Bibliophilie

Bibliophilen-Gesellschaft in Köln löst sich auf

Ende einer Kölner kulturellen Institution: Hanns Georg Schmitz-Otto kündigt die Auflösung der 1930 begründeten Bibliophilen-Gesellschaft in Köln für das Frühjahr 2010 an.

Die Bibliophilen-Gesellschaft in Köln wurde 1930 gegründet; am 8. Mai 2010 soll nun – 80 Jahre nach der Gründung – mit einer Feierstunde die Arbeit der Gesellschaft beendet werden. Hanns Georg Schmitz-Otto, Sekretär der Gesellschaft, begründet diese Entscheidung in einem Rundschreiben an die Mitglieder: "Die BGK hatte in den 70 und 80er Jahren über 400 Mitglieder und 100 bis 120 kamen recht regelmäßig zu den Teestunden. In den letzten Jahren hat sich leider Vieles geändert. Auch unsere Gesellschaft verzeichnet einen starken Mitgliederschwund – 45 bisher in 2009, dabei 2 großzügige Sponsoren – und ein hohes Alter der Mitglieder, was bei den sinkenden Zahlen der Teestundenbesucher sehr deutlich wird. Dem gegenüber stehen die enorm gestiegenen Kosten für Teestunden und Druckerzeugnisse, die sich leider nicht mehr finanzieren lassen. Ich selbst habe Ende der 80er Jahre Arbeit und Verantwortung von meinem Vater übernommen und gerne weitergeführt. Dies geht nun aus gesundheitlichen und Altersgründen [...] nicht mehr."

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5 Kommentar/e

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  • Stefan Müller

    Stefan Müller

    Ich habe selber in den 90er Jahren an einigen dieser Teestunden in Köln teilgenommen. Damals war ich Mitte/Ende 30 und ich hatte selten ein stärkeres Gefühl, nicht willkommen zu sein, als auf diesen Teestunden. Vielleicht lag es auch daran, daß ich kein Kölner bin. Es tut mit Leid, so etwas sagen zu müssen, aber ich denke, es war einfach ein Kreis von Leuten, die unter sich bleiben wollten. Insofern ist ein Mitglieder- und Besucherschwund nur folgerichtig, und die nun angekündigte Auflösung auch.

  • Henning Wendland, Hamburg

    Henning Wendland, Hamburg

    Zwischen 1963 und 1970 war ich einige Jahre Mitglied bei den Kölner Bibliophilen. Ich fand es dort ganz nett, ich durfte auch einmal einen kleinen Vortrag dort halten. an einigen Veranstaltungen habe ich im feinen Dom-Hotel teilgenommen. Aber diese plüschige Atmosphäre und die mir fremde Kölner Mentalität ließen kein Zugehörigkeitsgefühl bei mir aufkommen. Als ich dann nach Hamburg ging, war die Mitgliedschaft dort für mich nicht mehr
    interessant. Natürlich finde ich es auch schade, daß keine neuen und jüngeren Mitglieder mehr nachwachsen. Aber vielleicht ist diese Art der Liebe zu Büchern nun doch vorbei. Vielleicht bilden sich andere Formen der Freude und des Sammelns von Büchern!

  • wolfgang schmitz

    wolfgang schmitz

    Als langjähriges Mitglied der Kölner Bibliophilen-Gesellschaft und Direktor der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln bedauere ich natürlich die ungünstigen Erfahrungen, die Herr Müller und Herr Wendland gemacht haben. Ich bin etwas ratlos, da ich die BGK nie als abweisend erlebt habe.
    Die BGK war das Werk der Familie Schmitz-Otto, die über Jahrzehnte hier ein ausgezeichnetes Programm mit vielen interessanten Themen interessanter Vortragender organisiert hat und die ganze Technik allein stemmte. Dafür gebührt ihr Dank.
    Als Initiator der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft möchte ich den nun mehr verwaisenden Bibliophilen in unserer Gesellschaft eine Heimstatt geben. Über neue Formen wird man nachdenken. Dazu sind natürlich auch alle diejenigen eingeladen, die sich bislang ausgeschlossen fühlten.

  • Karl-Heinz Knupfer

    Karl-Heinz Knupfer

    Seit Anfang der achtziger Jahre nehme ich an Veranstaltungen der Kölner Bibliophilen-Gesellschaft teil und hatte nie das Gefühl nicht willkommen zu sein. Zu vielen Mitgliedern der Gesellschaft habe ich auch außerhalb der Teestunden- und Vortragsveranstaltungen Kontakte aufgebaut. Manche Anregungen habe ich von Vorträgen und Gesprächen mit nach Hause genommen.
    Der Familie Schmitz-Otto gebührt der Dank der Bibliophilen.
    Leider ist es nicht gelungen das Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Wir müssen uns fragen, ob diese Form der Bibliophilie noch zeitgemäß ist? Die Twitter-Generation hat sicherlich andere Wünsche als Kaffee, Kuchen und Diavorträge.

  • Bernd Wieland

    Bernd Wieland

    Auch ich kann nur bestätigen, was Herr Prof. Dr. Schmitz und Herr Knupfer schon geschrieben haben.
    Ich bin seit 2004 Mitglied in der Kölner Bibliophilen-Gesellschaft und bin immer freundlich empfangen
    worden. Darum bedauere ich es sehr, dass Herr Müller und Herr Wendland solche Erfahrungen gemacht
    haben.
    Leider hatte ich nicht so oft die Gelegenheit, die Teestunden zu besuchen, da ich beruflich oft auch
    samstags eingebunden bin. Das finde ich auch deshalb so schade, da meistens zu sehr interessanten
    Themen referiert wurde und dies von ausgewiesenen Kennern ihres Faches.

    Ich bin überzeugt, dass ohne die Familie Schmitz-Otto der BGK schon viel eher das Aus gedroht hätte bzw.
    schon gekommen wäre. Ihr gilt ein besonderer Dank für die jahrzehntelange Organisation der Teestunden !
    Diese Arbeit kann nicht hoch genug geschätzt werden.

    Sicherlich kann man darüber diskutieren, ob die Form der Teestunden – mit Kaffee, Kuchen und Diavorträge –
    noch zeitgemäß ist und die heutige „Twitter-Generation“ andere Wünsche hat.
    Ich glaube aber auch, dass das Problem des Mitgliederschwundes durch fehlenden Nachwuchs ein gesellschaftli-ches Problem ist. Wo wird denn bei Kindern oder Jugendlichen noch die „Liebe zum Buch“ gfördert ? Ich bin der Meinung, dass Bibliophilie nicht erst ab einem gewissen höheren Alter ensteht, sondern schon bei Kindern vorhanden ist ( oder eben auch nicht ), und schon dort sollte man diese Neigungen fördern.

    Wie dem auch sei, es ist sehr schade, dass eine solche kulturelle Institution in Köln zu Ende geht. 80 Jahre nach
    Gründung der Gesellschaft.

    Trost werde ich in der Kölnischen Bibliotheksgesellschaft finden, der ich seit Juli 2009 angehöre und die auch
    sehr interessante Themen für Bibliophile aufgreift. Darüber hinaus unterstüzt man die USB Köln, was zusätzlich noch ein Aspekt ist, der KBG beizutreten.

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