Karl May

Nach dem Scheitern der Verhandlungen um Karl Mays Nachlass

Die Verhandlungen um den Erwerb des Karl May-Nachlasses sind offenbar endgültig gescheitert. Wie geht es weiter? Ein Kommentar von Björn Biester.

Karl May in seiner Bibliothek

Karl May in seiner Bibliothek © Karl May Verlag

Der Bamberger Karl May-Verleger Lothar Schmid hat das vorgestern veröffentlichte sächsische Angebot in Höhe von stolzen 3,5 Millionen Euro brüskiert zurückgewiesen. Es ist unwahrscheinlich, dass Sachsen noch einmal 'nachlegt'. Auch die Errichtung einer Stiftung, von Staatsministerin Eva-Maria Stange (SPD) ins Spiel gebracht, lehnt Schmid ab. Wie geht es weiter? Das ist ungewiss. Verkauf oder Versteigerung des Nachlasses, der momentan im Keller des Bamberger Verlagshauses aufbewahrt wird, stehen seit Wochen als Optionen im Raum. Spezialisierte Auktionshäuser, die eine solche anspruchsvolle Versteigerung organisieren könnten, gibt es in Deutschland mehrere. Das renommierte Unternehmen Hartung & Hartung in München, dessen 7 Millionen-Schätzung jüngst vielfach genannt wurde, wäre nur eines davon. Und vielleicht könnte eine Versteigerung des Materials – anders als nun in vielen Medienberichten dargestellt – für Sachsen der Königsweg aus der verfahrenen Lage sein. Eine öffentliche Auktion, die ja mit einer genauen Katalogisierung des Nachlasses einherginge, böte die Möglichkeit, erstmals in dem seit Jahren schwelenden und jetzt eskalierten Konflikt eine echte Marktsituation herbeizuführen. Dann könnte sich zeigen, welchen Wert Karl May tatsächlich hat. Schätzungen, das hat sich in diesem Fall deutlich gezeigt, bleiben zu abstrakt, wenn die Vergleichsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind (der von Schmid in Interviews mehrfach geäußerte Vergleich Karl Mays mit Franz Kafka und James Joyce, der die Forderung von 15 Millionen Euro rechtfertigen soll, wird als kuriose Randnote in Erinnerung bleiben). Und für den Freistaat ergäbe sich auf einer Auktion die Chance, gezielt auf besonders interessante und historisch wichtige Partien des Nachlasses zu bieten. Nicht ausgeschlossen, dass es bei entsprechender Vorbereitung gelänge, für die von Lothar Schmid jetzt als Kaufpreis zurückgewiesenen 3,5 Millionen Euro große Teile des Angebots zu erwerben. Dagegen dürfte für Schmid bereits die Aushandlung der Versteigerungsbedingungen schwierig genug werden. Ein weiteres Handicap: der Nachlass ist seit März als 'deutsches Kulturgut’ gegen eine Ausfuhr ins Ausland geschützt. Das – aus meiner Sicht: erhebliche und kaum kalkulierbare – Risiko einer Versteigerung läge allein auf der Seite des Einlieferers.

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3 Kommentar/e

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  • Dr. Klaus Graf

    Dr. Klaus Graf

    Das Abwanderungsschutzgesetz gewährt lediglich einen Scxhutz gegen Verkauf des eingetragenen Nachlasses in Ausland. Wird das Ensemble im Inland zerstückelt (Antiquare haben darin ja weidlich Übung), stellt sich die Frage der Rechtsstellung der einzelnen Erwerber. Da sie Teile des Nachlasses erwerben, unterliegen sie meines Erachtens keinen Verpflichtungen oder können wenigstens die Löschung beantragen, soweit das jeweilige Einzelstück nicht als national wertvolles Archivgut gelten kann. Die nicht geschützten Einzelstücke können ins Ausland verkauft und dort wieder zu einem Gesamtbestand zusammengesetzt werden.

  • Lampernist

    Lampernist

    Der Kommentar von Herrn Biester bringt nichts Neues.
    Deswegen wurden wohl die beiden anderen Nachrichten für gewöhnliche Kommentare gesperrt.

    Hingegen bietet Herr Graf wohlmeinenden, befolgenswerten Rat in seinem obigen, Nr. 2, Kommentar.
    Freundliche Grüße, L.

  • Lampernist

    Lampernist

    http://www.boersenblatt.net/186825/template/b4_tpl _antiquariat/ schreibt:
    "vermeintliche Tatsachen zu verbreiten, deren Wahrheitsgehalt wir nicht überprüfen können"

    Das ist das hier übliche verquaste Deutsch.
    Niemand verlangt von irgendeiner Redaktion, daß sie die in Kommentaren Fremder vertretenen Meinungen auf deren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Wider Beleidigungen, Tatsachenverdrehungen, und was dergleichen Weiteres so anfallen könnte, gibt es die feinen Mittel der Gegendarstellung, auch der Klage. Doch Beleidigendes ließ sich lange Zeit im nun Inkriminierten wohl nicht auffinden, nur "vermeintliche Tatsachen" eben.

    Nun wissen wir, daß ein Verleger hier anders bewertet wird als ein Antiquar - und daß es einiger Zeit bedurfte, bis dieser Groschen endlich gefallen ist.

    Ergo, liebe Redaktion, schalten sie die Kommentarfunktion hier grundsätzlich aus, sonst dekouvrieren sie sich selbst in dem, was erlaubterweise angreifbar verbleibt (ich will keine Beispiele anführen) - und dem was nicht.

    Freundliche Grüße, L.

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