Bibliophilie

Bibliophilen-Gesellschaft in Köln: letzte Termine

Im letzten Dezember kündigte Hanns Georg Schmitz-Otto die Auflösung der Bibliophilen-Gesellschaft in Köln für dieses Frühjahr an. Das Programm der letzten "Teestunden" der Vereinigung liegt jetzt vor.

Bis zur Abschluss-Veranstaltung mit Festessen der Bibliophilen-Gesellschaft in Köln am 8. Mai im Großen Saal des Kolping International (ab 18 Uhr) finden noch die "Teestunden" 472 (23. Januar), 473 (20. Februar), 474 (20. März) und 475 (17. April) statt. Vortragsthemen sind frühe Schelmengeschichten unter kleinen Leuten, Thomas Manns "Königliche Hoheit", Boudewijn und seine Bücher sowie Benjamin Franklin als Drucker.

Kontakt: Bibliophilen-Gesellschaft in Köln, Sekretariat Hanns Th. Schmitz-Otto. Hanns Georg Schmitz-Otto, Trajanstr. 19, 50678 Köln, Tel. 0221/327339, Fax 0221/322928.

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20 Kommentar/e

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  • H. Kraft

    H. Kraft

    Dies ist eine traurige Meldung, die jetzt aus
    Köln kommt.
    Es ist aber auch leider eine Zeiterscheinung,
    dass in unserer Medienlandschaft, die ja fast
    nur auf Computer, Handy usw. ausgerichtet ist,
    wenig Interesse für eine solche Art von Bibliophilie
    bei der jüngeren Generation besteht.
    Auch ein Mitgliederschwund ist in diesen
    Gesellschaften zu bedauern.
    Die ,Liebe zum Buch` sollte sich daher schon
    im Elternhaus und den Schulen entwickeln.
    Das Lesen von Büchern hat in der Gegenwart
    einen anderen Stellenwert als noch vor zwanzig
    Jahren.
    Eine kleine Anregung:
    Es wäre zu überlegen, ob nicht auch in den
    Buchhandlungen oder in größeren
    Antiquariaten für diese bibliophilen
    Vereinigungen geworben werden könnte.
    Aber auch in Bibliotheken wäre ein
    Flyer oder ein Hinweis möglich.
    Ein Programmheft an der Ladentheke in
    der Buchhandlung ist für aufmerksame
    Leser/Leserinnen dort gut sichtbar.
    Gerade am Sitz dieser bibliophilen
    Gesellschaften ist dies doch wünschenswert.
    H. Kraft, München

  • Hartmut Erlemann

    Hartmut Erlemann

    Richtig. In der Kreisbibliothek Ost-Holstein und in der Landesbibliothek Eutin liegen die Flyer für die Maximilian-Gesellschaft aus.

    Selbst während der letzten Antiquariatsmesse Amsterdam habe ich ein neues niederländisches Mitglied für die Maxi-Gesellschaft begeistern können.

    Die betagten Damen und Herren, zu denen ich auch gehöre, sollten nicht jammern, sondern Aktivität zeigen.

    So gibt es durchaus junge und intensive Sammler um 25-35 Jahre alt, die erhebliche bibliophile Interessen haben, aber eigenttich nicht wahr genommen werden.

    Die Altvorderen sollten sich anpassen an die junge Sammler-Generation, nicht umgekehrt. Wer eine Familie gründet, ein Eigenheim erwerben will, muß seine Mittel einteilen, falls nicht ein größeres Erbe vorliegen sollte.

    Dieses Potential gilt es auszuschöpfen. Nur: Es wird nicht gemacht. Die Durchbrechung verkrusteter Strukturen, weil es immer schon so war, fällt schwer.

    Da muß ich die Pirckheimer und den Leipziger Bibliophilen-Abend loben. Mit wenigen Mitteln werden Aktivitäten kreiert, die bewunderungswürdig sind und meinen vollen Respekt verdienen.

    Sind die Wessies Luschen?

