Interview mit Geschäftsführer Bernd Schröder

Der Club Bertelsmann: "Wir müssen uns öffnen"

Ein Konzept jagt das nächste: So läuft das beim deutschen Club bereits seit Jahren. Dennoch sanken die Mitgliederzahlen weiter, die Umsätze auch. Bernd Schröder, der neue Mann an der Spitze, wagt jetzt den Paradigmenwechsel. Ein Gespräch übers Sparen und Investieren – und einen Plan mit weitreichenden Folgen.  VON TW

Bernd Schröder

Bernd Schröder © privat

Seit knapp acht Wochen lenken Sie die deutschen Clubs. Was antworten Sie jenen, die meinen, in die Club-Idee noch zu investieren, sei zwecklos?
Schröder:
Dass sie zu wenig über uns wissen. Abgesänge auf den Club gibt es schon seit zehn Jahren, und wir sind immer noch da. Immerhin sprechen wir nach wie vor von mehreren Millionen Kunden – man sollte uns also nicht unterschätzen.

In den Augen der Buchkäufer hat der Club aber deutlich an Ansehen verloren...
Schröder:
Für die alte Form der Mitgliedschaft werden wir sicher immer weniger Kunden begeistern können, allein deshalb, weil sich heute keiner mehr gern und lange verpflichtet. Sie können aber sicher sein, dass wir die Umsatzverluste langfristig kompensieren und auch neue Zielgruppen erreichen werden. Wir müssen uns nur weiter öffnen.

In welche Richtung?
Schröder: Einerseits öffnen wir uns im Mediengeschäft, andererseits aber auch mit unserem für andere Unternehmen durchaus wertvollen Know-how im Direktgeschäft. Gerade haben wir, Sie haben ja bereits darüber berichtet, mit Lindt einen Schokoladen-Club für Genießer gegründet. Ich denke, dass der Plan, unsere Direktmarketing- und Vertriebs-Kompetenz auf andere Themen zu übertragen, aufgeht. Was mit Schokolade funktioniert, wird auch mit anderen Produkten funktionieren. Zu Details möchte ich aber noch nichts sagen.

An drei Standorten wollen Sie noch 2009 damit beginnen, Lizenzausgaben auch an Nicht-Mitglieder zu verkaufen – ein Test. Wie laufen die Vorbereitungen?
Schröder: Sehr gut. Mit dem Umbau sind wir fast fertig, spätestens Anfang November gehts los.

Wie werden die Läden aussehen?
Schröder: Völlig anders als Club-Filialen, die ja von der Zielgruppe her sehr breit angelegt sind. Die neuen Läden sind deutlich jünger, weiblicher und familienorientierter – unsere Kernzielgruppe sind Frauen.

Was bieten Sie ihnen an?
Schröder: In zwei Läden konzentrieren wir uns auf Bücher, einmal mischen wir sie mit Zusatzprodukten, DVDs, Musik-CDs, Foto-Services und so weiter. Im Vergleich zu den Club-Filialen tun wir das allerdings in geringerem Umfang. Grundsätzlich gilt: In den Test-Läden kann jeder Artikel von jedem gekauft werden – wenn auch nicht zum gleichen Preis. Mitglieder behalten ihre Vorteile.

Dass Nicht-Mitglieder für einen Club-Titel soviel bezahlen wie für eine Buchhandelsausgabe: Lässt sich das durchsetzen?
Schröder: Warum nicht? Das einzige, was an unseren Büchern anders ist, sind die Schutzumschläge.

Werden Sie beide Ausgaben dann noch getrennt platzieren?
Schröder: Nein, wir setzen auf höchsten Kundennutzen und separieren nicht mehr. Dabei sind wir zu Hundert Prozent offen.

... und läuten damit einen Paradigmenwechsel ein. Vor allem in Augsburg dürfte man das nicht gerne hören. Bleibt der Name erhalten?
Schröder: Nein, aber der bleibt vorerst unser Geheimnis.

Wie lange soll der Test laufen, bis Sie das Konzept auf weitere Filialen ausdehnen?
Schröder: In der Regel muss man einem Laden ein Jahr Zeit geben. Ich glaube aber, dass wir schon Ende des Jahres einige Indikatoren sehen können.

Was sagen Verlage zu Ihrer neuen Strategie?
Schröder: Sie haben positiv reagiert. Der Club ist und bleibt für sie ein wichtiger Vertriebskanal, gerade jetzt, wo der Konzentrationsprozess so deutlich Spuren hinterlässt. Unsere Käufer bedeuten für sie einen sicheren Umsatz. Wir tun etwas für ihre Bücher, geben auch Spitzentiteln neue Impulse. Der Katalog spielt da natürlich eine wichtige Rolle.

Ihr Plan in puncto Digitalisierung?
Schröder: Wir beschäftigen uns damit seit zwei Jahren, ohne auf diesem Feld aber jetzt einen dringenden Handlungsbedarf zu sehen. Für unsere Club-Kunden ist das eher noch kein Thema. Aber wir bereiten uns vor: Bis im Frühjahr 2010 sind wir so weit.

Derzeit wird viel darüber diskutiert, dass der Buchhandel seine Kunden zu wenig kennen würde. Wie sehen Sie das?
Schröder: Für den Club kann ich sagen, dass wir sehr genau wissen, wer unsere Kunden sind, was sie kaufen, welche Interessen sie haben, ob und wie oft sie wiederkommen. Das verschafft uns sicher entscheidende Vorteile.

