Karl May

"Mit Kafka vergleichbar"

Die Verhandlungen um den Erwerb des Karl-May-Nachlasses durch den Freistaat Sachsen scheinen endgültig gescheitert. Lothar Schmid, Eigentümer des Nachlasses, hat das Angebot des Landes in Höhe von 3,5 Millionen Euro abgelehnt. Im Interview mit Boersenblatt.net erläutert der Bamberger Verleger, wie es nun weitergeht.

Lothar Schmid

Lothar Schmid © Karl May Verlag

Sie fordern 15 Millionen Euro für den Nachlass, das Land Sachsen bietet 3,5 Millionen. Ist Ihr Angebot nicht weit überhöht? Schmid: Nein. Der Autografen-Spezialist Eberhard Köstler, heute Vorsitzender des Verbands Deutscher Antiquare, hat den Wert 2004 auf 15,4 Millionen Euro geschätzt. Dass unser Angebot nicht nur fair, sondern ausgesprochen günstig für den Erwerber ist, sieht man auch an der Tatsache, dass Nachlassteile eines anderen berühmten Autors, Franz Kafka, den siebenfachen Preis erzielt haben. Ist es denn legitim, Karl May mit Franz Kafka zu vergleichen? Schmid: Selbstverständlich. Beide sind auf ihre Art geniale und wichtige Schriftsteller. Ist ein Kompromiss mit dem Land Sachsen überhaupt noch möglich? Schmid: Ich bin bereit, über Regelungen wie etwa Ratenzahlung zu verhandeln, 3,5 Millionen Euro sind aber viel zu wenig und entbehren jeder Grundlage. Ich kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen noch einlenken, um die Sammlung dem Land zu erhalten. Und wenn nicht? Schmid: Dann wird der Nachlass anderweitig verkauft. Sie verhandeln auch mit anderen Interessenten? Schmid: Ich habe andere Verhandlungen abgebrochen, weil ich den Nachlass am liebsten nach Sachsen geben möchte. Wer sind die Interessenten? Schmid: Es sind sowohl Firmen als auch Privatkunden. Könnte der Nachlass also auch im Ausland landen? Schmid: Dies ist nicht geplant und hat bisher auch nie zur Debatte gestanden. Ist ein Teilverkauf oder eine Auktion denkbar? Schmid: Das könnte passieren, ich hoffe aber immer noch, dass der grandiose Nachlass als geschlossenes Paket verkauft werden kann. Eine Versteigerung einzelner Stücke würde mir nicht gefallen, man muss dies aber mittlerweile in Betracht ziehen. Bei einer Versteigerung besteht das Risiko, weniger als 3,5 Millionen Euro zu erzielen … Schmid: Das wird zwar gern behauptet, meine Erfahrungen sprechen aber klar dagegen. Das Interesse an Karl May ist ungebrochen und wird weiter wachsen. Wie geht es nun weiter? Schmid: Ich will mich nächste Woche erneut mit Sachsens Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange treffen und hoffe, dass unsere Forderung akzeptiert wird. Interview: Eckart Baier

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1 Kommentar/e

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  • Peter Greb

    Peter Greb

    Hallo, komme zufällig auf diese Seite und bin über die Aussagen des Hr. Schmidt doch sehr entsetzt. Habe die Thematik auch schon in der FAZ und anderen Zeitungen gelesen.
    Was würde der gute Karl May zu einem solchen Geschachere sagen? Hier füllt sich wohl ein Privatmann die Taschen, der über seinen Verlag schon genug an May verdient hat. Zumindest waren für mich seine Bücher immer sehr sehr teuer. Und was will ein übe 80jähriger noch mit soviel Geld. In einer Zeit in der unsere Gesellschaft über Hartz IV und schlappe Renten diskutiert muss dieser Mann nicht 15 Mio Euro für den Nachlass vereinnahmen. Ich halte diese Forderung für maßlos überzogen und nicht nachvollziehbar. Gutachten kann sich jeder erstellen lassen. Der für das Gutachten zahlt bestimmt letztlich was darin steht. So wird es wohl auch hier sein. Was gibt es noch für Wertgutachten?
    Schade für Karl May, er wollte ein Autor für alle sein und nicht die Taschen seiner Verleger füllen. Das Gegenteil wird hier mal wieder autentisch bewiesen.

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