Verkauf

Bibliographisches Institut verkauft Traditionsmarke Brockhaus an Wissenmedia

Das Bibliographische Institut verkauft Brockhaus an Wissenmedia und konzentriert sich künftig auf Duden und den Kalenderverlag. Pressesprecher Klaus Holoch präzisierte auf Anfrage, dass sich das B.I. komplett aus dem Geschäftsfeld lexikalisches Nachfragen zurückzieht – das heißt, dass auch Meyers online nicht weiter vom B.I. betrieben wird. Die Online-Redaktion in Leipzig wird aufgelöst, Gespräche mit dem Betriebsrat laufen. Das wurde soeben an die Presse mitgeteilt. Auch der Unternehmensname wird sich ändern: Auf der nächsten Hauptversammlung soll die Umfirmierung in Bibliographisches Institut beschlossen werden, so Vorstandssprecher Ulrich Granseyer.

An Wissenmedia verkauft: Die Marke Brockhaus und alle Brockhaus-Werke

An Wissenmedia verkauft: Die Marke Brockhaus und alle Brockhaus-Werke © Nicole Hoehne

Das Bibliographische Institut mit Sitz in Mannheim verkauft nach eigenen Angaben zum 31.12.2008 die Rechte an der Marke Brockhaus und alle Brockhaus-Werke an die wissenmedia GmbH, ein Tochterunternehmen der zur arvato AG gehörenden inmediaOne-Gruppe. Der Verkauf steht derzeit noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamtes. Das Bibliographische Institut werde sich künftig ganz auf die erfolgreichen Geschäftsfelder unter der Marke Duden und das Kalendergeschäft konzentrieren, heißt es in der Pressemitteilung. Die Entwicklung von lexikalischen Nachschlagewerken unter der Marke Brockhaus wird durch den Mannheimer Verlag nicht fortgesetzt. Damit trägt die Mannheimer Verlagsgruppe den Entwicklungen der letzten Jahre Rechnung und reagiert auf den starken Rückgang des Lexikongeschäftes im Buchhandel. Wie Pressesprecher Klaus Holoch auf Anfrage erläutert, zieht sich B.I. komplett aus der Produktion lexikalischer Print-und Online-Werke zurück. Das heißt: Auch die lexikalischen Produkte der Marke Meyers inklusive Meyers online werden künftig nicht mehr in Mannheim und Leipzig produziert. Mit dem Aus für die Leipziger Online-Redaktion endet auch die weitere Arbeit an der Plattform Meyers online, die bisher als Übergangslösung von Brockhaus online galt. Der Content von Meyers online ist Teil des Übernahmepakets von Wissenmedia, bestätigt B.I.-Vorstand Ulrich Granseyer. Die Inhalte stimmten ohnehin im Wesentlichen mit den ursprünglich für Brockhaus online konzipierten und produzierten Artikeln und Multimedia-Elementen überein. Die Marke Meyers bleibt zunächst bei B.I., sagte Arvato-Sprecher Gernot Wolf auf Anfrage. Man habe nur die Rechte an Brockhaus und sämtliche Brockhaus-Produkte übernommen. Wie B.I.-Vorstandssprecher Ulrich Granseyer sagte, werde die Marke Meyers im Kinder- und Jugendbuch sowie bei Atlanten weiterentwickelt. Seit dem Frühjahr wurden die Gespräche mit inmediaOne intensiviert und die Chancen eines Ausbaus der Brockhaus-Angebote im Direktvertrieb sehr genau geprüft. Diese spezielle Vertriebsschiene hat sich gut entwickelt. Die wissenmedia GmbH, die ab Beginn des kommenden Jahres die verlegerische Verantwortung für die Weiterentwicklung der Marke Brockhaus übernehmen wird, bedient zukünftig nicht nur den Direktvertrieb, sondern wird auch gewährleisten, dass neue und bereits erschienene Brockhaus-Produkte für den Sortimentsbuchhandel verfügbar sind. „Beide Verlage sehen in der Transaktion einen wichtigen Schritt zur Zukunftssicherung der Marke – so kann sichergestellt werden, dass die mehr als 200-jährige Tradition von Brockhaus langfristig fortgeführt werden kann“, so Vorstandssprecher Ulrich Granseyer. Der Verkauf der Marke Brockhaus und der Rückzug aus dem Geschäftsfeld lexikalisches Nachschlagen hat personelle Konsequenzen: Die am Standort Leipzig angesiedelten Online-Aktivitäten werden nicht fortgeführt, die dortige Online-Redaktion wird aufgelöst. Auch in Mannheim werden Umstrukturierungen notwendig, die Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben werden. Einzelheiten werden erst nach Abschluss der Verhandlungen mit dem Betriebsrat feststehen. Der Mannheimer Verlag richtet sich damit strategisch neu aus und konzentriert sich auf den weiteren Ausbau der in den letzten Jahren erfolgreich entwickelten Geschäftsfelder. Im Mittelpunkt wird dabei die Marke Duden stehen. Sie ist neben dem Kerngeschäftsfeld Duden – Deutsche Sprache schon jetzt immer stärker in den Bereichen Schulbuch und Lernen vertreten, wird zukünftig aber auch auf dem Feld Korrektursoftware und Rechtschreibprüfung noch intensiver auftreten. Gerade im Firmenkundengeschäft sind professionelle Sprachwerkzeuge und spezielle Angebote für Sprachdatenbanken von hohem Interesse und werden stark nachgefragt. Neben Duden entwickelt der Mannheimer Verlag Kinder- und Jugendbücher sowie Atlanten unter der Marke Meyers und gibt jährlich den Bestseller „Guinness-Worldrecords“ heraus. In den letzten Jahren hat sich das Bibliographische Institut zudem eine marktführende Stellung im deutschen Kalendermarkt erarbeitet – hier erscheinen Kalender unter den Marken Harenberg, Weingarten, Duden und Meyers. Anfang dieses Jahres hat der Mannheimer Verlag sein Kalendergeschäft mit dem Münchener Heye-Verlag fusioniert und damit nach eigener Einschätzung den mit Abstand führenden Kalenderanbieter im deutschsprachigen Raum geformt.

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6 Kommentar/e

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  • Hans-Joachim Schulz

    Hans-Joachim Schulz

    Nun denn: Dann haben wir bald nur noch die Wahl zwischen Bertelsmann und Wikipedia.....
    Irgendwie fühle ich mich da wie zwischen Scylla und Charybdis....

  • Steffen Ille

    Steffen Ille

    Damit ist freilich die Marke Brockhaus erledigt.
    Die Kompetenzschwäche von Bertelsmann in Sachen Lexika hat sich ja nun schon des öfteren in der Vergangenheit gezeigt.
    Und dabei sah es vor knapp einem Jahr noch so aus, als wolle das B.I. ernsthaft im 21. Jahrhundert ankommen ohne auf die Qualität eines sauber gearbeiteten Lexikons zu verzichten.

    Sic transit gloria mundi möchte man da kulturpessimistisch ausrufen - allerdings wird die abendländische Kultur ja nun auch schon seit einigen Jahrhunderten tot gesagt und doch hat sie bisher immer einen Weg gefunden.

    Hoffen wir also das Beste.

  • André Pleintinger

    André Pleintinger

    Na ja, ein weiterer Schlag für den "Wissensstandort"

  • Jürgen Spiegel

    Jürgen Spiegel

    Dabei schließt auch die Online-Redaktion Leipzig. Von Traditionsstandort Leipzig schon das Unternehmen Reclam weg nach Ditzingen.
    Die Wirtschaft zeigt, wie's geht. Da wundert man sich über die sich immer noch verschleppende Teilung der Ministerien der Regierung - über 600 km, sachlich unsinnig und mit Zusatzkosten.

  • Angelika Oppenheimer

    Angelika Oppenheimer

    Von wegen Wissensgesellschaft! Das was in der Aufkärung als Grundlage der Moderne geschaffen wurde, nämlich die Enzyklopädien, werden des Profites wegen geopfert. Im Internet kann man sehr vieles erfahren, aber die Inhalte sind auch sehr viel leichter manipulierbar als in einem Buch. Der Verkauf erfolgt an einen Verlag, der nicht durch seine Kompetenz ausgewiesen ist. Unser Wissen ist Resultat lebendiger Arbeit und in seiner Fixierung aufgehoben, Internet und CDs sind so vergänglich wie Schallplatten und Kassetten. Würde Bertelsmann die bewährten Mitarbeiter übernehmen, könnte man etwas mehr Vertrauen in das Unternehmen haben. Es ist nicht nur wegen der kulturellen Seite bedauerlich, sondern zeigt wieder einmal, wohin sich unsere Gesellschaft trotz aller Beteuerungen aus Berlin entwickelt. Soziale Marktwirtschaft? Wie sagte Hegel? Das Wesen muss erscheinen.

  • Redaktion

    Redaktion

    Die Brockhaus-Redaktion jedenfalls hat sich selbst noch nicht aufgegeben und sucht nun nach einem neuen Verleger, der noch an professionelle Arbeit glaubt: http://www.was-spricht-dagegen.de

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