  • krämer

    krämer

    Die Bibliophilie hat ihren inneren Sinn aus dem Inhalt der Bücher. Der Inhalt, und die Zugangsmöglichkeit, wurde geliebt. Bibliophilie war ein Synonym für Philosophie.

    Nicht nur, wie heute, seltene alte Bücher, sondern jedes Buch war wertvoll, im Sinne von teuer, für diejenigen, die sich solch ein Buch, oder eine wenigstens kleine Bibliothek leisten nicht konnten, und zum Inhalt des Buches keinen Zugang hatten.

    Aus dieser Zeit stammt die Wertschätzung von Büchern, und die Bibliophilie.
    Auch die Bibliotheken sind Institutionen gewesen, um sehr teure Bücher öffentlich vielen zugänglich machen zu können.

    Der Zugang zu Büchern war gleichbedeutend, mit dem Zugang zu Bildung.
    Was ist von Bibliophilie, als von der Liebe zum Inhalt von Büchern, also von Philosophie, noch?

    1. Liebe zu Büchern, deren Inhalt zu schwierig ist, aber solcher Inhalt wird trotzdem geachtet, und statt daß man den Philosophen Kant liest und studiert, wird, ein Lederrücken einer Erstausgabe gestreichelt.

    2. Liebe zu Büchern, deren Inhalt man kennengelernt hat, und wünscht sich auch ein repräsentatives Exemplar. Wer Schopenhauer wirklich studiert hat, zahlt, soweit das Geld dafür da ist, für eine Erstausgabe sehr viel.

    3. Generelle Wertschätzung des Inhaltes von Büchern, und diese Wertschätzung ist repräsentiert durch seltene alte Exemplare, oder edle Ausstattung usw.

    4. Keine Wertschätzung des Inhalts, sondern Liebe zu Büchern, weil diese als wertvoll gelten, im Sinne von Wertanlage, von Kapital, wie Aktien, Häuser, Edelsteine.

    5. Bibliophilie als Liebe zur Buchdruck-, und Buchherstellungskunst. Wie die Liebe zu den mittelalterlichen Kathedralen.

    6. Bibliophilie als Ausdruck von Kleinbürger-Intelligenz.

    7. Bibliophilie als Protest gegen die neueren Formen von Informationsspeicherung und -Vermittlung.

    Diese 7 Varianten von Bibliophilie wird es sicher auch in Zukunft weiter geben, und es hat nichts mit dem Alter zu tun, daß nur alte Menschen Bibliophile würdenn. Aber das Alter versteht es mehr, Bücher als Repräsentanten, als Symbole geistigen Lebens zu schätzen, als junge Menschen.

    Was für das Antiquariat sicher allgemein ungünstig ist, Bücher verlieren ihren Status als sichere Wertanlage. Für Sammler, die viel Geld investieren, ist das ein entscheidender Punkt. Der Grund dafür ist, daß die Büchermacher, und oft auch Schreiber, den Inhalt von Büchern verachten, und nur auf den Profit zielen.

    Andererseits, ist der Inhalt, der doch das eigentlich zu liebende ausmacht, auch in Billigausgaben, als Gebrauchtbuch, in der Bücherei umsonst, digitalisiert im Internet, verfügbar.

    Die Wertschätzung des Inhalts löst sich vom klassischen Buch, womit die Wertschätzung des Buches als Vermittler geistigen Lebens zurückgeht, womit eine spezialisierte Überbetonung von Austattung, Seltenheit usw. verbunden ist, und andererseits, die Personalunion von Bibliophie und Philosophie sich in Luft auflöst.

  • krämer

    krämer

    Und für die Literatur als Kunst, Dichtung. Bei den Romanen ist ein gedruckter Foliant noch plausibel, aber muß ein Gedicht von Hölderlin in gedruckter Form vorliegen?

    Muß nicht ein Gedicht von Hölderin im Gedächtnis, auswendig gelernt, da sein. Und braucht es nicht dafür kein Buch, nicht mal Papier, die mündliche Überlieferung würde genügen, und, würde der Dichtkunst weit gerechter werden.

    Dichtung ist nicht an das geschriebene und gedruckte Wort gebunden, sondern an Sprache, und Sprache ist wesentlich mündlich. Für die Kunst ist die Fixierung im geschriebenen Wort, sicher eine Herausforderung, und macht neue und andere Kunst, die es ohne die Schrift, und den Druck nicht gäbe. Aber das ist Modernität, nicht höhere Kunst, andere, gegenüber dem gesprochenen Wort.

    Albernes Getue um Erstausgaben, von Dichtern, und Wertsteigerung, durch Signierung. Das ist wertloser Ersatz für Manuskripte. Die Manuskripte mögen wohl wertvoll sein, gehören aber nicht in die Hand von Antiquariaten, die auf Profit aus sind. Der Handel mit sowas ist etwas, was nichts mit Bibliophie zu tun hat, sondern mit gemeinen Geschäftsinteressen. Und auch die Sammlung von sowas, hat nichts mit Bibliophilie zu tun, in jedem Fall ist es besser, solche Objekte wegzugeben, in die Hand von Bibliotheken und anderen Institutionen, die solche Kulturerzeugnisse "artgerecht" lagern und pflegen, statt daß Reiche rumprotzen mit seltenen Büchern aus dem Mittelalter, und sie dabei ruinieren. Das ist *keine* Bibliophilie. Und Antiquariate, die auf solche Kunden schielen, werden geführt, nicht von Bibliophilen, sondern von gemeinen Händlern, in einer Reihe, mit den Büchermachern, und, Schreibern, um des Profits willen, am Markt.

  • krämer

    krämer

    Solche Sicht ist unerfreulich, obwohl sie leider im wesentlich zutrifft.
    Daher, muß nachgefragt werden, was heißt eigentlich Bibliophelie?.
    Kurzer Prozeß, solche Vereine von Bibliophilen, es könnte auch sehr detailiert studiert werden, Kleinbürger, an einem Gegenstand, d.i. Buch, Bibliophie, sich gegenseitig, Wichtigkeit, und Geist, zu bestätigen.
    Bibliophelie muß neu bestimmt, werden, darauf deuten die Statements hin, daß ein Unterschied sei, zwischen jungen und alten Menschen, und auch eventuell regional, die Bayern kapierens besser, als Bremer.
    Daher, der Unterschied, zwischen, Liebe zur Kunst, und Bibliophie, müßte zusätzlich heraus gerarbeitet werden.
    Freilich auch Religion, das erste gedruckte Buch in Deutschland war die Lutherbibel.

    Was meint Bibliophelie, hm, das ist speziell.
    Wie es Hobbies gibt, in Terrarien kleine Krokodile zu züchten, im Aquarium kleine Zuchtfische sich tummeln, *Marginalisierung- Chance, für viele nicht. Rosen züchten oder Bücher sammeln.

    Bibliophelie, ist daher wie am Ufer den Granitbrocken streicheln, und zu Haus, einen Stein auf dem Fensterbrett, und auch streicheln, und das Streicheln am Meer war umsonst, Streicheln des Brocken am Fenster, mußte erst gekauft werden, 5000 EUR, und wenn Besuch kommt, wird extra gestreichelt, vorher, dabei, oder nachher.


  • krämer

    krämer

    Wahre Liebe ist selbstlos, liebt den Gegenstand, und nicht sich selbst. Der Bibliophiele liebt also Bücher selbstlos, und nicht sich selbst als Liebender.

    Welche Bücher liebt er? Alle, als Bücher, oder nicht alle, als besondere Bücher, er liebt Bücher, die nicht wie andere Bücher sind.

    Der Bibliophile liebt Bücher, diese Bücher, aber andere liebt er nicht, er unterscheidet, zwischen liebenswerten Büchern, und solchen, die es nicht wert sind.

    Ah, wo ist der Unterschied.

    Ich kenne *keinen* Unterschied, der beachtenswert wäre, außer mit Bezug auf den Inhalt.

  • Hartmut Erlemann

    Hartmut Erlemann

    ad 3 & 4

    Sehr geehrter Herr Krämer,

    Mir kam es nur darauf an, auf derzeit bestehende existentielle Probleme der Bibliophilen Gesellschaften hin- und einfache Lösungsmöglichkeiten aufzuweisen.

    Der Beitrag von Herrn H. Kraft war wertvoll und hat Anregungen gegeben. Ihre beiden Kommentare hingegen schaffen zu viele Barrieren, setzen zu viel voraus, weil Sie den 3. vor dem 1. Schritt verwirklichen möchten.

    Ende Januar werde ich zur Stuttgarter Messe anreisen. Die Termine sind eingeschränkt. Ob ich hingegen in Stuttgart im Literaturhaus einen Termin zur öffentlichen Diskussion so kurrzfristig ansetzen kann, scheint mir zweifelhaft.

    Bitte schicken Sie mir einfach eine -e-mail.

    Hartmut Erlemann




  • krämer

    krämer

    Soweit es nicht auf den Inhalt ankommt, sondern um das "Drumherum", das gehört in die Hände nicht von Sammlern und Antiquaren, sondern von Bibliotheken, die das historische Erbe bewahren, und schützen.
    Auch einzelne Sammler können solche Funktion wahrnehmen, aber gewiß nicht mit Bereicherungsabsicht, oder Spekulation auf Veräußerungswert.
    Man könnte das im Detail näher erörtern, aber es ist schon klar, "Bibliophelie", als Titel von Sammlerleidenschaft, sagt heute nichts mehr, ist Phrase, eitle Phrase meist, und für die jüngere Generation was wirklich albernes, und *dummes*.

  • krämer

    krämer

    ad 7:

    Sehr geehreter Herr Erlemann,
    ich hatte nicht die Absicht, die Aussage von Herrn Kraft zu kritisieren, sondern hatte, meinen eigenen Senf abgelabert.
    Was aber doch unterschieden werden muß, der Unterschied zwischen Lesekultur, und Bibliophilie.
    Auf für Herrn Kraft war es nur ein Anlaß, ein Statement zu machen.
    Wenn er sagt, die junge Generation liest zu wenig, und stattdessen zuviel Fernsehen, Internet, usw., dem will ich nicht widersprechen, und junge lesen zu wenig, aber das muß doch abgegrenzt sein von Bibliophelie im herkömmlichen Verständnis.
    Für Jugendliche und junge Erwachsende ist die Buchform wirklich von sehr großen Wert, im Kontrast, zur direkten Peergroup, den Eltern, Lehrern usw., aber auf der anderen auch gegenüber Fernsehen, Internet, Handy, hat das Buch einen besonderen Wert.
    Aber ich möchte doch bitten, das nicht in einen Topf zu werfen, mit herkömmlicher Bibliophilie, die nun doch wirklich, außer als Randphänomen, an Bedeutung verliert, und auch nicht weiter förderungswürdig ist, im Gegensatz zu dem Bemühmen, junge Menschen zu motivieren, Bücher zu lesen, statt TV zu glotzen usw.

  • OW Plocher

    OW Plocher

    Lieber Herr Krämer,

    erlauben Sie mir, zu Ihren Ausführungen folgendes anzumerken:

    Ihre Phänomenologie der (vergehenden) Bibliophilie verdiente es, länger ausgeführt zu werden, wenn auch nicht an diesem Orte, und sei es nur, um der Nachwelt eine taxonomische Hilfestellung an die Hand zu geben für einen von Aussterben bedrohten Artenschwarm, den Linné nicht kannte. In der Tat ist der Antiquar, der sich nicht auf ein schmales Segment, auf eine begrenzte Vertriebsart beschränkt, mit vielfältigen Formen der Bibliophilie –als Vollendung oder Surrogat inhaltlicher Aneignung, als Platzhalter oder Erfüllung bürgerlicher Lebens-Utopie– konfrontiert. Alles nur zu wahr.