Bertelsmann fährt im Moment einen harten Sparkurs. Wo musste der Club den Rotstift ansetzen – außer beim Messestand und dem Etat für den traditionellen Messe-Empfang?
Schröder: Wir sparen wo es geht - bei den Reisekosten genauso wie bei den Büromaterialien. 

Und bei den Mitarbeitern?
Schröder: Auch da arbeiten wir schon immer kostenbewusst. Wie viele Mitarbeiter zum Beispiel in einer Filiale anwesend sind, hängt von der Lage und von der Kundenstruktur ab. Grundsätzlich gilt: Jede Stunde, die wir investieren, muss sich auch lohnen. Das ist aber nicht neu.

Wie viele Filialen gibt es, mussten auch Sie einzelne schließen?
Schröder: 275, doch die Zahl schwankt. Standorte, bei denen klar ist, dass sie wirtschaftlich keinen Sinn mehr machen, geben wir auf. Das kommt natürlich vor - zum Beispiel in Siegburg, wo wir im Sommer geschlossen haben. Zugleich öffnen wir auch neue Filialen. Erst am Dienstag vor der Buchmesse habe ich einen Vertrag für eine neue Filiale in Süddeutschland unterschrieben.

 

Der (neue) Club Bertelsmann

Filialen: ca. 275
Mitglieder: ca. 3 Mio.

Mitarbeiter: 1 400

Die Zwei-Säulen-Strategie:
1.
Mediengeschäft mit Mitgliederverpflichtung plus Test eines offenen Sortiments ("Jeder Kunde kann alles kaufen.")

2. Vermarktung des Direktmarketing-Know-hows 
(zum Beispiel Reise oder Projekt mit Lindt, siehe: Archiv)

Das offene Ladenkonzept (im Test ab 11 / 2009)
Fläche: ca. 200 Quadratmeter
Standorte: Aschaffenburg, Berlin (Europa-Center), Hanau
Sortiment: zielgruppenorientierte Auswahl und Best
seller; ca. 8 000 Titel (davon ca. 1 000 Lizenztitel)
Kernzielgruppe: Frauen, Familien 

 

Schlagworte:

Mehr zum Thema

2 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Dieter Wallenfels

    Dieter Wallenfels

    Lieber Herr Schröder,
    in einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen: Die Club-Ausgaben dürfen sich nicht lediglich im Schutzumschlag von den Original-Ausgaben unterscheiden. Entscheidend ist vielmehr die andere Gestaltung des Einbands. Unterschiedliche Schutzumschläge reichen keineswegs aus, um im Sinne des BuchPrG und der Potsdamer Kriterien die erforderliche Unterschiedlichkeit der Ausgaben zu begründen.

    Herzlichst
    Ihr
    Dieter Wallenfels

  • Monika Börner

    Monika Börner

    Sehr geehrter Herr Schröder,
    bevor Sie sich mit neuen Strategien beschäftigen sollten Sie sich erst einmal um die Vorgehensweise Iher Mitarbeiter mit Ihren Altkunden beschäftigen. Ich bin seit 07.07.1962 Mitglied .
    Am 4.11.09 wurde mir ein Hotelgutschein übersandt
    über den ich mich erst sehr gefreut habe. Nach einem Telefonat mit der Hotline0180-56 88 889 wandelte sich die Freude aber in Ärger um, als ich
    nämlich erfuhr, daß vor einer Auskunft zum Hotel erst die Gebühr von 99,- € zu zahlen sei. Sollen so Ihre treuen Kunden über den Tisch gezogen werden.
    Ich habe dann versucht schriftlich unter der Adresse:
    "Der Club Bertelsmann c/o Meine Erholungswoche-
    Wunschurlaub S.L. Wittekindstr. 30 K, 13509 Berlin"
    diese Adresse war von Ihrem Schreiben übernommen, eine Stellungnahme zu erhalten. Das Schreiben kam mit dem Postvermerk zurück"Empfänger unter der angegebenen Adresse nicht zu ermitteln. Ich habe das Schreiben dann nochmals mit der von der Post angegebenen PLZ
    12103 nach Berlin geschickt, aber auch dieses kam am 18.12.09 wieder mi dem gleichen Vermerk zurück. Weiter habe ich am 11.11.09 Kopien meiner Schreiben an den Club in 33300 Gütersloh gesandt und um Bestätigung der Kündigung gebeten, Wieder keine Reaktion. Am 10.12.2009 habe ich dann per Einschreiben meine Mitgliedschaft gekündigt, aber bisher keine Antwort. Zur Krönung
    erhielt ich heute einen Anruf um mir ein besonders günstiges Angebot des Bücherbundes zu unterbreiten. In Ihrem Hause scheint das reinste Chaos zu herrschen, oder ist es Absicht um so die
    Kündigung lange herauszuzögern.
    Ich hoffe nun endlich von Ihnen eine Bestätigung der Kündigung meiner Mitgliedschaft zu erhalten.
    Bei so einer Behandlung alter Mitglieder brauchen
    Sie sich über den Rückgang der Mitgliedszahlen nicht zu wundern.
    Monika Börner

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld