Auktionen

Buchauktionen 2010/II

Inkunabeln, Alte Drucke und Autografen. Das zweite Halbjahr 2010 bescherte den Buchauktionshäusern einige beachtliche Erfolge – und zeigt sie weiter als stabilen Branchenzweig. Ein Überblick.

H. Schedels "Buch der Chroniken" (1493)

H. Schedels "Buch der Chroniken" (1493) © Ketterer Kunst

Der Markt für Buchauktionen scheint hierzulande zu brummen: Ketterer Kunst etwa meldet für seine beiden Hamburger Auktionen 2010 einen Erlös von rund 3,2 Millionen Euro, damit 800.000 Euro über dem Vorjahrsergebnis und das beste Gesamtergebnis seit 20 Jahren. Venator & Hanstein (Köln) erzielten im Jahresvergleich ein Umsatzplus von 71 Prozent.

Reiss & Sohn (Königstein im Taunus) beobachteten eine "neuerlich starke Beteiligung des deutschen und mitteleuropäischen Marktes", der sich auch gegen die (teils stärker durch die Finanzkrise gebeutelte?) nordamerikanische und britische Konkurrenz behaupten konnte. Öffentliche Institutionen konnten wichtige Ankäufe tätigen. Insgesamt hat das interessante Angebot die Nachfrage beflügelt, bei einigen Spitzenstücken trieben Bietgefechte die Preise in die Höhe.

Inkunabeln und Alte Drucke

Einmal mehr sorgten diese beiden Abteilungen – nicht von allen Buchauktionshäusern in gleichem Umfang bedient – für überdurchschnittliche Zuschlagsquoten (jeweils nach Lots) und herausragende Einzelzuschläge. Bei Ketterer Kunst (Hamburg; Auktion 373) etwa stritten 14 Bieter um ein altkoloriertes Exemplar von Hartmann Schedels "Buch der Chroniken" (Nürnberg 1493) – Erlös (inkl. Aufgeld): 264.000 Euro (50.000); damit Toppergebnis von Auktion und deutscher Saison. Stephan Fridolins "Schatzbehalter" (Nürnberg 1491) spielte bei Bassenge (Berlin; Auktion 96) mit 120.000 Euro den Schätzpreis ein.

Reiss & Sohn (Auktionen 138 & 139) erzielten allein mit Drucken des 15. und 16. Jahrhunderts eine Zuschlagsumme von mehr als 700.000 Euro; hier an der Spitze ein Sammelband mit bedeutenden Werken zur Mathematik und Geometrie (Nürnberg 1525). Ein ausländischer Sammler gewann das Bietgefecht bei 75.000 Euro (48.000). Sowohl Bassenge als auch Reiss & Sohn verkauften ihre Inkunabeln komplett.

Jeschke & Van Vliet (Berlin; Auktion 69) waren mit Bernhard von Breydenbachs "Peregrinato in terram sanctam" (Mainz 1486) erfolgreich: 70.000 Euro (85.000). In München schlugen Hartung & Hartung (Auktion 127) die Abteilung Alte Drucke und Holzschnittbücher zu 79 Prozent, Zisska & Schauer (Auktion 56) Alte Drucke und Theologie zu 86 Prozent zu. Bei Venator & Hanstein (Köln; Auktionen 116 & 117) konzentrierte sich das Bieterinteresse neben Moderner Grafik ebenfalls auf die Alten Drucke (Zuschlagsquote: 88 Prozent). Gerade darüber war man "froh, da die Abteilung 'Moderne Grafik' in letzter Zeit alles weitere in den Schatten zu stellen drohte".

Atlanten, Geografie und illustrierte Naturwissenschaften

Auch hier lässt sich über die letzten Jahre eine stabile Nachfrage beobachten, getragen von einem qualitätvollen Angebot der Auktionshäuser. Bei Reiss & Sohn beispielsweise gewährte ein Käufer für die "Topographia Germaniae" (1643–1736) von Matthäus Merian 90.000 Euro (60.000), die Kölner Venator & Hanstein gaben – jeweils inklusive Aufgeld und Umsatzsteuer – John Goulds "Birds of Europe" (London 1832–1837) für 62.000 Euro (75.000) und einen zweibändigen Atlas von J. B. Homann (Nürnberg 1737) für 49.500 Euro (36.000) ab.

Sammlungen von Märchen bis Karl May

Angebotene Privatsammlungen und aufwendig zusammengestellte Sonderkataloge verheißen unter anderem (ersehnte) marktfrische Ware und wecken so in der Regel das Käuferinteresse. Aus der Sammlung Thomas Padua (Märchenbücher, Sagen und Volkskunde; 293 Lots), die (nahezu) komplett zugeschlagen wurde, rangierte bei Zisska & Schauer (München) der zweite Druck der ersten Ausgabe der "Kinder- und Haus-Märchen" der Brüder Grimm (Berlin 1812–15) mit 44.000 Euro (15.000) an erster Stelle.

Bei Hartung & Hartung (München) kamen die "Bibliothek Dr. Georg Fischer" (Auktion 125; 429 Lots; Zuschlagsquote: 52 Prozent) mit Reisewerken, Illustrierten Büchern und Buch- und Einbandkunst 1601–1981 sowie die "Bibliothek eines rheinländischen Sammlers" (Auktion 126; 303 Lots; Zuschlagsquote: 88 Prozent) mit Einbänden 1501 bis 1900 unter den Hammer. Die höheren Einzelzuschläge realisierte die Bibliothek Fischer, zu nennen etwa die 82.000 Euro (30.000) für eine Sammlung mit 3.328 Photochromen (um 1895 bis 1910).

Per Sonderkatalog "Karl May" bot Bassenge (Berlin) über 250 Originalillustrationen zu den Illustrierten Reiseerzählungen aus dem Fehsenfeld-Verlag sowie Erstausgaben und Autografen des Abenteuerschriftstellers an (meist dreistellige Schätzpreise), verzeichnete dabei "kaum Rückgänge".

Falk + Falk (Zürich; Auktion 29) gaben die naturhistorische Sammlung des Zürcher Arztes und Medizinhistorikers Gustav Wehrli (263 Lots) komplett an einen Schweizer Privatsammler ab, der sich auch den zweiten Teil der Sammlung per Vorkaufsrecht sicherte. Die Versteigerung des zweiten Teils der Sammlung des Schweizer Schriftstellers und Bibliophilen Emanuel Stickelberger im Dezember bei Koller (Zürich) verlief – auch dem Angebot geschuldet – weniger spektakulär.

Autografen: Highlight Fontane

Hauswedell & Nolte (Hamburg) versteigerten zwei umfangreiche Sammlungen (aus Privatbesitz) von Briefen Theodor Fontanes an Fritz Mauthner bzw. Georg Friedländer für 78.000 Euro (80.000) und 180.000 Euro (180.000), die beide an eine nicht genannte öffentliche Institution gingen. "Damit", so das Auktionshaus, "befinden sich keine vergleichbaren Sammlungen von Briefen Theodor Fontanes mehr in privaten Händen." Autografen waren Bestandteil der meisten Auktionen, Bassenge (Berlin) etwa legte hier das größte Angebot seiner Firmengeschichte vor.

…und sonst?

Gefragt waren weiter etwa Schachbücher (das Spezialgebiet bei Klittich-Pfankuch, Braunschweig), Reisefotografien des 19. Jahrhunderts, Moderne Grafik und bibliophile Ausgaben. – Eine Anmerkung: In diesem Bericht wurden hauptsächlich Spitzenzuschläge genannt, deshalb abschließend der Hinweis, dass ein größerer Teil der Zuschläge – mit Unterschieden zwischen den einzelnen Auktionshäusern – im (zwei- und) dreistelligen Eurobereich angesiedelt war.

Eine Langfassung dieses Berichts erscheint in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift "Aus dem Antiquariat" (18. Februar).

Matthias Glatthor

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