Meinung

Buchtage Berlin: Es muss hin und her gehen

Wie die Branche die Buchtage gestalten sollte. Von Matthias Ulmer.

Matthias Ulmer

Matthias Ulmer © Claus Setzer

Bei meinen ersten Buchhändlertagen wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass Buchhändlertage bilden, dass man sie als Fortbildungsveranstaltung betrachten kann. Aus dem Unterschied zu den heutigen Berliner Buchtagen kann man ermessen, welcher grundsätzliche Wandel in unserem Verband erfolgt ist. Aus einem Familientreffen mit Festbankett und Rahmenprogramm rund um honorige Verbandsregularien ist eine Veranstaltung geworden, bei der die Verbandsdinge zunehmend in den Hintergrund geraten gegenüber den anderen Themen. Das ist ein gutes Zeichen, in mehrfacher Hinsicht.
Es wäre nicht möglich, wenn nicht die Präsentation der Verbandsarbeit und vor allem der immer zentralere Wirtschaftsbericht des Schatzmeisters so professionell und transparent erfolgen würden, dass kaum Fragen offenbleiben.
Es wäre nicht möglich, wenn nicht mit dem Kongress von A wie AKEP bis W wie Workshops ein immer besseres Fortbildungsprogramm angeboten würde, das Branchenmitglieder anzieht, die nicht wegen der Verbandsarbeit kommen.
Es wäre nicht möglich, wenn wir mit dem Kongress den zahlreich vertretenen Journalisten der berichtenden Medien nicht viel Interessanteres für ihre Berichte anbieten würden als die Lyrik der Verbandsthemen.
Und es wäre nicht möglich, wenn es nicht gelungen wäre, mit dem Nachwuchsparlament ein Thema mit den Buchtagen zu verbinden, das einfach mit Beharrlichkeit in den Vordergrund drängt und Aufmerksamkeit fordert.
So zieht sich das Thema Bildung durch alle Programmpunkte der Buchtage, bis zur Hauptversammlung, die aufzeigt, wie professionelle Arbeit und Präsentation aussehen kann. Und prompt steht eine neue Frage im Mittelpunkt: Wie kann Fortbildung in Berlin gelingen?
Diese Frage wurde in den Veranstaltungen und auf den Gängen häufig diskutiert. Sie gelingt nicht mit inhaltsleeren Politikerreden. Sie gelingt nur schwer mit Veranstaltungen im Frontalunterricht, die eigentlich auf Diskussion angelegt sind. Und sie gelingt nicht in Workshops, in denen nicht gearbeitet wird.
Fort- und Ausbildung ist unser wichtigstes Thema für die nächsten zehn Jahre. Und es muss allen klar werden, dass das nur sehr indirekt etwas mit vom Berufsausbildungsausschuss mühsam beeinflussten Ausbildungsplänen zu tun hat.
Es geht um gelingende Kommunikation: Wie formuliert man das, was man weiß, so, dass es andere verstehen. Wie formatiere ich die Veranstaltung, wie formatiere ich den Dialog, dass die, die etwas zu sagen haben, es auch sagen können, dass die, die sich melden wollen, das auch tun.
Wir haben auf dem Podium Leute, die etwas wissen, und im Plenum Teilnehmer, die nicht verstehen, was gemeint ist. Wir haben Leute im Plenum, die etwas sagen, ohne dass es oben verstanden wird.
Wir müssen Buchtage anstreben, bei denen sich der Nachwuchs direkt in die Diskussion einmischt, immer und überall. Und bei denen ein lebendiger Austausch und ein Verstehen zwischen Plenum und Podium hin und her geht. Und bei denen auf dem Gang weiterdiskutiert wird, was in einer Veranstaltung kein Ende finden konnte. Wenn das gelingt, dann wird zwischen Hauptversammlung, Kongress und Nachwuchsparlament im Format und Stil kein Unterschied mehr erkennbar sein. Und das große Bücherfest wird sich nur durch Nuancen der Beschwingtheit vom restlichen Fortbildungsprogramm unterscheiden. So sollten wir die Buchtage bilden.

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