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Twitter: Die Bibel in 3 000 Häppchen

Von wegen verstaubtes Buch: Die Redaktion von evangelisch.de will die gesamte Bibel twittern lassen – zerteilt auf einzelne Geschichten mit jeweils 140 Zeichen. Mit der Aktion wollen die Macher ins Guinness Buch der Rekorde. Ein Interview mit Melanie Huber, Portalleiterin bei evangelisch.de.

© evangelisch.de

Heißt es ab sofort bloggen statt beten?
Huber: Wir beten, dass uns das Vorhaben gelingt! Und: Die Blogger setzen sich ja mit Gottes Wort auseinander.

Die Bibel umfasst, wenn man etwa die Ausgabe des Herder Verlags nimmt, 1 459 Seiten. Wie wollen Sie denn diese Textmenge auf Stückchen zu 140 Zeichen komprimieren?
Huber: Wir teilen die Bibel in 3 000 Geschichten und drucken diese jeweils einzeln auf Flyer. Am diesjährigen Kirchentag, vom 20. bis 24. Mai im Bremen, werden rund 40 Promotoren diese Flyer verteilen. Sie fordern Kirchentagsbesucher auf, die Textstelle auf dem Flyer auf 140 Zeichen zusammenzufassen. Das Interessante ist ja, dass man als Teilnehmer eine Bibelstelle zugewiesen bekommt, auf die man sonst vielleicht nie gekommen wäre. Jedem Text ist ein Pincode zugeordnet, so dass wir am Ende wissen, welche Zusammenfassung welche Bibelstelle betrifft und wie die richtige Reihenfolge ist.

Wie landen die Zusammenfassungen bei Twitter?
Huber: Besucher können die Zusammenfassungen entweder selbst twittern und eine Verlinkung zu unserem Twitteraccount unter twitter.com/evangelisch_de herstellen, Oder sie tragen die 140 Zeichen auf Computern ein, die wir am Kirchentag zur Verfügung stellen. Ich verhandle derzeit auch mit T-Mobile, die uns webfähige Handys zur Verfügung stellen wollen. Am Ende steht dann eine komprimierte Bibel. Zusammengefasst von allen.

In Ihrem Blog schreiben Sie, dass sie das Vorhaben fürs Guinness Buch der Rekorde angemeldet haben.
Huber: Mit dem Kirchentag haben wir vier Tage, die ausreichen sollten, das Experiment zu wagen. Und wenn man sich schon mal zeitlich beschränkt, dachten wir uns, kann man ja gleich einen Rekordversuch starten. Etwa eine Woche vor dem Kirchentag werden wir spätestens wissen, ob unsere Aktion nach deren strengen Regeln des Guinness Buch der Rekorde ein echter Rekordversuch ist.

Soll aus den Bibel-Stückchen wieder ein Buch werden?
Huber: Ja genau. Wir denken über eine Art SMS-Bibel nach, die dann in Printversion oder auch online erscheinen soll.

Hinter evangelisch.de steht der Verlag Hansisches Druck- und Verlagshaus, Frankfurt, der mit der edition chrismon auch im Buchhandel vertreten ist. Twitter ist ein Kurznachrichtendienst im Internet, über den man Texte mit einer Maximallänge von 140 Zeichen veröffentlichen kann. 

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4 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Olaf Reins

    Olaf Reins

    Die Bibel geht ins Virtuelle - war sie da nicht immer schon?

  • Bernhard Sommerfeld

    Bernhard Sommerfeld

    Ein Buch, das immer eine Gemeinschaft von Lesern stiftet, muss nicht im Regal enden. Es könnte auch eine Eintrittskarte zu einem anderen Medium sein. Dabei spielen, glaube ich, Blogs und Twitter eine wichtige Rolle, nämlich als zusätzliche Dienstleistung zum gedruckten Buch. Ich hatte das Buch "Geek-Altas" von O'Reilly in meinem Twitt vorgestellt - mit positiven Reaktionen. Der Autor/Verlag hat nun einen eigenen Acount für den Geek-Altas http://api.twitter.com/geekatlas eingerichtet. Und das funktioniert scheinbar ganz gut :-)
    Die Analysten von Gartner sehen Twitter als kommende grundlegende Kommunikationsform für Unternehmen. Die Einsatzmöglichkeiten reichen dabei von Intranet bis hin zum PR-Werkzeug und Kunden-Feedback... :^)

  • Harald Kraft

    Harald Kraft

    Ich finde, dass die Bibel allein durch das
    gedruckte Buch verständlich werden kann.
    Erst sollte einmal der Mensch anfangen
    darin einzelne Worte und Sätze zu begreifen,
    denn dann würde es auf unserer Welt
    positiver aussehen.
    Um Gott für mich zu verstehen, benötige
    ich keinen Twitter und keinen Blogger.
    Der Kunde im Buchhandel und vor allem
    im religiösen Bereich soll frei wählen was
    er nun möchte.
    Es müssen nicht immer diese Trends
    befolgt werden, denn dies ist doch
    letztendlich eine Bevormundung des
    Kunden was er muß, soll und nicht darf.
    Aber diese modernsten Medien müssen
    eben in der Gegenwart durchgesetzt und
    ausprobiert werden.
    Welche Medien müssen junge Leser und
    Leserinnen heute eigentlich noch haben?
    Reicht nicht schon das ,Handy`?
    Bedeutend wäre es, wenn Jugendliche
    in Schule und Familie wieder an das Lesen
    von Büchern herangeführt werden.
    Wo bleibt heute der eigentliche
    Erziehungsauftrag?
    Auch Bibliotheken, so z. B.
    Stadtbibliotheken, können junge Leser
    durch Leseaktionen langsam wieder
    für das Lesen von Büchern begeistern.
    Dabei ist es in unserer Zeit so, dass die
    Menschen langsam verlernt haben sich
    durch einen Brief mitzuteilen.
    Es fehlt anscheinend an der Zeit und
    keiner hat Zeit für den Anderen.
    Die Bibel, ob in evangelischer, katholischer
    Ausgabe oder in der Einheitsübersetzung
    sollte weiterhin als gedrucktes Buch zur
    Verfügung stehen.
    Der Glaube ist zu kostbar, als dass er als
    Twitter-Form in einem Guinness Buch der
    Rekorde stehen muß (z. B. Aktion Bibel
    im Twitter oder Blogger).
    Dies ist ein großer Unsinn.
    Erst durch das gedruckte Wort und einer
    Aussprache, z. B. im Religionsunterricht
    an den Schulen, lassen sich Gleich-
    nisse u. a. verstehen.
    Unaufhaltsam schreitet also die Ver-
    netzung voran und keiner fragt, ob dies
    gut, sinnvoll oder schlecht ist.
    Wer macht da jetzt wieder den Profit?
    Es ,muß` immer alles gemacht werden
    und eine Prüfung gibt es nicht.
    Es fehlt auch zu diesen traurigen und
    unsinnigen Entwicklungen ein Wort
    beider großer Kirchen in Deutschland.
    Ein ,Twitter` und ein ,Blogger` sollte doch
    schließlich kein Ersatz für die landauf und
    landab fehlenden Pfarrer werden.
    Mit diesen Mitteln wird langfristig gesehen
    auch die Privatsphäre des Glaubenden
    gestört, kaputt und zertreten.
    Glaube ist etwas Ureigenes, dass
    der einzelne Mensch nur mit sich selber im
    Denken und seinem Gewissen in einer
    gedanklichen Weite dabei mit Gott in
    Verbindung sein kann.
    Gott öffnet sich dem Menschen, der ihn sucht,
    nicht mit einem Blogger oder Twitter.
    Es ist die innere Stimme, auf die jeder
    Mensch der an Gott glaubt, hören sollte.
    Durch diese Stimme kann ich als Mensch
    zu Gott sprechen.
    Da benötige ich keinen Blogger und
    Twitter.
    Und Gott spricht mich eben nicht durch
    einen Blogger und Twitter an.
    Durch diese Möglichkeiten wird der
    Evangelische Kirchentag in Bremen
    im Mai 2009 nicht noch erfolgreicher
    werden.
    Dies hängt von anderen Faktoren ab.
    Wenn das nur zusätzlich durch Blogger
    und Twitter angestrebt werden sollte,
    ist dies sicher nicht der gangbare Weg.
    Auf weitere Dinge möchte ich da jetzt
    nicht mehr eingehen.

    Für mich, der ich beruflich eine
    Beziehung zu Büchern habe, ist auch
    weiter eine gedruckte Ausgabe der
    Bibel notwendig und wichtig.

    Harald Kraft, Bibliotheksangestellter, München

  • Jeeves

    Jeeves

    Ein neuer Schwachsinn, um "die Kirche" einer desinteressierten (jungen) Kundschaft nahe zu bringen? Himmelhilf!

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