Drupa

Umweltschutz und Kosteneffizienz liegen voll im Trend

Noch bis 11. Juni treffen sich Fachleute aus der Druck- und Medienindustrie auf der Drupa in Düsseldorf. Stephan Eppinger hat sich für boersenblatt.net auf der Messe umgesehen. VON STEPHAN EPPINGER

© Stephan Eppinger

Mit 175.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und fast 2.000 Ausstellern aus 52 Nationen ist sie die größte Druckmesse aller Zeiten. Rund 400.000 Besucher werden bis zum 11. Juni im Düsseldorfer Stadtteil Stockum erwartet. Was die Präsenz in den Messehallen angeht, positioniert sich Deutschland in diesem Jahr wieder vor den USA und Italien. Immer stärker vertreten sind Schwellenländer wie China (Zuwachsrate: 160 Prozent) und Indien (Zuwachsrate: 67 Prozent). Bei den Konjunkturdaten herrscht in der Branche ein vorsichtiger Optimismus. Für 2008 wird mit einem moderaten Wachstum gerechnet, wobei der Export trotz Dollarschwäche bestimmend bleibt. Impulse werden insbesondere von den Papierherstellern durch die Großereignisse Fußball-EM und den Olympischen Spielen erwartet. An den ersten Tagen fällt die Bilanz der Branchenführer sehr positiv aus: „Wegen der sich abschwächenden Konjunktur bin ich eher zurückhaltend optimistisch in die Messe gegangen. Das hat sich grundlegend geändert. Wir sind auf einem sehr guten Weg", freut sich Bernhard Schreier, Vorstandsvorsitzender beim Druckmaschinen-Hersteller Heidelberg, der unter der Marke Saphira nun auch Verbrauchsmaterialen wie Lacke anbietet.Neben Printmedien wie Büchern, Zeitschriften und Zeitungen wird für die Druckindustrie das Thema Verpackungen immer wichtiger. Dort stehen Marketingaspekte genauso im Vordergrund wie der Schutz vor Markenpiraterie. Kosteneffizienz und Flexibilität beim Druck Durch stetig steigende Energie- und Rohstoffkosten müssen moderne Druckmaschinen immer effizienter produzieren. Das gilt beispielsweise für das Thema Makulatur. Hier setzten die Branchenführer Heidelberg und Manroland auf Systeme, die rechtzeitig fehlerhafte Bögen erkennen und aussortieren. Ein weiteres Thema ist die zunehmende Automatisierung, wie beispielsweise beim Wechsel der Druckplatten, wodurch die Rüstzeiten zwischen verschiedenen Aufträgen verringert wird. Dies ist bei immer geringeren Auflagen bei Büchern und Zeitschriften sowie der zunehmenden Regionalisierung von Zeitungen entscheidend. Im Bogenoffsetdruck geht es auch darum, durch größere Formate effizienter arbeiten zu können. So stellt Heidelberg mit der neuen Speedmaster XL 162 eine Druckmaschine vor, die im Großformat mit ansprechender Qualität sowohl im Verpackungs- als auch im Akzidenzdruck eingesetzt werden kann. In diesem Bereich bietet auch Manroland, das zur Drupa seinen neuen Markenauftritt präsentierte, mit der Roland 900 XXL Lösungen für Drucker an. Ähnlich gefragt sind Druckmaschinen, die möglichst viele Funktionen wie zum Beispiel die Veredlung integriert haben und helfen, Kosten zu senken. Umweltschutz wird zum Verkaufsargument Es sind nicht nur der Kostendruck und Forderungen der Politik, die Druckmaschinen-Hersteller und Drucker dazu bringen, ökologisch nachhaltig zu produzieren. Verstärkt wird dieses Umweltbewusstsein auch von den Kunden gefordert und entsprechend honoriert. Im Druckbereich gehört das Papier zu dem zentralen Punkt, an dem beim Umweltschutz angesetzt werden kann. So wird einerseits versucht, durch das Vermeiden von Makulatur die Abfallpapier-Menge zu reduzieren. Andererseits werden verstärkt bei der Papierproduktion Rohstoffe aus nachhaltiger Forstwirtschaft oder aus dem Altpapierbereich eingesetzt. Auch die steigende Effizienz bei größeren Formaten verbessert die Umweltbilanz. Dazu kommen umweltverträgliche Farben und Lacke, Maschinen, deren CO2-Emmission beispielsweise beim Trocknungsprozess verringert wird und die mit geringerem Energieaufwand betrieben werden können. Insgesamt geht das Bestreben der Branche dahin, Bücher und andere Druckerzeugnisse klimaneutral zu produzieren. Der digitalen Workflow erreicht die Maschine In Zeiten, in denen die Digitalisierung zum Beispiel in Redaktionen und Verlagshäusern immer weiter fortschreitet, soll der digitale Workflow künftig noch mehr den Druck inklusive der Weiterverarbeitung und des Versands mit einbeziehen und die komplette Vernetzung vom Auftraggeber bis zum fertigen Produkt sicherstellen. So werden zum Beispiel beim Einsatz der bilddatenbasierten Regelungen an der Druckmaschine digitale Bilddateien verwendet. Präsentiert werden auf der Drupa Management-Systeme, die basierend auf dem Job-Definition-Format (JDF) einen kompletten Druckerei-Betrieb vernetzen und ihn auf einer einzigen Datengrundlage steuerbar machen. Buchbinden und Hardcover: Kleine Auflage, hohe Qualität Im Buchbereich müssen die Maschinenhersteller ebenfalls noch mehr Flexibilität bei ihren Maschinen erreichen und die Rüstzeiten deutlich senken. „Gerade im Hardcover-Bereich erreichen immer weniger Titel hohe Auflagen. Trotzdem steigt die Zahl der Titel selbst weiter an. Darauf müssen wir Antworten finden und dabei die Qualität nicht aus den Augen verlieren“, sagt Reiner Braun vom Schweizer Maschinenhersteller Müller Martini. Die Lösung seines Unternehmens sind vollautomatisierte und leicht bedienbare Maschinen, die in kürzester Zeit für neue Aufträge umrüstbar sind. Ein Herausforderung ist auch die Zunahme des Digitaldrucks im Buchbereich. „Gerade Discounter bieten immer häufiger Fotobände an, die in kurzer Zeit digital gedruckt werden. Das Hauptproblem ist hier bei das verwendete Papier, das sich über die herkömmliche Klebebindung nicht zufriedenstellenden bearbeiten lässt“, sagt Jürgen Brand vom deutschen Maschinenbauer Hozizon. Die Lösung ist hier ein neuartiger Leim, der allerdings an die Maschine neue Qualitätsansprüche stellt. Ein anderes Problem ist es in Zeiten niedriger Auflagen das gedruckte Innenleben eines Buches mit seinem Hardcover-Einband zusammenzubringen, was man bei Horizon mittels eines Barcodes sicherstellen will. Veranstaltung: Tag der Buchproduktion Am 10. Juni bietet die Drupa in Kooperation mit der Akademie des Buchhandels den „Tag der Buchproduktion“ für das Fachpublikum an. Unter dem Titel „Ein Klassiker erfindet sich neu“ geht es unter anderem um aktuelle Trends der Buchgestaltung und -produktion, um den Wandel bei der Verlagsherstellung vom Büchermacher zum Content Manager sowie um das Thema „Osteuropa und Fernost: Chancen und Risiken von Prepress und Produktion Offshore“. Referenten sind zum Beispiel der Verleger Hans Dieter Beck, Reiner Blankenhorn, Leiter Herstellung und Informationsmanagement bei Langenscheidt, sowie Marion Winkenbach vom Vorstand des Bibliografischen Instituts und der Brockhaus AG. Die Tagesveranstaltung beginnt um 10.15 Uhr im Drupa-Cube und beinhaltet auch eine geführte Tour über die Messe mit einem Besuch der themenrelevanten Aussteller. Das Tagesticket kostet 120 Euro inklusive des Eintritts zur Messe. Anmeldung und Information unter Telefon 0211/45607630. Allgemeine Informationen zur Druckmesse finden sich auch im Internet unter folgender Adresse:

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