    Die zunehmende breite Entkoppelung der Bibliophilie von der Lebens“philosophie“ potentieller Leser und Sammler wird von Ihnen angedeutet, aber nicht ganz kraftschlüssig abgeleitet. Es wäre auch dárüber einijes zu sagen. Nur so viel an dieser Stelle: Ihr Hinweis auf die Ablösung des „Textes“, des „Semantischen“, Inhaltlichen und Bedeutungstragenden vom Medium Buch zeigt meines Erachtens die Richtung an. Diese Ablösung ist in „traditionellen“ Gesellschaften tatsächlich wohl weniger fortgeschritten als in betont modernen (Ihr Beispiel Bayern-Bremen ist allerdings bezeichnend und vielfach treffend). Daß Bibliophilie keine Chance hat, wenn sie zu einem „Orchideenfach“ wird, zum teuer bezahlten und nur von Wenigen begriffenen Exotismus, leuchtet ein: Auch für mich führt der Weg zum geliebten Buch über das Wort, das „sie sollen lassen stahn“. Wenn man sich jahrelang mit einem geliebten Autor befaßt hat, empfindet man es ja als geradezu lächerlich, für eine Originalausgabe nicht mehr als beispielsweise 500 Euro zahlen zu sollen.

    Das Problem unserer realen Akademikergesellschaft ist aber, daß dies keineswegs mehr so gesehen wird, sondern im Gegenteil recht sparsam geschaut wird, wenn es gilt, sich den physischen Repräsentanten des geistig Erarbeiteten zu nähern. Unvorstellbar, ein Bändchen für 500 Euro zu erwerben; hingegen Winterreifen oder Plasamfernseher (und auch Weinfläschchen) gerne dreistellig kosten dürfen. Hängt dies mit dem auch in Akademiekreisen zunehmenden „professionalisierten“, wenig „inspirierten“ Umgang mit dem gedruckten Wort zusammen?

    Schon zu meiner Studienzeit (1988-93) war der Typus des Wissenschaftlers als akademischen Verwalters, der seine Arbeit ökonomisch zu optimalisieren verstand, auch in der philologischen Sparte teilweise etabliert. Man fuhr mit einem geleasten Kleinwagen für 8-10 Stunden (falls ein Professorentitel angestrebt wurde, für 12 Stunden) in die Universität und spulte sein intellektuelles Pensum ab. Unvorhergesehene Ausgaben evozierten flexible Taktiken: Kam das Kind zwei Monate zu früh, wurden die Reifen auf Stahlfelgen runderneuert und der Italienurlaub verschoben. Von Büchern war da in den allerseltensten Fällen überhaupt die Rede. Das Leben war bis ins Detail abgezirkelt. Zu diesem Typus zählen für mich auch Historiker oder Kunstwissenschaftler, die ihre Wohnungen mit Iiiiikea einrichten und mit Kunstdrucken vollhängen, ohne je auf die Idee zu verfallen, einmalig ein paar Tausend Euro in heute übrigens mehr als wohlfeile Antiquitäten zu investieren.

    Übrigens war gerade in diesen Kreisen der Ruf nach einer besseren Ausstattung der Bibliotheken (und der Ruf nach „günstigen Neuausgaben“ à la Zweitausendeins) an der Tagesordnung. Wenn ich einen Band über die Bibliothek nicht bekam, habe ich alles daran gesetzt, ihn zu kaufen; meine Kollegen machten Eingaben beim Fachreferenten auf Mikroverfilmung oder Fotokopie. Eine Verknappung, nicht ein beliebiges Auslaichen gedruckter Ressourcen for nothing täte vielleicht einmal wieder Not, ist aber in keiner Weise mehr zu befürchten, nicht zuletzt qua Digitalisierung. Die Früchte hängen nicht nur nicht mehr hoch, sie liegen schon lange zertreten im Matsch. Dies erzeugt Desinteresse.

    Was Ihren Passus hinsichtlich der Autographen und ihrer besserer Aufbewahrung in Bibliotheken angeht: Da bin ich gänzlich anderer Meinung, obwohl meine Liebe dem Unikat gar nicht so sehr gilt. Autographensammler halten wenigstens die Suppe am Köcheln, die in Archiven & Bibliotheken kalt & sauer wird, und verteilen gelegentlich zur allgemeinen Freude Kulturgüter noch einmal um und rücken sie damit in ein öffentliches Bewußtstein – den eventuell dahinterstehenden Fetischismus oder den Willen zur Spekuklation beurteile ich äußerst milde. Gerade über den Weg des Authentischen, des Unikalen, lassen sich bislang buchferne Gruppen an die Faszination des Sammelns und der Beschäftigung mit alten Drucken heranführen. Daß Anfangsmotivationen unrein oder wenig differenziert sein mögen: geschenkt.

    Ich halte es einstweilen wie immer und kaufe wie ein Schiffbrüchiger um mich mit größter Freude & Lust, aus Übertreue gegen das Wort, aus Gier nach dem Fanfarenklang vergangegener Tage, weil ich einfach eine Freude am Lesen habe, oder was weiß denn ich.

    Vor dem Züchten auch nur kleiner Krokodile in Terrarien warne ich aus gegebenem Anlaß allerdings nachdrücklich.

    Beste Grüße Ihr OW Plocher

  • krämer

    krämer

    Sie sind guter Mensch, lieber Herr O.W.Plocher, ein guter Mensch, kein Krokodil.

    Im letzten Spiegel gab es ein Interview mit dem Economist-Macher, und er sagte, das Zeitalter der Massenintelligenz sei angebrochen. Kann schon sein, was die Analyse betrifft, aber praktische Intelligenz ist seltener.

    Was Herr Kraft einfordert, für die junge Generation, um das zu verwirklichen, junge Menschen, für, wenn nicht für das alte, antiquarische Buch, und herkömmliche Bibliphilie, wenigstens generell für das Buch wieder mehr zu begeistern, für den *Inhalt* von Büchern, und für die besondere Form der Rezeption, die Bildung durch das Lesen, im Unterschied zu anderen Medien, und im Kontrast, Ergänzung zum lebenden Vis-a-vis, dafür bräuchte es *praktische* Intelligenz.

    Vielleicht muß sich Bibliophilie neu erfinden, und ich hoffe, das Buch wird sich als ein höchst wertvolles, und besonders für die Jungend, für ihre Bildung, unersetzbares Medium (sowohl nach der Art der Niederlegung, als auch die Rezeptionsform) neben den neueren, modernen, behaupten können.


  • Antiquariat Marcus Haucke, Berlin

    Antiquariat Marcus Haucke, Berlin

    Bibliophilie heute. Natürlich ist Bibliophilie eine philosophische Form. Philosophie kann jedoch von Erkenntnis beherrscht werden oder von Ästhetik. Ästhetik kann das Erhabene oder das Lächerliche favorisieren oder eben den grotesken Spagat zwischen beiden. Für mich kann das Lehrbuch auch bibliophil sein, doch sucht die Lehre das Methodische festzuhalten, das Organische, die lebendige Kunst oder der vielfältige Geist indessen, mit Witz und Kritik sucht nicht nur den Gehalt, der Feingehalt ist Ziel dieser Liebe (Bibliophilie d.h. Buchliebe).
    Dies ist nur die Einleitung zum Widersprechen gegen die Phobie des Herrn Krämer, die er gegen Handelsleute als Sachwalter des Bibliophilen hegt. In einem genialen Satz, der nur aus Nebensätzen besteht, fand ich eine gute Fürsprache:

    „Wie ich denn immer bemerkt habe, daß mit Geschäfts- und Weltleuten, die sich gar vielerlei aus dem Stegreife müssen vortragen lassen und deshalb immer auf ihrer Hut sind, um nicht hintergangen zu werden, viel besser auch in wissenschaftlichen Dingen zu handeln ist, weil sie den Geist frei halten und dem Referenten aufpassen, ohne weiteres Interesse als eigene Aufklärungen; da Gelehrte hingegen gewöhnlich nichts hören, als was sie gelernt und gelehrt haben und worüber sie mit ihresgleichen übereingekommen sind.“

    Dieses Weltwunder von einem Satz widerspricht jeder Satzlehre, er ist von Goethe und nicht nur deshalb richtig und gut.

