr am May-Nachlass interessiert. Anfang dieser Woche trafen sich beide Parteien mal wieder zum Gespräch im Dresdner Kunstministerium, eine Annährung aber hat es auch diesmal nicht gegeben - einziger Knackpunkt ist und bleibt der Preis.
    Schmid, Schachexperten auch bekannt als Schiedsrichter des legendären Weltmeisterschaftskampfes 1972 zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer, sieht nun die Sachsen am Zug. 15 Millionen Euro will er für die Dokumente haben. "Es handelt sich schließlich um äußerst wertvolles Kulturgut." Zehn Original-Manuskripte, darunter die Romane "Winnetou IV", "Im Reich des silbernen Löwen" und "Ardistan und Dschinnistan", dazu mehr als 400 Gedichte, 320 Briefe, zahlreiche Kompositionen, Ansichtskarten und sogar die Reisepässe Karl Mays enthält das Arbeitsarchiv. Es umfasst vor allem das umfangreiche Spätwerk Mays, das dieser selbst als besonders wichtig betrachtete und das er in seiner Radebeuler "Villa Shatterhand" verfasste, in der er von 1896 bis zu seinem Tod im Jahr 1912 lebte. Sachsen aber will für den Gesamt-Nachlass höchstens sieben Millionen Euro bieten.(...)

    Diese (die Stiftung) wiederum möchte nun auch den restlichen Nachlass erwerben, ist jedoch mit ihren finanziellen Möglichkeiten am Ende. "Noch heute zahlen wir jedes Jahr 60 ooo Euro Zinsen für den Kredit zum Erwerb des Mobiliars", sagt Geschäftsführer Rene Wagner. Der Ton zwischen Radebeul und Bamberg wird zunehmend rauher. Schmid hatte das Archiv dem Freistaat vor neun Jahren noch für umgerechnet acht Millionen Euro angeboten, Sachsen indes wollte höchstens drei Millionen Euro zahlen. Inzwischen haben sich beide Seiten mit mehreren Gutachten gerüstet und ihre Gebote verdoppelt - entsprechend wuchs die Differenz. Schmid untermauert seine Forderung nach 15 Millionen Euro mit Gutachten des Verbandes Deutscher Antiquare sowie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. "Daran ist nicht zu rütteln."

    Das aber sieht Sachsens Verhandlungsführer Thomas Bürger anders. "Die Forderung liegt weit über den Schätzungen von Händlern", so der Direktor der Landesbibliothek. Das Münchner Auktionshaus "Hartung & Hartung" etwa habe einen Höchstpreis von sieben Millionen Euro veranschlagt. Nun geht es zwischen beiden Seiten zu wie auf einem Basar. "Herr Bürger, machen Sie sich unsterblich, und kaufen Sie", fordert Schmid unentwegt. Bürger wiederum drängt Schmid zur Unsterblichkeit - mit der Forderung nach einem fairen Preis.

    "Ich hätte den Nachlass furchtbar gerne", gesteht Bürger, der bereits Einblick in einen Teil der Dokumente nehmen durfte. May-Originale sind rar, der Großteil seiner Manuskripte, darunter auch populäre Winnetou-Bände, wurde nach dem Andruck vernichtet, ein damals durchaus üblicher Vorgang. Ein Ankauf der erhaltenen Schriften wäre deshalb nicht nur eine große Genugtuung für die Sachsen, sondern auch für die Forschung ein echter Coup. Bürger würde den Nachlass am liebsten im Lesesaal zugänglich machen, ganz in der Nähe der Werke Victor Klemperers, die für wenige zehntausend Euro vergleichsweise günstig erworben wurden. Mit 15 Millionen Euro wäre der May-Nachlass der teuerste Bestand in der Bibliothek.

    "Herz und Verstand müssen jetzt beisammenbleiben", appelliert Bürger.
    Schmid indes lässt sich zu einem recht gewagten Vergleich hinreißen: "Nehmen Sie Kafka. Der reicht literarisch bei weitem nicht an May heran - und ist trotzdem für etwa 8000 Euro pro Seite ans Deutsche Literaturarchiv in Marbach verkauft worden." Da seien 1500 Euro für eine Manuskriptseite von Karl May geradezu ein
    Schnäppchen. "Für Handschriftliches mag das vielleicht gelten", sagt May-Experte und Museumsdirektor Rene Wagner, eine Postkarte des Schriftstellers jedoch sei deutlich weniger wert.

