Offener Brief

"Schlag ins Gesicht der unabhängigen Buchhandlungen im Sendegebiet"

Die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Buchhandlungen (AUB) wirft dem Westdeutschen Rundfunk in einem offenen Brief "einseitige und willkürliche Parteinahme zugunsten einer Buchhandelskette" vor.

Der Offene Brief im Wortlaut:

 

Sehr geehrte Frau Piel,
 
es ist ohnehin fragwürdig, wenn eine gebührenfinanzierte "Anstalt des öffentlichen Rechts" Tochterfirmen gründet, die in direkte Konkurrenz zum bestehenden Einzelhandel treten, wie es der WDR mit seiner "WDR mediagroup licensing GmbH" tut.
 
Diese Tochterfirma (Ludwigstr. 11, 50667 Köln, Postfach 10 39 51, 50479 Köln, E-Mail: Licensing@wdr-mediagroup.com, Steuernummer: 215/5492/0042 Finanzamt Köln-Mitte, Umsatzsteuerindentifikationsnummer: Köln USTld.Nr. : DE 268257114, Registergericht Amtsgericht Köln, Handelsregisternummer: HRB 3333, Geschäftsführerin: Nina Jäcker) betreibt den Internetshop www.wdrshop.de, in dem folgende Warengruppen angeboten und vertrieben werden: Bücher, CD, DVD & Video, Spielwaren, Accessoires & Schreibwaren.
 
Nicht bloß fragwürdig, sondern höchst zweifelhaft, womöglich rechtlich bedenklich wird es jedoch, wenn dieser Internetshop ein Buch von Helmut Gote anbietet, für das über WDR-Hörfunksender eine Werbung ausgestrahlt wird, in der die Erhältlichkeit des Buches wie folgt benannt wird: "Jetzt in allen Mayerschen Buchhandlungen, in wdrshop.de und überall im Handel." (Zuletzt gehört auf WDR 2 am 15.10.2010 um 13.59 Uhr.)
 
Wenn der WDR als Anstalt des öffentlichen Rechts nicht allein in Konkurrenz zum bestehenden Einzelhandel tritt, sondern sich aus dem bestehenden Einzelhandel ein einziges Unternehmen als Partner herausgreift und obendrein einen Verdrängungswettbewerb betreibenden Filialisten - dann ist das ein Schlag ins Gesicht der unzähligen unabhängigen Buchhandlungen im Sendegebiet.
 
Namens der im Sendegebiet des WDR ansässigen Kolleginnen und Kollegen des unabhängigen Buchhandels fordern wir Sie auf, diese einseitige und willkürliche Parteinahme zugunsten einer Buchhandelskette sofort zu beenden. Weitere Schritte behalten wir uns vor.
 
 
 Mit freundlichen Grüßen
 vom Vorstand AUB e.V.
 Hartwig Bögeholz
 Karin Esch
 Uwe Fischer
 Lutz Herberg
 Christian Röhrl

Schlagworte:

10 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • Kai Weber

    Kai Weber

    Bin gespannt, wie das ausgeht. Das "sofortige Beenden" wird ja wahrscheinlich nicht so ganz einfach sein, weil es bestimmt einen Werbevertrag zwischen WDR und Mayerscher gibt.

  • Leser

    Leser

    na,ich würd mal annehmen, dass die Mayersche für die Werbung bezahlt.
    Und bezahlte Rundfunkwerbung machen darf jeder, auch die AUB.
    Nur: öffentlich empören kostet weniger!

  • Lutz Herberg

    Lutz Herberg

    na, ich würd mal annehmen, dass der "Leser" für die Mayersche arbeitet. Ansonsten gilt : Werbung muss als solche kenntlich sein - ist es in diesem Fall aber offensichtlich nicht.
    Und : "öffentlich empören" kostet Engagement, Zeit und Nerven......und ist im Buchhandel leider viel zu rar.

  • Annika Biermann

    Annika Biermann

    Weiter so AUB! Zähne zeigen! Die Unabhängigen dürfen den dicken Raubrittern nicht tatenlos zusehen, schon gar nicht dann, wenn Öffentlich-Rechtliches vereinnahmt wird. Es ist ein Skandal.

  • Lichtecho

    Lichtecho

    Gebührenfinanzierter Rundfunk gehört sowieso abgeschafft. Der WDR liefert einen weiteren guten Grund für die Abschaffung frei Haus.

  • Leser

    Leser

    nein, der Leser arbeitet nicht für die Mayersche.
    Er ist nur manchmal etwas genervt über die Empörerei der AUB.
    Und bei uns in Hessen ist es jedenfalls so, dass um 13:59 also direkt vor den Nachrichten Werbung läuft, bezahlte Werbung.
    Wenns im WDR anders ist, bittet der Leser um Entschuldigung.

  • Lutz Herberg

    Lutz Herberg

    Genervt von der "Empörerei"....??? Da sie die Aktivitäten der AUB auf diese Weise abqualifizieren , versuchen sie es doch mal auf der sachlicheren Ebene --- z.B.: http://www.aub-online.org, vielleicht beruhigt das einerseits ihre Nerven ein wenig und zeigt andererseits die Vielfätigkeit des AUB - Engagements.

  • Leser

    Leser

    um es noch mehr zu versachlichen:
    ich weiß manche Aktivität des AUB durchaus zu schätzen, finde aber manches etwas "überempört".
    So die Reaktion auf die WDR-Werbung ("Schlag ins Gesicht").
    Gibts denn eigentlich irgendeine Reaktion des WDRs oder seitens der Mayerschen.
    Vielleicht könnte ja die Börsenblatt-Redaktion mal beim WDR anfragen und auch bei der Mayerschen.
    Dann könnte man den Skandal auf die richtigen Füße stellen und wüßte, was wirklich passiert ist.

  • Leser

    Leser

    bevor ich der noch größeren Unsachlichkeit verdächtigt werde:
    der smily ist eine ungewollte Panne, das sollte nur eine schließende Klammer werden...

  • Börsenblatt-Redaktion

    Börsenblatt-Redaktion

    Wir haben nachgefragt: Der WDR will nach eigener Aussage zwar Stellung nehmen, kann aber noch nicht sagen, wann. Von der Mayerschen gibt es den Hinweis darauf, dass dies nicht die erste Kooperation sei.

    • Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld