"Axolotl Roadkill“

"Helene Hegemann hat ein beeindruckendes Buch geschrieben"

Im Fall Hegemann meldet sich nun noch einmal Ullstein-Verlegerin Siv Bublitz zu Wort. In einer Mitteilung heißt es: "Wie bereits angekündigt, hat der Ullstein Verlag nun nachträglich Abdruckgenehmigungen für bislang nicht genannte Quellen des Romans „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann eingeholt."

Helene Hegemann

Helene Hegemann © Sören Stache

Hier die Mitteilung im Wortaut:

"Ein entspre­chendes Quellenverzeichnis wird der nächsten Auflage beigefügt. Allen Rechteinhabern, insbesondere dem SuKuLTur Verlag und seinem Autor Airen, danke ich für die faire und schnelle Reaktion auf unsere Anfrage. Dafür, dass diese Anfrage erst so spät erfolgte, möchten wir uns bei ihnen und bei den Lesern entschuldigen.

Die Quellen nicht schon in der ersten Auflage des Buches zu nennen, war ein Versäumnis, das Verlag und Autorin bedauern. Deshalb den gesamten Roman unter den Generalverdacht des Plagiats zu stellen und seinen literarischen Wert zu bestreiten, halte ich jedoch für völlig inakzeptabel. Helene Hegemann hat ein beeindruckendes Buch geschrieben, das von zahlreichen Rezensenten und Lesern mit guten Gründen gewürdigt wurde. Dass die Autorin jung ist, gibt niemandem das Recht, ihr die Selbstbestimmtheit als Schriftstellerin abzusprechen. Anhand dieses Buches werden mittlerweile Fragen verhandelt, die mit dem Text nichts mehr zu tun haben und ihn auch gar nicht in Betracht ziehen.

In den vergangenen Tagen wurde viel über die Motive des Ullstein Verlages spekuliert, diesen Roman zu veröffentlichen. Ich selbst habe den Grund dafür häufig genannt, auch öffentlich und bereits bevor das Buch ein Erfolg wurde: Es ist einer der besten und ungewöhnlichsten Texte, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Dass viele Kritiker diese Ansicht teilen, hat mich gefreut. Dass viele Menschen den Roman lesen wollen, auch. Leser für gute Bücher zu finden, ist in meinen Augen die wichtigste Aufgabe eines Verlages. Doch lässt sich eine so vielstimmige Begeisterung wie für „Axolotl Roadkill“ nicht vorhersagen oder gar inszenieren. Unsere Vermittlung bestand in seriöser Pressearbeit, einem Trailer für das Buch im Internet und einigen Anzeigen. Eine Buchpräsentation folgt erst noch.

Die öffentliche Aufmerksamkeit, die einem Roman zuteil wird, ist weder ein Argument für seine Qualität noch dagegen. „Axolotl Roadkill“ ist ein gutes Buch, und es spricht für sich."

 

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22 Kommentar/e

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  • Benjamin Schneider

    Benjamin Schneider

    Sehr geehrte Frau Bublitz,
    niemand spricht der jungen Autorin die Selbstbestimmtheit als Schriftstellerin ab. Jedoch stehen folgende Sachverhalte fest: Frau Hegemann hat sich bei einem anderen Autor bedient, ihr Verlag hat es nicht bemerkt, obwohl das mit einer großen Suchmaschine einfach und schnell zu bemerken gewesen wäre. Die Internet-Öffentlichkeit hat die Anverleibung aufgedeckt und nun ein Recht darüber zu diskutieren. Frau Hegemann hat behauptet , dass Buch Strobo von Airens nie gesehen zu haben, und das ist nach unserer Recherche vermutlich falsch. Unsere Redaktion (Frühnachrichten) sprach mit Frank Maleu, einem der Herausgeber des SuKultur-Verlages, in dem der Roman ‚Skobo’ erschienen ist. Maleu bestätigte, dass am 28.08.2009 über den Amazon-Account des Vaters von Helene, Carl Hegemann, ein Strobo-Buch an Helene Hegemann versandt wurde, die Autorin also mit großer Wahrscheinlichkeit Auszüge auch aus dem Buch ‚Skobo’ genutzt hat. All dies berechtigt darüber zu spekulieren, ob das Buch ein Plagiat oder vielleicht doch ein großer Wurf aus ihrem Hause ist. Wir werden das Thema mit Spannung verfolgen.

  • Tintenhexe

    Tintenhexe

    Peinlich, einfach nur noch peinlich.
    Auch die Nominierung für den Preis der Leipziger Bucmesse. »Autsch«

  • Joachim Bartholomae

    Joachim Bartholomae

    Zwei Aspekte sollte man auseinanderhalten: (1) Das Plagiat betrifft die Frage der Qualität des Texts in keiner Weise, allenfalls wäre ebens Airens der korrekte Adressat des Lobs. (2) Es handelt sich insgesamt um einen völlig überschätzten Text, von wie vielen Autoren er auch verfasst sein mag.
    Es ist seit längerem auffällig, wie sehr das Feuilleton sensationelle oder zumindest ausgefallene Plots zu Kunstwerken hochstilisiert, ohne der literarischen Dimension auch nur annähernd gerecht zu werden; die letzten zwei Buchpreise sind starke Indizien für dieses Missverhältnis.

  • leser

    leser

    Ullstein will literarischer werden - diese Ankündigung war hier mal zu lesen. Wenn das so aussieht, sollte der Laden lieber so bleiben, wie er war.

  • Kai Schwichtenberg

    Kai Schwichtenberg

    Schade, dass die Leipziger Jury mit der Nominierung von H.H. jetzt auch in diesem Bereich die Genration Copy+Paste (und zu mehr kann doch die Autorin gar nicht in der Lage gewesen sein, wie es scheint) in ihrer Quellenarbeit quasi legitimiert. Mal sehen was für "aufregende", "brillante", "reife" Werke uns da in Zukunft erwarten...

  • Benjamin Schneider

    Benjamin Schneider

    Unsere Redaktion Frühnachrichten berichtet, dass neue Plagiatsvorwürfe erhoben werden. Der deutsche Regisseur Benjamin Teske hat zwischen seinem Kurzfilm “Try a Little Tenderness“ und einer Kurzgeschichte von Helene Hegemann, die im Magazin “Vice” abgedruckt wurde, frappierende Ähnlichkeiten festgestellt.

  • Jörg Jahn-Meyer

    Jörg Jahn-Meyer

    tja... da sollte ullstein wohl lieber konsalik, simmel und marie-louise fischer auflegen.... vielleicht findet sich ja auch bohlen, sido, bushido, oder medlock für ein buch :-)
    eines ist schön... werbung ...auch wenn sie negativ sein mag, wird auf dieser plattform und auf anderen präsenzen genug geliefert... tja... wenn man das bezahlen müsste....
    ein freifahrtsschein für copy-ullstein-hegefrau?

  • Bastian H.

    Bastian H.

    Big Brother Guugel : "xy = Name des Jurymitglieds" plus " Name des Vaters"

    Wer soll das denn noch ernst nehmen?
    Man schaut seit Tagen nur noch ungläubig zu, wie sich ein ganzer Berufsstand ins Aus manövriert.

  • saguenay

    saguenay

    Wie meinte einer meiner Profs einst in grauer Vorzeit: "Marketing ist, wenn Sie sich irgend einen Harakiri mieten, der sich vor Ihrem Büro den Bauch aufschlitzt, damit die Firma ins Gespräch kommt".

    Nach diesem Prinzip wird jetzt anscheinend auch Buchmarketing betrieben. Das nächste Buch von HH dürfte sich jedenfalls genauso gut wie der "Roadkill" verkaufen, schon allein deshalb, weil Tausende von Leuten wissen möchten, wo sie diesmal abgeschrieben hat.

    Aber wer weiss, vielleicht erhalten auch unsere Forumsbeiträge auf diese Art und Weise die höheren literarischen Weihen, erscheinen im kommenden Jahr im Ullstein-Verlag und bekommen auch noch einen Buchpreis nachgeworfen. Obwohl sie für Leute, die lieber über Sex, Drogen und Todessehnsucht Bücher lesen, anstatt das einfach mal zu machen, mit Sicherheit nicht so perfekt geeignet sind.