    Schmid beeindruckt das wenig, er hat die Sachsen jetzt unter Zugzwang gesetzt: "Ich werde dieses Jahr achtzig Jahre alt und kann nicht mehr ewig warten." Sollte sich der Freistaat bis zum 10. April noch immer nicht entschieden haben, werde er den Nachlass versteigern: "Ich muss und werde verkaufen." Interessenten gebe es genug, allerdings keine aus dem Ausland. Letzteres wäre ohnehin nicht von Interesse, denn auf Anregung Sachsens hat der Freistaat Bayern einem eventuellen Verkauf in die Fremde den Riegel vorgeschoben: Seit Anfang März steht Karl Mays Nachlass auf der Liste zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung ins Ausland."

    - Ende des Zitats -

    Der Verleger ist ein alter Hase im Verlagsbereich. Er hat viele harte Verhandlungen im Urheberrechtssektor mit Bravour geführt. Seine Voträge vor der Karl-May-Gesellschaft in Berlin zeigten ihn auf einer bemerkenswerten geistigen Höhe.

    Er w e i ß , was er tut. Und hier hat er, halten zu Gnaden,. nach meiner Einschätzung zumindest zu manipulieren versucht

    a) den Freistaat Sachsen mit der Kultusministerin,
    b) die LB Dresden mit Dr. Bürger.

    Was tut man nicht alles für 9 Millionen Euro Differenz.


  • Heidi

    Heidi

    Von "getürkt und manipuliert" spreche ich deshalb, weil der Verleger sehr genau weiß, daß er vom

    *Börsenverein wie auch vom
    *Verband der Antiquare

    einige unverbindliche juristische und/ oder organisatorische Hinweise darauf erhalten haben wird, wie man üblicherweise die Wertbestimmung von Nachlässen dieser Art durchführt, worauf juristisch dabei zu achten sei und welche Kollegen auf die Thematik spezialisiert sind.

    Die hat mit dem e i n z i g e n Streitpunkt, um den es bei den Vorverhandlungen in Dresden ging - , dem S c h ä t z w e r t als vermutlich am Markt zu erzielendem Gesamtpreis,

    * ABSOLUT NICHTS ZU TUN - ABSOLUT N I C H T S.

    Weil das so ist, spreche ich, aus meiner persönlichen Einschätzung heraus, von "getürkt" und "manipuliert".

    Wer das anders sieht, möge dies nun, nach der dankenswerten Tatsachen-Mitteilung des FAZ-Autors, doch bitte sagen und begründen.

  • Heidi

    Heidi

    Damit der Vorgang zu einem gewissen Abschluß kommen kann, bitte ich doch den

    *Verband der Antiquare

    nun seinerseits auch noch um eine Stellungnahme. Er wurde in der FAZ ausdrücklich erwähnt und ist schon im Interesse der beteiligten Mitglieder bzw. Auktionshäuser daran interessiert, seine Position bzw. die Natur des von ihm ALS VERBAND hergestellten Gutachtens zu klären oder doch anzudeuten.

    Ich habe den Vorsitzenden des Verbands auch in einer direkten Mail um diesen erhellenden Schritt gebeten.

  • Heidi

    Heidi

    Der vorige Beirag war in wenig gutem Deutsch abgefaßt, ich bitte um Nachsicht.

    Was ich meinte, ist Folgendes: Die ganze Angelegenheit wird mit einiger Sicherheit von der Presse in D r e s d e n aufgegriffen werden. Wenn sich der Verband der Antiquare nicht vorher in vernünftige Weise erklärt, dann würde er in die Auseinandersetzungen mit hineingezogen.

    Auf der einen Seite wollen die Sachsen das Material. Der Lokalpatriotismus, in Dresden eher stärker entwickelt als anderswo, ist eine größere Kraft, als man geheinhin annimmt. Die Lokalpresse muß sich des Themas bemächtigen, ob sie nun will oder nicht.

    Auch wenn die dortigen Behörden das Material gern erwerben möchten, so liebt doch niemand, vor allem nicht in einer amtlichen Stellung, das Gefühl, für naiv gehalten und an der Nase herumgeführt zu werden.