  • krämer

    krämer

    Und wem das was sagt: Goethe war *kein* Bibliophiler. Gesammelt hat er Steine.

  • mw203

    mw203

    War er nicht auch - ausgerechnet, lieber krämer! - einer der ersten Autographensammler?

    Beiträge wie Nr. 10 von Herrn Plocher würde ich gerne öfter hier lesen.

  • krämer

    krämer

    Das stimmt, genauso wie er sich für Physiognomie interessiert hat, zu Studienzwecken, lesen aus dem Buch der Natur.

  • krämer

    krämer

    Und falls sich andere noch auf Goethe möchten berufen wollen, kann das nur noch ein weiteres Eigentor geben.

    Zu dem Statement von Herrn Plocher kann noch angemerkt werden, daß die Kritik an den akademischen "Stuhl"-Inhabern so ihre Tradition hat, und fortgesetzt werden sollte.

  • krämer

    krämer

    Gegen eine Bibliohilie, ganz allgemein, gibt es doch keine Einwände, genauso, wie niemand dagegen ist, daß Bücher gedruckt werden.
    Zum Sammeln gehört aber die Wertschätzung, und wenn es nicht der Inhalt ist, dann muß es etwas anderes sein, was geschätzt wird, und beim Sammeln kommt es auch darauf an, daß der Wert *steigt*.
    Nehmen wir mal als Beispiel die stw-Reihe von Suhrkamp. Wer sammelt denn sowas. Das können nur Esel sein, die sowas sammeln.
    Wer nur wenige dieser vom Inhalt her, schwer bekömmlichen Stücke studierte, und außerdem weiß, daß der Verlag, ohne Ende, nachdruckt, der macht jedenfalls als ein Geschäftsmann, der außer der Liebe, zu Wissenschaft und Kunst, auch sein Einkommen braucht, einen weiten Bogen um diese stw-Reihe.

  • krämer

    krämer

    Der Vorteil von des Sammelns von Telefonkarten, die seltenen natürlich nur, ist darüber hinaus, daß die alle hübsch säuberlich in einen Plastiksammel-Album 16er. staubfrei, und mit Vorzeige-Option, reinpassen,

    und was oben angedeutet wurde, daß die jüngere Generation, häufiger umzieht, auch das spricht gegen eine allzu fette Bibliothek, die Staub sammelt, aber nicht genutzt wird.

  • krämer

    krämer

    tja, ist schon e bisserl depriemierend. Aber, wollen wir jetzt übergehen zu den zeitgenössischen Kreativen, den Kulturschaffenden, Schreibern, und Dichtern.

    Och nö, laß mal lieber.

    Hm, die Harke reißen ist keine Kunst. Aber ganz allgemein, wäre es nicht zu begrüßen, wieder mehr zu lesen, anstatt selber zu schreiben?

    Fehlt es nicht an diesen, die lesen? Und die *nicht* schreiben, oder aus anderen, edleren Motiven, schreiben, die *nicht* drucken, außer aus andern, edleren Motiven, fehlt es an diesen?

  • Hartmut Erlemann

    Hartmut Erlemann

    ad 19:

    Lesen, betrachten, bibliographieren, auswerten, zusammen stellen.

    Kein theoretisieren, esoterische Disputationen, essayistisches Geschwafel zur Selbstdarstellung.

    Der Handwerker und Praktiker ist gefragt.: Friedrich Pfäfflin legt mit seiner neuen Dokumentation über einen jüdischen Jugendverlag aus Stuttgart wieder ein herausragendes Dokument mit detaillreichen bibliographischen Informationen vor. Das ist Fakt.

    Dem hilft das "sprachgewaltige", philosophische Geplänkel der sogenannten Anhänger der Frankfurter Schule nur wenig ab, die mit intellektuellem Habitus schwadronieren, aber eigentlich nichts bewirken, außer Langeweile.

    Provokativ formuliert.

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