  • 81westley

    81westley

    Eine Meinung zum Thema Plagiat kann man haben, man kann darüber schimpfen und das der Autorin ankreiden. Kein Thema.
    Aber diese Art von persönlicher Beschimpfung bis hin zum Aussehen der Autorin disqualifiziert die Diskutierenden. Das ist daneben, unseriös und unsachlich. Bleibt beim Thema oder lasst es sein und haltet die Klappe.

  • Blindfisch

    Blindfisch

    @10
    Wo habe ich die persönlichen Beschimpfungen und Beleidigungen hinsichtlich des Äußeren überlesen?

  • Tintenhexe

    Tintenhexe

    Ja, Blindfisch, das hatte ich mich auch schon gefragt. Hier geht es doch sehr gesittet zu, wie ich finde. Kein Vergleich zur Diskussion bei Twitter.

  • 81westley

    81westley

    @ 11 und 12:
    Das liegt daran, dass hier:
    1. gut: solche Beiträge zensiert, sprich gelöscht werden.
    2. schlecht: dieses ohne Kommentar erfolgt.

  • Manfred Keiper

    Manfred Keiper

    Zur Kultur der Diskussion:
    81westley, was ist das für eine Denunziantennummer: Sich anonym hinter Fantasienamen zu verbergen, anderen vorzuwerfen, sie seien unseriös und unsachlich, ohne dafür Belege zu liefern, und wenn diese eingefordert werden, dann auch noch unbelegte Behauptungen aufzustellen. Das ist ein etwas höherer Gipfel an UNsachlichkeit und Unseriosität - da wäre man doch froh, wenn das wegzensiert worden wäre.
    Zum Gegenstand der Diskussion:
    Ich habs nicht gelesen, dier ersten Hype-Meldungen haben mich noch mehr abgeschreckt, doch die Affäre wird irgendwo zum Politikum, wo die Frage des Copyrights zur Farce degradiert wird.
    Copyright im Internet; Bücher, EBooks, die Opfer von Piraterie werden - die heißen Diskussionsthemen der Branche. Hier ist ein Internetblogger offenkundig Opfer von Buchpiraterie geworden. Also, wie ist das jetzt mit dem Urheberrecht? Außerdem:
    Bei kleineren Verlagen hinterher Abdruckgenehmigungen einzuholen, vorher bei Konzernverlagen aber sehr wohl daran zu denken - das gibt einen ganz schlechten branchenpolitischen Beigeschmack.
    Und das Buch wird kräftig weiterverkauft! Da verstehe ich aber einiges nicht!
    Es wäre doch eine Sache des Anstands, das Buch bis zur Klärung der Umstände erst einmal vom Markt zu nehmen - oder ist das Ganze von allen Seiten nur inszeniert worden, um ein x-beliebiges Buch für Käufer interessant zu machen, die es sonst links liegengelassen hätten.
    Ich vermisse in der Diskussion die Bereitschaft zur Aufrichtigkeit!
    Schönen Abend noch allerseits

  • Jürgen Frey

    Jürgen Frey

    Bei dem ganzen Sachverhalt bekomme ich echt die Krise! Vor allem wenn ich sehe, wie erbärmlich sich der Verlag oder Hegemann herumwinden. Aber wie immer: das Sein bestimmt das Bewusstsein.

    Ob Frau Hegemann auch so "cool" bleibt, wenn ihre Bücher unter einem anderen Namen "weitergeshared" werden?

    Wahrscheinlich schon, denn für sie als Vorreiterin des ach so coolen und selbstgerechten "Copyandpastiismus" haben ja schon diejenigen, bei denen sie sich schamlos bedient, "Blut, Schweiß oder Tränen" beim Schreiben vergossen.

  • Thomas Knip

    Thomas Knip

    Es ist schon interessant, wie der Ullstein Verlag sich weiterhin öffentlich selbst demontiert und sich dreht und windet, um diesem unhaltbaren Zustand auch noch eine kulturell wertvolle Note abzugewinnen.

    Es bleibt peinlich, und es wird nicht besser ...