    Wie man reagieren wird auf die Vorgänge, kann ich nur vermuten. Was ich aber sicher weiß, ist, daß es gut wäre, wenn der auch der *Verband* nach dem Vorbild des Börsenvereins und des FAZ-Redakteuers K l a r t e x t reden würde - und zwar v o r Beginn der Dresdner Pressediskussion.

    Da ich aus meinem Herzen keine Mördergrube machen möchte, gestatte ich mir, den Vorsitzenden persönlich daraufhin anzusprechen, daß seine spezielle Fachrichtung im Bereich des Antiquariats, sapienti sat, es b e s o n d e r s wichtig erscheinen läßt, mit seiner Stellungnahme die notwendige Klarheit auf dem Tisch zu haben.

    Man kanns natürlich auch unterlassen oder auf die lange Bank schieben. Dann möchte ich aber keine Dresdner Zeitungen lesen müssen in den nächsten Tagen.

  • Heidi

    Heidi

    Die Sache rund um die FAZ-Meldung konnte nun auch im zweiten Teil der umstrittenen Frage einer Aufklärung zugeführt werden. Ich kann folgende Mitteilung auf meine eigene Kappe nehmen:

    "Wie aus gewöhnlich sehr gut unterrichteter Quelle verlautet, hat auch der Verband der deutschen Antiquare k e i n Wertgutachten abgegeben und sich auch sonst als Verband gutachtlich nicht geäußert."

    Etwas anderes war auch gar nicht zu erwarten gewesen. Unsere Berufsverbände und -vereine sind der Neutralität verpflichtet - es ist beruhigend, daß sie auch angesichts einer strittigen Differenz von 9 Millionen Euro nicht schwach werden. Wir leben nicht in einem Bananenstaat.

    Ich maße mir nicht an, dem Verleger angesichts dieser Situation Ratschläge zu geben. MIt einiger Sicherheit wissen wir nun, daß die Fehlinformationen, an denen "nicht zu rütteln ist", nicht auf den FAZ-Journalisten zurückzuführen sind - der konnte nur berichten, was ihm vom Verleger gesagt worden ist. Börsenverein und Verband haben beide k e i n e Wertgutachten abgegeben, weder direkt noch indirekt.

    Ich rege als Fahrplan für die Verhandlungspartner an, das Wertgutachten des Hauses Hartung/ München als absolute Autorität auf dem deutschen Binnenmarkt für Objekte dieser Bedeutung von beiden Seiten her anzuerkennen. Wobei - notabene - Hartung mit Sicherheit die besondere Provenienz schon entsprechend wertsteigernd *eingerechnet* hat und weitere Boni nicht im Raum stehen sollten.

    Man darf dem Papst nicht vorschreiben, wie er die Messe zu lesen hat. Roma locuta, causa finita - das Wertgutachten des Hauses Hartung muß gelten, wenn wir uns nicht wieder ins Reich der Phantasie verirren wollen.

  • Heidi

    Heidi

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/76103 7/

    Der Krimi geht weiter. Man höre sich den obenstehenden, über Deutschlandradio Kultur bzw. Berlin problemlos abzurufenden Audio-Text an, brandneu von heute.

    Er bringt wenig Neues. Leider muß indes ganz deutlich gesagt werden: Unser Kollege und Vorsitzende des Verbands Deutscher Antiquare Koestler wird ein weiteres Mal herangezogen mit einem angeblichen Wertgutachten, das er *so* mit einiger Sicherheit *nicht* erstellt hat. Ich drücke es mal diplomatisch aus: Wer unserem "hart am Limit" segelnden Verleger glauben möchte, sollte v o r h e r Herrn Koestler fragen. Ich glaube, der Anfragende wird sich d a n a c h über die Antwort wundern...

    Wieder gilt: Sapienti sat. Es tut mir irgendwie weh, Verleger Schmid ein weiteres mal auf einem mehr seiner Phantasie als den Realitäten entsprungenen Satz "ertappt" zu haben. Wie gesagt, alles weitere direkt von Herrn Koestler, der ein aufrechter Mann ist und nicht taktiert.

    Daß sich Herr Schmid (das kann ich nun nicht anders formulieren) auch nach dem FAZ-Desaster nicht entblödet, Karl May neben, ja sogar über Kafka(!) und Joyce(!) zu stellen, was den Wert der Manuskriptseiten angeht, ist nur noch beklagenswert. Die Deutschlandradio-Redakteurin hats mit Fassung getragen, eine leise Ironie schwebt von ihrer Seite her über dem ganzen - langen - Interview.

    Die Ungeheuerlichkeiten setzen sich, bei Herrn Schmid sind wir das nicht anders gewohnt, fort. Was er über seine Kontakte zu Herrn Naumann in Berlin sagt, hält in *dieser* Form schon einer eiligen Nachprüfung nicht stand. Noch mehr gilt das für die entsprechende Fachabteilung der Staatsbibliothek, die er sehr verkürzt zitiert, sagen wir es so diplomatisch.

    Das alles kann man leider nicht mehr "Poker" nennen, auch nicht "Schachspiel" - es ist eine Tragödie.

  • Heidi

    Heidi

    Was wäre sympathisch? Überlegungen auf dem Sonntagsspaziergang:

    Sympathisch wäre,

    wenn Verleger Schmid 2 Millionen Euro für sich und die Familie behalten würde, den Rest aber

    *bedürftigen Kriegswaisen im früheren Jugoslawien spenden würde. Er würde die Einrichtung "Karl May-Gedächtnis-Stiftung" nennen und Stipendien zur Berufsausbildung und zum Besuch weiterführender Schulen freigeben,

    *Kindern armer Flüchtlinge und Einwanderer aus dem Osten und Südosten in S a c h s e n zur Verfügung stellen könnte, und zwar mit der besonderen Maßgabe, das Geld für Stipendien zum Besuch berufsqualifizierender Fortbildungsmaßnahmen einzusetzen - "Karl-May-Stiftung Sachsen",

    *Dresdner Studenten, die aus Arbeiter- und Kleinbauernhaushalten Sachsens kommen, den "Karl-May-Universitätsfondsals" als Quelle günstiger Darlehen zur Fortsetzung ihres Studiums ohne allzuviel Nebenarbeit gewähren würde,

    *das Geld Dorf- und Kleinstadtschulen in a r m e n Gemeinden des Erzgebirges und in Sachsen überhaupt zur Anschaffung moderner Computer spenden könnte - Karl-May-Technikhilfe für sächsische Schulen...

    ...da würde mir noch manches einfallen.

    Das wäre sympathisch.

  • Athanas

    Athanas

    Das Geld anderer Leute läßt sich immer gut ausgeben.

  • Heidi

    Heidi

    ...bleibt zweierlei anzumerken:

    1.
    In allen Punkten äußere ich meine persönliche Meinung. Es handelt sich hier um eine Diskussion, nicht um die Zusammenstellung von unumstößlichen Tatsachen.

    2.
    Es könnte an anderer Stelle ein Lehrstück sein darüber, daß ein Verleger in der Öffentlichkeit stehen und seinen ganz besonderen Ruf zu verteidigen hat. Verleger Schmid war Jahrzehnte hindurch der Sachwalter und Vertreter Karl Mays, eines D i c h t e r s , den ich sehr schätze und zu dem ich gewiß das habe, was man ein persönliches Verhältnis nennen kann.

    Somit ist Verleger Schmid für mich eine moralische Instanz. Wo ich glaube, ihn kritisieren zu müssen, wo ich enttäuscht bin von ihm, tue ich das mit dem Bedauern eines Schülers, der die Würde seines Lehrers in Frage stellen muß.

    V e r l e g e r als begeisterter Sachwalter und nicht nur mechanischer Verwalter des

    *Dichters

    ist allemal ein besonderer Beruf. Oder sollte er das nur noch in der Phantasie einiger alter Herren sein, wie ich einer bin? Das fände ich bedauerlich.

  • Heidi

    Heidi

    Inzwischen erschien ein, wie ich meine, sehr guter Beitrag in der Süddeutschen Zeitung (Donnerstag, 27.3.2008), der erstmals auch die Erklärung des Börsenvereins berücksichtigt.

    Leider ist es sehr schwer, zurückliegende Artikel der SZ im Netz zu recherchieren. Vor dem anstehenden Besitzwechsel in München wollen sie an den Archivfunktionen dort offenbar nichts ändern. Deshalb - und weil doch manche Kollegen an dem Vorgang interessiert sind - habe ich einen (aus Urheberrechtsgründen eingekürzten) Scan des Artikels angefertigt und unkorrigiert hierhergesetzt:

    - Beginn des SZ-Artikels: -

    In Radebeul, wo der 1842 in Ernstthal geborene Schriftsteller 1912 starb, ist das Karl-May-Museum ansässig, ebenso die Karl-May-Stiftung und die Karl-May-Gesellschaft, im nahen Dresden wäre die Sächsische Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) ein idealer Ort für die Aufbewahrung und Erschließung des Nachlasses. Aber obwohl dieser Nachlass derzeit zum Verkauf steht und der Freistaat Sachsen gewillt ist, ihn für die Dresdner Bibliothek zu erwerben, wird es zu dieser Idealkonstellation kaum kommen. Denn der derzeitige Besitzer des Nachlasses, der Karl May-Verleger Lothar Schmid aus Bamberg, verlangt für die Original-Manuskripte zu zehn Romanen, Gedichthandschriften, gut 300 Briefe, Ansichtskarten und Dokumente 15 Millionen Euro.

    Der Staat soll zahlen

    Das klingt zwar in Zeiten, in denen der Kunstmarkt dem Publikum das Rechnen mit der Million als Grundeinheit beigebracht hat, irgendwie normal, ist aber eine Phantasiesumme. Auch wenn Karl May schon lange nicht mehr als Trivialautor für die noch unreife Jugend behandelt wird, muss man kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass sein Nachlass auf dem antiquarischen Markt keine 15 Millionen Euro erbringen wird. Der Adressat der Forderung ist denn auch nicht der Markt, sondern der Staat. Eben darum ist dieser Fall exemplarisch.

    Der Verleger Lothar Schmid, der auch Schachgroßmeister ist und als Schach-Schiedsrichter 1972 den Wettkampf zwischen Boris Spasski,,und Bobby Fischer geleitet hat, setzt in seinen Verhanluinbgen mit der sächsischen Staatsminiterin Eva-Maria Stange, auf das Argument, es handle sich beim Karl-May-Nachlass um ein Kulturgut von nationaler Bedeutung, bei dem der Staat daher alle ihm möglichen - auch finanziellen - Register ziehen müsse. Und er hat, nachdem kurz vor Ostern bei Verhandlungen in Dresden wiederum keine Einigkeit zu erzielen war, in einer Art Ultimatum angekündigt, nach dem 10. April werde er den Nachlass auf dem freien Markt zur Versteigerung bringen. Man darf annehmen, dass dies dann, wie in solchen Fällen üblich, unter Parzellierung der Bestände geschehen wird. Das wäre schade für den Sachsen Karl May, für die sächsische Landes- und Staatsbibliothek und für das an Karl May interessierte Publikum über Sachsen hinaus. Aber ein Versäumnis des Staates wäre es nicht. Sondern der gescheiterte Versuch eines Verkäufers von Kulturgut, vom Staat zu erzwingen, was der Markt nicht hergibt.
    Denn solange der russische Ölmagnat, den in Sachsen eine Boulevardzeitung beschworen hat, nicht aus dem Hintergrund tritt und die 15 Millionen hinblättert, gilt, was den Wert des Karl May-Nachlasses angeht, die Sprache der Gutachten. Eines davon hat im Auftrage der Kulturstiftung der Länder Tilo Brandis erstellt, der ehemalige Direktor der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Er kam auf etwas mehr als eine Million Euro, und das klingt nur im Kontrast mit den verlangten 15 Millionen wenig. Peter Rühmkorf und Robert Gernhardt haben in den vergangenen Jahren ihre so umfangreichen wie literarisch bedeutenden achlässe für ieweils unterhalb einer Viertemillion Euro an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach gegeben.

    Es gibt neben dem Gutachten von Thilo Brandis ein zweites Gutachten des Münchner Auktionshauses Hartung & Hartung, das dort auf Nachfrage als .„Schätzung" bezeichnet wird und einen Verkaufserlös von 7 Millionen Euro für möglich hält. Das ist eine beachtliche Differenz. Sie markiert die Spanne, innerhalb derer sich Thomas Bürger, der Direktor der Sächsischen Landes- und Staatsbibliothek in Dresden, und der Freistaat Sachsen in ihren Angeboten bewegen. Bürger hat nur in Teile des Nachlasses Einsicht nehmen können: „Die Manuskripte, die ich gesehen habe", sagt er, „sind Reinmanuskripte, die als Druckvorlage dienten. Sie sind interessant, weil nur wenige Romanmanuskripte von May erhalten sind. Aber sie sind, anders als etwa Kafka-Manuskripte, in denen sich die Werkentstehung abzeichnet, philologisch nicht sonderlich ergiebig. Aber ich hätte sie natürlich gerne, vor allem aber hätte ich gerne die Briefe." Und er gibt zu erkennen, dass er sich eine Kaufsumme vorstellen könnte, die näher bei den 7 Millionen des Härtung-Gutachtens liegt als bei der guten Million des Bran-dis-Gutachtens. Aber es ist aussichtslos, fügt er hinzu.

    Im Haus des Staatsministers für Kultur im Bund, Bernd Neumann, sieht man es ähnlich. Hier ist Lothar Schmid schon im vergangenen Jahr mit seiner Verkaufsabsicht zum Preis von 15 Millionen Euro vorstellig geworden. Jawohl, erhielt er zur Antwort, wir halten den Nachlass von Karl May für ein Kulturgut von gesamtstaatlicher, zumal kulturhistorischer Bedeutung. Aber diese Summe ist illusorisch, und sie würde das gesamte Gefüge vergleichbarer Ankäufe durcheinanderbringen. Weder in Dresden noch in Berlin hat Schmid eine Chance, seine 15 Millionen Euro durchzusetzen. Eine Gewissheit, auf dem Antiquariatsmarkt mehr als die vorn Hartung-Gutachten anvisierten 7 Millionen Euro zu realisieren, hat er auch nicht. Durch seine Weigerung, über Kaufsummen im einstelligen Millionenbereich auch nur zu verhandeln, verbaut er den einzig realistischen Ausweg in Richtung der innersächsischen Ideallösung: der nicht eben geringfügigen Summe von 7 Millionen Euro möglichst nahe zu kommen. Stattdessen hat Lothar Schmid am Wochenende in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung einen waghalsigen Vergleich zu Protokoll gegeben: „Nehmen Sie Kafka. Der reicht literarisch bei weitem nicht an May heran - und ist trotzdem für etwa 8 000 Euro pro Seite ans Deutsche Literaturarchiv in Marbach verkauft worden."

    Der Verleger sprach zudem von einem Gutachten des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, das seine 15-Millionen-Forderung untermauere. Das Dementi ließ nicht lange auf sich warten. An diesem Mittwoch stellte „Börsenblatt Online" eine Korrekturmeldung ins Netz: „Der Börsenverein gibt seinen Mitgliedern Auskünfte zu branchenspezifischen Rechtsfragen, erstellt aber grundsätzlich keine Wertgutachten für Archivalia oder antiquarische Bestände." Lothar Schmid sollte der sächsischen Ideallösung nicht länger im Wege stehen. Wenn er den Karl May-Nachlass per Auktion zum verstreuten Privatbesitz macht, kann er dafür nicht den Staat haftbar machen. Sondern nur sich selbst.

    LOTHAR MÜLLER

    - Ende des SZ-Artikels -

  • Heidi

    Heidi

    Sehr geehrte amen und Herren,

    zunächst die Pressemeldung - wieder kurios und flink von Schmid über Google-Spamming "vermehrt", ursprünglich für die Sächsische Zeitung von heute, Samstag

    - Beginn des Zitats -

    " Karl-May-Archiv soll halbiert werden

    Bamberger Verleger schreibt an Kunstministerin Stange


    Dresden (ddp-lsc). Mit einem neuen Angebot will der Bamberger Verleger Lothar Schmid den seit vier Jahren schwelenden Streit um den Verkauf seines umfangreichen Karl-May-Archivs beenden. Er schlägt in einem Brief an die sächsische Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) und die Radebeuler Karl-May-Gesellschaft eine Halbierung des Archivs vor. "Damit würde sich auch die finanzielle Belastung für Sachsen halbieren", sagte Schmid der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung" (Samstagausgabe). "Ich möchte gern zu einer einvernehmlichen Lösung kommen", sagte er.