  • 81westley

    81westley

    @Manfred Keiper
    "was ist das für eine Denunziantennummer: Sich anonym hinter Fantasienamen zu verbergen, anderen vorzuwerfen, sie seien unseriös und unsachlich, ohne dafür Belege zu liefern,"

    Wie soll ich denn Belege liefern, wenn hier Kommentare gelöscht werden, ohne dass ein Hinweis darauf erfolgt? Fakt ist: Es gab hier einen Kommentar, der unsachlich auf Aussehen der Autorin gerichtet war. Der hat mich aufgeregt, und gegen den habe ich geschrieben. Dass der jetzt hier nicht mehr steht, ist nicht meine Schuld, da fragen wir doch mal die BöBla-Redaktion.

    Und dass ich mich hier hinter einem Phantasienamen verberge, das ist meine Sache, damit müssen Sie leben. So ists nun mal im Internet.

  • gittakohl

    gittakohl

    Wow! Ich hab den Axolotl gelesen und bin positiv erschüttert. Helene Hegemann soll ihn wirklich haben, diesen Leipziger Preis für allerlei Literatur, denn sie hat der schreibenden und voneinander abschreibenden Zunft nicht nur mit einem Feuerchen eingeheizt, sondern gleich eine Ladung Sprengstoff eingeschleust. Bravo, HH! Das war doch mal ein Geniestreich!

  • 81westley

    81westley

    Liebe gittakohl,

    da gebe ich Ihnen fast Recht, für interessante Diskussionen hat sie immerhin gesorgt. Hätte sie vorher angegeben, von wo sie zitiert hat, wäre das ganze nicht so hochgekocht - im Gegenteil, alles wäre bestens gewesen. Aber so hat sie uns eine interessante und spannende Debatte (ja schon fast Grundsatzdebatte) geliefert. Gut, sie muss jetzt ziemlich harte Worte ertragen, aber das ist eigene Schuld. Aber der Branche hats mal wieder ein bisschen Bewegung gegeben... Den Buchpreis ist das zwar nicht wert, aber irgendwie genial ists trotzdem...

  • Petra Hennig

    Petra Hennig

    Als Verlegerin und Neumitglied des Börsenvereins des deutschen Buchhandels habe ich in den letzten Monaten wirklich viel über erfolgreiche Pressearbeit gelernt. Entweder man wirft ein Plagiat in den Markt - nützlich ist es dann, wenn der Vater der Autorin schon einen bekannten Namen hat. Oder - was auch nicht schlecht ist - man veröffentlicht die qualitativ umstrittene Geschichte eines Dreizehnjährigen in billigster Machart zum hohen Preis und macht sich mit peinlichen Statements und Videos einen Namen. Auch das hat offenbar unübersehbaren Presseerfolg, wenn der Vater des Jungautors ein ausgezeichneter Brancheninsider ist. Das Ganze wird dann als "kulturell wertvoll" hochgejubelt. Einfach vorbildlich - oder?

  • Ergänzend

    Ergänzend

    @Benjamin Schneider
    Das Buch von Airen heißt "Strobo". Nicht "Skobo". So viel zu "Recherche"....

  • Volker Hummel

    Volker Hummel

    Ich kann diese Kehrtwendung im Fall der Frau Hegemann überhaupt nicht verstehen! Erst wird das arme Schwein durch die Feuilletons, dann durchs Dorf gejagt. Es geschieht der deutschen Literaturkritik nur recht, sich mit dieser geilen voyeuristischen Art (Oah, zu schade, dass wir für diesen tollen Sex und diese tollen Drogen, die es früher nicht gab heute zu tatterig sind ...) sich mit diesem neuen Fräuleinwunder also mal ein richtig faules Ei gelegt zu haben. Zu schade, dass es einfach nicht mehr um das Buch geht, sondern nur noch um die Entrüstung vieler gutmenschelnden Buchhändler, als müssten sie Bückware anbieten und nicht ein Werk, mit dem sie noch einige Sümmchen verdienen werden. Apropos Redlichkeit: Abschreiben oder nennen wir es Collagieren war für den Ruhm etlicher Autoren, allen voran Gottfried Benn, nie ein Thema. Also DANKE Frau Hegemann, dass sie unsere lendenlahme Kritikerrepublik so aufgebracht haben! Und mit der Redlichkeit ist es nun durch den umfassenden Apparat in der vierten Auflage doch mal gut! Vivat HH!

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