    Schmid fordert nach Angaben des Blattes 15 Millionen Euro für die Manuskripte. Zudem habe er dem Freistaat eine Ratenzahlung vorgeschlagen. Dieses Angebot, nach dem Sachsen zunächst nur eine Hälfte des Archivs kauft und für die andere eine Option erhält, bewertet Schmid als guten Weg, das Archiv für die wissenschaftliche Forschung und die Öffentlichkeit zu erhalten. Stange will laut Zeitung bis 10. April Stellung zu den Vorschlägen beziehen."

    - Ende des Zitats. Es folgt der Kommentar, der meine perönliche Einschätzung darstellt. Nähere Einzelheiten hier http://www.boersenblatt.net/184471/template/b4_tpl _antiquariat/ und hier http://www.boersenblatt.net/184339/template/b4_tpl _antiquariat/ -


    V o r s i c h t - zum ersten

    Zweck der heutigen Pressemeldung ist natürlich nicht die Einräumung von Zahlungserleichterungen. Das ist nur vorgeschoben, damit der naive Betrachter nicht auf den wahren Zweck der Übung kommt. Schieben wir also die Nebelwand beiseite:

    Es geht darum, die - maßlos überzogene - Phantasie-Summe, von der Schmid ausgeht, als "selbstverständlich" in die Verhandlungen und ins Bild der Öffentlichkeit einzuführen. Über sie, die Schmidsche Märchensumme, wird erst gar nicht mehr geredet (dies genau ist der Kern des Schachzugs!), sondern über die Zahlungs- und Abwicklungsmodalitäten, wie sie, diese Summe, denn aufgebracht werden könne.

    Ich denke, dieser Taschenspielertrick aus der Roßtäuscher-Diplomatie ist jedem Leser offenkundig.


    V o r s i c h t - zum zweiten

    Als reinen Popanz hat sich Schmid die Diskussion zwischen der Differenz von 9 Millionen und 15 Millionen Euro aufgebaut. Das ist sein eigentlicher

    M e i s t e r - Schachzug - -

    die ganze Diskussion findet jetzt nur noch statt über die Differenz zwischen 9 Millionen und 15 Millionen.

    In Wahrheit aber hat uns Schmid noch nicht dargetan, was an den beiden Gutachten der unabhänggen staatlichen Fachleute, insbesonere an dem von der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek, falsch sein solle. Ich halte es, da uns Schmid schon einemal mit einer

    *nackten U n w a h r h e i t

    versorgt hat (angebliches, aber u n w a h r e s Gutachten des Börsenvereins...),

    für dringend geboten, sich nun auch das Müncher Hartung-Gutachten sehr genau anzusehen.

    Was vermute ich? In Wahrheit haben wir handfest nur die Schätzungen zwischen 1 und 3 Millionen. Bereits mit der 9-Millionen-Schätzung stimmt etwas n i c h t. Wie bei der Börsenvereins- U n w a h r h e i t wird sich auch hinter der Hartung-Schätzung bei näherem Hinsehen irgendeine Trickserei Schmids verbergen.

    G e n i a l aber ist es, daß Schmid hier nun

    S c h e i n k ä m p f e zwischen 9 und 15 Millionen ausführen läßt - -

    - - so kommt ihm keiner auf seinen Grund- und Haupttrick, daß nämlich der wirkliche Wert immer noch zwischen 1 und 3 Millionen steht und alles andere Schach- und Winkelzüge sowie U n w a h r h e i t e n sind.

    Konnten Sie mir folgen? Wenn nicht, belegen Sie einen Grundkurs in Schachspiel für Fortgeschrittene.

    Mich widert die dahinterstehende (immer noch meine Meinung:) Mentalität - Opfer jeder von uns: der Steuerzahler - nur noch an.

    ***Sollten die zuständigen Aufsichtsgremien, insbesondere das sächsische Ministerium und die in nahezu verdächtiger Weise zu dem Vorgang schweigende Karl-May-Gesellschaft, auf solche Winkelzüge hereinfallen, werde ich post festum die verwaltungsgerichtliche und politische Aufklärung einfordern.

    Peter Mulzer, Buchantiquar in Freiburg

    Verteiler:
    Dresdner Ministerium
    Karl-May-Gesellschaft
    Börsenverein des deutschen Buchhandels
    Sächsische Zeitung
    Verleger Schmid via Karl-May-Verlag

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.


      Sie haben noch kein Login oder Passwort ? Hier können Sie sich registrieren